Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel (Maverick, USA 1994) #Filmfest 872

Filmfest 872 Cinema

Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel ist eine US-amerikanische Westernkomödie aus dem Jahr 1994 von Regisseur Richard Donner. Das Drehbuch schrieb William Goldman. Die Handlung basiert zum Teil auf der Fernsehserie Maverick, in der James Garner die Titelrolle spielte.

Der Titel de Films folgt der erfolgreichen Fernseh-Serie „Maverick“, die von 1957-1962 auf die Bildschirme kam und in der James Garner die tragende Rolle spielte. Dieses Mitwirken brachte ihm so viel Popularität, dass er in der Folge als Kinoschauspieler zu Hauptrollen kam. Hauptsächlich spielte er in den frühen 1960ern Komödien sympathische Alltagstypen, gab, wenn man so will, eine etwas mehr nachbarschaftliche Variante von Rock Hudson, später verbreiterte sich sein Spektrum. Der deutsche Titel von „Maverick“ ist ziemlich in die Länge gegangen, aber nötig wäre das nicht gewesen. Über den Film selbst steht mehr in der –> Rezension.

Handlung (1)

Die Poker-Spieler Annabelle Bransford und Bret Maverick versuchen beide, jeweils 25.000 US-Dollar Startgeld für einen Poker-Wettbewerb zu sammeln. Der Wettbewerb wird von Commodore Duvall organisiert und soll auf dessen Raddampfer auf dem Mississippi stattfinden. Auf dem Weg dorthin werden sie vom Marshal Zane Cooper begleitet, der das Spiel beaufsichtigen soll.

Bret Maverick lässt sich von einem befreundeten Indianer überreden, einem russischen Fürsten als Ziel für die Menschenjagd zu dienen. Dafür bekommt der Indianer 2.000 US-Dollar, gibt aber Bret gegenüber vor, nur 1.000 Dollar als Bezahlung gefordert zu haben, wovon er diesem aber die ganzen 1.000 Dollar abgibt. Etwas später trifft Maverick den Fürsten wieder, gibt sich als Regierungsbeamter aus und bekommt durch Erpressung und Drohung mit einer Mordanklage die fehlenden 6000 Dollar, sodass Annabelle und er an dem Turnier teilnehmen können.

Während der Nacht wird das Spiel genau für eine Stunde unterbrochen. Wer nicht rechtzeitig am Pokertisch ist, verliert alles. In dieser Stunde liegen sich Annabelle und Bret in den Armen. Als Annabelle das Zimmer verlassen hat, findet Bret seine Tür von außen mit einer Kette verschlossen vor. Er turnt über das Schaufelrad an ein Oberdeck und kommt mit dem letzten Glockenschlag der Uhr an den Spieltisch. Maverick gewinnt den Wettbewerb in einem dramatischen Finale mit einem Royal Flush gegen ebenfalls sehr starke Blätter (Vier Achten, Straight Flush) bei seinen Gegnern. Zur allgemeinen Überraschung aber wird das Preisgeld von 500.000 US-Dollar von Zane Cooper gestohlen. Als die geflüchteten Cooper und Duvall das Geld aufteilen wollen, findet Maverick die beiden und nimmt ihnen das Geld wieder ab. Er entspannt sich in einer Badewanne, als Cooper erscheint; er entpuppt sich als Mavericks Vater. Annabelle Bransford überrascht die beiden und stiehlt die Hälfte des Geldes, welches sich in einer Tasche befand. Die andere Hälfte hatte Maverick vorsorglich in seinen Stiefeln untergebracht.

Rezension 

1994 kehrte James Garner noch einmal zu der Rolle zurück, die ihn bekannt gemacht hatte – beinahe. Denn Bret, die Figur, die er in der Serie verkörperte, wird jetzt von Mel Gibson gespielt, und Garner stellt sich am Ende der Handlung als dessen Vater heraus.

„Maverick“ in der 1994er Version ist in vieler Hinsicht ein typischer Film seiner Zeit. Zum einen repräsentiert er die damals rollende Welle von Neo-Western, die aber nicht im Westen der 1990er spielte, solche Filme gab es auch, sondern auf die Legenden und Mythen des 19. Jahrhunderts zurückgriffen. Gemäß den Kostümen müsste „Maverick“ zwischen 1880 und 1890 angesiedelt sein. Für das Kostümdesign gab es auch die einzige Oscar-Nominierung, die „Maverick“ erhielt. Andererseits entspricht er dem Drang zur lockeren Komödie, die in den frühen Jahren der Clinton-Ära sehr gut den Zeitgeist spiegelte. Heraus kommt ein wirklich netter Film voller Halunken und Trickser, Vieles, was passiert, ist beinahe tödlich, aber es gibt tatsächlich keinen einzigen Toten, das muss man dem Film unbedingt zugute halten. James Garner und Mel Gibson spielen ihre Rollen gut bis anständig, ohne dass man sie zwingend für höhere Weihen vorschlagen müsste.

Jodie Foster als Besetzung für Annabelle, die Spielerin, ist eine interessante Wahl. Einerseits kennen wir keinen anderen Film, in dem sie so hübsch, so reizend inszeniert wird, andererseits hat sie stellenweise Schwierigkeiten mit dem lockeren Ton des Werks und wenn es wirklich mal gefühlig werden soll, für einen Moment romantisch, hat man den Eindruck, sie fühlt sich nicht ganz wohl in ihrer Haut. Allerdings gibt es dazu ebenfalls eine Einschränkung: Sie wird in Deutschland von einer Sprecherin synchronisiert, die beinahe eine halbe Oktave tiefer spricht als Foster selbst und die eine besonders kühle, etwas hohl klingende Stimme hat – bei manchen ernsten Rollen verstärkt das sicher den Impact, aber hier wirkt es etwas untertemperiert.

