Play It Again, Sam (USA 1972) #Filmfest 727

Filmfest 727 Cinema

Play It Again, Sam ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Woody Allen aus dem Jahr 1972. Der Film wurde von Herbert Ross inszeniert, anstelle von Allen, der normalerweise seine eigenen geschriebenen Arbeiten inszeniert.

Der Film handelt von einem kürzlich geschiedenen Filmkritiker, Allan Felix, der von seinem besten Freund und der Frau seines besten Freundes aufgefordert wird, sich wieder zu verabreden. Allan identifiziert sich mit dem Film Casablanca von 1942 und der Figur Rick Blaine, gespielt von Humphrey Bogart. Der Film ist großzügig gespickt mit Ausschnitten aus dem Film und geisterhaften Auftritten von Bogart (Jerry Lacy), der Ratschläge gibt, wie man Frauen behandelt.

In „Play it again, Sam“ dirigiert Woody Allen zwar noch nicht selbst und damit auch nicht sich selbst, aber man darf davon ausgehen, dass er einen großen künstlerischen Einfluss auf diese Komödie nahm. Schließlich stammte das erfolgreiche Theaterstück von ihm, auf dem der Film basiert und das Drehbuch, das nach dem Stück verfasst wurde. Wie es filmisch umgesetzt wurde, verraten wir in der –> Rezension.

Handlung (1)

Play It Again spielt in San Francisco und beginnt mit den Schlussszenen von Casablanca, mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Die Hauptfigur, Allan Felix, sieht den Film in einem Kino. Er verlässt das Kino und bereut, dass er nie wie Rick sein wird.

Abgesehen von den Erscheinungen von Bogart hat Allan auch häufige Rückblenden von Gesprächen mit seiner Ex-Frau Nancy, die sich ständig über seine sexuelle Unzulänglichkeit lustig machte. Allan hat gerade eine chaotische Scheidung durchgemacht. Sein bester Freund, Dick Christie, und Dicks Frau Linda versuchen, ihn davon zu überzeugen, wieder mit Frauen auszugehen, und setzen ihn auf eine Reihe von Blind Dates an, die alle schlecht ausgehen. Während des gesamten Films ist zu sehen, wie er Dating-Ratschläge vom Geist von Bogart erhält, der nur für Allan sichtbar und hörbar ist. Auch Allans Ex-Frau Nancy hat Fantasieauftritte, als er sich Gespräche mit ihr über das Scheitern ihrer Ehe vorstellt. Bei einer Gelegenheit scheint die Fantasie außer Kontrolle zu geraten, wobei sowohl Bogart als auch Nancy erscheinen.

Wenn es um Frauen geht, versucht Allan, sexy und anspruchsvoll zu werden, insbesondere versucht er, wie sein Idol Bogart zu sein, nur um am Ende seine Chancen zu ruinieren, indem er zu ungeschickt ist. Schließlich entwickelt er Gefühle für Linda, mit der er sich relativ wohlfühlt und nicht das Bedürfnis verspürt, die Maske aufzusetzen. An dem Punkt, an dem er schließlich auf Linda zugeht (unterstützt von Kommentaren von Bogart), erscheint eine Vision seiner Ex-Frau und erschießt Bogart, so dass er ohne Rat zurückbleibt. Dann macht er eine unbeholfene Bewegung. Linda rennt davon, kehrt aber zurück und erkennt, dass Allan sie liebt. Der Song „As Time Goes By“ und Blitze aus Casablanca begleiten ihren Kuss.

Ihre Beziehung ist jedoch zum Scheitern verurteilt, genau wie bei Rick und Ilsa in Casablanca. Dick kehrt früh aus Cleveland zurück und vertraut Allan an, dass er denkt, dass Linda eine Affäre hat, ohne zu merken, dass ihre Affäre Allan ist. Dick drückt Allan seine Liebe zu Linda aus. (…)

