Update: Das verhagelte Duell + sexistisch ist nicht sexy #Hagel #Özdemir + das neue Wahlrecht +++ Erste Tendenzen zur #LTWBW26 Landtagswahl in Baden-Württemberg: Hohe Wahlbeteiligung zeichnet sich ab.(Liveticker) #LTWBW2026 #ltwbw

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16:15 Uhr

Das Duell Manuel Hagel (CDU) gegen Cem Özdemir (Grüne) ist das Herzstück dieser Wahl. Es ist das Aufeinandertreffen des 37-jährigen „jungen Wilden“ der Union gegen den 60-jährigen „Polit-Profi“ der Grünen. Hagel ist also ein junger Wilder? Wir sind diesem Attribut noch einmal nachgegangen, zuerst aber die Gegenüberstellung:

🥊 Das Duell: Youngster vs. Routinier

Kategorie

Manuel Hagel (CDU)

Cem Özdemir (Grüne)

Image

Der zupackende „Macher vom Land“. Bankfachwirt, bodenständig, betont christlich-konservative Werte.

Der „Landesvater 2.0“. Staatsmännisch, urban, gibt sich als „schwäbischer Türke“ volksnah und pragmatisch.

Kernbotschaft

„Wirtschaft zuerst.“ Er will der Industrie „Luft unter die Flügel“ geben und Bürokratie radikal abbauen.

„Wohlstand bewahren.“ Er setzt auf ökologische Innovation und will das Erbe von Winfried Kretschmann fortführen.

Wirtschaft

Fordert Sonderwirtschaftszonen mit weniger Regeln und niedrigere Strompreise durch Netzentgelte.

Setzt auf Risikokapital und grünen Wasserstoff. Sagt: „Kein Kulturkampf mehr ums Auto.“

Migration

Härtere Gangart: Koppelung von Entwicklungshilfe an Rücknahme von Geflüchteten.

Pragmatismus: „Straffällige müssen gehen, Fleißige müssen bleiben.“

Social Media

Stark auf LinkedIn, gibt sich dort als sachorientierter Landespolitiker.

Dominanz auf TikTok & Instagram (5x mehr Resonanz als Hagel), inszeniert sich mit Augenzwinkern.

🗯️ Pointierte Zitate & Giftpfeile

Die Stimmung hat sich kurz vor der Wahl massiv verschärft. Hier die schärfsten Spitzen aus dem Endspurt:

Hagel über Özdemir:

„Herr Özdemir behauptet rotzfrech, die Grünen könnten auch Auto. Das ist nicht ehrlich – er verspricht Dinge, die seine eigene Partei niemals mitgehen wird.“ (Quelle: TAZ, März 2026)

Özdemir über Hagel:

„Wer Beliebigkeit will, findet bei der Konkurrenz das bessere Angebot. Wer einen Ministerpräsidenten möchte, der sagt, was geht, ist bei mir richtig.“ (Quelle: Baden.fm, Dez 2025/März 2026)

Der „Video-Skandal“:

Kurz vor der Wahl kursierte ein altes Video von 2018, in dem sich Hagel verliebt über das Äußere einer Schülerin äußerte. Hagel nannte es im Rückblick „Mist“, während die CDU den Grünen eine „Schmutzkampagne“ vorwarf. (Quelle: Radio Köln/SWR, März 2026) 

Der Kern der Kritik: Dass in Hagels Einlassung ein sexistischer Einschlag war, anstatt, dass er auf die Sachfrage der Schülerin oder deren Kompetenz eingegangen wäre. Vor wenigen Tagen haben Hagels Nerven bei einer Sprechstunde versagt, die er in einer Klasse hatte, als er einer Lehrerin über den Mund fuhr, außerdem konnte er den Klimawandel nicht sachgerecht erklären. Nicht sehr verwunderlich, finden wir, denn das Thema ist nicht gerade die Stärke der CDU, zumal in einem Bundesland, in dem sie die große Aufgabe hätte, die Autoindustrie nicht nur einfach machen zu lassen, wie früher, sondern sie auf dem schwierigen Weg zu begleiten, trotz der aktuellen Herausforderungen wettbewerbsfähig zu bleiben. Wirtschaftskompetenz erfordert in diesen Zeiten mehr als Lobbypflege, und auf Bundesebene merkt man, wie schwer sich die Union mit den aktuellen Anforderungen tut.

