Sport, Analyse, Olympische Winterspiele Milano Cortina 2026, Norwegen, Norway, Super-Medaillenausbeute, Epstein-Skandal, Königshaus, Mette-Marit, Ölressourcen, Finanzkapitalismus, Kapitalsammelstelle, Ökonomie und Sport, Demokratie und Monarchie
Wir befassen uns heute anlässlich der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo ein wenig mit dem Land, das diese Spiele dominiert. Die USA rangieren zwar mittlerweile im Medaillenspiegel auf Rang 2, dieses Land aber werden sie nicht mehr einholen können. Es geht natürlich um den Nordzipfel Europas, um Norwegen.
Als Basis für die Analyse haben wir lediglich zwei kurze Artikel desselben Mediums in Bezug genommen, die auf ein typisches Wahrnehmungsproblem hinweisen, wie es in Deutschland weit verbreitet ist – einen profunden Mangel an Pragmatismus und kritischer Distanz, trotz einschlägiger Erfahrungen mit fast allen negativen Begleiterscheinungen von Übertreibungen im System.
Norwegen im Skandalstrudel: Epstein, Mette Marit – und ihr Sohn
Olympia-Übermacht: Norwegen beim Medaillenspiegel vorn
Die Analyse setzt sich in knapper Form mit dem Bild Norwegens auseinander, wie es in den beiden genannten Artikeln gezeichnet wird, und konfrontiert diese Darstellung mit Ihrer kritischen, ökonomisch und sporthistorisch fundierten Perspektive.1
1. Zusammenfassung der Ausgangslage
Die beiden Artikel des Mediums beleuchten zwei extreme Pole der norwegischen Gesellschaft:
„Norwegen im Skandalstrudel: Epstein, Mette Marit – und ihr Sohn“: Dieser Text befasst sich mit der Demontage des norwegischen Königshauses. Im Zentrum stehen die Verhaftung von Marius Borg Høiby, dem Sohn der Kronprinzessin, sowie die fragwürdigen Verbindungen des Kronprinzenpaares zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der Artikel atmet eine gewisse Enttäuschung über das Ende einer vermeintlichen Vorzeigemonarchie.
„Olympia-Übermacht: Norwegen beim Medaillenspiegel vorn“: Hier wird das „Wunder von Norwegen“ im Sport gefeiert. Der Artikel preist das System der „Olympiatoppen“, den Fokus auf Breitensport ohne finanzielle Anreize für Jugendliche und die Kooperation zwischen den Disziplinen. Es wird das Bild einer Nation gezeichnet, die allein durch Klugheit, Gemeinschaftssinn und Ressourcenmanagement die Weltspitze dominiert.
2. Die Analyse: Mythos vs. Realität
Die naive Romantisierung der Monarchie
Der erste Artikel spiegelt eine fast schon kindliche Enttäuschung wider. Für Beobachter aus einer Republik wie Deutschland, die eine gesunde kritische Distanz zu erblichen Privilegien pflegen, wirken die Skandale um Mette-Marit und ihren Sohn weniger überraschend als vielmehr konsequent. Wenn eine „hochgestellte Kleingruppe“ über Jahrzehnte idealisiert wird, bricht das Kartenhaus bei der ersten Berührung mit der Realität – seien es Drogeneskapaden oder zwielichtige Kontakte – zusammen. Dass das Medium hier von einem „Skandalstrudel“ spricht, offenbart die vorherige Naivität: Man wollte an das Märchen vom „volksnahen Adel“ glauben, während man die inhärenten Risiken dynastischer Strukturen ignorierte.
Norwegen als „Kapitalismus-Supersammelstelle“
Wirtschaftlich betrachtet ist die norwegische Idylle ein Produkt des fossilen Reichtums. Ihre Einschätzung Norwegens als ehemalige „Armenküche“ Skandinaviens, die sich zur globalen Kapitalismus-Zentrale gewandelt hat, trifft den Kern. Der Staatliche Pensionsfonds Ausland (Statens pensjonsfond utland) ist kein karitatives Projekt, sondern ein Instrument machtvoller globaler Einflussnahme.
