Analyse, KI, AI, Künstliche Intelligenz, LLM-Modelle, Artificial Intelligence, Skalierung, Arbeitswelt, KI-Agenten, Prozessdenken, Revolution, Evolution, Presse, Denkprozess, Journalismus, Dritte industrielle Revolution, Dampfmaschine, Industrieroboter, Bildungssystem
Die Welt kann jeden Tag untergehen, das haben wir mittlerweile gelernt. Im Rahmen unserer Serie mit Artikeln zur Künstlichen Intelligenz klären wir, ob jetzt der Weltuntergang für die arbeitenden Menschen ausgebrochen ist. Da wir schon ein wenig mit KI arbeiten, waren wir erstaunt, wie dramatisch die Lage immer wieder betrachtet wird.
Zum Beispiel, wenn ein neues Modell herauskommt, wie jüngst Claude Opus 4.6. Das Ende der Welt ist nah, lesen wir hier: Claude Opus 4.6: Folgen von neuem KI-Modell betreffen Millionen Menschen .
Wir haben selbst eine KI gefragt, wie intelligent das Modell ist, und zwar anhand des Rankings in der LLM-Arena. In der Tat, es liegt vorne, aber nur um wenige Punkte gegenüber dem bisher besten Modell Google Gemini 3.1. Und es kommt auf einen Elo-Wert, der gerade einmal 52 bis 53 Prozent desjenigen der weltbesten Schachspieler der letzten Jahrzehnte beträgt.
Analyse: Claude Opus 4.6 und die Dritte Industrielle Revolution – Zwischen medialem Alarmismus und ökonomischer Logik
Markiert die Veröffentlichung von Claude Opus 4.6 im Februar 2026 einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Künstlichen Intelligenz? Während die Fachwelt die inkrementellen Fortschritte der „System 2“-Denkprozesse und die fast fehlerfreie agentische Steuerung analysiert, reagiert die breite Presselandschaft mit einer Mischung aus ehrfürchtigem Staunen und einer Angst, die existenziell wirkt. Der oben verlinkte Artikel „Claude Opus 4.6: Folgen von neuem KI-Modell betreffen Millionen Menschen“ ist symptomatisch für einen Journalismus, der zwar die Tragweite der Veränderung erkennt, sie jedoch ohne historischen Kontext und mit einer fast schon rührenden Skepsis betrachtet.
Zusammenfassung des Artikels
Der Artikel zeichnet ein düsteres Bild der nahen Zukunft. Im Zentrum steht die These, dass mit der neuesten Iteration von Anthropic – Claude Opus 4.6 – die Grenze zwischen menschlicher kognitiver Leistung und maschineller Exzellenz in Bereichen gefallen ist, die bisher als „sicher“ galten. Der Autor beschreibt das Modell als eine Kraft, die „Millionen von Arbeitsplätzen“ in der Verwaltung, im Rechtssystem und in der kreativen Content-Erstellung nicht nur ergänzt, sondern ersetzt. Der Fokus liegt dabei auf der sozialen Sprengkraft: Die Warnung vor einer neuen Klasse von „Nutzlosen“, die Unfähigkeit der Sozialsysteme, den Wegfall klassischer Lohnarbeit abzufedern, und die allgemeine Ratlosigkeit der politischen Elite. Der Grundtenor ist defensiv – eine Warnung vor einer Revolution, die eher als heraufziehendes Unwetter denn als technologischer Frühling nach einem insbesondere in Deutschland sehr langen Winter interpretiert wird. Der Text schließt mit der resignativen Feststellung, man solle „froh sein, dass alles nicht noch schlechter ist“, was eine tiefe Verunsicherung gegenüber dem technologischen Fortschritt offenbart.
Analyse und Diskussion
1. Revolution oder Evolution? Die Wahrnehmung des Ungeübten
Die erste zentrale Frage ist, ob Opus 4.6 tatsächlich den „revolutionären“ Status verdient, den der skeptische Journalist ihm zuschreibt. Für einen Beobachter, der nicht täglich mit Transformer-Architekturen oder Token-Optimierung arbeitet, wirkt der Sprung von Version 4.0 auf 4.6 wie Magie. Plötzlich plant die KI komplexe Projekte über Wochen hinweg autonom, korrigiert ihre eigenen Logikfehler und interagiert mit einer Nuanciertheit, die menschliche Empathie perfekt simuliert.
