Die Blicke der anderen – Tatort 1215 #Crimetime Vorschau Das Erste 06.11.2022, 20:15 Uhr #Schwarzwald #Berg #Tobler #SWR #Blicke #andere

Crimetime Vorschau – Titelfoto SWR, Benoît Linder

Aus Zeitgründen haben wir dieses Mal die Vorschau ein wenig umgestellt und fangen gleich mit den Kritiker:innenstimmen an:

„Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Dieser Tatort ist eigentlich eher eine Sozialstudie als ein Kriminalfilm. Das kennt man schon von den Schwarzwald-Tatorten, und auch diesmal passt der ruhige, bedächtige Ermittlungsstil von Berg und Tobler gut zur Handlung. Lisa Hagmeister spielt die Rolle der trotz Familie vereinsamten, scheinbar von allen missverstandenen und abgewiesenen Sandra bravourös. In Rückblenden werden immer wieder Details aus dem früheren Leben der Vogts dargestellt, das ist durchaus ein geschickter dramaturgischer Kniff. Allerdings hätte dem Film insgesamt etwas mehr Tempo und auch Spannung gutgetan. Die finale Wendung kommt ziemlich plötzlich, so als sei dem Drehbuchautor kurz vor Schluss noch eingefallen, dass es ein Krimi werden soll – und kein reines Familiendrama. Insgesamt solide drei Sterne.“
Tatort Folge 1215: Die Blicke der Anderen – Tatort Fans (tatort-fans.de)

Die ruhige Gangart war für mich immer ein großes Plus bei den Filmen der Vorgängerschiene „Bodensee“, die einige der interessantesten Menschenstudien der damaligen Tatortära hervorbrachte. Aber die Reputation der einstigen Blum-und-Perlmann-Krimis haben die Schwarzwaldkrimis noch nicht erreicht. Vielleicht ist es an der Zeit, die Gründe dafür zu analysieren, denn mit bisher neun Filmen inklusive dem aktuellen 1215. Tatort hat man dafür genug Vergleichsmaterial zusammen. Vielleicht hat es etwas mit dem Kontrast zwischen dem idyllischen Bodensee und den abgründigen Bewohner:innen um ihn herum zu tun und mit dem ikonischen Status von Klara Blum in der Person von Eva Mattes, während im Schwarzwald eh alles düster ist und das gegenwärtige Ermittlerduo doch für viele wohl gewöhnungsbedürftig.  Wir holen aber noch nicht zum großen Vergleich aus, weil auch die letzten Tobler-Berg-Filme der Aufgabe der Direktrezensionen zum Opfer gefallen sind. Deswegen lassen wir schon wieder andere zu Wort kommen:

„Tatort: Die Blicke der Anderen“ – Kritik zum Fall aus dem Schwarzwald (prisma.de)

 „Der „Tatort: Die Blicke der Anderen“ läuft zur ARD-Themenwoche „Wir gesucht! – Was hält uns zusammen?“, die das Programm vom 6. bis 12. November prägt. Der Schwerpunkt will zum Nachdenken anregen: darüber, was unsere Gesellschaft verbindet und an welchen Stellen das Gemeinsame schwerfällt.“

In der Folge verläuft die Rezension von „Prisma“ sehr positiv, es fallen Begriffe wie „ziemliches Meisterstück“ und am Ende heißt es:

„Was das Ganze nun mit der Themenwoche zu tun hat? Nun, vielleicht schaut man sich nach diesem Krimi die „seltsamen“ Menschen im eigenen Umfeld etwas genauer an, bevor mal ein Urteil über sie fällt. Toleranz und Akzeptanz als Klebstoff der Gesellschaft – manchmal funktionieren solche Botschaften sogar in der Primetime des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ohne Holzhammer.“

Mit Sicherheit funktionieren sie dort besser als in der Primetime der Privaten, deshalb sind ja auch die Krimis von ARD und ZDF, nicht nur die beiden Sonntagabendreihen, so beliebt, dass einige in der Politik, die etwas zu sehr mit dem Kommerzfernsehen verbandelt sind, schon deswegen immer vor Freude quietschen, wenn Sand ins Getriebe der Öffentlichrechtlichen gelangt, weil ihnen die nach wie vor und trotz geradezu abstruser Sparzwänge immer noch hohe Qualität der Filme ein Dorn im Auge ist. Es geht aber in dem Film offenbar nicht um ein zu offensichtliches Anderssein, sondern um die Manifestation des Außenseitertums durch lediglich marginale Abweichungen, die einen feinen Sozialseismograph in kleinen Landgemeinden in die ablehnende Richtung ausschlagen lassen können.

Spannend finden wir die Kritiken vom SWR natürlich umso mehr, wenn sie Filmen aus dem eigenen Haus gelten, hier nimmt sich das so aus:

Tatort Breisgau: „Die Blicke der Anderen“ mit Tobler & Berg – SWR3

Die Kommissare Tobler und Berg sind für mich immer einen Schritt hinterher. Die falschen Fragen, die falschen Beobachtungen und wenig Fingerspitzengefühl. Tobler wirkt oft zu mitgenommen, Berg dagegen scheint es völlig kalt zu lassen, dass ein kleiner Junge mindestens entführt, wenn nicht getötet wurde. Spannend ist allerdings zu sehen, wie die Kommissare ihre Verdächtige ent- und nicht belasten wollen.