Mit einer Bevölkerung von nur etwa 5,6 Millionen Menschen leistet sich Norwegen einen Fonds, der über 1,5 Billionen Euro verwaltet und Anteile an über 9.000 Unternehmen weltweit hält. Das führt zu einer paradoxen Situation:
Systemrelevanz: Norwegen ist existenziell darauf angewiesen, dass der globale Finanzkapitalismus – so wackelig er auch sein mag – stabil bleibt. Jede größere Erschütterung des Marktes bedroht die Grundlage des norwegischen Wohlfahrtsstaates.
Egoismus hinter der Maske: Während man sich nach außen als Friedensstifter und ökologisches Vorbild gibt, profitiert man massiv von Öl- und Gasexporten sowie globalen Aktiendividenden. Die „egoistische Haltung“, die im ersten Artikel kurz aufflackert, ist die logische Konsequenz eines Landes, das seinen Lebensstandard durch die Kapitalisierung der restlichen Welt absichert.
Die sportliche „Anomale Leistungsdichte“
Der zweite Artikel zur Olympia-Übermacht ignoriert konsequent die statistische Unwahrscheinlichkeit der norwegischen Erfolge. Sie vergleichen dies treffend mit dem Sport-System der DDR. Wenn ein Land mit der Einwohnerzahl Hessens die Weltmächte USA, China und Russland (bzw. Deutschland) im Wintersport deklassiert, greift die Erklärung von „ein bisschen Schrauben am System“ zu kurz.
Das Paradoxon der Ressourcen und Anreize
Der Artikel behauptet, es gäbe keine finanziellen Anreize. Doch das ist eine Halbwahrheit. Zwar mag es keine direkten Prämien für 15-Jährige geben, aber das gesamte System ist durch den Öl-Reichtum so massiv querfinanziert, dass norwegische Athleten unter Bedingungen trainieren, die für Sportler in den USA oder Deutschland unerreichbar sind. Diese materielle Privilegierung wird als „kluges Ressourcenmanagement“ getarnt.
Die historische Zäsur: Lillehammer 1994
Ein entscheidender Punkt Ihrer Analyse ist die Leistungsexplosion seit den Spielen in Lillehammer 1994. Bis in die 1980er Jahre war Norwegen eine respektable, aber keine dominierende Wintersportnation. 1988 in Calgary gewannen sie keine einzige Goldmedaille. Doch pünktlich zu den Heimspielen 1994 wandelte sich das Bild radikal.
Es ist ein offenes Geheimnis im Spitzensport, dass Heim-Olympiaden oft mit „besonderen Anstrengungen“ in der Leistungssteigerung einhergehen. Die kommerzielle Notwendigkeit, dass das Gastgeberland erfolgreich sein muss, um die nationale Begeisterung (und damit die Ticketverkäufe und Sponsoren-Gelder) zu sichern, schafft ein Klima, in dem Kontrolleure wegschauen könnten. „The Show must go on“ – dieser Grundsatz gilt für das IOC ebenso wie für die nationalen Verbände.
Skepsis gegenüber der „Sauberkeit“
Die Parallele zur DDR ist hier besonders instruktiv. Auch dort wurde die Überperformance mit wissenschaftlicher Akribie und Systemvorteilen erklärt, während im Hintergrund das Staatsdoping lief. In Norwegen gibt es zwar keine Beweise für ein staatliches System dieser Art, aber die Häufung von „Asthma-Medikamenten“ im Skilanglauf, die Intransparenz bei nationalen Kontrollen und die technische Überlegenheit (Stichwort: Skisprung-Anzüge) lassen die Erzählung vom „reinen Amateursport aus Freude“ wie ein PR-Märchen wirken. Eine solche Dominanz auf legalem Weg ist bei dieser kleinen Basis an Talenten statistisch kaum haltbar.
Norwegen als demokratischer Sonderfall
Im Gegensatz zu Schweden, Finnland oder Dänemark hat Norwegen den „Cheat-Code“ der Naturressourcen aktiviert. Während die anderen nordischen Länder ihre Sozialsysteme und ihre demokratische Best-Practice durch Innovation, Steuern und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse finanzieren müssen, kann Norwegen Probleme buchstäblich mit Geld zuschütten.
Schweden und Finnland: Diese Länder sind die wahren Benchmarks für Deutschland. Sie zeigen, wie man ohne massiven Rohstoffreichtum eine funktionierende, transparente Demokratie führt.
