Der traurige König – Tatort 829 / Crimetime 258 // #Tatort #München #Muenchen #Batic #Leitmayr #König #Koenig #BR #Tatort829

Titelfoto © BR, Kerstin Stelter

Der stille, einfache Gang

Wenn der Batic Ivo dem Leitmayr Franz das Märchen vom traurigen König erzählt, ohne Hintergrundmusik, ganz langsam, in der Wohnung vom Franz, dann passt das zu den beiden, die schon so viel miteinander erlebt haben. Es gibt auch eine oder zwei Szenen, in denen man das Gefühl hat, die Drehbuchschreiber haben vergessen, wie eng beieinander die beiden schon seit so langer Zeit stehen. Da wird ein blindes Verständnis sozusagen weggeschrieben und Unverständnis seitens des Franz kommt auf, weil der Ivo genau das sagt, was er wirklich in der Situation gesehen hat, als die Sache mit dem Schusswechsel passiert ist. Damit kann er Franz aber nicht entlasten, eher im Gegenteil. Aber wie konnte es dazu kommen? Darüber berichten wir in der -> Rezension.

Alles geschah, als die beiden zu einem Einsatz fuhren, für den sie gar nicht zuständig waren und dort die junge Kollegin Julia, die zum Lernen auf die Dienststelle der beiden geschickt wurde, sich in Gefahr begeben hat und ein junger Mann mit der Waffe erst auf sie, dann auf den Franz losging. Letzterer hat nicht erkannt, dass es eine Nachahmung war, sondern die Pistole für echt gehalten. Damit begann der Nervenkrieg, weil die interne Ermittlung gegen den Franz in Marsch gesetzt wurde. Im Verlauf der Handlung stirbt der von Franz angeschossene junge Mann und es hat sich auch noch herausgestellt, dass dieser der Sohn von Nachbarn des Franz ist. Das geht an die Grenzen, und wie in „Wir sind die Guten“ vor zwei Jahren, muss einer der großen Cops den anderen stabilisieren. Diesmal, vom selben Drehbuchgespann, wirkt es aber glaubwürdiger, das ist schon einmal die gute Botschaft.

Die weniger gute: Es hat nicht alles gestimmt an diesem Tatort. Die Sache, wie der Tod  des Siggi dem Zuschauer mit einer Art Verarschung inszeniert wird, die war vorhersehbar und auch ziemlich krude. Wie der scharfe Polizist Maus (welch Name!) plötzlich einknickt, als der wütende Batic auf ihn zielt – mit einer Replika? – die ist in einem Film, der so genau auf die Psyche schaut, besonders natürlich bei Franz Leitmayr, ziemlich grob gestrickt.

Trotzdem ist es wieder ein echter Münchener geworden. Mit sehr, sehr peniblen, szenischen Studien von Menschen und ihren Verstrickungen, besonders von familiären. Da wird die Eindringlichkeit voll ausgelebt und man geht mit. Mit der Familie und natürlich auch mit Franz Leitmayr, wie er in die Engegetrieben wird, sich wehrt, eigentlich keine Chance hat und dann durch das Geständnisvon Siggis Mutter, die wusste, dass ihr Sohn es darauf angelegt hat, erschossen zu werden, entlastet wird. Diese Lösung ist überraschend und gut, die Schlussszene, Leitmayr noch einmal vor der internen Kommission, ist beides nicht. Denn gleich, was Siggi wollte, hätte Leitmayr nun anders  handeln können oder nicht? Diese Frage wird nicht geklärt, aber die Absicht des Getöteten ändert nichts an den Fakten, die zu ermitteln sind.

Das ist das erst am Ende aufgetischte Problem des Falles, das eine noch höhere Bewertung verhindert als die 8,0/10, die wir in dieser Phase der Rezension andenken. Dass die Fragwürdigkeiten nicht stärker negativ zu Buche schlagen, kommt daher, weil wir die starke, ruhige Inszenierung, die einfache, aber tadellose Konstruktion gegen die Schwächen in der logischen Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaftund die sehr guten Schauspielleistungen gegen einige Schwächen der Zeichnung einer einzelnen Figur stellen können, dabei kommt am Ende eben doch ein überdurchschnittlicher Tatort heraus.

Handlung

Was sind schon Zahnschmerzen, wenn man von seinem Vorgesetzten Brandner unvermutet eine junge Kollegin zur Seite gestellt bekommt – zu Ausbildungszwecken. Die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic geben sich höflich und durchaus nicht uninteressiert. Die junge Kollegin gewinnt zunehmend Pluspunkte.