Aus technischer Sicht ist Opus 4.6 jedoch eher der vorläufige Höhepunkt eines absehbaren, wenn auch rasanten Prozesses. Es handelt sich um die konsequente Skalierung von Rechenleistung, kombiniert mit neuen Algorithmen für das „Reasoning“. Was der Journalist als Revolution empfindet, ist die Überschreitung einer kritischen Qualitätsschwelle. Es ist vergleichbar mit dem Moment, in dem das Wasser zu sieden beginnt: Für den Laien ist der Dampf plötzlich „neu“ und „anders“, für den Physiker ist es lediglich das Erreichen von 100 Grad Celsius in einem kontinuierlichen Erhitzungsprozess – wobei schon dieser Vergleich sehr stark bildhaft ausgeprägt ist, aber doch etwas eher passt als nackte Panikmache: Wasser kühlt sich wieder ab, aber wenn es lange genug kocht, ist nichts mehr übrig.
Die „Revolution“ findet weniger im Code statt als vielmehr in der Anwendbarkeit. Opus 4.6 ist das erste Modell, das die Fehlerquote bei komplexen agentischen Aufgaben so weit gesenkt hat, dass ein wirtschaftlicher Einsatz in der Breite ohne ständige menschliche Aufsicht möglich wird. Insofern hat der Journalist recht mit den Folgen, irrt sich aber in der Natur des Fortschritts: Es ist kein plötzliches Wunder, sondern das Ergebnis einer mathematischen Zwangsläufigkeit.
2. Die KI als Dritte Industrielle Revolution: Ein historisches Kontinuum
Der Artikel begeht den klassischen Fehler der Ahistorizität. Er betrachtet die KI als ein isoliertes Phänomen, als einen „schwarzen Schwan“. Dabei fügt sie sich nahtlos in die Geschichte der Produktivitätssteigerung ein. Wir befinden uns in der dritten großen Welle der menschlichen Entlastung:
-
Die Dampfmaschine (1. Revolution): Sie ersetzte die rohe menschliche und tierische Kraft. Ein einziger Maschinengenerator leistete mehr als tausend Arme. Damals fürchteten die Menschen den Verlust der körperlichen Arbeit – heute empfinden wir es als Segen, dass niemand mehr Steine von Hand klopfen muss. Außer in der Gefängnisarbeit vielleicht, die bewusst schwierig gestaltet wird.
-
Der Industrieroboter (2. Revolution): Er ersetzte die mechanische Massenarbeit am Fließband. Präzision und Ermüdungsfreiheit wurden zum Standard. Die menschliche Hand wurde für feinmotorische oder überwachende Tätigkeiten frei.
-
Die Künstliche Intelligenz (3. Revolution): Sie ist nun das Äquivalent für die geistige Tätigkeit. Was die Dampfmaschine für den Muskel war, ist Opus 4.6 für den Neocortex.
Der entscheidende Punkt, den der zitierte Artikel übersieht: Produktivitätsfortschritte sind die einzige Quelle für realen Wohlstand. In Deutschland sehen wir seit Jahren eine Stagnation der Produktivität. Wenn wir betrachten, dass die Gesamtzahl der Arbeitsstunden heute kaum höher ist als im Jahr 2000, das BIP aber real deutlich gewachsen ist, erkennen wir: Wir arbeiten bereits effizienter, aber der Fortschritt ist zuletzt ins Stocken geraten. Seit Mitt der 2010er Jahre kommt Deutschland nicht mehr voran und die schon zuvor bestehende Strukturkrise wird immer offentlichtlicher. Außerdem altert die Bevölkerung rasant, deswegen sagt der IWF für Deutschland langfristig sehr niedrige ökonomische Wachstumsraten voraus – unterhalb von einem Prozent im Durchschnitt der Jahre bis 2070.
Das ist natürlich weit vorausgegriffen, aber vielleicht hat man auch die niedergehende Bildung schon in dieses Kaum-Wachstum-Modell inkludiert, also eine zu erwartende relativ niedrige Produktivität jüngerer Menschen.
Die KI könnten nun aber das notwendige Korrektiv sein, um den Wohlstand in einer alternden Gesellschaft zu sichern. Dass der Journalist dies als Bedrohung sieht, zeigt eine große Ferne von den Grundlagen unserer Ökonomie.