Norwegen: Hier dient der Reichtum oft als Nebelkerze. Er überdeckt die sozialen Spannungen, die Skandale im Königshaus und die fragwürdigen Grundlagen des sportlichen Erfolgs.
Fazit
Die mediale Idealisierung Norwegens in Deutschland ist oft eine Projektion eigener Sehnsüchte nach einer heilen Welt. Doch hinter der Fassade aus glücklichen Sportlern und volksnahen Royals verbirgt sich ein hochgradig egoistischer Staatskapitalismus, der seine sportliche Dominanz mit Methoden absichert, die kritische Beobachter – zu Recht – an die dunkelsten Kapitel der Sportgeschichte erinnern. Norwegen ist kein Vorbild, sondern eine durch Öl finanzierte Ausnahmeerscheinung, deren sportliche und moralische Integrität bei genauerem Hinsehen erhebliche Risse aufweist.
Kommentar
Wir konzentrieren uns auf den Sportaspekt und wirtschaftliche Gesichtspunkte, zu den aktuellen „Skandalen“ so viel: Mit Epstein haben wir uns bisher eher wenig befasst, aber wer die mittelmäßigen Typen, die zufällig in Königshäuser hineingeboren wurden und deren in Relation dazu und allgemein schier unfassbaren Privilegien kurz betrachtet, erhält ein Hinweis auf die allgemeine Dummheit der Menschen. Wer solche Typen und Institutionen für eine Bereicherung hält, hat ohnehin nicht viel zur politischen Analyse beizutragen.
Dass sich in solchen Kreisen besonders viel menschlicher Dreck ansammelt, hängt schlicht damit zusammen, dass man die Möglichkeit dazu hat. Macht und Geld im Übermaß treiben dazu, mit anderen Menschen wie man will umzugehen. Und „Royals“ sind heute nicht viel anders drauf als vor Jahrhunderten, auch wenn sie hin und wieder ein Reförmchen groß herausstellen, das sie nichts kostet und freundlich Hände schütteln oder mit Projekten das Prinzip Charity gnadenweise anstatt Ansprüche für Marginalisierte aufrechterhalten. Epstein ist nur eine Figur von vielen in einem Spiel, das im Allgemeinen von der moralischen Inkompetenz der Menschheit zeugt. Die einen machen es, weil die anderen es zulassen oder solche Leute auch noch anhimmeln. Bis ihnen der Schreck in die Glieder fährt, wie dem Autor des ersten von den beiden Beiträgen, die wir oben zusammengefasst haben.
Es gibt kein ideales Land, um das vorwegzunehmen. Aber Skandinavien ist die weltweite Bechmark auf vielen Ebenen. Wir sollten einerseits froh sein, dass wir gerade in Europa solche Länder noch haben, andererseits: Warum kriegen wir es nicht hin, deren gute Praktiken nachzubilden? Die Lobbykratie bei uns, die deutsche Mentalität, die zwischen Garstigkeit und idealistischer Naivität pendelt, anstatt etwas pragmatischer und vorwärtsgewandter zu sein, sprechen dagegen. Das muss man leider nach jahrzehntelangem Nachdenken feststellen. Es gibt keine einfachen Lösungen in einem kranken System und in einem Land, das mental auch nicht gerade gesund wirkt. Es ausgerechnet hier besser machen zu wollen als in Ländern mit weniger korrumpierter Geschichte, ist herausfordernd. „Daraus lernen“ ist viel zu kurz gegriffen, weil die Traumata der vergangenen Jahrhunderte und die daraus resultierenden Muster fortwirken.
Die Deutschen können es nicht in der Form wie die Skandinavier. Sie sind mittlerweile im mittelmäßig sein genauso konsequent wie sie einst industriell und wissenschaftlich konsequent vorne waren. In Norwegen ist alles viel einfacher. Vor dem Öl war das ein karges Land, jetzt ist es ein wirtschaftlicher Riese. Aber nicht erst seit den Epstein-Vorkommnissen gibt es Risse. Der folgenreichste rechsradikale Anschlag in der jüngeren europäischen Geschichte ereignete sich in – Norwegen: Am 22. Juli 2011 tötete ein rechtsradikaler junger Mann namens Anders Breivik 69 ebenfalls junge Menschen in einem Ferienlager.
