Energieversorgung, Gasimporte, LNG, Bundesnetzagentur, Deutschland, Energiewende, Russland, Pipelinegas, Klimapolitik, Versorgungssicherheit, Energiepreise, Geopolitik, Fracking, StraßenVonHormus, TTF-Handel, Energiekrise, Norwegen, Niederlande, Brunsbüttel, Rügen, Gaspreise
Heute liefern wir den versprochenen Folgeartikel zu unserer Gaspreisexplosions-Darstellung von vorgestern. Uns war bei der Recherche aufgefallen, dass Deutschland offenbar einen Gas-Fetisch hat.
Ganz böse Zungen behaupten, dieser bestehe seit über 80 Jahren, aber der Vergleich ist selbst bösartig und wir führen ihn daher nicht näher aus. In seiner drogenähnlichen Form pflegt den Fitisch jedoch die Bundesregierung, speziell in Person der Wirtschaftsministerin. Wir stellen die Daten der Grafik, lesen die Daten aus, und weil wir ein Mehrwert-Medium sind, nehmen wir eine Einordnung vor und kommentieren kurz – unter Verweis auf den ausführlicheren Kommentar in dem Artikel, auf den wir uns heute beziehen.
1. Metadaten
Titel der Grafik: Herkunft der täglichen Gasimporte nach Deutschland
Thema/Stichworte: Energieversorgung, Gasimporte, LNG, Energiepolitik, Russlandstopp
Quelle: Statista-Link – Datenbasis: Bundesnetzagentur, April 2026
Stichtag / Zeitraum: April 2026
Lizenzhinweis: Grafik gemeinfrei, Beschreibung eigenständig erstellt.
2. Kurzbeschreibung
Die Grafik zeigt die Herkunft der täglichen Gasimporte nach Deutschland im April 2026. Auffällig ist, dass Flüssigerdgas (LNG) inzwischen rund elf Prozent der Gesamtimporte ausmacht und Russland als Lieferant vollständig verschwunden ist.
3. Barrierefreier Beschreibungstext
Es handelt sich um eine Balkengrafik, die die täglichen Gasimporte Deutschlands nach Herkunftsländern und Importwegen darstellt. Die Werte sind in Gigawattstunden (GWh) pro Tag angegeben.
An der Spitze stehen westeuropäische Pipeline-Lieferungen, besonders aus Norwegen und den Niederlanden. Flüssigerdgas (LNG), das über Terminals wie Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Rügen importiert wird, erreicht im Mittel etwa 11 % Anteil an den täglichen Gesamtimporten. Russische Mengen werden seit 2023 nicht mehr ausgewiesen. Insgesamt zeigt die Grafik eine diversifizierte Struktur, in der LNG als flexibles, aber teureres Element zunehmend Bedeutung gewinnt.
4. Faktische Auslesung (tabellarisch)
5. Interpretative Ebene
5.1 Strukturdiagnose
Die Grafik verdeutlicht, dass Pipelinegas aus Norwegen und den Niederlanden weiterhin das Rückgrat der deutschen Gasversorgung bildet. Gleichzeitig hat sich LNG als neue Säule etabliert, seit Deutschland 2023/24 eigene Importterminals in Betrieb genommen hat. Das Energieportfolio ist damit zwar etwas breiter aufgestellt, aber auch anfälliger für globale Preisbewegungen, da LNG auf dem Weltmarkt gehandelt wird, während das russische Gas seinerzeit mit langfristigen, gut kalkulierbaren Lieferverträgen eingekauft wurde.
5.2 Zeitliche Einordnung
Nach dem Ende der russischen Pipelineimporte Anfang 2023 musste Deutschland seine Bezugsquellen rasch umstellen. Die drastische Verringerung des Gasverbrauchs 2022 – teils durch milden Winter, Sparmaßnahmen und Industrieeinschränkungen – ließ den Wegfall der russischen Mengen zunächst „auffangen“. Seit 2024 steigt der Verbrauch jedoch wieder moderat an, da Produktionsprozesse reaktiviert und LNG-Kapazitäten verfügbar wurden. Trotzdem bleibt der Einsatz von energieintensivem Fracking-Gas aus Übersee ein kontroverses Thema, zumal, wenn es aus Donald Trumps USA kommt und eine Abhängigkeit von den USA heutzutage nicht minder kritisch zu sehen ist als eine solche von Russland.