Auf einer Routine-Dienstfahrt kommen die drei in eine prekäre Situation. In einem brennenden PKW vor einem Bauernhof können sie die Umrisse einer Person erkennen, bevor der Wagen explodiert. Im Fenster des angrenzenden Bauernhofs sehen sie die Silhouette eines Mannes. Leitmayr will den Mann stellen. Es fallen Schüsse. Leitmayr trifft drei Mal. Siggi Aumeister bricht zusammen und fällt ins Koma. Sofort beginnen die internen Ermittlungen zu greifen. Franz Leitmayr muss seine Waffe zur Spurensicherung abgeben. Es kommt zur Durchsuchung seines Büros – routinemäßig nach Alkohol und Drogen. Vorschriftsmäßig wird nach „Schusswaffenerlebnissen“ dem Polizisten Leitmayr eine Beurlaubung angeboten. Er muss vor einer Untersuchungskommission aussagen.

Besonders nachhaltig agiert in diesem Zusammenhang Ermittler Maus. Wieso erkannte Leitmayr nicht, dass es sich bei der Waffe seines Gegenübers um ein „Replikat“ gehandelt hat? Eine psychologische Beratung steht an: Therapeutin Sophie Wiesmann weigert sich dabei, dem Patienten Leitmayr Schlaftabletten zu verschreiben. Und ausgerechnet Batic hat der Untersuchungskommission gegenüber ausgesagt, dass Leitmayr am Tattag Schmerztabletten eingenommen hat. Wieso fällt Batic seinem langjährigen Kollegen Leitmayr in den Rücken?

Weitaus schlimmer aber ist es, den Eltern des schwer verletzten Siggi gegenüberzustehen. Schorsch und Elisabeth Aumeister betreiben in unmittelbarer Nachbarschaft von Leitmayr ein alteingesessenes Eisen- und Haushaltswarengeschäft. Mutter Elisabeth und Vater Schorsch kennen Franz Leitmayr als Kunden. Sie ahnen nicht, dass ausgerechnet er die Schüsse auf ihren geliebten Sohn abgegeben hat. Es gibt Automatenbilder, auf denen Siggi Aumeister fröhlich mit einer Frau posiert. Doch von der Familie will niemand Adriana Kaminski kennen. Der ältere Sohn Markus lebt nicht mehr im Elternhaus. Als stellvertretender Filialleiter eines Baumarkts führt er ein eigenständiges Leben. Doch die Fassade bröckelt. Es gab einen Überfall im Baumarkt, an dem mutmaßlich Bruder Siggi beteiligt war. Welches Geheimnis verbirgt die Familie?

Als Siggi im Krankenhaus stirbt, stehen die Zeichen für Hauptkommissar Leitmayr innerhalb seiner Dienststelle auf Sturm. Und nicht nur da. Mutter Elisabeth sieht sich hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Mann Schorsch, der sich ahnungslos verschuldet hat, und ihren zwei Söhnen. Und sie weiß genau: Wenn der Laden stirbt, stirbt auch Schorsch. 

Rezension

Alles geschah, als die beiden zu einem Einsatz fuhren, für den sie gar nicht zuständig waren und dort die junge Kollegin Julia, die zum Lernen auf die Dienststelle der beiden geschickt wurde, sich in Gefahr begeben hat und ein junger Mann mit der Waffe erst auf sie, dann auf den Franz losging. Letzterer hat nicht erkannt, dass es eine Nachahmung war, sondern die Pistole für echt gehalten. Damit begann der Nervenkrieg, weil die interne Ermittlung gegen den Franz in Marsch gesetzt wurde. Im Verlauf der Handlung stirbt der von Franz angeschossene junge Mann und es hat sich auch noch herausgestellt, dass dieser der Sohn von Nachbarn des Franz ist. Das geht an die Grenzen, und wie in „Wir sind die Guten“ vor zwei Jahren, muss einer der großen Cops den anderen stabilisieren. Diesmal, vom selben Drehbuchgespann, wirkt es aber glaubwürdiger, das ist schon einmal die gute Botschaft.