Mit dem kritischen Blick auf den Sport wollen wir klarstellen, dass wir generell nicht an Märchen glauben. Wo Leistung ist, gibt es einen Grund dafür. Hüggeligkeit allein, um kurz nach Dänemark zu greifen, reicht nicht aus, um ein Land dermaßen dominant im Sport zu machen. Die DDR hatte die Welt an der Nase herumgeführt mit der Story von der überlegenen Wissenschaftlichkeit des sozialistischen Sports. Die Norweger haben so etwas gar nicht nötig, sondern stellen sich sogar lieber als ärmer dar, als sie sind – auch die Sportler folgen diesem Muster, genau wie einst in der DDR die Sportler alle dichthielten. Solange das System bestand, drang kaum etwas nach außen, nur kamen Fragen anhand der Physis der Athleten und besonders der Athletinnen in bestimmten Sportarten auf. Das ist bei Ausdauersport, wie die Norweger ihn vor allem betreiben, nicht so relevant, die Menschen wirken nicht wie Monster. Das hat Lance Armstrong aber auch nicht getan und kam jahrelang mit massivem Doping durch.
Wir können nichts beweisen, das versteht sich von selbst. Wir dürfen aber als ehemalige Leistungssportler durchaus einen Verdacht äußern, auch in der vorliegenden allgemeinen Form: Dass rein statistisch der Erfolg Norwegens im Wintersport quasi unmöglich ist. Jetzt sind es übrigens schon 17 Goldmedaillen, als wir zuletzt nachgeschaut hatten, waren es 15. Das ist ein absoluter Rekord für Winterspiele. Natürlich auch dadurch befördert, dass es immer mehr Wettbewerbe gibt, aber auch in Proportion zur Zahl der Wettbewerbe zieht dieses kleine Land Super-Sportnationen immer weiter davon. Vor allem das Verhältnis gegenüber den USA ist auffällig, obwohl diese auch immer besser werden, über die letzten Jahrzehnte hinweg betrachtet. In den USA mit 335 Millionen Einwohnern machen ganz sicher mehr junge Menschen Wintersport auf hohem Niveau als in Norwegen mit 5,6 Millionen Einwohnern. Wie in allen Dingen sind die USA auch hier sehr gespreizt, es gibt auch viele Anti-Sportler. Aber sie haben das Geld, sie haben die Technik, sie haben genug Talente und auch hier läuft nicht immer alles ganz sauber ab.
Neid darf freilich nicht der Antrieb für einen solchen Artikel sein. Die gute Performance Deutschlands direkt nach der Wende war auch dem DDR-System zu verdanken, das weitergewirkt – und spektakuläre Dopingfälle wie den von Katrin Krabbe hervorgebracht hat. Inzwischen hat sich alles normalisiert und gemäß seiner allgemeinen Performance ist Deutschland bei Sommerspielen auch schon hinter andere größere europäische Länder zurückgefallen, wie Großbritannien und Frankreich. Man kommt sozusagen zurück zum Ausgangspunkt, denn in den olympischen Anfangszeiten waren diese Länder deutlich vorne in Sachen Spitzensport und Medaillenausbeute, obwohl Turnvater Jahn, einer der Apologeten des Norwegen-ähnlichen Breitensports, bekanntlich Deutscher war.
Es ist mittlerweile akzeptiert, dass Deutschland nicht besser sein muss als wesentlich größere Länder wie die USA oder China (bei Sommerspielen, bei Winterspielen sind sie noch nicht so gut). Ein Grund mehr, den Fokus auf wirkliche Probleme und Fragestellungen der Zukunft zu lenken, denn wir als Normalbürger können uns für die sportlichen Erfolge des Landes, in dem wir leben, nichts kaufen. Das ist alles eine Prestigesache für das System. Und das norwegische System drängt offenbar mittlerweile nach Prestige. Nach dem Reichtum kommt das Prestige, in manchen Fällen, wie in der DDR, muss es den Reichtum auch ersetzen. Das in diesem Sinne am meisten integrale Land sind nach wie vor die USA. Wem das nicht passt, der soll einfach alle Medaillen der EU-Länder zusammenzählen, dann wird er beruhigt feststellen: sportlich ist Europa immer noch vorne. Auch ohne Norwegen, das sich aus der EU raushält, weil es zu den Geberstaaten zählen würde, aber nichts abgeben will von einem Reichtum, der durch den höchsten denkbaren Zufallsgrad generiert wurde, nämlich Bodenschätze, die man vorher nie vermutet hätte und die innerhalb weniger Jahre in den Hoheitsgewässern Norwegens unter dem Meeresgrund gefunden wurden. Auch Großbritannien hat von seinem Nordsee-Ölreichtum profitiert, das sei jenen gesagt, die den Thatcherismus für eine Art neoliberales Wirtschaftswunder halten. Aber natürlich nicht in dem Maße, weil die gesamte Ökonomie viel größer und vielschichtiger ist.