3. Die Paradoxie der politischen Haltung
Es ist kurios: Der Journalist vertritt eine Haltung, die einerseits sozialen Schutz relativiert („man sollte froh sein, dass es nicht noch schlechter ist“), sich aber gleichzeitig gegen das einzige Werkzeug sträubt, das wenigstens diesen noch vorhandenen Schutz finanzieren könnte. Diese politische Haltung ist deshalb diametral zur KI-Realität, weil sie auf einem statischen Weltbild basiert. Wer glaubt, Wirtschaft sei ein Nullsummenspiel, muss die KI fürchten, da sie dem Menschen vermeintlich „Arbeit wegnimmt“.
Wer jedoch die historische Perspektive einnimmt, erkennt: Jede dieser Revolutionen hat die Zahl der Arbeitsstunden pro Kopf tendenziell gesenkt oder zumindest die Qualität der Arbeit verschoben, während der allgemeine Lebensstandard stieg.
Die Forderung nach einer Maschinensteuer ist hier die logische Konsequenz. Wenn der Produktionsfaktor „Kapital“ (in Form von KI-Servern) den Produktionsfaktor „Arbeit“ massiv ersetzt, muss die Besteuerung von der Lohnsteuer hin zu einer Wertschöpfungsabgabe wandern. Nur so lässt sich der Produktivitätsschub der KI in sozialen Fortschritt übersetzen. Die Verweigerung dieser Debatte, gepaart mit der Angst vor der Technik, ist der eigentliche „schräge Weg“, auf dem sich viele Medien bewegen, auch das oben in Bezug genommene – und nicht nur in diesem Artikel, darauf werden wir im Kommentar noch eingehen.
4. Die deutsche Politik: Analog in einer digitalen Ära
Der Artikel trifft dort einen wunden Punkt, wo er die Unfähigkeit der Politik anspricht. Die deutsche Polit-Elite agiert oft nicht nur analog, sondern aktiv rückwärtsgewandt. Ein Beispiel, das hier gut passt, ist die Personalie Katharina Reiche. Wenn Führungspersönlichkeiten, die in starren, hierarchischen und oft lobbygetriebenen Strukturen sozialisiert wurden, über die Zukunft der KI entscheiden, entsteht ein strategisches Vakuum, wiewohl Reiche nicht die erste Verantwortliche ist, die strategische Wirtschaftspolitik mit Günstigstellung einzelner Branchen gleichsetzt, in dem Fall durch die „strategische Gasreserve“. Von einer enormen KI-Anstrengung hören bzw. lesen wir hingegen nichts.
Eine moderne KI-Strategie müsste soziale Verwerfungen nicht durch „Verhinderung“ begrenzen, sondern durch „Gestaltung“. Das bedeutet:
-
Massive Investitionen in die Umschulung auf agentisches Arbeiten.
-
Die Implementierung von KI in der öffentlichen Verwaltung, um den Fachkräftemangel dort aufzufangen, wo er am schmerzhaftesten ist (Bürokratieabbau ohne Qualitätsverlust).
-
Ein radikales Umdenken im Bildungssystem: Weg vom Auswendiglernen (was die KI besser kann), hin zur strategischen Steuerung und ethischen Bewertung von KI-Outputs und zu der Kreativität, welche freigewordene Zeit erst lebenswert macht.
Stattdessen verharrt man in Deutschland oft in einer „Bedenkenträger-Attitüde“, die reguliert, bevor überhaupt verstanden wurde, was reguliert wird. Das Ergebnis ist eine Schere: Die technologische Realität (nicht nur in Sahen Opus 4.6) rast davon, während die regulatorische und soziale Infrastruktur im Jahr 2010 feststeckt, falls nicht zu einem früheren Zeitpunkt.
5. Adaption: Vom Handlanger zum Agenten-Dirigenten
Der letzte Aspekt betrifft die individuelle und unternehmerische Antwort auf diese Entwicklung. Es ist eine unbestreitbare Wahrheit: Wir werden bald nur noch wenige Leistungen erbringen können, die eine KI nicht billiger und schneller liefert – sofern es sich um reine Text- oder Datenverarbeitung handelt. Der strategische Vorteil verschiebt sich daher massiv.
Die „projektorientierte Agenda für Agenten“ ist hier der Schlüssel. Es geht nicht mehr darum, selbst zu „tippen“ (obwohl wir [beim Wahlberliner] das schneller können als die meisten, da wir die Struktur des Textes und der Organisation verstehen), sondern darum, die KI als Agenten-Schwarm zu orchestrieren. Wer „vom Text“ kommt, hat einen unschätzbaren Vorteil: KI-Modelle wie Opus 4.6 reagieren auf präzise Semantik, klare Logik und strukturierte Anweisungen. Die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte in eine präzise Sprache zu fassen, ist die neue Programmiersprache.