Die weniger gute: Es hat nicht alles gestimmt an diesem Tatort. Die Sache, wie der Tod  des Siggi dem Zuschauer mit einer Art Verarschung inszeniert wird, die war vorhersehbar und auch ziemlich krude. Wie der scharfe Polizist Maus (welch Name!) plötzlich einknickt, als der wütende Batic auf ihn zielt – mit einer Replika? – die ist in einem Film, der so genau auf die Psyche schaut, besonders natürlich bei Franz Leitmayr, ziemlich grob gestrickt.

Trotzdem ist es wieder ein echter Münchener geworden. Mit sehr, sehr peniblen, szenischen Studien von Menschen und ihren Verstrickungen, besonders von familiären. Da wird die Eindringlichkeit voll ausgelebt und man geht mit. Mit der Familie und natürlich auch mit Franz Leitmayr, wie er in die Engegetrieben wird, sich wehrt, eigentlich keine Chance hat und dann durch das Geständnisvon Siggis Mutter, die wusste, dass ihr Sohn es darauf angelegt hat, erschossen zu werden, entlastet wird. Diese Lösung ist überraschend und gut, die Schlussszene, Leitmayr noch einmal vor der internen Kommission, ist beides nicht. Denn gleich, was Siggi wollte, hätte Leitmayr nun anders  handeln können oder nicht? Diese Frage wird nicht geklärt, aber die Absicht des Getöteten ändert nichts an den Fakten, die zu ermitteln sind.

Das ist das erst am Ende aufgetischte Problem des Falles, das eine noch höhere Bewertung verhindert als die 8,0/10, die wir in dieser Phase der Rezension andenken. Dass die Fragwürdigkeiten nicht stärker negativ zu Buche schlagen, kommt daher, weil wir die starke, ruhige Inszenierung, die einfache, aber tadellose Konstruktion gegen die Schwächen in der logischen Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaftund die sehr guten Schauspielleistungen gegen einige Schwächen der Zeichnung einer einzelnen Figur stellen können, dabei kommt am Ende eben doch ein überdurchschnittlicher Tatort heraus.

Was stört, das stört. Der interne Ermittler Maus, der den Vorfall des Schusswaffengebrauchs des Franz Leitmayr untersucht, ist eher ein seltsamer Vogel. Mit seinem sehr kurzen Haarschnitt und der spartanisch-dunklen Kleidung im Rolli, dem sehr scharfen Blick und den strengen Gesichtszügen wird er inszeniert wie ein moderner Großinquisitor, fehlt nur noch, dass er oben auf einer Kanzel sitzt und ganz unten der kleine Leitmayr steht – dann wäre er aber nicht modern genug, außerdem ist er sehr schlank und nicht sehr groß. Damit fehlt der Figur aber auch jede Gemütlichkeit.

Dieser Mann scheint Leitmayr geradezu persönlich zu hassen und verfolgt ihn, bedrängt ihn mit eiserner Konsequenz, um ihm ein Dienstvergehen beim Schusswaffengebrauch gegen Siggi Aumeister nachzuweisen. Bis dem Freund Batic die Gefühle durchgehen und der die Waffe auf Maus hält. Da bricht dieser Typ binnen Kurzem zusammen. Wir hätten eher gedacht, dass nun auch Batic ein Problem bekommt und suspendiert wird.

„Lieber ein guter Polizist zu Unrecht am Pranger, als dass einer, durch seine Uniform geschützt, unkontrolliert Gewalt ausüben darf.“

So lautet das Credo des Maus sinngemäß und es ist genauso falsch, wie es mal wieder politisch korrekt scheint. Es müsste heißen, die Wahrheit zählt. Entweder ist Leitmayr unter Anspannung aller Gewissenskräfte und nach Sachlage für unschuldig zu befinden – oder eben nicht. Darauf, ob Siggi Aumeister es auf die Tötung seiner eigenen Person angelegt hat und dafür den Franz Leitmayr als Werkzeug verwenden wollte, kommt es insofern nicht an, als zunächst geklärt werden muss, ob tatsächlich und unabwendbar und unter den besonderen Voraussetzungen, die ein geschulter Polizist zu  erfüllen hat, eine Notwehrlage für diesen gegeben war.

Anfangs lässt Maus es überhaupt nicht gelten, dass Leitmayr unter erschwerten Lichtverhältnissen geschossen hat und die Waffe des Siggi vielleicht nicht als Replikat erkennen konnte. Und dass auch der Stress, die Gefahrensituation, die Lage verschärft hat und ein überlegtes und komplett präzises Handeln erschwert haben dürfte. Wir hatten gleich das Gefühl, dass man das dem Leitmayr entlastend anrechnen muss, noch bevor es auf der Dienststelle von diesem als rechtfertigend im Sinn einer Notwehrlage gegenüber dem Maus ins Feld geführt wurde.

