Heute mal ein anderer Notstand – die öffentlichen Schulen in Berlin/ #BerlinFail #SchuleinBerlin #Schule #Berlin #ÖPP #Schulbauprojekt #HOWOGE

Während hoffentlich gerade ganz viele, die uns lesen, in Neukölln unterwegs sind, machen wir ein wenig Pause mit dem #Mietenwahnsinn – um einen weiteren Missstand in Berlin zu beleuchten.

Der Beitrag entstand schon zu Beginn des Schuljahres 2018/2019 und sollte einen größeren gesellschaftspolitischen Kontext gesetzt werden – doch die Ausrichtung des Wahlberliners auf das Wohnungsproblem hat nun dazu geführt, dass wir uns zur Verkürzung entschlossen haben und uns rein auf die Angaben zum Berliner Fail der öffentlichen Schulen konzentrieren.

Außerdem haben wir jüngst Kontakt zu einer Lehrerin bekommen, die in der Schule und um die Schule kämpft und darüber schreibt. Daher hat das, was wir unten mit eher abstrakt wirkenden Zahlen wiedergeben, nun auch wieder einen aktuellen, persönlichen Sound.

Es werden neue Schulen gebaut, sogar eine öffentlich-private Partnerschaft dafür auf den Weg gebracht, damit Sanierung und Neubau schneller gehen, das Schulbauprojekt ist eines der ambitioniertesten Vorhaben von 2RG. Aber woher sollen die Leherer_innen kommen? Das fragen sich besonders seit dem Beginn des laufenden Schuljahres nicht nur Eltern.

Nur ein Drittel der neuen Lehrer sind auch richtige Lehrer, berichtet hier der Tagesspiegel  

  • 2700 Neueintellungen, davon
    • nur 1.000 reguläre Lehrkräfte,
    • 750 Quereinsteiger und
    • 900 „LovLs“, die keine Lehrbefähigung im eigentlichen Sinn haben und nur Fristverträge erhalten.
  • Jahrelanges Einsparen und verfehlte Planungen bei der Lehrerausbildung haben dazu geführt, dass gerade dort, wo am nötigsten Fachkräfte gebraucht werden, an den vielen Berliner Brennpunktschulen, nun „Ungelernte“ ihr Glück versuchen müssen. Ob das wirklich funktioniert, hängt dann davon ab, ob jemand sein Studienfach auf ein Unterrichtsfach projezieren kann und ob er als Coach in schwierigen Lagen und bei schwierigem Team ein Naturtalent ist.

Zwei Wochen Crashkurs – und dann Lehrer, Quelle: unsere zeit

  • In ganz Deutschland fehlen ausgebildete Lehrer – vor allem an Grundschulen. In die Lücke springen vielerorts Quereinsteiger. Doch die sind zum Teil völlig unzureichend vorbereitet. Weiterhin wird von einem Informatikter berichtet, der im Lehramt seine Berufung gefunden zu  haben glaubt – Ende allerdings offen, denn ob die beiderseitigen Erwartungen erfüllt werden, kann sich erst mit der Zeit offenbaren und wir meinen, im Ernstfall, und der Ernstfall ist in Berlin der Normalfall, haben ausgebildete Pädagogen das bessere Rüstzeug. Sie haben gelernt, wie man mit Konfliktsituationen im Klassenzimmer umgeht und widerständige Schüler zum Lernen anregt.
  • Nur durch solche Notmaßnahmen konnten in Deutschland 2018/2019 alle zu besetzenden Stellen einigermaßen besetzt werden.

 Undurchsichtige Transparenzversprechen, Quelle Tagesschau

  • Tausende neuer Schulplätze waren zu Beginn des Schuljahrs zu schaffen, die Klassengrößen wachsen auf bis zu 28 Schüler_innen an. Wir erinnern uns an eine Grundschulklasse mit ca. 30 Mitschüler_innen, aber damals brauchte auch nicht fast jedes Kind eine individuelle Sonderförderung zum Ausgleich von Entwicklungsrückständen, um einigermaßen durch die ersten vier Jahre des Schullebens zu kommen.
  • „Der wachsende Schulplatzbedarf ist seit Jahren bekannt, der Personalmangel in den Bauverwaltungen und in der Bauwirtschaft wurde dennoch nicht behoben“, so die ARD-Tagesschau.
  • Nicht nur Versäumnisse bei der Ausbildung werden benannt, auch die Art, wie gebaut wird, ist noch einmal ein Thema: Der ÖPP-Teil des Schulbauprojekts mit der landeseigenen HOWOGE wird erwähnt, aber auch die Arbeitsbedingungen in Bau und Verwaltung. „Der GmbH soll das wirtschaftliche Eigentum an 29 Schulen per Erbpacht übertragen werden, damit Baumaßnahmen durch Privatkredite bezahlt werden können. Die für die HoWoGe fällige Miete soll das Land 25 bis 30 Jahre lang unkündbar an die Banken zahlen, unabhängig von der Auftragserfüllung durch die Bauunternehmen – „einredefrei“ (…)“.
  • Moniert wird, dass die HOWOGE gar nicht selbst über Fachpersonal für den Schulbau verfügt und Subunternehmer für die Neubauten und Sanierungen beauftragen muss und es werden generell die Vorzüge einer ÖPP erheblich in Frage gestellt und Negativbeispiel u. a. aus Offenbach am Main benannt.

TH

Medienspiegel 305

2 Kommentare

  1. Ja, wirklich erschreckend, was bei euch da in Berlin abgeht. Wir sollten drigend Bildung mehr wertschätzen, da wir in Deutschland nicht wirklich viele Bodenschätze haben. Was ich allerdings fragwürdig finde, ist die Ausbildung zum Lehrer generell. Du musst 5 Jahre lang studieren und hast abgesehen von zwei Praktika, die jeweils ingesamt etwa 12 Wochen dauern permanent nur Theorie. Jetzt im Referendariat ist plötzlich nur Praxis und selbst, wenn du weißt, was psychologisch oder pädagogisch guter Unterricht ist, musst du erst einmaldamit klar kommen, dass du eine Führungskraft bist. Dann machst du dir so gute und gründliche Gedanken, wie du unterrichten willst und scheiterst an der Realität. Da braucht nan wirklich schon ein dickes Fell und eine hohe Frustrationstolleranz, welche bei mir leider noch nicht so ausgeprägt ist.

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