Inhaltlich fehlt dem Tatort so gut wie nichts. Die Spannung ist bis zum Ende da, die Motive sind nachvollziehbar, die Geschichten dramatisch und die Charaktere lassen, wenn schon nicht die Ermittler, doch wenigstens mich als Zuschauer mitfühlen. Es geht ums Dorfleben, um Liebe und Familie und Rollenbilder. Und ums Opfer bringen, für die, die man geliebt hat, noch liebt und auch in Zukunft noch lieben will. Von mir gibts 3 von 5 Elchen.“

Es scheint ohnehin so zu sein, dass die Episodenrollendarstellerin Lisa Hagmeister das große Plus des Films darstellt, zumindest klingt das aus der einen oder anderen Kritik heraus. Und wären die Ermittler:innen immer auf der Höhe, wäre es vielleicht weniger spannend. Das ist aber nur so ein Gedanke.

Tatort – Die Blicke der Anderen – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

„Was die Leute so reden“ wäre im Grunde der treffendere Titel für den neunten Schwarzwald-„Tatort“ (SWR) mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner: weil praktisch niemand ein freundliches Wort über die weibliche Hauptfigur verliert. Bernd Lange hat bereits das Debüt des Freiburger Duos geschrieben. Ähnlich wie „Goldbach“ (2017) ist auch „Die Blicke der Anderen“ in einer Art Biotop angesiedelt, in dem man nie dazu gehören wird, wenn man von außerhalb stammt. Deshalb steht für alle Beteiligten außer Frage, dass Sandra Vogt (Lisa Hagmeister) nicht nur ihren Mann, sondern auch den kleinen Sohn umgebracht hat. Franziska Schlatterers distanzierte Inszenierung hat allerdings zur Folge, dass inklusive der verdächtigen Hauptfigur niemand wirklich Anteilnahme weckt. Die unauffällige Bildgestaltung und die Dialoglastigkeit geben dem Film einen realitätsnahen Anstrich, aber fesselnd ist er nicht.

 

Scheint der Beschreibung von Tittelbach-TV nach ein klassischer Krimi zu sein, wie wir ihn von früher kennen, aber mit „Ich hab im Schlaf geweinet“ allein hat die Schwarzwald-Schiene vermutlich schon ihre Experimentalquot für alle näheren Zeiten erfüllt. 3,5/6 sind für Tittelbach-TV allerdings eine ungewöhnlich niedrige Wertung, weniger haben wir für einen Tatort bisher von dieser Stelle nicht vermelden können, und wir gestalten die Vorschauen schon seit ein paar Jagen in dem Stil, dass wir sie um renommierte Fremdkritiker:innen herum aufbauen. Mit diesen vier recht unterschiedlichen Meinungen, von denen eine kaum etwas zu bemängeln findet, zwei weitere unterschiedliche Kritikansätze verfolgen und für ihre insgesamt tatortaffinen Verhältnisse geradezu ablehnend tendiert, belassen wir es für heute, denn die Erstausstrahlung des 1215. Tatorts nähert sich mit Riesenschritten.

TH

Handlung

Franziska Tobler und Friedemann Berg ermitteln in einer Kleinstadt im Breisgau: Es gibt selbstredend keinen Maßstab dafür, wie sich eine Frau zu verhalten hat, deren Mann und Sohn vermisst werden. Und doch irritiert das stoische Verhalten von Sandra Vogt die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg in besonderem Maß, während sie versuchen, die Familientragödie aufzuklären. Lisa Hagmeister verkörpert im „Tatort: Die Blicke der anderen“ diese Frau, die von ihrer Umgebung zur Außenseiterin erklärt wird.

Der „Tatort“ zur ARD-Themenwoche „Wir gesucht! – Was hält uns zusammen?“ / Das Erste, die ARD Mediathek, die ARD Audiothek und die regionalen Programme der ARD bilden ab, was die Gesellschaft zusammenhält – und an welchen Stellen das schwer fällt.

Besetzung und Stab 

 

 

Franziska Tobler

Eva Löbau

Friedemann Berg

Hans-Jochen Wagner

Sandra Vogt

Lisa Hagmeister

Gerd Vogt

Daniel Lommatzsch

Lukas Vogt

Sean Douglas

Edeltraud Vogt

Ruth Wohlschlegel

Anna Gentner

Margot Gödrös

Sebastian Kirchner

Ulrich Blöcher

Julia Kirchner

Nikola Kastner

Andi Beuter

Daniel Friedl

Stefan Kämmerer

Niels Bruno Schmidt

 

 

 

Musik:

Verena Marisa

Kamera:

Stefan Sommer

Buch:

Bernd Lange

Regie:

Franziska Schlotterer

 

 

 

 

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