Heiße Colts in harten Fäusten (Return of the Gunfighter, USA 1967) #Filmfest 87

Filmfest 87 A

2020-08-14 Filmfest AVorwort 2020

Heute zeigen wir zu Abwechslung wieder eine Filmrezension im „Original“ – so, wie sie in diesem Fall im Juli 2011 für den „ersten“ Wahlberliner geschrieben wurde. Damals trug sie die Bezeichnung „FilmAnthologie Nr. 31“.

I. Kurzkritik

Zuletzt haben wir uns immer mehr auf große Filme kapriziert und es werden noch viele folgen, aber gestern sind wir 3Sat gefolgt und waren erstaunt, was durch den Erwerb von Filmpaketen doch immer wieder den Weg auf den Bildschirm findet – obwohl so viele alte Meisterwerke kaum noch gezeigt werden – und Filme, deren Besprechung uns höhere Klickzahlen einbringen würde, gäbe es sicher auch.

Uns hat der Film aber interessiert, weil er einer der letzten von Rober Taylor ist, der zwei Jahre später, im Alter von nur 58 Jahren, an Lungenkrebs verstarb.

Der Film mit dem sperrigen, damals aber üblichen deutschen Verleihtitel „Heiße Colts in harten Fäusten“ ist ganz konventionell strukturiert, eine typische Abrechnungsgeschichte mit typischem Showdown, der durch Taylors Spiel, wenn man so will, durch sein Gesicht, eine gewisse Intensität gewinnt.

Handwerklich ist „Heiße Colts in harten Fäusten“ sauber gemacht, ohne irgendwelche besonderen Highlights aufzuweisen. Handwerklich sauber heißt, keine größeren Längen, die Handlungslogik stimmt und er ist hinreichend spannend, obwohl man das Ende aufgrund des eingespielten, um nicht zu sagen ausgelutschten Musters schon früh kennt.

II. Handlung, Besetzung, Stab

Revolverheld Ben Wyatt (Robert Taylor) erreicht der Hilferuf einer mexikanischen Familie. Doch er kommt zu spät: Bis auf Tochter Anita (Ana Martin) wurden alle ermordet. Bei der Suche nach den Tä­tern bietet der junge Desperado Lee Sutton (Chad Everett) seine Hilfe an… In dem düsteren Western spielte der an Lungenkrebs erkrankte Kettenraucher Robert Taylor (1911 – 69) eine seiner letzten Rollen.

Darsteller und Rollen:

Regie:

James Neilson

(Handlung und Darsteller: TV Spielfilm)

III. Rezension

  1. Fernsehformat?

1:33 zu 1 ist das Bildschirmformat von „Heiße Colts in harten Fäusten“, im US-Western der ausgehenden 60er für einen Kinofilm ungewöhnlich, TV Spielfilm apostrophiert ihn auch als TV-Western.

In der IMDb (International Movie Database) weist nichts auf einen TV-Film hin, obwohl die Produktionsfirma hauptsächlich TV-Filme produziert hat. Es ist nicht unwichtig, das zu wissen, denn an einen TV-Film kann man nicht die Maßstäbe anlegen wie an ein Werk für den Bic Screen.

Für den Big Screen war das Format jedenfalls ungewöhnlich schmal und lässt dieses Spätwerk von Robert Taylor sehr intim wirken, ohne dass es kammerspielartige Züge aufweist.

Nach klassischen Maßstäben wäre es sicher ein B-Film, auch wenn die Spieldauer von 98 Minuten für einen solchen etwas lang ist.

Natürlich merkt man „Heiße Colts in harten Fäusten“ an, dass der Film keine teure Produktion war und der Altstar Robert Taylor zwar ein großer Name, aber zu dem Zeitpunkt musste ihm sicher keine Millionengage bezahlt werden, um ihn als immer noch zugkräftigen Hauptdarsteller zu besetzen.

  1. Robert Taylor

Vor allem seinetwegen lohnt es sich, den Film anzusehen. Wir haben ihn noch nie zuvor so gealtert erlebt, und er wirkt älter als die 56 Jahre, die er wirklich zählte, als der Film entstand. Seine Gestik, seine Mimik, auch sein Gang sind diejenigen eines alternden Helden, den er ja auch spielt. Dass er mit dem Colt immer noch so schnell ist, mang man glauben oder nicht, aber in diesem Punkt ist der Western ja eher am Mythos als am Verschleiß des realen Lebens orientiert.

Mehr als zwanzig Jahre hatte Taylor für das damals führende Studio MGM gearbeitet, bevor sein Kontrakt 1958 auslief und er für kleinere Firmen wie King Brothers Productions tätig war, die „Heiße Colts in harten Fäusten“ produzierte.

Seine berühmtesten Rollen spielte er 1936 in „Die Kameliendame“ an der Seite von Greta Garbo und 1952 in „Quo Vadis“ als römischer Offizier, seine Darstellung haben wir in der Rezension zu diesem Film gewürdigt. Auch in „Westward the Women“ aus 1951 spielt er eine wichtige Rolle als Führer einer Karawane von Frauen.

In seiner Jugend und auch noch bis ins mittlere Alter extrem gutaussehend, war er zeitweilig einer der führenden männlichen Hollywoodstars, aber die Kritik mochte ihn nicht und seine politischen Ansichten machten Schlagzeilen, als er während der McCarthy-Ära zu den Denunzianten in Hollywood gehörte. Alles dies aber wirkte auf eine Weise undezidiert. Sowohl die Verrisse als auch seine Rolle während der Kommunistenhetze wirken anti-intellektuell. Dabei war Taylor einer der gebildetsten Schauspieler des Hollywoodfilms seiner Tage. Sohn einer Arztfamilie, er selbst hatte graduiert und war künstlerisch sowohl interessiert als auch begabt.