Diesen Vorteil scheinen viele Journalisten noch nicht zu erkennen. Sie sehen ihre Arbeit vor allem deskriptiv, nicht konstruktiv, und als linearen, einsträngigen, nicht als an Prozessmanagement mit vielen Komponenten orientierten Auftrag.
Wir müssen trainieren, KI immer gezielter einzusetzen, um eben jene „interessanteren Aufgaben“ zu übernehmen, von denen in Punkt 2 die Rede war. Während der Durchschnittsnutzer Opus 4.6 als „besseren Chatbot“ verwendet, nutzt der Profi es als Betriebssystem für Agenten, die eigenständig Recherchen durchführen, Berichte vorstrukturieren und organisatorische Workflows optimieren. Die Angst des Journalisten rührt daher, dass er sich als „Ersetzbarer“ sieht. Die Chance besteht darin, sich als „Anwender zweiter Ordnung“ zu definieren – als derjenige, der die Richtung vorgibt, während die KI die mühsame Strecke zurücklegt.
Fazit
Claude Opus 4.6 ist weder das Ende der Menschheit noch ein banales Update. Es ist ein hocheffizientes Werkzeug in einer langen Kette von Werkzeugen, die uns von mühsamer Arbeit befreien sollen. Die Aufregung des skeptischen Journalisten ist verständlich, entspringt aber einem mangelhaften Zugang zur Historie und zur Ökonomie. Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der KI selbst, sondern in einer Politik, die den Anschluss verloren hat, und in einer Gesellschaft, die lieber über „Gefahren“ jammert, anstatt die Maschinensteuer und die agentische Arbeitswelt der Zukunft aktiv zu gestalten. Wo sind zum Beispiel die Gewerkschaften in Deutschland, wie machen sie in dieser Angelegenheit auf sich aufmerksam?
Wir sollten nicht froh sein, dass es „nicht noch schlechter ist“, sondern wir sollten die KI als den Hebel begreifen, der uns endlich aus der Produktivitätsfalle befreit. Die Zahl der Arbeitsstunden wird sinken – und das ist kein Bug, sondern ein Feature der Zivilisation. Wenn wir lernen, die KI präziser einzusetzen als jeder andere, sichern wir uns nicht nur unseren Platz in dieser neuen Ordnung, sondern wir definieren sie mit.
Kommentar
Was uns bei Artikeln dieser Publikation immer wieder auffällt, ist eine wirklich rudimentäre Auffassung von der Zeitachse, auf der sich alles ereignet, verbunden mit vollkommener Blindheit im sozialen Bereich. Wer die Historie der Arbeitskämpfe nicht im Blick hat, tut sich leicht damit, in etwa zu formulieren, dass doch immer noch alles besser ist als im Mittelalter oder während des Zweiten Weltkriegs, der besonders gerne als Bezugspunkt genommen wird, weil man glaubt, sich damit noch ein wenig auszukennen.
In dem gesamten Artikel ist deswegen nicht ein einziges Mal die Rede davon, dass nicht alle gefährdet sind, immer ärmer zu werden, sondern eine bestimmte Klasse gar nicht. Nämlich diejenigen, die die Gewinne aus KI-Einsatz für sich ganz allein allozieren werden, wenn die übrige Gesellschaft aufpasst und darauf drängt, dass es anders läuft. Wer sich in falschen historischen Vergleichen ergeht und damit ahistorisch denkt, verpasst in der Tat den Anschluss an die Zukunft. Und diese Zukunft ist fraglos gefährlich, weil zu viele Menschen so verkürzt denken. Das erkennt man gut anhand einer Sozialstaatsdebatte, bei der Menschen, besonders gerne im Moment die „Boomer“, als Ballast begriffen werden. Dabei haben sie vollkommen recht, wenn sie nach 40 oder mehr Arbeitsjahren ihre schmale Rente verteidigen. Etwas weniger Ungleichheit, und schon wären die Renten für alle gesichert und man könnte sich den Generationenclash, der hier künstlich verstärkt wird, ersparen.
Ein Problem ist, dass KI hochgradig kapitalintensiv ist. Man sollte das gar nicht glauben, es findet ja alles nur virtuell statt, denkt man. Es ist aber so, dazu haben wir kürzlich auch einen Artikel veröffentlich. Er befasst sich unter anderem mit den Hintergründen und damit, in welchen Maßstäben die Technologieriesen denken.
