Krieg der Sterne (Star Wars – Episode IV, USA 1977) #Filmfest 918 #Top250 #DGR

Filmfest 918 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (111) – Die große Rezension

Krieg der Sterne (englischer Originaltitel: Star Wars) ist ein US-amerikanischer Space-Opera-Film des Drehbuchautors und Regisseurs George Lucas aus dem Jahr 1977. Bei der Oscar-Verleihung 1978 konnte er sechs Auszeichnungen erringen und zählt zu den finanziell erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten. Krieg der Sterne begründete eines der umfangreichsten Franchises der Filmgeschichte und bildet die vierte Episode der Star-Wars-Saga. Produziert wurde der Film von Gary Kurtz, in den Hauptrollen sind Mark HamillCarrie Fisher und Harrison Ford zu sehen.

Obwohl wir uns bei diesem weltweit vielleicht am ausführlichsten rezipierten Film vergleichsweise kurz fassen werden, wird am Ende die Grenze zum Feature „Die große Rezension“ überschritten sein, was der Bedeutung des Films, for the better or worse, ja auch angemessen ist, obwohl wir darauf nicht speziell gezielt haben und wissen, wie viele Menschen sich mit den Star-Wars-Filmen schon befasst haben. Vielleicht machen wir eines Tages ein Roundup, derweil kümmern wir uns um Filme, die weniger ausführlich rezipiert wurden, über die zu schreiben aber mindestens ebenso viel Spaß macht wie das Schreiben über die mittlerweile 9 Episoden und vielleicht einige Ableger, die das Star-Wars-Universum, sagen wir mal, erweitern.

Handlung (1)

Seit 19 Jahren regiert das diktatorische Imperium mit eiserner Hand über die gesamte Galaxis. Mittlerweile hat das Imperium eine gigantische Raumstation konstruiert, den Todesstern, mit genug Feuerkraft, um einen ganzen Planeten zu vernichten. Doch der Rebellen-Allianz gelang es, an die geheimen Pläne des Todessterns zu gelangen.

Als Prinzessin Leia die geheimen Baupläne des Todessterns den Rebellen übergeben möchte, wird ihr Raumschiff von einem imperialen „Sternzerstörer“ unter dem Kommando von Darth Vader abgefangen. Bevor Leia gefangen genommen wird, speichert sie die Pläne und einen Hilferuf an Obi-Wan Kenobi in dem Droiden R2-D2 ab. Gemeinsam mit dem Protokolldroiden C-3PO (ein humanoider Roboter) flüchtet R2-D2. Doch auf dem Wüstenplaneten Tatooine werden sie von den Jawas, einer Schrotthändlerbande, gefangen genommen. Die Jawas verkaufen die beiden Droiden an Luke Skywalkers Onkel. R2-D2 macht sich, Prinzessin Leias Anweisungen folgend, auf die Suche nach Obi-Wan Kenobi, einem Jedi-Meister und alten Freund von Leias Vater.

Luke Skywalker folgt R2-D2. Als er ihn findet, wird er von Sandleuten, den heimischen Wüstenbewohnern, überfallen und schließlich von Obi-Wan Kenobi, den er bisher nur als Ben Kenobi kannte, gerettet. In dessen Behausung erfährt Luke Näheres über seinen Vater. Kenobi gibt Luke das Lichtschwert, welches einst seinem Vater gehörte.

R2-D2 spielt jetzt Leias Hilferuf ab, und Obi-Wan bittet Luke, ihn nach Alderaan, Leias Heimatplanet, zu begleiten. Doch sein Onkel würde das nie zulassen. Sie treffen auf den zerstörten Wagen der Jawas und finden sie alle tot vor. Obi-Wan vermutet dahinter imperiale Truppen, die die gestohlenen Pläne zurückholen wollen und auf der Suche nach den Droiden sind. Luke fürchtet nun um seine Familie, da die Jawas ihnen die Droiden verkauft hatten. Als er heimkehrt, findet er seinen Onkel und seine Tante tot vor. Jetzt hält Luke nichts mehr, und er geht mit Obi-Wan zum Raumhafen Mos Eisley. Eine Patrouille der imperialen Sturmtruppen kontrolliert sie, doch Obi-Wan erreicht die Erlaubnis zur Weiterfahrt durch eine Art Suggestion, welche ihm durch die Nutzung der Macht möglich ist. In einer Bar treffen sie auf die Schmuggler Han Solo und Chewbacca, einen Wookiee. Solo ist Pilot des Millennium Falken, des – laut seiner Aussage – schnellsten Raumschiffs der Galaxis.

