Raus zum Klimastreik am 23.09.2022! | FFF macht weiter und bittet um unsere Unterstützung

Frontpage | Klima Energie Umwelt | Erste Großdemo von FFF im Herbst 2022

Liebe Leser:innen, 

wir werden leider übermorgen noch nicht teilnehmen können, aber wir legen Ihnen den Aufruf ans Herz, beim nächsten FFF-Klimastreik mitzumachen. Wir kommentieren den Aufruf im Anschluss in kurzer Form, aber wir finden, dass es auf jeden Fall wichtig ist, auf die Straße zu gehen für das, was vor Corona wichtig war, während Corona wichtig blieb, während des Ukraine-Kriegs wichtig bleibt und uns danach umso mehr auf den Nägeln brennen wird, wenn wir nicht handeln: Es geht um Klimaschutz, um die Energiewende. 

***

Hallo Thomas Hocke,

am Freitag ist Klimastreik von Fridays for Future. Bundesweit finden an über 250 Orten Demos statt – und die Resonanz auf die E-Mail von Luisa Neubauer aus der vergangenen Woche ist gewaltig! Mehr als 30.000 Campact-Aktive haben bereits zugesagt, mit auf die Straße zu gehen. Das macht Hoffnung darauf, dass wir am Freitag ein beeindruckendes Zeichen setzen werden. Damit in diesen schwierigen Zeiten Energiepreis- und Klimakrise nicht gegeneinander ausgespielt werden und die Regierung endlich konsequente Maßnahmenpakete beschließt, die beide Krisen gleichzeitig adressieren.

Von Ihnen, Thomas Hocke, haben wir noch keine Rückmeldung. Sind auch Sie am Freitag bei der großen Klima-Demo in Berlin dabei?

Ort: Invalidenpark, Berlin

Zeit: 12 Uhr

Ja, ich komme zum Klimastreik

Nein, ich habe leider keine Zeit

Die bewegende Mail von Luisa Neubauer an alle Campact-Unterstützer*innen von letzter Woche habe ich Ihnen noch einmal angehängt.

Herzliche Grüße

Mira Jäger, Campaignerin

Hallo Thomas Hocke,

ich bin Luisa Neubauer, 26 Jahre alt und Fridays-for-Future-Aktivistin. Ich möchte Sie ganz direkt um etwas bitten: Kommen Sie mit uns auf die Straße. Heute in einer Woche, am Freitag, den 23. September, bei Ihnen vor Ort in Berlin.

Denn die Situation ist dramatisch: Die Energiepreise explodieren, die Klimakrise eskaliert. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das Ende des Monats nicht gegen das Ende des Jahrzehnts ausgespielt wird. Dass die Regierung Menschen entlastet und konsequente Maßnahmenpakete beschließt, die gleichzeitig Klima- und Energiepreis-Krise lösen. Dafür gehen wir am nächsten Freitag auf die Straßen. Ich hoffe sehr, mit Ihnen zusammen!

Diese Zeit ist entscheidend. Stellen Sie sich nur vor, vielleicht werden wir in zehn Jahren auf diesen Moment zurückschauen und sagen: Da haben wir gerade noch rechtzeitig eingelenkt. Wir haben uns unabhängig gemacht von fossilen Energien und Despoten und sind in nie erlebter Geschwindigkeit umgesattelt auf Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Wenn jetzt aber unser Druck ausbleibt, dann kann es auch ganz anders ausgehen. Dann werden wir womöglich feststellen, dass 2022 der Punkt war, an dem die fossilen Energien ihr Comeback feierten. An dem die Energiekonzerne wieder auf Braunkohle setzten und noch mehr Öl, Gas und Steinkohle von überall her importierten. Und wir den Kampf um eine gerechte Energiewende vorerst verloren haben.

Wie diese brenzlige Zeit ausgeht, wie die Geschichte weiter geschrieben wird – das entscheiden wir mit. Das entscheiden Sie, das entscheiden wir alle. Und am nächsten Freitag wollen wir im ganzen Land und der ganzen Welt dafür sorgen, dass wir gemeinsam den Weg mit Erneuerbaren und Energieeffizienz gehen.

Wir müssen alles dafür tun, dass sich die Allianz aus FDP, CDU/CSU und AfD nicht durchsetzt. Sie wollen dafür sorgen, dass die Regierung wieder dauerhaft auf Atom- und Kohlekraft setzt und neue Quellen für Gas und Öl erschließt. Wenn die Ampel das kurzfristig macht, dann muss dies der letzte Winter sein. Aber FDP, CDU/CSU und AfD wollen das dauerhaft – und setzen in diesen Tagen die Regierung unter Druck.

Jetzt braucht es uns in Massen auf den Straßen. Jetzt sind wir gefragt, denen in der Regierung den Rücken zu stärken, die mehr Klimaschutz wollen. Und sie anzutreiben, damit wir in einer ganz anderen Dimension als bisher den Ausbau der erneuerbaren Energien, sowie eine grundlegende Verkehrs- und Agrarwende voranbringen.

An über 200 Orten haben wir für nächsten Freitag Klimastreiks organisiert. Unfassbar viel ist vorbereitet. Überall sind die Bühnen und Lautsprecheranlagen schon gebucht, Transparente und Schilder gemalt, Sprechchöre getextet. Jetzt kommt es darauf an, dass ganz viele Menschen aus allen Generationen mit uns auf die Straße gehen. Und Sie, Thomas Hocke, in Berlin mit dabei sind!

Ort: Invalidenpark, Berlin

Zeit: 12 Uhr

Kann ich auf Sie setzen?