Aus dieser Beschreibung ergibt sich ohne Weiteres, wo das eigentliche Problem liegt: Darin, dass nur sehr wenigen vom nächsten großen Fortschritt profitieren werden, wenn alle so denken und schreiben wie der betr. Journalist. Die ohnehin schon riesigen US-Tech-Konzerne, die von extrem reichen Menschen gesteuert werden, werden durch die Art, wie KI im Moment gedacht und implementiert wird, noch mächtiger und Europa hat dem wenig entgegenzusetzen. Darüber muss geredet werden, nicht darüber, dass KI generell schädlich sein könnte. Das ist sie natürlich, wenn man sie falsch einsetzt, wenn man durch ihren Einsatz gar nicht erst denken lernt usw. Wir reden aber unter Erwachsenen, die das Denken noch manuell gelernt haben, teilweise sogar vor dem Internet, die also nicht einmal googeln konnten, um sich zu vergewissern, ob Informationen richtig sind oder um sie zu erhalten.
KI ist für uns vor allem eine Frage der Machtstrukturen, und daran gehen Artikel wie der bezogene vollkommen vorbei. Die bisherigen industriellen Revolutionen haben nicht dazu geführt, dass niemand mehr Arbeit hatte. Sondern dazu, dass immer mehr produziert wurde, sich also das Volumen der Volkswirtschaften so ausdehnte, dass damit die Produktivitätssteigerungen aufgefangen wurden. Das könnte in der Tat bei dem, was wir oben als Dritte industrielle Revolution bezeichnet hatten, anders sein. Denn wo soll die Kaufkraft herkommen? Wo soll sie herkommen, wenn die KI von wenigen Menschen beherrscht wird, die ihre Gewinne alleine abschöpfen?
Wir gehen davon aus, dass es nicht ganz so extrem kommen wird, sonst frisst sich der ohnehin wackelige Finanzkapitalismus selbst auf. Ein Rückfall in die Zeit vor der Arbeiterbewegung würde die heutige Konsumwelt ziemlich rasch zum Erliegen bringen, und damit auch alles, was den Betrieb der Tech-Giganten am Laufen hält.
Die Bundesregierung, genauso reaktionär in ihrem Weltbild wie die Journalisten, die sie hofieren, hat es noch nicht gemerkt: Genau das Gegenteil ist notwendig, um die Zukunft zu gestalten: Nicht sinnlos mehr arbeiten, wo in Deutschland die Produktion eher zurückgeht, sondern frei werdende Zeit und eine wieder wachsende Produktivität besser vergüten, sodass dies allen zugutekommt und nicht, wie im Ungleichland üblich, nur wenigen. Wer das nicht versteht, sollte noch einmal – nun ja, eine kaufmännische Lehre würde vielleicht ausreichen.
Neoliberale Wirtschaftsmodelle haben vielen den Kopf vernebelt, die damit aufgewachsen sind und nie andere Ideen kennengelernt haben. Aber diese Modelle, die in den 1980ern groß in Mode kamen, haben ausgedient. Jetzt heißt es, sich endlich mit dem Kapital anlegen, damit die gerade stattfindende industrielle Revolution nicht tatsächlich zu massiven Wohlstandsverlusten auf breiter Ebene führt. Deswegen haben wir der KI den Begriff Maschinensteuer in den strukturierten Fragenkatalog gestellt. Weil er plastisch klingt. Weil er nicht neu ist. Weil die Anwendung auf KI nur eine Fortschreibung ist. In der Tat, bisherige Robotik hat diesen direkten Zusammenhang etwas verwischt, weil zum Beispiel in der Automobilindustrie immer mehr Roboter Dienst tun (vergleichen Sie mal ein Video von einer heutigen Fertigungslinie mit einem, das vor 20 Jahren entstanden ist), aber es trotzdem zu immer mehr Arbeitsplätzen kam. Das ist wohl vorbei, gerade in Deutschland. Und es hat viel mit politischen und unternehmerischen Fehlern zu tun, dass es vorbei ist.
Auch deswegen muss KI mehr kollektiv gedacht werden, damit nicht die Fehler weniger „Entscheidungsträger“ wieder zu massiven Verwerfungen führen können, sondern dass Schwarmintelligenz mehr Wirkung entfaltet. Dafür kann man KI hervorragend einsetzen. Wir stehen erst am Anfang, wir nutzen ihre tatsächlichen Möglichkeiten noch sehr wenig kreativ und intuitiv. Es ist ein Lernprozess, es besser zu machen. Die KI wird uns fordern, aber auch fördern, um einen Satz zu verwenden, der aus einem anderen Bereich stammt, dort aber zur Hohlphrase verkommen ist.
