Das Mädchen mit der Puppe – Tatort 330 #Crimetime Vorschau #Tatort #Düsseldorf #Flemming #Koch #WDR #Puppe #Mädchen

Crimetime Vorschau - Titelfoto © WDR, Zinner

Ein unangenehmes Thema

„Der Tatort „Das Mädchen mit der Puppe“ greift ein eher unangenehmes Thema auf, nämlich das Geschäft mit osteuropäischen jungen Frauen, welche von den Drahtziehern in Deutschland in die Sexbranche gedrängt werden. Für die beiden Ermittler in Düsseldorf, Kommissar Flemming (Martin Lüttge) und seine Kollegin Miriam Koch (Roswitha Schreiner) ist es in dem Krimi nicht leicht, die Hintermänner bei diesen schmutzigen und für die Mädchen oft sehr gefährlichen Geschäften zu finden, zumal sie außerdem mit der persönlichen Katastrophe konfrontiert werden, die ein solcher Job bei den anderen Familienmitgliedern auslöst“, heißt es zu dem Film einleitend von der Redaktion der Webseite Tatort-Fans.

Vielleicht wird der Film deshalb selten gezeigt – obwohl die Anwerbung oder auch Verschleppung von jungen Frauen aus Osteuropa mittlerweile mehrfach auch in Tatorten zu sehen war. Vielleicht ist die Episode 330 auch deswegen beinahe eine Mitternachtsspitze. Er wird wiederholt am Dienstag, 22.12.2020, 23:45 Uhr WDR.

Allerdings ist die Frage, gerade bei solchen Gegenständen, wie sich ihre Darstellung im Lauf der Zeit verändert hat. Nach der Schimanski-Ära musste der Rhein-Ruhr-Tatort erst einmal zu einer seriösen Inszenierungsweise zurückfinden. Als Brücke hatte man den jungen und nicht selten unkonventionellen Max Ballauf im Team Flemming installiert, aber dieser war Mitte der 1990er, also auch in Episode 330, nicht mehr dabei. Dass er 1997 mit großem Erfolg zurückkehrte und mit seinem Partner Freddy Schenk prädestiniert gerade für die sozialen Themen im Krimigewand prädestiniert ist, notieren wir als Tatortgeschichte.

2020-12-19 Tatort 330 Dad Mädchen mit der Puppe Flemming Wertungen Flemming Tatort-FundusUnter den Flemming-Tatorten rangiert „Das Mädchen mit der Puppe“ gegenwärtig nur auf Rang 11 von 15 Filmen, gemäß Voting der Tatort-Fundus-Nutzer*innen. Dabei wird die 6/10 knapp verpasst.

Ich habe mich im Zuge der jüngeren Wiederholungen von Flemming-Tatorten, die sicher auch dem Mega-Event „50 Jahre Tatort“ geschuldet sind und nun bewirkt haben, dass ich fast alle Filme mit ihm kenne, dazu geäußert: Obwohl der Ermittler allgemein als sympathisch und empathisch gilt, weisen die meisten seiner Fälle keine hohen Punktzahlen auf, nur einer schafft es gegenwärtig auf 7/10. Das liegt daran, dass das Filming damals so konservativ war, meistens jedenfalls. Nur die nach Ansicht der Fundus-Nutzer*innen besten vier Flemming-Tatorte liegen gegenwärtig besser als 6,5/10.

Das Format steckte formal ziemlich fest. Die Drehbücher kündeten nicht selten von schrägen Vorgängen und Typen, aber die Sicherheit der frühen Jahre, das Gespür für die Wünsche Publikum, war unter dem Druck des Privatfernsehens etwas verloren gegangen. Auch diesbezüglich läuteten Ballauf-Schenk eine neue Ära ein, ihre Filme, von Beginn an in 16:9 gedreht, waren die modernsten, die man zu der Zeit sehen konnte, andere, schon bestehende Teams zogen dann nach. Flemming symbolisiert also auch das Ende einer Ära. Wie der Umgang mit dem unangenehmen Thema gelungen ist, wird sich zeigen. Die Vorschau bedeutet, ich habe zu diesem kriminalistischen Werk noch nichts geschrieben – die Rezension folgt demnächst.

TH

Handlung

Kurt betreibt Arbeitsvermittlung der übelsten Sorte mit Flüchtlingen aus Osteuropa. Fallen ihm hübsche Frauen oder Mädchen auf, versucht er, sie für Geschäfte mit Sex einzuspannen. Eine junge Kroatin erregt durch ihre Aufsässigkeit seinen Unmut.

Als sie – in Kinderkleidung – für Pornofotos posiert, erscheint Kurt mit seinem Bodyguard Stipe, und sie versuchen, das Mädchen gefügig zu machen. Sie wehrt sich und kommt dabei zu Tode. Kommissar Flemming und seine Mitarbeiterin Miriam Koch finden heraus, daß die unbekannte Tote – zusammen mit anderen Leidensgenossen – in einem ausrangierten Bus hauste. Es gelingt ihnen, den Bruder des Mädchens, dem sie regelmäßig ihre Ersparnisse zukommen ließ, zu benachrichtigen. Milan erscheint in Düsseldorf. Als er erfährt, auf welche Weise seine Schwester ihr Geld verdiente, ist er entschlossen, ihr Leben und ihren Tod zu rächen, und beginnt, auf eigene Faust zu recherchieren.

Als Kurt erfährt, daß der junge Kroate den Pornofotografen Carlos ausfindig gemacht hat, bringt er – um Milan und die Polizei zu täuschen – Carlos durch einen fingierten Selbstmord um. Doch Milan ahnt, daß der Fotograf unschuldig am Tod seiner Schwester ist und heftet sich an Kurts Fersen. Aber Flemming und Koch haben seinen Racheplan längst durchschaut. Als der tollkühne Junge schließlich erkennt, daß er die beiden unterschätzt hat, ist es beinahe zu spät für ihn.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Flemming – Martin Lüttge
Kommissarin Miriam Koch – Roswitha Schreiner
Milan – Marcus Signer
Stipe – Stefan Witschi
Das Mädchen – Julia Stoll-Palmer
Carlo – Detlev Kügow
Kurt – Udo Kier
Babsi – Kristyna Lutanska
u.a.

Drehbuch – Pea Fröhlich, Peter Märthesheimer
Regie – Markus Fischer
Kamera – Jörg Schmidt-Reitwein
Szenenbild – Pit Janzen

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