Filmfest 858 Cinema
Kindermädchen für Papa gesucht ist eine deutsche Filmkomödie von Hans Quest aus dem Jahr 1957.
Deutsche Filmkomödien aus den 1950ern, wenn sie nicht gerade von Kurt Hoffmann inzseniert wurden, sind so eine Sache. Eine Sache, die es als berechtigt erscheinen lässt, wenn andere die Deutschen für humorlos halten. Und wie sieht es aus, wenn Hans Quest bei einer Komödie Regie führt, der zwei Jahre zuvor „Wenn der Vater mit dem Sohne“ mit Heinz Rühmann und Oliver Grimm gemacht hat, eine der wenigen wirklich gelungenen Tragikomödien jener Zeit, ausgestattet mit einer Sentimentalität, die man kitschig, aber auch anrührend finden kann? Wir klären das in der –> Rezension.
Handlung (1)
Peter und Kurt Jäger sind Vettern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Peter in der familieneigenen Schokoladenfirma als Schürzenjäger gilt, ist Kurt Antialkoholiker, Hypochonder und mit Frauen vollkommen unerfahren. Dass seine Sekretärin Inge ihn seit Jahren liebt, hat er noch nie bemerkt.
Eines Tages, kurz nach seinem Geburtstag, gesteht Kurt seinem Vetter, dass er sich in die Kundin Sabine verliebt habe. Die arbeitet als Kindermädchen und hat gerade ihre Anstellung gekündigt. Als sie auf eine Zeitungsanzeige reagieren will, in der nach einem Kindermädchen gesucht wird, leitet Peter den Anruf heimlich zu Kurt um, der Sabine zu einem Vorstellungsgespräch zu sich nach Hause einlädt. Dass Sabine als Kindermädchen arbeiten will, bemerkt das Nervenbündel erst, als sie sich beim Gespräch nach seinem Kind erkundigt. Kurt gibt an, dass zwar ein Kind im Haus lebt, das jedoch seinem Vetter Peter gehört. Von einer Bekannten Peters „borgen“ sie sich am nächsten Tag den ältesten Sohn Heinerle, der bald das Haus auf den Kopf stellt und Kurts Hausmädchen Frau Stadelmeier zur Verzweiflung bringt.
Peter hat erlogen, dass er der leibliche Vater von Heinerle ist, der jedoch bei seinem Stiefvater aufgewachsen ist. Um Sabine mit Kurt zu verkuppeln, will Peter mit Sabine ausgehen und ihr von seinem Vetter vorschwärmen. Kurt wiederum soll etwas später zu beiden an den Tisch kommen, woraufhin Peter sich verabschieden will – er hat eine Freundin, die ihn aber in letzter Zeit nur selten gesehen hat. (…)
Rezension
Zunächst habe ich mich darüber gefreut, dass der Film in einem technisch guten Zustand und in HD zu sehen war, überrascht war ich, dass der WDR solche alten Filme noch zeigt. Normalerweise ist es Sache des MDR, Werke aus jener frühen Nachkriegszeit abzuspielen. Mittlerweile, muss man schreiben, vor ein paar Jahren war das noch anders. Die Farben sind überzeugend, das Bild wirkt detailreich, wenn auch der Grundton zwischen leicht vergilbt und fast wie neu schwankte. Es stört aber nicht und gibt dem Film einen vergleichsweise modernen Anstrich. Inhaltlich geht es nicht ganz so modern zu:
Plus
- Frauen werden vergleichsweise aktiv und bis zu einem gewissen Grad gleichberechtigt gezeigt, das Love Interest des „Leading Man“ studiert Medizin.
- Der moralische Zeigefinger bleibt weitgehend unten und das muss bei solchen Stoffen auch so sein.
- Das Filming ist vergleichsweise flott bis schwungvoll.
- Männer erobern Frauen, nicht umgekehrt, und das auf eine prinzipiell linkische bis witzige Art und Weise, zumindest vom Konzept her gesehen.
Minus
- Der Macho geht selbstverständlich davon aus, dass die Frau ihr Studium abbricht, wenn er sie heiratet, weil er sie als Fabrikant ja gut versorgen kann. Dass Frauen ihren Beruf als Berufung verstehen könnten, ist nicht vorgesehen.