📊 Die Crux der Wähler

Es gibt ein spannendes Paradoxon in den Daten von YouGov und der Forschungsgruppe Wahlen:

  • Die CDU wird als kompetenteste Partei für das Top-Thema Wirtschaft (39 %) gesehen.
  • Cem Özdemir führt jedoch massiv bei der Direktwahlfrage (47 % zu 24 % für Hagel).

Fazit: Die Wähler müssen sich entscheiden, ob sie die Partei CDU (Hagel) oder die Person Özdemir (Grüne) mehr im Staatsministerium sehen wollen. 

Hagel, der „junge Wilde?“

Da haben Sie einen absolut validen Punkt – und der Kontrast zwischen Berlin und dem tiefsten Baden-Württemberg (Hagel kommt aus Ehingen an der Donau) könnte hier kaum größer sein.

Die Bezeichnung „junger Wilder“ bezog sich primär auf seine parteiinterne Rolle und sein Alter, aber wir schärfen als Berliner Beobachter das Bild ein wenig.   

Warum „Wilder“ (interner CDU-Blick):

  • Der Putschist: Er hat mit gerade einmal 35 Jahren den erfahrenen Thomas Strobl (Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble) als Fraktionschef und später als Landesvorsitzenden verdrängt. Das war innerhalb der eher behäbigen Südwest-CDU ein echter Machtbeben-Moment.
  • Der Angreifer: Im Landtag tritt er rhetorisch deutlich aggressiver auf als die alte Garde. Er attackiert die Grünen frontal, wo Strobl eher auf Kuschelkurs war.

Warum „Spießertyp“ (Ihre Wahrnehmung):

  • Der Habitus: Hagel ist der Inbegriff des „Musterschülers“. Er ist tief verwurzelt im Schützenverein, im Kirchenchor und im ländlichen Raum. In einem Berliner Club würde er vermutlich eher wie ein Undercover-Ermittler wirken.
  • Inhaltliche Betonsäulen: Er setzt auf klassische Themen: Innere Sicherheit, Rückendeckung für den Mittelstand, Fokus auf das Auto. Da ist wenig „wildes“ Experimentieren dabei, sondern eher eine Rückbesinnung auf die CDU der 90er Jahre – nur eben in einem jüngeren Körper.

Der „Spießer-Faktor“ als Strategie

In Baden-Württemberg ist dieses „Spießige“ (man nennt es hier eher Bodenständigkeit) eine politische Währung. Während Cem Özdemir den urbanen, hippen Lifestyle bedient, besetzt Hagel bewusst die Nische des „jungen Mannes, dem man seine Enkel anvertrauen würde“.

Pointierte Quelle: Das Magazin Cicero beschrieb ihn mal als jemanden, der „das Konservative wieder sexy machen will“, während Kritiker in der ZEIT eher von einem „politischen Wiedergänger“ sprechen, der alte Parolen in neuen Schläuchen verkauft.

Halten Sie Hagel für sexy oder eher für sexistisch? Wir müssen das von Berlin aus nicht entscheiden und wir würden unsere Wahlentscheidung auch sicher nicht danach treffen, ob ein Politiker eine gestrige Politik etwas attraktiver rüberbringen kann als die anderen in seiner Partei.

Zusammenfassend: Er ist „wild“ darin, wie er die Macht in der Partei an sich gerissen hat, aber inhaltlich ist er so solide und konservativ wie eine schwäbische Kehrwoche. 

Da in Baden-Württemberg erstmals nach dem „Modell Bund“ gewählt wird, zuzüglich der Wahlbteiligungsmöglichkeit ab 16 Jahren, haben wir hier das Wichtigste dazu für Sie zusammengefasst.

