Crimetime Vorschau - Titelfoto HR, Bettina Müller
Der zehnte Film mit Brix und Janneke
Wir haben lange überlegt, ob wir beim neuen Wahlberliner die Team-Bewertungsgrafken weiterführen. Zum einen aus Zeitgründen, zum anderen, weil hier die dezidierte Meinung einer Tatortcommunity (die Nutzer des Tatort-Fundus) wiedergegeben wird und man soll doch nicht so viel bewerten. Wir tun das am Ende unserer einzelnen Rezensionen aber weiterhin, um unsere Ansicht zur Qualität eines Films zusammenfassend auszudrücken und eine Kritik ohne Ansicht wäre eine reine Beschreibung. Die Frage ist nur, ob man sie in eine Zahl fassen muss. Wir haben uns dafür entschieden, weiterhin diesen Weg zu verfolgen, zumal viele unserer Beiträge aus „Crimetime“ Wiederveröffentlichungen sind, die komplett gezeigt werden sollen.
Warum dieser lange Anlauf bei Brix und Janneke? Weil die beiden in Frankfurt ein schweres Erbe angetreten haben, dem vielleicht nicht sie als Personen, aber ihre Filme bisher nicht gerecht werden konnten. Den Ruf, den sich der Hessische Rundfunk tatortmäßig nach der sehr konservativen Ära Brinkmann mit Sänger und Dellwo und dann mit Steier und Mey earbeitet hat, ist mittlerweile in Gefahr. Es fing eigentlich ganz gut an, die ersten Tatorte des neuen Teams, das durch den vorzeitigen Abgang erst von Conny Mey und dann von Frank Steier zusammengestellt werden musste, kamen mit Durchschnittswertungen von etwa 7/10 gar nicht so schlecht an. Danach ging es sachte abwärts. Dann ging es auseinander. Während wir „Wendehammer“ recht gut bewertet haben, waren viele Fans anderer Ansicht und es wurde schlimmer. „Land in dieser Zeit“, „Fürchte dich“, der Gruselkrimi unter den Tatorten und „Der Turm“ wurden jeweils mit weniger als 5/10 abgestraft. Alle drei Fälle stehen derzeit auf Rängen unter den letzten 50 der regulären Zählung von nunmehr 1.100 Tatorten (Stand 1. September 2019). Das gab gibt es in dieser Massierung im Weentlichen bei Teams, die als Fail gelten, wie Roiter aus Berlin. Auch andere Ermittlercrews hatten mehrere „Aussetzer“, aber bezogen auf eine viel größere Zahl an gelösten Fällen waren das eben Ausnahmen, während sich die negative Tendenz bei Janneke und Brix verfestigt. Schon Steier und Mey hatten keine ganz großen Filme wie „Weil sie böse sind“, aber im Gesamtbild sieht es anders aus: Steiers Filme stehen, ihre Durchschnittsbewertung betreffend, derzeit auf Rang drei aller aktiven und inaktiven Ermittler, das sind mittlerweile nicht weniger als 93.
Dellwo (und Sänger) halten Rang 7, obwohl einige Fans mit der ätherischen Charlotte Sänger nicht so recht klarkamen. Brix aber hat mit den Positionen 63 in der Allzeitliste und 18 von 22 aktiven Ermittlerteams bereits ein richtiges Problem. Selbst die umstrittene Eva Saalfeld aus Leipzig kommt in der ewigen Liste auf einen mittleren Platz 48, hinter Brix liegen in der Liste der noch arbeitenden Teams nur noch der erwähnte Stellbrink, Lessing aus Weimar, Berlinger (Freiburg) und Tschiller (Hamburg). Der NDR, der einst mit führend im deutschen Krimiwesen war, hat sich mit Tschiller ein richtiges Ei gelegt und dem HR schon vorgemacht, wie es nicht laufen sollte. Zum Glück laufen die übrigen Schienen dort einigermaßen gut, aber der HR hat nur insgesamt zwei – und Murot vom LKA kommt zu selten auf den Bildschirm und seine Filme sind zu exzeptionell, um den Hr tatortmäßig auf Kurs zu halten. Immerhin liegt er unter den aktuellen Ermittler*innen auf Rang 6, das ist angesichts der besonderen, oft recht experimentell ausgestalteten Fälle und seiner Art, die man mögen muss, ein guter Rang.
Man kann sich mühsam nach vorne arbeiten, wie der Schweiz-Kommissar Flückiger, der nun aber gestoppt wurde oder sich selbst gestoppt hat, nachdem er immerhin an Brix vorbeigezogen ist. Aber das ist eher die Ausnahme, die meisten Teams geben im Verlauf einer längeren Dienstzeit eher etwas nach. Auch Stellbrink hört auf, obwohl durch viel Justieren mittlerweile eine gewisse Akzeptanz seiner Person und seiner Filme in der Tatortgemeinde erreicht ist. Wie man schnell reagiert, hat der krisenerfahrene MDR mit der aktuellen Dresden-Schiene, die nach der Saalfeld-Ära ebenfalls zunächst nicht sehr beliebt war, vorgemacht und sie innerhalb weniger Produktionen so gedreht, dass ihr viel Potenzial nach oben zugerechnet wird. Der erfolgsverwöhnte Hessische Rundfunk hingegen hat noch keine Handhabe gefunden, wie er die beiden im heutigen Umfeld eher konventionell wirkenden Janneke und Brix so aufstellen kann, dass sie bei den Zuschauer*innen besser ankommen.