Für Klimaschützer haben wir auch noch eine Norwegen-Desillusionierungsansage: Sie fahren die meisten Elektroautos, verkaufen aber anderen Öl und Gas.
Wir hassen deswegen das Land nicht, aber wir idealisieren es auch nicht und haben dies aufgrund unserer Kenntnis von den wirtschaftlichen Grundlagen und den Problemen, die damit einhergehen, nie getan. Wir wollen noch einmal abschließend darauf hinweisen, dass wir keine konkreten Vermutungen haben, wir sind nicht Forscher im Sportsystem. Aber auch diese geben sich immer wieder überrascht, wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt. Dann dürfen wir als Laien auch Überraschungen erwarten. Apropos Überraschung:
Dass Skepsis gegenüber sportlichen „Wundern“ oft das einzig rationale Korrektiv ist, zeigt die aktuelle Korrektur der Olympia-Geschichte: Erst jetzt, zwölf Jahre nach Sotschi 2014, wurde der deutschen Biathlon-Staffel um Erik Lesser offiziell die Goldmedaille zugesprochen, nachdem der russische Heimsieg endgültig als Doping-Betrug entlarvt wurde. Außergewöhnliche Medaillenspiegel haben oft ein Verfallsdatum – und die sportliche Wahrheit braucht manchmal ein ganzes Jahrzehnt, um die statistische Fiktion einzuholen.
Oder sie kommt nie ans Licht. Wir möchten nicht wissen, wie viele Fälle nie aufgedeckt wurden, weil es keine stichhaltigen Beweismittel mehr gibt. Tendenziell dürfte Deutschland davon übrigens eher profitiert haben, als dass es dadurch geschädigt wurde, dass der Schleier der Nichtnachweisbarkeit niedergegangen ist, dank des staatlich organisierten allumfassenden Dopingsystems der DDR ab den späten 1960ern.
Besonders bei Sommerspielen fällt übrigens auf, dass mittlerweile alte Fabelweltrekorde, von denen man weiß oder ahnt, dass sie mit Doping zusammenhängen, erneut angegriffen und teilweise über- oder unterboten werden, je nachdem, ob eine geringere oder höhere Zahl den Rekord darstellt. Aber es sind auf jeden Fall die besseren Laufschuhe (die wirklich etwas ausmachen, aber natürlich innerhalb der physischen Grenzen) oder die bessere Teamarbeit.
TH
1 Die Analyse haben wir von einer KI anhand folgender Vorgabe ausformulieren und präzisieren lassen. Wir haben heute eine anspruchsvolle Aufgabe für Sie. Es geht um eine Norwegen-Analyse, Grundlage sind nur zwei Artikel vom selben Medium, sie sind frei zugänglich:
Norwegen im Skandalstrudel: Epstein, Mette Marit – und ihr Sohn
Olympia-Übermacht: Norwegen beim Medaillenspiegel vorn
Aus dem ersten Artikel spricht enttäuschte, naive Liebe, aus dem zweiten eine immer noch anhaltende Naivität. Die Skandale in Norwegen sind für uns nicht so wichtig, weil sie nur eine kleine, hochgestellte Menschengruppe betreffen, die wir immer schon mit kritischer Distanz betrachtet haben. Für uns hatten sie nie Vorbildfunktion, aber Deutschland ist auch keine Monarchie.
