Weiteres Update: Die erste Hochrechnung um 18:25 Uhr entspricht bis auf Unterschiede im 0,1/0,2-Promille-Bereich der Prognose, wir werden deshalb keinen eigenständigen Beitrag für die Hochrechnung veröffentlichen.
Die 18-Uhr-Prognose der ARD ist da: Eine krachende Wahlniederlage für die SPD zeichnet sich ab.
Wir hätten natürlich schreiben können: Wahlsieg für die CDU. Aber historisch gesehen ist auch ihr Ergebnis nicht sehr stark, wohingegen die AfD wohl noch besser abschneiden wird als in Baden-Württemberg und damit ein weiteres Rekordergebnis in einem westdeutschen Bundesland einfahren könnte.
| Veränderung | 2026,0 | 2021 | |
| SPD | -8,7 | 27,0 | 35,7 |
| CDU | 2,8 | 30,5 | 27,7 |
| AfD | 11,7 | 20,0 | 8,3 |
| Grüne | -1,8 | 7,5 | 9,3 |
| FDP | -3,4 | 2,1 | 5,5 |
| Freie Wähler | -1,4 | 4,0 | 5,4 |
| Die Linke | 2 | 4,5 | 2,5 |
| Andere Parteien | 4,4 | x |
Die Prognose basiert auf 20.000 Befragungen nach der Wahl durch Infratest Dimap direkt vor den Wahllokalen – die Briefwähler können auf diesem Weg nicht erfasst werden.
Die Themen Wirtschaft, Kriminalität, Bildung – sie domininieren, wenn es um die Sorgen der Menschen geht, und in allen drei Bereichen hat die CDU einen mehr oder minder klaren Kompetenzvorsprung, in den Augen der Menschen, die von der ARD befragt wurden.
- Persönlich hat Alexander Schweitzer immer noch einen Vorsprung von etwa 10 Prozent, wenn es darum geht, wer Ministerpräsident sein soll. Ein üblicher Amtsbonus, wenn auch kein sehr großer.
- Eine Rolle bei den Bewertungen dürfte spielen, dass die meisten Menschen wohl davon ausgehen, dass es, wie wir im Ausgangsartikel dargestellt haben, vermutlich zu einer CDU/SPD-Koalition oder umgekehrt kommen wird.
- Man sieht eine starke Polarisierung. Die meisten Nichtwähler hat die AfD mobilisieren können, aber wenig von SPD und CDU gewonnen. Und fast alle CDU- und SPD-Wähler wollen keine Mitte-Rechts-Koalition, anders, als Alice Weidel gerade in der ARD behauptet. Dann macht sie also weiter Opposition mit verbalen Ausfällen gegen die anderen Parteien.
22.03.2026 13:00 Uhr
Es ist Sonntag, der 22. März 2026, und während an diesem sonnigen Tag der Frühling langsam die Weinberge an Mosel und Ahr wachküsst, herrscht in den Wahllokalen zwischen Ludwigshafen und Koblenz Hochbetrieb. Heute steht Rheinland-Pfalz vor einer politischen Weichenstellung, wie sie das Land seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Nach der Ära von Malu Dreyer, welche die Politik des Landes über elf Jahre lang mit ihrer ruhigen, ausgleichenden Art prägte, stellt sich ihr Nachfolger Alexander Schweitzer (SPD) erstmals dem direkten Votum der Bürgerinnen und Bürger. Doch der Wind in Mainz hat sich gedreht: Die Umfragen sagten bis zuletzt ein historisches Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, bei dem die CDU nach 35 Jahren Opposition erstmals wieder nach der Staatskanzlei greift.
Die Protagonisten: Das Duell der Giganten und die Überlebenskämpfer
Im Zentrum des heutigen Tages stehen zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber beide denselben Anspruch erheben: Stabilität in unsicheren Zeiten zu garantieren.
- Alexander Schweitzer (SPD): Der amtierende Ministerpräsident trat 2024 ein schweres Erbe an. Er punktet mit seiner bodenständigen Art und der Erfahrung als Sozialminister. Sein Wahlkampf setzte massiv auf die Karte „Zusammenhalt“ und „Industrieller Aufbruch“. Für ihn ist die heutige Wahl die Reifeprüfung – kann er die sozialdemokratische Bastion im Südwesten halten?