Das neue Wahlrecht in Baden-Württemberg ist heute die größte Premiere im Wahllokal. Lange Zeit war das baden-württembergische System ein Unikum in Deutschland – jetzt hat man sich dem Bundesmodell angenähert.

Hier sind die drei entscheidenden Änderungen, die heute zum ersten Mal gelten:

1. Die „Zwei-Stimmen-Revolution“

Bisher hatten Wähler in BW nur eine Stimme. Damit wählte man gleichzeitig einen Kandidaten im Wahlkreis und dessen Partei.

  • Neu: Sie haben jetzt zwei Kreuze.
  • Erststimme: Damit wählen Sie eine konkrete Person in Ihrem der 70 Wahlkreise (Direktmandat). Wer hier die meisten Stimmen hat, zieht sicher in den Landtag ein.
  • Zweitstimme: Damit wählen Sie eine Landesliste einer Partei. Diese Stimme ist die eigentlich wichtigere, denn sie entscheidet über das prozentuale Kräfteverhältnis im Landtag.

2. Einführung von Landeslisten

Früher gab es in BW keine starren Listen. Wer nicht direkt in seinem Wahlkreis gewann, konnte nur über ein kompliziertes Verfahren der „Zweit-Mandate“ einziehen (basierend darauf, wie gut man im Vergleich zu anderen Kandidaten der eigenen Partei abgeschnitten hatte).

  • Neu: Die Parteien haben nun feste Landeslisten (wie bei der Bundestagswahl). Wenn einer Partei laut Zweitstimmen 40 Sitze zustehen, sie aber nur 10 Direktmandate gewonnen hat, werden die restlichen 30 Plätze einfach von oben nach unten über die Liste besetzt. Das gibt den Parteien mehr Kontrolle darüber, welche Experten oder Spitzenkandidaten (wie Cem Özdemir oder Manuel Hagel) sicher im Parlament landen.

3. Wählen ab 16

Baden-Württemberg hat das Wahlalter gesenkt.

  • Neu: Rund 180.000 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren dürfen heute zum ersten Mal bei einer Landtagswahl abstimmen.
  • Aber: Das gilt nur für das aktive Wahlrecht (wählen gehen). Um selbst als Abgeordneter gewählt zu werden (passives Wahlrecht), muss man weiterhin mindestens 18 Jahre alt sein.

Warum wurde das gemacht?

Das alte System führte oft zu einem „aufgeblähten“ Landtag. Da es keine Listen gab, mussten Überhangmandate sehr kompliziert ausgeglichen werden. Der aktuelle Landtag hat 154 Sitze, obwohl die Regelgröße nur 120 beträgt. Das neue System soll das Parlament (theoretisch) wieder näher an die Normalgröße bringen – auch wenn Experten warnen, dass durch das „Splitting“ (Erststimme Partei A, Zweitstimme Partei B) der Landtag trotzdem wieder groß werden könnte.

15:15 Uhr

Liebe Freund:innen der Politik, es geht wieder los und wir sind dabei. Heute, am 8. März 2026, findet die Landtagswahl in Baden-Württemberg statt. Da die Wahllokale noch bis 18:00 Uhr geöffnet sind, liegen noch keine endgültigen Zahlen vor, auch Prognosen dürfen vor 18 Uhr nicht veröffentlicht werden, aber es gibt bereits erste Zwischenstände und deutliche Tendenzen.

Aktuelle Wahlbeteiligung

Laut der Landeswahlleiterin lag die Wahlbeteiligung bis 14:00 Uhr bei 42,35 %. Das deutet auf eine hohe Wahlbeteiligung hin, 2021 lag der Wert um diese Zeit etwa 10 Prozent niedriger.

  • Wichtig: In diesem Zwischenwert sind die Briefwähler noch nicht enthalten.
  • Da etwa zwei Millionen Menschen Briefwahl beantragt haben, wird erwartet, dass die endgültige Beteiligung deutlich über diesem Wert liegen wird.
  • Zum Vergleich: Bei der Landtagswahl 2021 lag die finale Wahlbeteiligung bei 63,8 %.