Falls die KI tatsächlich anfängt, sich selbstständig zu machen und uns auch ethisch zu überfahren, muss sie gebremst und in der Tat reguliert werden, das versteht sich von selbst. Aber sie daran zu hindern, Fortschritt zu erzeugen, wäre der nächste riesige strategische Fehler in diesem Land. Deutschland wurde eines der reichsten Länder der Welt, als es sich zusammenschloss und beherzt die industrielle Revolution implementierte, bei der andere Länder Mitte des 19. Jahrhunderts ein gutes Stück voraus waren. Auch damals waren die Deutschen eher kleinteilig unterwegs, ein bisschen verträumt, ein bisschen rückwärtsgewandt, aber dann kam der Wumms, der eine enorme Schaffenskraft freigesetzt hat. Wir wollen diese Zeit nicht politisch ausleuchten, das ist heute nicht unser Thema, denn aus ihr gingen auch falsche Entwicklungen hervor.
Aber wer kein historisches Verständnis hat, sieht die Parallelen nicht – und damit auch nicht die Möglichkeiten. Auch damals waren übrigens die USA schon der natürliche Sieger, wegen ihrer enormen Größe und ihrer vielen Rohstoffe. Trotzdem konnten andere Staaten ihre eigene Story aufbauen. Natürlich, die deutsche Geschichte ist so korrumpiert, dass viele die Kontinuitäten darin nicht erkennen, auf die man jetzt zurückgreifen könnte, um das Beste aus den guten Tagen und das Beste, was andere kleinere Länder derzeit tun, um im Rennen zu bleiben, zusammenzufassen, ein Best-Practice-Modell zu entwickeln und daraus wieder eine neue Geschichte zu formen, die alle Generationen tragen kann, anstatt sie gegeneinander auszuspielen, wie Politik und viele Journalisten es auf unverantwortliche Weise tun.
Was wir sehen, ist vielfach unterkomplex und auch ein wenig erbärmlich, und das auf mehreren Ebenen. Natürlich haben wir die Befürchtung, dass diese schwache Haltung in Deutschland sehr tief sitzt und durch die Geschichte eingebrannt wurde, die uns alle verbindet. Wir haben schwere Bedenken, dass eher die Demokratie zerstört wird, als dass eine neue ökonomische Substanz aufgebaut wird. Das Destruktive scheint auch durch den oben verlinkten Artikel in größer Deutlichkeit. Viele merken offenbar nicht, wie sie damit eine echte Chance zerstören. Eine Chance, die jede industrielle Revolution neu eröffnet – wenn sie richtig genutzt wird. Die erste industrielle Revolution brachte die Arbeiterbewegung hervor. Mit ihr erkämpften sich die Arbeitenden vielleicht nicht den gerechten, aber doch einen deutlichen Anteil am Fortschritt, deren Träger sie waren, jeden Tag, jedes Jahr und über die Generationen hinweg.
Und heute? Das ist das Problem. Die KI und die Magnaten, die für ihre Entwicklung derzeit verantwortlich zeichnen, werden mit uns machen, was sie wollen, wenn wir nicht endlich verstehen, worum es wirklich geht. Nicht darum, die Technik zu verteufeln, sondern sie zu einem Segen für alle zu machen. Bisher hatten technische Neuerungen zu mehr Demokratisierung beigetragen. Seit der Erfindung des Internets gibt es aber Verschleißerscheinungen, die man anfangs gar nicht bedachte. Da war man zu gutgläubig, heute ist man zu negativ. Mit KI könnte man sogar Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte korrigieren bzw. sie einsetzen, um dabei zu helfen. Ein bisschen Mut und Vertrauen gehören natürlich dazu. Und vor allem, die Muster zu erkennen, nach denen Geschichte immer wieder abläuft, und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei könnte übrigens auch eine KI helfen. Gerade diejenigen, die KI ablehnen, hätten ein Update nach unserer Meinung dringend nötig, um den analytischen Anschluss zu finden.
Kommentar: TH / Zusammenfassung und Analyse: KI nach einem umfassenden und die Richtung des Beitrags vorgebenden Prompting seitens des Verfassers.
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