- Gordon Schnieder (CDU): Der Herausforderer hat die Union in Rheinland-Pfalz nach Jahren der Wahlniederlagen wieder geeint. Er gibt sich angriffslustig, kritisiert den „Verwaltungsstau“ unter der Ampel-Regierung und verspricht eine „Modernisierungsgarantie“ für das Land. In den letzten Umfragen lag er oft hauchdünn (ca. 29 %) vor der SPD (ca. 27 %).
- Katrin Eder (Bündnis 90/Die Grünen): Die Umweltministerin kämpft darum, dass der Klimaschutz trotz wirtschaftlicher Sorgen nicht untergeht. Die Grünen stehen stabil bei etwa 9 %, hoffen aber auf ein zweistelliges Ergebnis, um in einer künftigen Koalition unverzichtbar zu bleiben.
- Jan Bollinger (AfD): Mit Umfragewerten um die 19 bis 20 % könnte die AfD drittstärkste Kraft werden. Ihr Wahlkampf war geprägt von den Themen Migration und Kritik an der Energiepolitik.
- Die „Wackelkandidaten“: Besonders spannend ist das Schicksal der FDP, die um das Überschreiten der 5-Prozent-Hürde bangt, und der Freien Wähler unter Joachim Streit, die nach ihrem Erfolg 2021 den Wiedereinzug fest im Visier haben. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und Die Linke (mit Rebecca Ruppert) könnten auch dann für eine größere Anzahl von Parteien im Landtag sorgen, wenn es für die FDP nicht wieder reicht.
Würde sich das Wahlergebnis nach den Umfragen gestalten, wäre die Fortsetzung der bisherigen Ampelkoalition nicht möglich. Unter allen möglichen Koalitionen nach der Wahl hat die der „Großen Koalition“ die rechnerisch höchste Wahrscheinlichkeit, da SPD und CDU zusammen zwischen 55 und 60 Prozent der Wähler erreichen dürften. Nun kommt es darauf an: Wer wird die Regierung anführen? Alexander Schweitzer oder Gordon Schnieder?
Was die Pfälzer und Rheinländer bewegt
Der Wahlkampf 2026 wurde nicht auf den großen Plakatwänden, sondern an den Küchentischen entschieden. Vier Themenkomplexe dominierten die Debatten:
- Bildungskrise und „Sprach-Kitas“:
Bildung ist laut Umfragen das Top-Thema. Die SPD verspricht eine Verdreifachung der Sprach-Kitas auf über 1.000 Standorte. Die CDU kontert mit der Kritik an hohen Sitzenbleiberquoten und fordert eine Rückkehr zu mehr Leistungsorientierung und weniger Bürokratie für Lehrkräfte. Ein Imagefilm des Bildungsministeriums kurz vor der Wahl sorgte zudem für Vorwürfe der „Wahlwerbung auf Steuerzahlerkosten“. - Infrastruktur und Mobilität:
In einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz ist die Anbindung essenziell. Ob die Sanierung der maroden Brücken, der Ausbau des ÖPNV im ländlichen Raum oder die digitale Infrastruktur – die Unzufriedenheit über langsame Prozesse ist groß. Die Kommunen ächzen zudem unter einem Defizit von über 600 Millionen Euro, was die Frage nach der Finanzkraft der Städte (wie Pirmasens oder Ludwigshafen) in den Fokus rückte. - Wirtschaftlicher Wandel (BASF & Co.):
Der industrielle Kern des Landes steht unter Druck. Die Transformation der Chemieindustrie in Ludwigshafen hin zur Klimaneutralität bei gleichzeitigem Erhalt der Arbeitsplätze ist eine Mammutaufgabe. Hier streiten die Parteien über das richtige Tempo und die notwendigen Entlastungen für Unternehmen. - Migration und Sicherheit:
Wie in vielen anderen Bundesländern hat das Thema Zuwanderung im Endspurt massiv an Bedeutung gewonnen. Während die AfD hier ihr Kernfeld besetzte, bemühten sich die etablierten Parteien um Konzepte zur besseren Integration bei gleichzeitiger Begrenzung der irregulären Migration.