Politische Tendenzen

Die Umfragen der letzten Tage deuteten auf ein sehr knappes Rennen an der Spitze hin:

Partei

Letzte Umfragewerte (ca.)

Tendenz gegenüber 2021

CDU

28 %

Deutlicher Zuwachs

Grüne

27 – 28 %

Verluste (trotz Aufholjagd)

AfD

18 – 20 %

Starke Gewinne (fast Verdopplung)

SPD

8 – 9 %

Leichte Verluste

FDP

5,5 – 6 %

Starke Verluste (Zittern um 5%-Hürde)

Linke

5,5 – 6 %

Möglicher Ersteinzug

Was ist diesmal neu?

  • Wahlalter 16: Erstmals dürfen rund 180.000 Jugendliche ab 16 Jahren mitbestimmen.
  • Zwei Stimmen: Zum ersten Mal gibt es in BW ein System mit Erst- und Zweitstimme (ähnlich wie bei der Bundestagswahl).

Wie schon bei einigen Landtagswahlen zuvor ist das Interesse der Menschen an der Abgabe ihrer Stimme erheblich gewachsen, fast alle Wahlen der letzten beiden Jahre verzeichneten höhere Beteiligungen als bei der jeweils vorausgegangenen Wahl. Hier noch einmal die aktuellen Umfragetendenzen etwas genauer:

Die aktuellsten Daten von DAWUM (Datenanalyse Wahlumfragen) zeichnen ein sehr klares Bild für die heutige Landtagswahl in Baden-Württemberg. Besonders auffällig ist der „Wahltrend“, der den gewichteten Durchschnitt der letzten Umfragen (Stand 05.03.2026) berechnet.

Aktuelle Umfragewerte (DAWUM Wahltrend)

Hier ist die Zusammenfassung der letzten verfügbaren Daten vor dem heutigen Wahltag:

Partei

Wahltrend (05.03.)

Letzte Umfrage (FG Wahlen)

Tendenz (vgl. 2021)

CDU

27,7 %

28,0 %

+3,6 %

Grüne

26,3 %

28,0 %

-6,3 %

AfD

18,7 %

18,0 %

+9,0 %

SPD

8,1 %

8,0 %

-2,9 %

FDP

5,8 %

5,5 %

-4,7 %

Linke

5,7 %

5,5 %

+2,1 %

Sonstige

7,7 %

7,0 %

Analyse der wichtigsten Entwicklungen

  1. Kopf-an-Kopf-Rennen: Während die CDU über Monate hinweg deutlich führte, konnten die Grünen laut der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen am 5. März auf 28 % gleichziehen. Das Rennen um den ersten Platz ist also völlig offen.
  2. Starke AfD: Mit Werten um die 18–20 % (je nach Institut) wird die AfD voraussichtlich ihr Ergebnis von 2021 fast verdoppeln.
  3. Zittern an der 5 %-Hürde: Sowohl die FDP als auch die Linke liegen im Wahltrend nur knapp über der kritischen Schwelle. Der Einzug der Linken in den Stuttgarter Landtag wäre ein Novum.
  4. Koalitionsoptionen: Laut DAWUM-Berechnungen wäre eine Fortführung von Grün-Schwarz rechnerisch sicher möglich (ca. 60 % der Sitze). Eine Mehrheit für „Schwarz-Rot-Gelb“ (Deutschland-Koalition) oder „Ampel“ gilt nach den aktuellen Zahlen hingegen als unwahrscheinlich oder extrem knapp. 

Und hier noch einmal dieselben Werte, aber mit Vergleich zur letzten vorherigen DAWUm-Auswertung, um kurzfristige Veränderungen vor der Wahl zu zeigen:

 
Partei Prognose (%) Tendenz
CDU 27,7 % −0,3
Grüne 26,3 % +1,7
AfD 18,7 % −0,3
SPD 8,1 % −0,3
FDP 5,8 % −0,2
Linke 5,7 % −0,5
Sonstige 7,7 % −0,1

Quelle: DAWUM, Forschungsgruppe Wahlen, INSA

TH & KI-Unterstützung bei der Recherche

 


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