Kann man Fosters Einsatz noch so oder so sehen, ist die zum Ende sehr seltsame Handlungsführung ein echter Mangel, der an die oft nicht besonders logischen deutschen Fernseh-Drehbücher erinnert, die wir für die TatortAnthologie des Wahlberliners immer mal wieder zu kritisieren haben. Aber so eindeutige Fails findet man darin selten, wie in diesem Film.

Schon vorher ist manches etwas fragwürdig, aber die Szene, in der Maverick in der Kajüte eingesperrt ist, wird quasi versiebt. Wer sonst als Annabelle sollte ihn da eingesperrt haben, wenn die anderen schon alle in der Spielhalle sitzen, wenn er endlich mit Annabelle und dem Sex mit ihr fertig ist? Ihre Reaktionen wirken aber so, als ob sie ihn sehnlichst erwartet und sich freut, als er in letzter Sekunde eintrifft. Wesentlich gravierender ist die Konstellation Maverick jr. und Maverick sr. Warum klaut Senior das Geld, wenn Junior doch eh gewonnen hat? Warum verbündet er sich mit dem Schiffseigener und dem „Spanier“ unter Inkaufnahme des Todes von Maverick jr., als er mit dem „Spanier“ ausmacht, dass dieser den Sohn vom großen Spiel fernhalten soll? Das erschließt sich nicht und lässt ein Gefühl zurück, als ob die Handlung am Schluss eher hingebogen als einigermaßen sauber konstruiert wurde. In der Badewannenszene wirkt es jedenfalls, als ob die Mavericks von Beginn an gemeinsame Sache gemacht hätten. Sinnvoll wäre die vorherige Inszenierung der beiden als Fremde nur als Absicherung gewesen, falls der Junior das Pokerturnier nicht gewinnt. Und wozu hätte Maverick Senior dann mit den anderen teilen sollen?

Auch die Dialoge und das konsequente Ausspielen von Szenen sind nicht die Stärke des Films, was ihn wiederum einiges an möglichen Lachern kostet. Manche Momente, in denen gute US-Filme durch das coole Gequatsche der Figuren entweder abheben oder sich qualitativ zugrunde richten, je nach Niveau und Originalität der Gespräche, bleibt „Maverick“ ziemlich unverbindlich in der Mitte, verliert außerdem immer wieder Figuren, die erst einmal so aussehen, als sollten sie bis zum Ende mitgezogen werden, wie etwa den schrägen Revolverhelden, der in der ersten Spielszene einen Aufstand macht, als Maverick jr. erstmalig gewinnt.

Finale

„Eine witzige Westernkomödie, die so viele Asse aus dem Ärmel zaubert, dass man risikolos auf sie setzen kann – oder wie es beim Pokern so schön heißt: All In!“

– CountryMusicNews.de[1]

„Bunte Pokerballade mit viel Schwung und visueller Opulenz.“

– Abendzeitung, München

„Motive einer 35 Jahre alten Fernsehserie wurden zu einem Kinofilm hochgespielt, der seine parodistischen Ansätze in äußerlichem Aufwand und Umständlichkeiten erstickt.“

„Richard Donner hat in der Reihe der Schmunzelwestern ein besonders unangestrengtes Stück vorgelegt. Eine Colt- und Kartentrickkomödie mit Road-Movie-Reiz, voll schöner „wilder“ Schauplätze und eitel Schlitzohrigkeit.“

– Süddeutsche Zeitung, München

Kurzweilig ist der Film schon, aber zwei Stunden Spielzeit sind auch genug. Immerhin erleben wir einen Auftritt von Graham Greene, der zwei Jahre zuvor mit Kevin Costner in „Der mit dem Wolf tnazt“ zu sehen war, hier gibt er einen friedlich-streitbaren Indianerhäuptling. Auch dessen Auftritt und der seines Stammes sind sehr in den Film hineingestopft worden, möglicherweise, um ihm passagenweise mehr Ähnlichkeit mit „Stagecoach“ zu geben, bei dem er deutliche Anleihen nimmt, etwa als die Kutsche mit den Mavericks und Annabelle am berühmten John Ford-Felsen vorbeifährt.

In den Jahren, in denen „Maverick“ gedreht wurde, sind wirklich wundervolle, auch romantische Komödien entstanden, aber so richtig funkt das Komödiantische hier nicht und die Romantik findet nicht statt. Besonders blutig oder spannend ist der Film auch nicht, manchmal ist das Beste die Verwendung von Musik aus älteren Filmen oder Traitionals, die ebenfalls ihren Platz finden. Nach dem Geschmack der Zeit wird manchmal auch ein moderner Score verwendet, der den Verfremdungs- und Parodie-Effekt natürlich verstärkt, aber nicht so, dass man denkt, es geht um einen Film über Filme, die schon etwas älter sind, und die hier etwas auf die Schippe genommen werden sollen. Wegen der schönen Bilder und Außenaufnahmen und des insgesamt gefälligen Spiels geht unsere Wertung noch auf  66/100.

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2016)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie Richard Donner
Drehbuch William Goldman
Produktion Bruce Davey,
Richard Donner
Musik Randy Newman
Kamera Vilmos Zsigmond
Schnitt Stuart Baird
Besetzung

 


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