Tendenzen und die „schweigende Mehrheit“
Ein entscheidender Faktor des heutigen Tages ist die hohe Zahl der Unentschlossenen. Rund 27 % der Wahlberechtigten gaben kurz vor dem Urnengang an, noch nicht sicher zu sein, wo sie ihr Kreuz machen. Das macht jede Prognose zum Wagnis.
Die statistische Fehlermarge von etwa 3 % bedeutet, dass ein Wechsel in der Staatskanzlei im Bereich des Möglichen liegt. Sollte die CDU gewinnen, stünde Rheinland-Pfalz vor einer Zäsur.
Erste Meldungen zur Wahlbeteiligung
Der Landeswahlleiter hat bereits erste Daten veröffentlicht, die auf ein hohes demokratisches Bewusstsein hindeuten:
- Stand 10:00 Uhr: Die Wahlbeteiligung liegt bei beeindruckenden 40 %.
- Briefwahl-Boom: Ein wesentlicher Teil dieses Wertes resultiert aus dem massiven Anstieg der Briefwähler. Rund 34 % der etwa 3 Millionen Wahlberechtigten haben ihre Stimme bereits im Vorfeld per Post abgegeben.
- Urnenwahl: In den ersten Stunden des heutigen Sonntags gaben weitere 6 % ihre Stimme direkt im Wahllokal ab.
Experten gehen davon aus, dass die Gesamtwahlbeteiligung am Ende des Tages die 64,4 % der Wahl 2021 deutlich übersteigen und sich eher in Richtung der 70 %-Marke aus dem Jahr 2016 bewegen könnte. Ein hohes Interesse spricht oft für eine starke Mobilisierung in den Lagern der Herausforderer.
Das digitale Echo: Die wichtigsten Hashtags
Wer die Wahl heute in den sozialen Netzwerken verfolgen möchte, sollte diese Schlagworte im Blick behalten. Sie dienen als Sammelbecken für erste Eindrücke aus den Wahllokalen, Diskussionen über Nachwahlergebnisse ab 18 Uhr und Reaktionen der Parteizentralen:
- #ltwrlp: Der offizielle und meistgenutzte Hashtag für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.
- #rlpwählt: Der Klassiker für Wählerinnen und Wähler, die ihr „I voted“-Selfie oder Eindrücke vom Wahlgang teilen.
- #ltwrlp26: Spezifisch für das Wahljahr 2026, oft von Medienhäusern genutzt.
- #Landtagswahl: Der allgemeine Hashtag für alle, die das bundesweite Interesse an dieser wichtigen Regionalwahl im Blick haben.
- #Mainz: Da sich am Abend alles rund um den Landtag und die Staatskanzlei in der Landeshauptstadt konzentrieren wird.
Fazit und Ausblick
Ob Alexander Schweitzer den „Malu-Bonus“ in einen eigenen Sieg ummünzen kann oder ob Gordon Schnieder die CDU zurück an die Macht führt, wird sich vermutlich erst in den späten Abendstunden klären. Sicher ist nur: Das Ergebnis wird weit über die Landesgrenzen hinaus als Signal für die politische Stimmung in Deutschland gewertet werden.
Ab 18:00 Uhr schließen die Wahllokale, und die ersten Prognosen werden zeigen, ob das Land vor einem sanften „Weiter so“ oder einem harten politischen Umbruch steht. Die kommenden Stunden versprechen politische Hochspannung pur.
Fazit und Ausblick
Rheinland-Pfalz gliedert sich tatsächlich in zwei recht unterschiedliche Landesteile, die im Namen des Landes niedergelegt sind und im Groben durch den Mittelgebirgszug, manche sagen auch Hügelkamm, des Hunsrücks getrennt werden. Die Dialekte sind unterschiedlich, die Menschen verschieden, aber insgesamt scheint man sich mit dieser vielfältigen Identität recht wohl zu fühlen.
