Speed (USA 1994) #Filmfest 853 #Top250

Filmfest 853 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (103)

Speed ist ein Actionfilm aus dem Jahr 1994 von Regisseur Jan de Bont mit Keanu ReevesDennis Hopper und Sandra Bullock in den Hauptrollen. 1997 erschien eine Fortsetzung unter dem Titel Speed 2 – Cruise Control.

Der Film ist tatsächlich beinahe zwei Stunden lang. Wir hatten in Erinnerung, dass einer seiner Vorzüge und des Geschwindigkeitsempfindens beim Anschauen seine Kürze von nur ca. 90 Minuten sein soll. Keine Ahnung, woher diese Idee kommt. Der Film fühlt sich aber auch nicht an wie 90 Minuten in Höchstgeschwindigkeit. Wie er sich anfühlt, steht in der -> Rezension.

Handlung (1)

In einem Hochhaus in Los Angeles betreten 13 Personen einen Express-Fahrstuhl. Auf der Fahrt nach unten werden plötzlich dessen Drahtseile durch eine Explosion zerstört und der Fahrstuhl wird nach kurzem Fall im 30. Stockwerk durch das Notbremsen-System gestoppt. Ein Erpresser verlangt nun innerhalb einer Stunde drei Millionen US-Dollar Lösegeld, andernfalls werde er durch eine weitere Explosion die Notbremsen ebenfalls zerstören. Die Bomben-Spezialisten des LAPD Jack und Harry sollen die Situation vor Ort einschätzen. Jack befestigt ein Drahtseil von einem Kran auf dem Dach des Hochhauses an dem Fahrstuhl, sodass alle Personen in letzter Sekunde befreit werden können.

Da der Erpresser die Sprengladungen bereits vor Ablauf der Zeit gezündet hat, vermutet Jack, dass er ihre Anwesenheit bemerkt hatte und sich deshalb in der Nähe aufhalten müsse. Er entdeckt den Erpresser in einem Frachtaufzug, dieser kann jedoch Harry als Geisel nehmen. Auf der Flucht schießt Jack Harry ins Bein, sodass der Erpresser allein flüchten muss und sich daraufhin hinter einer Tür scheinbar selbst in die Luft jagt.

Einige Zeit später werden Jack und Harry für ihren mutigen Einsatz dekoriert. Am nächsten Morgen wird Jack Zeuge, wie ein Bus in die Luft gesprengt wird. Kurz darauf wird er von dem für tot gehaltenen Erpresser kontaktiert. Der fordert diesmal 3,7 Millionen US-Dollar bis spätestens 11 Uhr für einen Linienbus, der mit einer Bombe präpariert wurde. Dessen Bombe wird scharf, sobald der Bus schneller als 50 Meilen pro Stunde (ca. 80 km/h) fährt, und explodiert, wenn der Bus danach wieder unter 50 Meilen pro Stunde gerät. Dabei darf kein Fahrgast den Bus verlassen … (Anfang der Inhaltsangabe in der Wikipedia).

Spotlight

Der Film ist tatsächlich beinahe zwei Stunden lang. Wir hatten irgendetwas in Erinnerung, dass einer seiner Vorzüge und des Geschwindigkeitsempfindens beim Anschauen seine Kürze von nur ca. 90 Minuten sein soll. Keine Ahnung, woher diese Verwechslung kommt. Der Film fühlt sich aber auch nicht an wie 90 Minuten in Höchstgeschwindigkeit.

Vermutlich liegt das daran, dass sich bei uns alle zwei Minuten die Nackenhaare wegen der physischen Unmöglichkeiten sträuben, die „Speed“ erst möglich machen. Nein, wir zählen die nicht alle einzeln auf, sondern beschränken uns auf die überall nachlesbare Information, dass der Sprung über das fehlende Teilstück der neuen Autobahn unmöglich ist. Man hat, um den Buss ansteigen zu lassen, eine Rampe verwendet und das in Wirklichkeit nicht fehlende Autobahnstück digital wegretuschiert, damit eine realistische Lücke entsteht. Keine Frage, dass dieser Moment der actionmäßige Höhepunkt des Films ist. Wobei wir die Lift-Sequenz zu Beginn auch gut fanden – die U-Bahnfahrt hingegen weniger, vor allem, weil am Ende wirklich damit übertrieben wird, wie der Wagen immer weiter und weiter fährt, bis er seine wirkliche Bewegungsenergie garantiert fünfmal vernichtet hat. Vielleicht fahren wir in Berlin zu oft U-Bahn, um diesen Part irgendwie akzeptabel zu finden. Hingegen waren wir noch nie in L. A. unterwegs und soweit wir wissen, ist dort so viel Verkehr, dass ein Bombenleger, der eine Idee wie die vorliegende hat, ohnehin niemals Geld kriegen wird, weil der Bus keine fünfzig Meter weit kommt, wenn er stets mehr als fünfzig Meilen pro Stunde fahren soll.

Auch wenn der Bösewicht mit der Bombe von Dennis Hopper gespielt wird, ist er seine Motivation, sich als abservierter Ex-Cop Geld verschaffen zu wollen, komplett austauschbar – es könnte auch ein politisches Motiv dahinterstecken oder irgendetwas, was der Aufmerksamkeit einer größeren Öffentlichkeit bedarf, denn würde diese keine Rolle spielen, gäbe es einfachere Möglichkeiten, an Geiseln zu kommen und Geld zu erpressen.

Für Keeanu Reeves war „Speed“ die erste Actionrolle und gemäß Angaben in der IMDb (aus der alle Fakten stammen, die wir hier nennen, wenn nicht anders vermerkt) führte er 90 % seiner Stunts selbst aus und wirkt in seiner Rolle als smarter Cop so überzeugend wie er gewiss auch als Kleiner Buddha in „Siddartha“ war, der ziemlich gegenpoligen Rolle, die er  zuletzt vor „Speed“ innehatte.