Rezension

Niemand kann Allen spielen wie Allen, außer Allen, der hier mit Vornamen Allan heißt. Vermutlich war er neben Groucho Marx der einzige Komiker, der jüdischen Wortwitz mit Slapstick verbinden konnte. Das eine oder andere macht schon viel Spaß, aber zusammen ist es unschlagbar. Hinzu kommt, dass Allen in diesem Film zwar schon versiert, aber noch nicht abgezirkelt wirkt, manches ist noch ein wenig rudimentär und übertrieben – die perfekte Mischung fand er dann in „Annie Hall“ („Der Stadtneurotiker“) fünf Jahre später. Ein Benefit war sicher, dass er mit Diane Keaton eine für die damalige Zeit vom Typ her perfekte Hauptdarstellerin für die Filme jener Epoche hatte und dass er mit ihr eine Beziehung hatte. In guten Zeiten kann daraus ein künstlerischer Gleichklang entstehen, der sich hier wunderbar zeigt. Man hat nicht ein eine Sekunde lang den Eindruck, die beiden wirken fremd und der Film-Allan kennt das Ehepaar Christie ja wirklich schon lange.

Komik entsteht auch aus der Solidarität des Freundes Dick Christie, gespielt von Tony Roberts. Ob so etwas realistisch ist, ohne dass es einmal zum Konflikt kommt, haben wir uns natürlich gefragt. Aber warum nicht, solange der helfende Freund sich in seiner Rolle spielt und die helfende Freundin gar nicht merkt, dass ihr die Hilfe deshalb Spaß macht, weil sie längst nicht nur freundschaftliche Gefühle für denjenigen hegt, dem geholfen werden soll. Dass sie nicht eifersüchtig ist auf die Frauen, die in den vielen Versuchen von Allen, eine Beziehung zu begründen, theoretisch für Gefahr sorgen, ist ebenfalls bemerkenswert. Man hat nicht den Eindruck, sie hindert ihn absichtlich an irgendetwas. Vielleicht ahnt sie, dass nur sie diesen Tollpatsch versteht und seine Vorzüge zu würdigen weiß.

Eine weitere Frage, die wir uns gestellt haben, war, ob Woody Allen viel dafür getan hat, dass sensible und optisch nicht unbedingt von der Natur bevorzugte Männer es leichter hatten. Vielleicht war das in den intellektuell angehauchten 1970ern so, zumindest dort, wo sie so waren wie in Allens kinematografischer Welt, also eher scheinintellektuell, aber die Realität bewies, dass Allen mehrere attraktive Frauen in eine Beziehung bzw. Ehe führen konnte. Ob das seinem Witz oder seinem zunehmenden Ruhm geschuldet war – oder ob er wirklich gut im Bett ist  (er lebt ja noch)? Gut, wir wollen nicht zu albern werden, auch wenn der Film es ein wenig herausfordert. Es könnte nämlich genauso gut anders herum sein: Das Bild vom verhinderten coolen Bogey-Wiedergänger, das er hier zeichnet, führt nun einmal zum Lachen und ob das bei allen ein befreientes Lachen ist, die selbst eher schüchtern sind und ob jene, die sich gar nicht in einen Typ wie Allan hineinversetzen können, nicht aus den falschen Gründen lachen, lässt sich schwer analysieren, außerdem – was sind falsche Gründe? Disrkriminierung, wenn jemand selbst so spielt, so trotz aller vordergründigen Slapstick-Geneigtheit mehrbödig, dass man den Zuschauer auf verschiedenen Ebenen einfangen kann?

Ganz sicher ist der Film ein Plädoyer dafür, romantische Sehnsüchte nicht durch die Adaption von unpassenden Rollen in die Wirklichkeit umsetzen zu wollen. Für manche galt Humphrey Bogart als der männlichste Hollywoodschauspieler überhaupt, jedenfalls in seiner Generation – und daher hat sich Allen jemanden als Vorbild und Berater ausgesucht, der von seiner eigenen Aura sehr weit entfernt ist. So weit wie möglich. Außerdem ist „Casablanca“ eine gute Vorlage, denn die große Romanze bleibt, wie in einigen der besonders beliebten Melodramen, unerfüllt, es gibt kein Happy-End. Dass es ein solches auch in „Play it again, Sam“ nicht gibt, ist besonders ironisch: Am Ende kramt Allan nämlich doch die Heldenpose nochmal aus, indem er auf Linda verzichtet und ihr so die Entscheidung erleichtert – die sie möglicherweise ohnehin getroffen hätte. Es wirkt hier etwas eindeutiger als im Original, wo das Pathos von Krieg und Widerstand hinzukommt, eine Mission, die zu erfüllen ist und an der teilzunehmen Bogie seine geliebte Ilsa nicht hindern will, er weiß, ihr Mann würde diese Mission ohne sie nicht durchführen können, wäre dazu nicht stark genug.