Wir sind sozusagen Tür an Tür mit Rheinland-Pfalz aufgewachsen und kennen viele Städte und Landschaften dort recht gut. Wir wünschen den Menschen in diesem schönen Teil Deutschlands, dass sie die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen. So einfach ist das nicht, wie wir in unseren Artikeln zur Bundespolitik immer wieder betonen.
Wirtschaftlich schipperte Rheinland-Pfalz im Jahr 2025 etwa durchschnittlich durchs Flautejahr, das BIP wuchs um magere 0,1 Prozent. Das ist immerhin mehr als in Baden-Württemberg (-0,8 Prozent), wo die Dauerkrise das bisher hohe Niveau der Wirtschaftsleistung angreift.
Hätten wir in Rheinland-Pfalz Wahlrecht, wüssten wir zwar, wie wir abstimmen würden, aber auch, dass die Partei, für die wir unsere Stimmen ab- oder hergeben, nicht Teil der Regierung sein wird. In Berlin besteht diese Chance hingegen immer, sofern die SPD nicht zu weit nach rechts driftet. Eine Opposition, die ein Zeichen für Solidarität und Menschenfreundlichkeit setzt, sollte es im Landtag unbedingt geben, auch wenn sie nur knapp über fünf Prozent der Wählenden erreicht hat. Ob die Grünen dafür die geeignete Adresse sind, hängt vom Standpunkt ab. Unser Standpunkt ist, dass sie gerade im ländlichen Raum sehr von dem Weg abgekommen sind, eine progressive Partei zu sein.
Rheinland-Pfalz ist ein strukturell konservatives Bundesland, in dem einst Helmut Kohl seine politische Karriere startete und in diesem Umfeld sehr integral und authentisch wirkte. Das Bild vom Pfälzer ist in Deutschland bis heute durch ihn mitgeprägt worden.
Der SPD würden wir zwar wünschen, dass sie ihre Talfahrt beendet, aber die Gründe dafür sind schwierig zu benennen. Es ist mehr die Vorstellung, die politische Landschaft ohne diese Partei sei schwer vorstellbar, als dass es überzeugende Argumente für ihre Wahl gäbe. Die CDU wird gegenwärtig durch ihre Bundespolitiker so weit nach rechts und rhetorisch gegen die Bevölkerung gestellt, dass ein gemäßigt wirkender Politiker als Landesvater zwar eine Art Beruhigung darstellen würde, wie etwa Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen, aber am unangenehmen Gefühl der Partei gegenüber ändert das nicht wesentlich etwas.
Leider werden auch in Rheinland-Pfalz vermutlich 20 Prozent der Wählenden der AfD nicht wiederstehen können. Das ist mehr als traurig, es ist ein Zeichen dafür, dass in Deutschland die Matrix nicht mehr funktioniert, denn Rheinland-Pfalz gilt als ein stabiles Kernland der westdeutsch geprägten Demokratie. Das Gebilde aus Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur ächzt in allen Fugen, und die bodenständigen Pfälzer sind, ähnlich wie die Nachbarn südlich, die vor zwei Wochen gewählt haben, nicht bereit, Probleme, die immer drängender werden, totzuschweigen, um ideologischer Positionen willen, wie man das in Berlin gerne tut und dafür die Dysfunktionalität der Stadt riskiert.
Wenn es nach uns ginge, würde die AfD allerdings längst durch das Bundesverfassungsgericht auf ihre Verfassungsmäßigkeit hin geprüft werden, denn Probleme populistisch ausnutzen und eine verfassungsfeindliche Haltung einnehmen, das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Gäbe es das Prüfverfahren, herrschte im Anschluss Klarheit.
Es ist, wie schon vor 14 Tagen bei den Badenern und Schwaben, ein wunderschöner Tag zum Wählen, und wir mussten selbst schmunzeln, als wir den poetischen Einstieg in den Artikel gelesen haben. Hätten wir ein wenig anders formuliert, aber warum nicht mal so?
Kommentar: TH / Einstiegsartikel in den Wahltag durch KI erstellt
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