Sicher ist die Action für den Film das Wichtigste, und die ist vom ehemaligen Action-Kameramann Jan de Bont, der mit „Speed“ sein Regiedebüt gab, abzüglich der erwähnten Außerkraftsetzung der Physik vor allem bewegungstechnisch hervorragend gemacht – und steuerte zum Genre des Actionfilms einen neuen Höhepunkt bei, an dem sich spätere Filme messen lassen mussten.

Für uns ist trotzdem nicht der Bus der Star des Films, schon deshalb, weil er den Sprung über das fehlende Autobahnstück übersteht, anschließend aber ohne Not anfängt auseinanderzufallen, als er auf dem Flughafen-Rollfeld kreist. Vielmehr wurde nicht umsonst Sandra Bullock mit diesem Film in die erste Riege der weiblichen Hollywoodstars katapultiert. Ihre positive Natürlichkeit und diese Mischung ihrer Figur Annie aus der Fähigkeit, in einer Extremsituation konzentriert und vergleichsweise ruhig zu bleiben, ohne männliche Actionstars in Coolness übertreffen zu wollen, ist perfekt für eine Zufallsheldin, wie die Filmgeschichte schon viele hervorgebracht und mit ihnen höchst vergnügliche Filme geschaffen hat (einige Hitchcock-Filme beziehen ihren Reiz daraus, dass ein Alltagsmensch in eine außergewöhnliche Situation geworfen wird und sich darin bewährt. Dabei schlägt er manchem Profi ein Schnippchen, ohne selbst zum Profi zu werden.

Sandra Bullock lernte allerdings tatsächlich für „Speed“ das Busfahren und bestand die Prüfung auf Anhieb – das passt natürlich zu unserer Vorstellung von ihrem Typ und zu ihrer Figur Annie, die man zum Beispiel mit dem altmodischen Begriff „patent“ umschreiben könnte.

Sie gibt dem Film einen besonderen Touch, der auch ein wenig humorvoll ist, und es ist beinahe ein Ding der Unwahrscheinlichkeit, dass sie und Keanu Reeves hier geteamt wurden, denn auf männlicher Seite lehnte wohl ein Dutzend größerer Stars, auf weiblicher Seite beinahe das komplette Hollywood-Establishment jener Zeit die jeweilige Hauptrolle ab. Den Topschauspielerinnen, die sich auf der Liste befinden, war die Rolle wohl zu wenig substanziell.

Finale

Die Interaktion zwischen den Schauspielern funktioniert, wobei hier keine übertriebenen Anforderungen gestellt werden, denn in Actionfilmen ist es einfacher, Chemie zu suggerieren als in einem Liebesfilm oder Drama, der sich ganz auf die Figuren verlassen muss.

Wer uns häufiger liest, weiß, dass wir Actionfilme eher zurückhaltend bewerten. Sicher ist alles eine Geschmacksfrage und wir haben nichts gegen einen zünftigen und rasanten Plot, aber Filme, die einen Hintergrund haben, über den sich nachdenken und damit auch schreiben lässt, geben für unsere hiesige Aufgabe einiges mehr an Futter. „Speed“ hat keine erkennbare Philosophie oder Botschaft, auch die Figur des Polizisten, der wegen eines verloren gegangenen Fingers frühpensioniert wird und, ist bei näherem Hinschauen substanzlos. Um was soll er denn betrogen worden sein? Die Polizisten haben gewiss eine staatlicherseits organisierte Versicherung gegen eine Havarie im Dienst, die zum Ausscheiden führt, und die sollte auch bei Dennis Hoppers Bombenfreak zum Einsatz gekommen sein. 

gGundsätzlich ist er nach der Art eines Katastrophenfilms gestrickt, schon vor „Speed“ sind in Film-Flugzeugen Piloten ausgefallen und ein halbwegs versierter Passagier, der sich mit dem konkreten Objekt selbstverständlich so wenig auskannte, dass seine Übernahme desselben spannend wirkt, musste anstelle des ausgefallenen Profis die Sache zu einem guten Ende bringen. Selbstverständlich gibt es das gute Ende auch hier und wenn schon Liebesbeziehungen nicht lange halten, die in Extremsituationen geboren wurden, dann muss eben Sex die Grundlage sein. Ist doch nett.

Anmerkung anlässlich der Publikation des Entwurfs im Jahr 2022. Die IMDb-Nutzer:innen gehen etwas höher als wir und vergeben im Durchschnitt 7,3/10. Für sehr kurze Zeit stand der Film sorg in der Top-250-Liste der IMDb und erhält deshalb eine Laufnummer in unserem Konzept, möglichst viele FIlme, die einmal in dieser Liste aufgeführt waren oder noch sind, auf dem Filmfest vorzustellen. Ein Rückgang seitdem auf 7,3/10 ist bemerkenswert, allerdings waren gerade aus den frühen 1990ern damals sehr viele Filme in der Liste enthalten, weil diese 1996 eröffnet wurde und seinerzeit junge Produktionen starken Zuspruch erhielten. Als die Liste neu war, waren vermutlich  Durchschnittsbewertungen von 7,8/10 oder 7,9/10 notwendig, um darin Platz zu finden, aktuell sind es 8,1/10.

66/100

© 2022 Der Wahlberliner, Alexander Platz (Entwurf 2015)

Regie Jan de Bont
Drehbuch Graham Yost
Produktion Mark Gordon
Musik Mark Mancina
Kamera Andrzej Bartkowiak
Schnitt John Wright
Besetzung

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