Das fällt bei einem Grundstückshändler (nach unserer Auffassung ist Dick eher ein solcher als Börsenmakler, wie es in der Inhaltsangabe steht) natürlich weg und dass es wegfällt, gibt dem Film eine angenehme, ironische Leichtigkeit. Nicht die Hintergründe, aber die Gründe dürfen ähnlich sein wie im Film mit Ingrid Bergmann und Humphrey Bogart.

Ein weiterer Vorteil ist natürlich die große Routine, mit der „Play it again, Sam“ gefilmt ist. Diane Keaton und Woody Allen spielten immerhin ihre Rollen vier Jahre vor dem Film schon im Theater, da sitzt irgendwann jedes Detail, jeder Ton, jede Bewegung. Wenn man den Weg von Allen heute betrachtet, muss man sagen, da war neben Talent auch großes Glück dabei. Denn die Zeit musste reif sein dafür, dass jemand wie er auch glaubwürdig romantische Rollen spielen konnte. Das war zum Beispiel bei den Marx Brothers noch undenkbar, in ihren Filmen wurde ab 1935 ein Liebespaar zusätzlich eingeführt, um sie konventioneller zu machen, das die Werke zwar plotmäßig runder wirken ließ, aber auch etwas von der Anarchie rausnahm. Allen ist nicht so anarchisch, aber er konnte in der passenden Zeit, ab Mitte der 1960er, als auch Typen wie Walter Matthau endlich Stars und Hauptdarsteller werden konnten, die Vereinigung von Witz, von Ironie und Romantik immerhin suggerieren. Nicht immer ging die Rechnung auf, auch dann nicht, wenn er andere Darsteller einsetzte als sich selbst, was im Laufe der Jahre immer häufiger vorkam.

Bei allen Komponenten, die andere schon gezeigt hatten, waren die Film von Woody Allen in den 1970ern etwas Frisches, Neues, eine Kombination, die städtisches Publikum in Begeisterung versetzte, wir können uns das städtische Publikum der damaligen Zeit gut vorstellen und wie fast jeder in diesem Publikum in Allens Filmen etwas von sich finden und für sich entdecken konnte.

Finale

Ein Running Gag, der leider heute überhaupt nicht mehr funktionieren würde, ist ein weiteres Goodie in diesem – kann man „Play it again, Sam“ noch als Frühwerk bezeichnen? – also, in diesem Frühwerk: Dick, wie er alle Naslang von irgendwo andersanruft, um seine aktuelle Telefonnummer zu hinterlassen. Man merkt: Damals war das Business schneller als die Technik, heute ist die Technik so gut, dass kein Geschäftsmensch mit ihr mithalten kann, und das merkt man leider auch an der nachlassenden Qualität des Geschäftslebens wie auch der Exzellenz in einigen anderen Berufsfeldern, wie etwa im Journalismus. Bei Filmen, die nach Stücken gedreht werden, ist eine Aufgabe immer, sie nicht zu „stagy“ wirken zu lassen, dialoglastig sind sie logischerweise ohnehin. Bei Woody Allen passt das aber und die Ortswechsel wirken recht harmonisch, nicht übertrieben, aber es entsteht auch nicht das Gefühl von Begrenztheit und Enge. Das ist schon ein recht gelungener Film, in dem die Lebensrolle von Allen als ständig auf seinen Psychiater rekurrierender und Pillen schluckender Neurotiker bereits gut herausgearbeitet ist.

79/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2020)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie

Herbert Ross

Drehbuch

Woody Allen

Produktion

Arthur P. Jacobs

Musik

Billy Goldenberg und Max Steiner

Kamera

Owen Roizman

Schnitt

Marion Rothman

Besetzung

·         Woody Allen: Allan Felix
·         Diane Keaton: Linda Christie
·         Tony Roberts: Dick Christie
·         Jerry LacyHumphrey Bogart
·         Susan Anspach: Nancy
·         Jennifer Salt: Sharon

 

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