5.3 Politisch‑ökonomische Dimension
Der Umbau der Gasversorgung zeigt die Verletzlichkeit fossiler Energiesysteme gegenüber geopolitischen Krisen. Deutschland hat sich aus der ca. 40-Prozent-Abhängigkeit von einem Lieferanten befreit, dafür aber neue Abhängigkeiten auf dem globalen LNG-Markt geschaffen. Ereignisse wie die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran 2026, durch die rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels betroffen war, führen zu spürbaren Preisspitzen auch in Europa. Der gemeinsame Handelsplatz TTF in den Niederlanden koppelt Pipeline- und LNG-Gas, sodass deutsche Verbraucher indirekt von globalen Engpässen betroffen bleiben.
5.4 Offene Fragen
Offen bleibt, ob sich der aktuelle Energiemix langfristig stabilisieren lässt. Die LNG-Infrastruktur stärkt kurzfristig die Versorgungssicherheit, wirft aber klimapolitische Fragen auf. Parallel sollten Erneuerbare Energien, die 2025 zeitweise bereits den gesamten Strombedarf Deutschlands deckten, perspektivisch eine größere Rolle beim Ersatz fossiler Energieträger übernehmen. Bleibt zu beobachten, ob politische Maßnahmen und technologische Entwicklungen – etwa in Speicherung, Wasserstoff und Effizienz – ausreichen, um die Abhängigkeit von Erdgas Schritt für Schritt zu verringern.
6. Kommentar
Die Frage ist eben, ob mehr Autarkie politisch erwünscht ist, oder ob Lobbyaktivisten das Sagen haben oder die Vernunft und eine Politik für die Mehrheit im Land. Im Moment sieht es nach Lobbydienlichkeit aus.
Wir hatten Ihnen die Grafik zu den Gaspreiserhöhungen vor einigen Tagen gezeigt und dabei war uns die vorliegende Darstellung quasi in die Hände gefallen, weil Statista immer zusammenhängende Themen in einer Art Empfehlungsliste als weitere Grafiken zeigt. Unser Anliegen war also, dass wir alle zusammen darüber nachdenken sollten, wie es passieren kann, dass der Gasverbrauch seit 2023 wieder schrittweise ansteigt. Der Winter 2025/26 war relativ hart, aber schon zuvor ging der Gasverbrauch in die Höhe. Und er besteht in wachsenden Teilen aus dem Fracking-Gas, das ökologisch noch verwerflicher ist als dieses immer weitere Festhalten am Gas im Allgemeinen. Und wer hält daran fest?
Jeden Tag kritisiert die Presse Wirtschaftsministerin Katarina Reiche für ihre Gaslobby-anstatt-Energiewende-Politik und wir haben im verlinkten Artikel auch dargestellt, warum das eine rückwärtsgewandte, klassistische, ideologische Position ist, bei der es Hintergründe des Demokratieverständnisses solcher Politiker geht. Lesen Sie also gerne auch den verlinkten Artikel, falls Sie es noch nicht getan haben.
7. FAQ
Frage 1: Worum geht es in dieser Grafik?
Sie veranschaulicht, aus welchen Ländern Deutschland im April 2026 Gas bezieht und wie sich der Anteil von LNG entwickelt hat.
Frage 2: Warum ist diese Statistik wichtig?
Sie dokumentiert den Strukturwandel der Energieversorgung seit dem Ausfall russischer Gaslieferungen und zeigt die zunehmende Bedeutung von LNG als global gehandeltem Energieträger.
Frage 3: Welche Hauptaussage lässt sich ableiten?
Deutschland bezieht sein Gas heute aus mehreren Quellen; der russische Anteil ist seit 2023 null, während LNG – trotz nur elf Prozent Anteil – eine strategische Rolle für Versorgungssicherheit und Preisdynamik spielt.
8. Quellen- und Transparenzhinweis
Datenbasis: Bundesnetzagentur (April 2026), aufbereitet von Statista (Infografik-Link).
Die grafische Darstellung ist gemeinfrei. Diese Beschreibung und Analyse wurden nach einer Vorlage von uns durch eine KI bearbeitet. Der Kommentar (6.) stammt von uns (TH).
Alle Werte sind gerundet; kleinere Abweichungen durch Aktualisierungen oder Zwischenstände sind möglich.
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