Wirtschaftlich gesehen waren wir aber nie so naiv, wir sehen schon länger, dass Norwegen durch seinen enormen Rohstoffreichtum vom ärmsten skandinavischen Land zu einer Kapitalismus-Supersammelstelle geworden ist. Wie kein anderes Land dieser geringen Größe (Bevölkerung) kauft Norwegen sich überall in der Welt in Unternehmen ein. Norwegen ist dadurch mehr als viele andere Länder darauf angewiesen, dass der wackelige Finanzkapitalismus keinen größeren Schaden erleidet und das Modell des Staatsfonds kaputt macht. Das bestimmt natürlich auch die egoistisch norwegische Haltung, die im ersten Artikel immerhin einmal kurz angesprochen wird.
Die Super-Performance beim Sport scheint eine logische Fortsetzung der wirtschaftlichen Stärke Norwegens zu sein. Als Deutsche mit Erfahrungen aus dem DDR-Sport, gegen den man in Westdeutschland trotz viel mehr Geld, das zur Verfügung stand, keine Chance hatte, haben wir unsere eigene Sicht auf diese krasse Überperformance (bitte anders formulieren). Wir glauben den Norwegern schon, dass sie insgesamt sportlich sind und klug mit ihren Ressourcen umgehen, Erkenntnisse zwischen den Sportarten teilen usw. Aber der Sport ist in Norwegen nicht erst seit gestern verankert und trotzdem war Norwegen bei Winterspielen in den 1980ern medaillenmäßig am Boden bzw. dort, wo es seiner Größe nach eigentlich sein sollte (oder ein bisschen darunter).
Glaubt jemand ernsthaft, dass durch ein bisschen Schrauben am System, und zudem ohne finanzielle Anreize, wie in dem Artikel betont wird, also auch noch unter erschwerten Umständen gegenüber Ländern wie den USA, wo Sportler richtig Geld machen, ein Land mit 5,6 Millionen Einwohnern legal dermaßen dominieren kann? Wir glauben das nicht. Nicht erst der Skisprung-Anzug-Skandal, die mangelnden Doping-Kontrollen in dem Land und ein paar andere Auffälligkeiten weisen für uns darauf hin, dass man Norwegen nicht auf diese dummdeutsche Art idealisieren darf. Die Ausbeute an Edelmetall ist schlicht zu hoch für die Größe des Landes und nach unserer Ansicht ist das nicht auf legalem Weg möglich. Immer in der Geschichte, wenn plötzlich Länder innerhalb weniger Jahre anfingen, viel größere Nationen zu dominieren, wie eben seinerzeit die DDR, die sogar die Sowjetunion überholt hatte, als die DDR im Grunde schon pleite war, gibt es dunkle Hintergründe dafür. Nach der Wende hatte übrigens auch der gesamtdeutsche Sport von den Erfahrungen der DDR-Trainer profitiert, das wollen wir nicht vergessen. Die heutige Medaillenausbeute Deutschland bei Sommerspielen ist zwar zu gering im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, aber erklärbar.
Auffällig ist auch, wie gut die Heimteams immer abschneiden. Nur, weil sie die Sportstätten besser kennen? Oder drücken die Kontrolleure da ein Auge mehr zu als sonst, weil die Spiele ja im Austragungsland aus kommerziellen Gründen populär sein müssen, damit immer weitere Länder sich darum reißen, olympische Spiele austragen zu dürfen. The Show must go on, wie man auch an der immer weiteren Zunahme von Wettbewerben sieht. In Norwegen war es so, dass bei den Winterspielen von Lillehammer 1994 diese plötzliche Leistungsexplosion stattfand und seitdem anhält.
Weil wir Norwegen schon länger kritisch sehen, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, orientieren wir uns, wenn es um politisch-demokratische „Best Practice“ geht deswegen vor allem an Schweden und Finnland, die ohne diese Privilegierung durch Nordsee-Öl sehr gut im Rennen um die weltbeste Demokratie liegen, ein wenig auch an Dänemark und ein paar anderen Ländern, die es besser machen als Deutschland. Norwegen zählt hingegen ist in einer Ausnahmesituation und man glaubt offenbar, diese auch im Sport darstellen zu müssen. Mit einem Output, der bei einer so geringen Bevölkerungszahl mehr als fragwürdig ist.
Bitte fassen Sie die beiden obigen Artikel zusammen, erstellen Sie eine Analyseunter Einbeziehung unserer Gesichtspunkte.
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