Am Ende aber blieben Rollen wie die des alternden Westerners und seine Figur dominiert „Heiße Colts in harten Fäusten“ ganz eindeutig. Er spielt einen Mann ohne Illusionen, der halb selbst ins Geschehen eingreift, halb hineingezogen wird, der eigentlich nur seine Ruhe möchte, aber doch noch einmal als Revolverheld aktiv wird, ohne Illusionen und Firlefanz – nur manchmal, wenn er die Lippen zusammenpresst, entsteht noch so etwas wie eine Dynamik der Auflehnung gegen das unausblebliche Schicksal des Westernhelden, der nicht einfach stirbt, sondern vergeht.

Romantik ist nicht mehr zu erwarten, im Gegensatz zu vielen seiner früheren Filme und Rollen, das Mädchen Anita, das ihm sozusagen anvertraut ist, nachdem seine Eltern erschossen wurden, lässt er am Ende mit einem jungen Kerl ziehen und das ist auch natürlich und gut so.

  1. Muster ohne Schnörkel

Durch Taylors Darstellung das, was man alles über ihn weiß und wie man seine Person und die Rolle in einer Einheit verschmelzen sieht, bekommt der Film Dramatik, wirkt geschlossen und ohne jeden Schnörkel und ganz innovationsfrei solide.

Die übrigen Charaktere und Schauspieler bleiben nicht im Gedächtnis, bis auf diesen fiesen Typ mit den Schlafaugen, der am Ende sein Leben lassen muss, wie alle Bösen.

Bei genauem Hinsehen ist „Heiße Colts in harten Fäusten“ doch eine Art Sonderstück, weil einer der letzten der ganz klassischen Filme, in dem einer oder zwei gegen alle stehen und eine Menge von diesen miesen Typen aus dem Weg räumen müssen, bis die Gerechtigkeit siegt. Zeitgerecht für damalige Verhältnisse war die Tatsache, dass Taylor sich nicht für weiße Siedler, sondern für eine mexikanische Familie einsetzt, das ist die 60er-Jahre-Chiffre im Western für soziales Engagement und ein Herz für die Benachteiligten.

Ein alternder Revolverheld, der fünf Jahre unschuldig im Gefängnis saß, wird vom Hilferuf eines Freundes ereilt und macht sich auf den Weg. Dabei wird er in das Geschick eines jungen Mannes verwickelt, der zu einer rabiaten Grundbesitzerfamilie gehört, deren Boss ausgerechnet diese mexikanische Familie auf dem Gewissen hat, der Ben Wyatt (Robert Taylor) helfen wollte. Der junge Mann aber wendet sich dem Guten zu und überlebt dadurch und gewinnt die Liebe der jungen Mexikanerin.

So einfach sind diese Western zu erzählen, wenn man sie aufs Wesentliche reduziert, aber wie bei allen klassischen Mustern kommt es darauf an, wie erzählt wird. Das ist hier nicht perfekt, aber doch ganz gut gemacht. Quatsch ist zum Beispiel, dass mehrere scharfe Männeraugen die mäßig verkleidete Mexikanerin zunächst auf der Straße nicht erkennen und sie noch für einen Jungen halten, nachdem das innerlich schon gewandelte Familienmitglied sie gefühlt eine Minute lang an den Armen gefasst hat. Zu dem Zeitpunkt weiß der Junge nicht, dass seine Familie diejenige der Frau auf dem Gewissen hat und sein Bruder weiß nicht, dass Lee (Chad Everett) das Mädchen kennt.

Aber darauf kommt es nicht an. Am Ende geht der Gunfighter ins Nichts, wie schon viele vor ihm, und wenn man weiß, dass Robert Taylor zwei Jahre später seinen Weg beendete, wirkt das besonders endgültig und fatalistisch. Im realen Leben hatte er aber Familie und ist sicher nicht so einsam gestorben wie man es annehmen könnte, wenn man die Realität und Filme wie diesen nicht trennen würde. Trotzdem hinterlässt das Ganze ein trauriges, leeres Gefühl.

Der klassische Western an sich, wie ihn dieser Film noch verkörpert, war 1967 am Ende – wurde gebrochen durch die stilisierte Italo-Variante und der Neowestern, von Sam Peckinpahs Filmen der frühen 70er bis zu Clint Eastwoods „Unforgiven“ war noch nicht geboren.

IV. Fazit

Robert Taylor gibt hier einen glaubwürdig gealterten Revolvermann, der mehr sich mehr aufgrund seiner inneren Struktur als durch äußeren Antrieb noch einmal der Gefahr und dem Bösen entgegen stellt. Seine Statur gibt auch dem Film einen Fixpunkt und eine Daseinsberechtigung. Kein schlechter Western, aber sicher kein Film, den man gesehen haben muss, wenn man Film als Kunst oder auch das Genere Western verstehen will. Wir haben Robert Taylor aber gerne die Abschieds-Reminiszenz in Form einer Rezension zukommen lassen. Die Bewertung erfolgt aber ohne Melancholie-Bonus unter objektiven Gesichtspunkten: 56/100.

© 2020, 2011 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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