Ja klar, ich bin beim Klimastreik dabei

Ich kann leider nicht teilnehmen

Endlich aus der Krisenspirale ausbrechen, die Energiepreis- und Klimakrise gemeinsam lösen – dafür haben wir in dieser Woche schon einen ganz konkreten Vorschlag gemacht. Zusammen mit Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung habe ich am Dienstag in Berlin unsere Forderung nach einem 100-Milliarden-Paket vorgestellt. Mit dem Geld wollen wir den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen und den öffentlichen Nahverkehr massiv ausbauen. Gegenfinanzieren wollen wir das mit einer Übergewinnsteuer, Krediten und dem Abbau klimaschädlicher Subventionen.

Marcel hat wunderbar auf den Punkt gebracht, warum wir das brauchen: „Deutschland wird seine vielen guten Arbeitsplätze und die hohe Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen nur dann schützen können, wenn wir die ökologische Transformation stark beschleunigen.” Wenn die Regierung 100 Milliarden für das Militär aufwendet, dann muss sie doch genauso viel Geld aufbringen können, wenn es darum geht, dass unser aller Zukunft lebenswert bleibt.

Darum habe ich die große Bitte an Sie: Gehen Sie am Freitag in einer Woche mit uns in Berlin auf die Straße! Sind Sie dabei?

Ja klar, ich bin beim Klimastreik dabei

Ich kann leider nicht teilnehmen

Alle Demo-Orte und weitere Informationen finden Sie hier.

Mit großer Zuversicht

Ihre Luisa Neubauer

PS: Wir alle haben noch die Bilder aus diesem Sommer vor Augen – der fast ausgetrocknete Rhein, die entsetzliche Flutkatastrophe in Pakistan, die brennenden Wälder rund ums Mittelmeer. Die Klimakrise wird real. Wenn wir verhindern wollen, dass solche Extremwetterereignisse künftig die Lebensweisen überall diktieren werden, müssen wir jetzt handeln. Dieses Jahrzehnt ist das letzte, in dem uns dies noch gelingen kann. Dafür gehen wir mit Menschen aus allen Generationen am 23. September weltweit auf die Straßen. Demonstrieren Sie mit?

Ja klar, ich bin beim Klimastreik dabei

Ich kann leider nicht teilnehmen

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Wir wären schon mitgegangen, weil wir 2021 gesagt haben: Wer sich auch für soziale Belange einsetzt, den unterstützen wir ebenfalls. Deshalb waren wir vor einem Jahr dabei, nachdem FFF sich hinter das mittlerweile als Anliegen der Mehrheit in Berlin bekannt gewordene Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ gestellt hatte. Das war für FFF bestimmt nicht so einfach, denn auch im obigen Aufruf gibt es wieder einige Punkte, die wir kurz ansprechen wollen. 

  • Gut, dass die soziale Komponente nicht außen vor bleiben soll: die Energiepreiskrise. WIr hoffen, diese umfassendere Orientierung spiegelt sich auch auf der Demonstration.
  • Der zitierte Marcel Fratzscher legt auch ein Problem von FFF offen. Die deutschen Führungspersonen sind im Hochkapitalismus zu Hause. Die sinnvolle Lösung, die Reichen endlich stärker zu besteuern, wird im Aufruf weder von Fratzscher noch von Luisa Neubauer, die zum Haus Reemtsma gehört, aufgestellt, wenn es darum geht, endlich Geld locker zu machen für den Klimaschutz. 
  • Warum ist diese Lösung sinnvoll? Weil die angesprochene Klasse weit, weit überdurchschnittliche ökologische Fußabdrücke hinterlässt, die sich in ihrer bisherigen Besteuerung nur unzureichend spiegeln. Dabei geht es nicht nur um den persönlichen Konsum, sondern auch um die Hinterlassenschaften von Unternehmen, an denen man beteiligt ist und von deren Erträgen man profitiert. Eine sachgerechte Transformationspolitik würde diese Erträge zumindest vorübergehend senken, aber davon wird ungern geredet, von Aktivist:innen, die zu den Privilegierten und Profiteur:innen zählen.
  • Dadurch besteht immer die Gefahr, dass der Kapitalismus billiges Greenwashing betreibt, wie es auch bei Fratzscher durchschimmert. Er will die Klimakrise vor allem an der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen in ihrer klassistischen Struktur messen, und dabei zählt er noch zu den vergleichsweise linken Ökonomen hierzulande. 
  • Wir hatten schon überlegt, eine Art Bewertung für den Grad unserer Unterstützung von Aktionen und Petitionen einzuführen. Wir tun das hier noch nicht, weil es entweder grundsätzlich eine Ablehnung oder Unterstützung gibt. Alle, die bei FFF mitmachen, sollten als auch Fragen an die Campaigner:innen selbst stellen. Nämlich, warum die Forderungen nicht so radikal sind, wie sie sein müssten, damit wir in acht Jahren tatsächlich noch das Klimaziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung einhalten. Im Grunde geht das jetzt in Deutschland schon nicht mehr, aber es gibt ja weitere Zielmarken, Gegenden, die noch nicht so stark betroffen sind, und jeder Zehntelgrad zählt. 
  • Interessant, dass FFF Robert Habecks Vorschläge zur Atompolitik unterstützt, also die Streckung der Restlaufzeit dreier AKWs akzeptiert. Das wird wohl so kommen und kaum zu umgehen sein, wenngleich wir uns zuletzt bei einer Umfrage neutral gestellt haben.

Wir sind aber schlicht noch nicht fit, deshalb bleiben wir fern. Es wird in nächster Zeit aber hoffentlich genug Möglichkeiten geben, den Wahlberliner wieder mit mehr Berichterstattung von „vor Ort“ zu bestücken.

TH

 

 

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