Aber der Maus lässt es nicht gelten, sondern erst dann, als klar ist, dass Siggi es darauf angelegt hat. Eine Notwehrlage ist aber eine objektive Sache und fragt erst einmal nicht nach den Motiven dessen, der sie verursacht hat. Gemäß seiner Funktion und auch seinem Charakter hätte also der Maus diese Sache konsequent zu Ende ermitteln müssen. Hier aber wirkt es, als habe er die nunmehr durch seiner Mutter erläuterte Motivlage des Siggi zum Anlass genommen, beim Handeln des Leitmayr nicht mehr so genau hinzuschauen. Wirklich befriedigend finden wir die Schlussszene von „Der traurige König“ nicht, obwohl wir natürlich mit allen, die die Münchener Kommissare mögen, froh sind, dass der Alptraum für den Leitmayr Franz nun endet und er rehabilitiert ist.

Vielleicht hat der Maus auch nachgelassen in seinem Eifer, weil er durch den Batic selbst in eine vermeintlich lebensbedrohliche Lage gebracht wurde. Wie eingangs erwähnt, da ist der Maus etwas zu schnell zur Maus geworden und auch dem sonst immer so besonnenen und korrekt handelnden Batic haben wir diese Szene nur mit  Magenschmerzen abgenommen. Es muss dem Batic doch klar gewesen sein, dass er seinem Freund damit keinen Gefallen tut, wenn der Internermittler wirklich ein scharfer Hund ist. Und Batic wusste zu dem  Zeitpunkt nicht, wie der Fall wirklich lag, den Siggi betreffend, sonst wäre die Aktion ja nicht nur fragwürdig, sondern auch überflüssig gewesen.

Trotzdem viele Pluspunkte. Dass uns die obigen Dinge gestört haben, mussten wir erst einmal anmerken, auch, um den Zusammenhang nicht zu verlieren und selbst nicht in Logikprobleme zu kommen, weil wir schon Details vergessen haben.

Jetzt aber zum Guten. Die Familientragödie ist klasse aufgebaut. Alles glaubhaft im Verhalten der einzelnen Mitglieder der Familie. Im Grunde ist der Schuldige an allem der alte Vater Georg Aumeister, der die Welt und seine Söhne zu simpel in Gut und Böse einteilt und demgemäß auch kein gewiefter Kaufmann sein kann, sondern seine Familie im Grunde damit terrorisiert, dass er eisern an dem kleinen Laden festhält, der gegen Baumärkte wie jenen, in dem sein Sohn Markus arbeitet, nicht bestehen kann.

Er macht einen Selbstmordversuch, als er sieht, dass er das Geschäft heruntergewirtschaftet hat und seitdem tun die beiden Söhne und seine Frau alles, um ihn glauben zu lassen, dass es wieder aufwärts geht. Die Frau nimmt ihm die Buchführung ab, damit er keinen Einblick mehr hat, Sohn Markus überweist große Teile seines Gehalts als stellvertretender Baumarktleiter an die Eltern und Siggi überfällt genau diesen Baumarkt, ebenfalls, um dem Vater zu helfen. Markus hat das aber nicht mit Siggi abgesprochen, wie man lange Zeit vermutet.

Eine Verkettung tragischer Umstände, die sich über Jahre ergeben haben, führt zur Tragödie und da gerät der Franz Leitmayr mitten hinein.

In dem Fall wird nichts Wesentliches ausgelassen und er konzentriert sich so sehr auf seine Figuren, dass die Handlung mal wieder stellenweise etwas geflickt wirkt. Wer so vom dem Gipfel des Tatort-Olymps strahlt wie die Kollegen Batic und Leitmayr, der kann aber auch mit einem stellenweise geflickten Handlungsmantel noch einen guten Eindruck machen. Oder mit einem T-Shirt mit Ketchupflecken, die ja so schön als Symbol für die befleckte Weste des Polizisten herhalten können. Auch Kaffeeflecken werden dabei vor Scham rot und wirken überhaupt irgendwie unnatürlich.