Dabei geht es nicht nur um den Vergleich mit anderen Ermittler*innen, sondern auch um die Durchschnittswertungen der Tatorte: 5,85/10 stehen aktuell zu Buche.
Das ist zu wenig für den Anspruch des Hessischen Rundfunks, der mit Sänger und Dellwo und Murot fast für jeden Film, den sie gemacht haben, wichtige Fernsehpreise abräumte. Schon Steier-Mey erreichten diese Dichte an Auszeichnungen nicht mehr und mit dem Einsatz von Brix und Janneke versiegte dieser Strom von Ehrungen für die Frankfurt-Schiene quasi über Nacht.
Die erste Möglichkeit, die Kurve zu kriegen und wenigstens wieder ins gesicherte Mittelfeld zurückzukehren, in dem sich Brix und Janneke anfangs aufhielten, besteht heute Abend mit „Falscher Hase“. Hier nun das Ergebnis des bisherigen Schaffens, erstmals für dieses Team grafisch dargestellt. Eine Bodenbildung ist zu erkennen, aber damit sollte sich der Sender nun nicht zufriedengeben.

„Zur Feier des Tages – das gelobte Ende der Sommerpause 2019 ist endgültig geschafft, die Hopfenkaltschale darf erhoben werden! – wird der treuen Tatort-Gemeinde ein gebratener Klassiker aus Rind und Schwein serviert: der falsche Hase.
Was es mit dem hessischen Hackbraten auf sich hat, erfährt das Krimipublikum am Sonntagabend, den 1. September 2019 um 20.20 Uhr (!) in Das Erste. Das Duo Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) aus Frankfurt ermittelt; „Falscher Hase“ (Tatort-Folge 1101) ist ihr zehnter gemeinsamer Fall, den die Kriminalisten im Auftrag des HR und des – nun ja – verhaltensauffälligen Staatsanwalts Bachmann untersuchen„, schreibt Tatort Fans.
TH
Handlung
Die Lohmann Solar Technology GmbH steht kurz vor der Pleite. In ihrer Verzweiflung versuchen sich Hajo Lohmann und seine Frau Biggi an einem Versicherungsbetrug und inszenieren einen Raubüberfall. Als sie hierbei jedoch von einem Security-Mann überrascht werden, greift Biggi zur Waffe und erschießt den Mann mit einem gezielten Schuss zwischen die Augen.
Brix und Janneke stehen vor einem Rätsel: Wer beklaut eine kleine, mittelständische Firma? Sind es Profis, die hier am Werk sind? Und welcher Meisterschütze war für den Mord an dem Security-Mann verantwortlich? Während Brix und Janneke ermitteln, wird die Sache für Hajo und Biggi zunehmend komplizierter: Überfordert mit der Umsetzung ihres Plans und der Vertuschung ihres Verbrechens, stellen sich ihnen auch noch Möchtegerngangster in den Weg, die ihnen das Versicherungsgeld abknöpfen wollen.
Als die Möchtegerngangster dann auch noch mit echten Gangstern in Kontakt kommen, versuchen sich alle gegenseitig übers Ohr zu hauen, ohne dass irgendjemand wirklich den Überblick behält. Als Biggis Versicherung obendrein die Zahlung verweigert, versucht sie verzweifelt, zu retten, was zu retten ist – und versinkt langsam aber sicher in ihrer selbstverschuldeten Misere.
Playlist
| Titel | Komponist | Interpret |
|---|---|---|
| Tatort-Titelmusik | Klaus Doldinger | Klaus Doldinger |
| The power of love | Candy De Rouge Gunther Mende | Jennifer Rush |
| Nothing´s gonna change my love for you | Gerry Goffin, Michael Masser | Glen Medeiros |
| Boys of summer | Don Henley, Mike Campbell | Don Henley |
| Hold me now | Johnny Logan Sean Sherrard Shay Healy | Johnny Logan |
| Tatort-Abspannmusik | Klaus Doldinger | Klaus Doldinger |
Besetzung und Stab
| Rolle | Darsteller |
|---|---|
| Paul Brix | Wolfram Koch |
| Anna Janneke | Margarita Broich |
| Jonas | Isaak Dentler |
| Bachmann | Werner Wölbern |
| Biggi | Katharina Marie Schubert |
| Hajo | Peter Trabner |
| Uwe Ohlberger | Godehard Giese |
| Sahni | Ronald Kukulies |
| Rick | Friedrich Mücke |
| Anouk | Johanna Wokalek |
| Funktionsbereich | Name des Stabmitglieds |
|---|---|
| Musik: | Christoph M. Kaiser, Julian Maas und Stefan Will |
| Kamera: | Armin Dierolf |
| Buch: | Emily Atef und Lars Hubrich |
| Regie: | Emily Atef |
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