- Frauen erobern Männer, führen aber auch ein entbehrungsreiches Leben, bis das mal klappt und mehr als Sekretärin oder Verkäuferin zu sein, war damals nicht vorgesehen.
- Alkoholismus und Rauchen sind der Beweis dafür, dass ein Mann ein Mann ist. Deswegen wird Jäger II auch erst zum Mann, nachdem er sich mal so richtig gehen lässt. Da kann man von Glück sagen, dass er am nächsten Morgen nur einen Kater hat und nicht alles rückgängig machen will, was ihm am Abend zuvor die gelöste Zunge hat aussprechen lassen.
- Obwohl einige Dialoge gar nicht ganz schlecht sind, werden Szenen durch dieses alberne Lachen insbesondere von Claus Biederstaedt geradezu zerstört. Das erinnert stark an den deutschen Komödienstil während der Nazizeit, als das hysterische Lachen leider auch ein Anzeichen dafür war, dass mit der Mentalität dieses Volkes etwas nicht stimmt. Vor allem Heinz Rühmann hat vor seiner Wandlung zum eher dezenten Schauspieler dermaßen übertrieben, dass seine Filme heute teilweise schwer erträglich sind. Eigentlich war man da Mitte der 1950er schon weiter, insofern ist der Inszenierungsstil gerade das Komödiantische betreffend eine seltsame Mischung aus immerhin gangbaren Pointen und schon damals antiquiertem Spiel.
Man sieht, es sind gleich viele Minus- wie Pluspunkte, aber das hätte man natürlich auch anders steuern können, außerdem haben wir die Minuspunkte mehr ausgeführt. Susanne Cramer und Claus Biederstaedt wirken als Paar harmonisch, das hätten wir z. B. bei den Pluspunkten vermerken können, dies aber erst, als der romantische Tanzabend seinen Verlauf findet. Beide hatten damals tatsächlich eine Beziehung miteinander, insofern musste nicht sehr viel gespielt werden.
Der Filmdienst befand, dass Hans Quest im Film „Töne feineren Humors […] kräftig zurück[drängt], um den Klamauk, die laute Albernheit in fast jede Szene einzulassen. Man bedauert das, weil der Stoff nicht nur für eine bunte Klamotte, sondern auch für eine herzliche Komödie Möglichkeiten eröffnet hätte. Allerdings nicht mit dieser Besetzung (Biederstaedt-Philipp-Cramer)!“[2]
Für das vom film-dienst 1990 herausgegebene Lexikon des internationalen Films war Kindermädchen für Papa gesucht ein „überdrehter, anspruchsloser Filmschwank nach bewährten Verwechslungsrezepten.“[3]
Finale
Es ist wie bei vielen anderen deutschen Komödien der Zeit: Die Plots sind auch nicht viel blöder konstruiert als in Filmen anderer Länder, aber der Stil ist auf eine Weise krampfig, die leider sehr tief blicken lässt. Und es war keineswegs so, dass die anderen Regisseure von den Hoffmann-Erfolgsfilmen umgehend lernten und dessen etwas subtileren Stil adaptierten, der meist eine gute Balance zwischen Gefühl und einem etwas weniger holzhammerartigen Humor fand. Artur Brauner und seiner CCC, die „Kindermädchen für Papa“ produziert hat, muss man immerhin anrechnen, dass er die Kommerzfilme vor allem gemacht hat, um auch anspruchsvollere Projekte finanzieren zu können, die ihm am Herzem lagen und deren Rezeption beim Publikum stets unsicher war. Dadurch entstanden anspruchsvollere Produktionen wie „Morituri“, „Die Ratten“, „Vor Sonnenuntergang“ oder „Mädchen in Uniform“.
55/100
© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2021)
| Regie | Hans Quest |
| Drehbuch | Curth Flatow, Eckart Hachfeld |
| Produktion | Artur Brauner für CCC-Film |
| Musik | Martin Böttcher |
| Kamera | Fritz Arno Wagner |
| Schnitt | Kurt Zeunert |
| Besetzung | |
|---|---|
|
|
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