Das richtige Alter. Interessant, zu sehen, wie Franz Leitmayr unter den Augen des Zuschauers kleiner zu werden und zu altern scheint, da hat der Schauspieler Udo Wachtveitl, der sonst oft ein wenig hinter dem subtiler angelegten Ivo Batic zurücktritt, eine Menge zu leisten gehabt und das hat er gut bewältigt. Davor haben wir großen Respekt, weil ein paar Kleinigkeiten darüber entscheiden, ob solch eine Tortur, wie er sie hier durchmacht, glaubwürdig erscheint. Er hat das ohne zu viel Pathos gespielt und doch sehr intensiv, wenn man so will, hat er den Tatort 829 getragen.

Ebenfalls sehr gut waren die Eheleute Aumeister gespielt (Elisabeth Orth, Wolfgang Hübsch), wobei der Mann für heutige Verhältnisse archaisch und in seiner geschlossenen Einfachheit auch wieder beeindruckend wirkt. Da ist einer, den man sich in den Bergen als bäuerlichen Patriarch am besten vorstellen kann, in der Stadt gelandet und ist mit den Verhältnissen nicht zurechtgekommen. Dabei sind die Aumeisters seit mehr als hundert Jahren in München ansässig und betreiben ihr kleines Metallwarengeschäft. Aber es gibt Menschen mit dieser monolithischen, an uralten Werten orientierten Charakterstruktur, es kommt darauf an, diese richtig darzustellen und das ist hier gelungen. Klarer Vorteil: dass dies in Bayern einfacher ist als zum Beispiel in Berlin, wo es kaum Charaktere von solcher Statur gibt, die dazu noch echt wirken – nicht einmal unter den Zugereisten. Man könnte schon auch mit – eben anders gearteteten – Kiezfiguren arbeiten, aber man setzt seit Jahren auf eine profane Großstadtallüre, die an Flachsinn und Austauschbarkeit kaum zu überbieten ist.

Finale

Das Tatortjahr 2012 kommt bisher gut, da macht „Der traurige König“ keine Ausnahme, sticht aber auch nicht heraus. Die Acht haben wir nun schon mehrmals gezückt. Wir fanden die Nummer 829 spannend auf die anspruchsvolle Art: Die Spannung ist in den Figuren angelegt, und dies zu erzielen, ist nicht so einfach, wie mit einfachen Kniffen Thrill zu erzeugen. Dazu gehört eine sichere Schauspielerführung und das Treffen des richtigen Tons.

Die Anlage des Falls als Whodunnit tritt vor dem Drama des Franz Leitmayr und dem der Familie Aumeister in den Hintergrund, ermittelt wird eher gegen den Kommissar Leitmayr als durch diesen und seinen Kollegen Batic. Die Aufklärungsarbeit liegt praktisch in den Händen der jungen Polizistin Julia, die den ganzen Schlamassel durch ihren Übereifer erst auslöst, die erfahrenen Kollegen zu dem brennenden Auto lotst und damit an den Ort, an dem Leitmayr die folgenschweren Schüsse auf Siggi Aumeister abgibt.

Stark gespielt, handlungstechnisch sauber, wenn auch ein stellenweise rau gezimmert, die Logik der Figuren stimmt bis auf den Ermittler Maus, der aber im Fall eine wichtige Stellung einnimmt, die der Handlung bis auf das Ende, die internen Ermittlungen werden erst zu grausam geführt und dann zu rasch mit dem Stempel erledigt versehen. Dass mit Ersterem Spannung aufgebaut wird und mit Letzterem dem 90-Minuten-Format Rechnung getragen und dem Zuschauer Erleichterung zuteil wird, ist nachvollziehbar, stellt für uns aber keine sichere dramaturgische Notwehrlage dar.

Daher eine überdurchschnittliche, aber keine überragende Wertung: 8,0/10. Kein Grund zur Trauer für die Könige unter den Tatortkommissaren.

© 2019, 2012 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Brandner – Alexander Held
Julia Winters [neue Kollegin] – Sylta Fee Wegmann
Siggi Aumeister – Lasse Myhr
Maus – Torsten Michaelis
Elisabeth Aumeister – Elisabeth Orth
Markus Aumeister – Stephan Zinner
Wolf – Thomas Darchinger
Arzt – Harry Blank
Schorsch Aumeister – Wolfgang Hübsch
Waffenmeister – Harry Täschner
Nachbarin – Angelika Bender
Marlen – Sabine Vitua
Adriana – Lisa Hofer
u.a.

Drehbuch – Magnus Vattrodt, Jobst Christian Oetzmann
Regie – Thomas Stiller

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