Er willigt ein, die beiden und die Droiden nach Alderaan zu bringen. Allerdings kommt es zu einem Schusswechsel, nachdem Sturmtruppen durch einen Spion die Droiden entdeckt haben. Mit Hilfe des Falken können die Angreifer vertrieben werden. An Bord beginnt Luke unter Aufsicht Obi-Wans mit Übungen zum Erlernen der Macht. Inzwischen wird Prinzessin Leia mit Hilfe eines Folterdroiden auf dem Todesstern von Darth Vader befragt, um den Standort des Stützpunktes der Rebellen zu erfahren, doch sie gibt ihn nicht preis.

Bei einer weiteren Vernehmung durch den Großmoff der Station und Vader droht man allerdings mit der Zerstörung ihres Heimatplaneten. Sie gibt einen Stützpunkt an, aber Großmoff Tarkin lässt ihren Heimatplaneten trotzdem zerstören, um der Galaxie die Feuerkraft zu demonstrieren. Doch der angegebene Stützpunkt ist schon lange verlassen worden, daher ordnet der Großmoff ihren Tod an.

Als der Falke kurz darauf im Alderaan-System den Hyperraum verlässt, befindet sich dort anstatt des Planeten Alderaan lediglich ein Trümmerfeld aus den Überresten des zerstörten Planeten. Daraufhin wird der Falke von einem Traktorstrahl an Bord des Todessterns gezogen, der sich nach der Zerstörung Alderaans immer noch vor Ort befindet. Die Crew versteckt sich an Bord und flüchtet dann in ein Kontrollzentrum des Todessterns. Obi-Wan geht alleine los, um den Traktorstrahl des Todessterns zu deaktivieren. R2-D2 findet über den Stationscomputer heraus, dass die Prinzessin an Bord inhaftiert ist. Luke und Han verkleiden sich als imperiale Sturmtruppen, Chewbacca spielt einen Gefangenen, um in den Inhaftierungsblock zu gelangen und die Prinzessin befreien zu können. (…)

Rezension

Die Produktionsgeschichte, die Rezeption und alle technischen Details zu Star Wars, Episode IV, kann man in der Wikipedia wunderbar nachlesen, das eine oder andere werden wir vielleicht im Lauf der Zeit ergänzen. Wir könnten diese Rezension editieren und mit neuen Filmfest-Nummern verstehen, zum Beispiel insgesamt vier Mal, weil es ja auch vier Hauptfassungen des Films gibt, nach über 40 Jahren.

Was wir aber nicht tun müssen, ist, uns dem Hype anschließen, der um diesen Film und seine Nachfolger gemacht wird. Der erste Star-Wars-Film, den wir gesehen hatten, war „Das Imperium schlägt zurück“, der in Deutschland 1981 in die Kinos kam – und zwar bereits vor dem Kinostart. Wenn wir ihn rezensieren, schreiben wir dazu ein paar Sätze.

Hinterher ist man immer schlauer, aber wenn schon gleich zu Beginn in der Wikipedia steht, Star Wars sei  einer der bedeutendsten Filme aller Zeiten, dann lassen wir das zunächst für seinen finanziellen Erfolg und für das Franchise gelten, das draus wurde. Bedeutend im Sinne von einer der besten Filme aller Zeiten ist aber eine andere Kategorie.

Im Grunde ist „Star Wars“ eine Ansammlung bekannter Elemente, für damalige Zeiten allerdings technisch herausragend umgesetzt. Wir haben jetzt die 1997er Edition gesehen, die nach unserer Ansicht die schon im Original vorhandenen Schwächen noch mehr heraushebt, und zwar auf einer Meta-Ebene: Das Zeitgeistig-Poppige und Infantile, das dem Film zweifelsohne anhaftet, wird durch die Einfügung von Echsen und anderen der Ausgangsversion fremden Wesen noch verstärkt. Da „Jurassic Parc“ vier Jahre zuvor ein großer Erfolg gewesen war und ebenfalls viele Ableger nach sich zog, waren Echsen Mitte der 1990er gerade in, also hat man sie auch in „Star Wars“ implementiert. Der Film wirkt dadurch weniger zentriert und weniger wie ein Science-Fiction-Werk, die Show-Effekte  hingegen hat man noch einmal geliftet. Im Grunde sagt dies schon alles darüber aus, was in diesem Werk wichtig ist und was es darstellt: Wie bei einem Autofabrikat wird das Modell immer neuen Faceliftings unterzogen, was sich bei einem wirklich klassischen Film niemand trauen würde – zu Recht, weil ein guter Film nun einmal eine künstlerische Konzeption darstellt und diese auch im Vordergrund steht. Je mehr ein Film ein Autorenfilm ist, desto wichtiger ist dieser Aspekt.

Freilich ist auch „Star Wars“ ein Autorenfilm, er wäre ohne seinen Schöpfer George Lucas nicht denkbar gewesen. Selbst ein Autorenfilm stellt nicht etwas vollkommen Neues dar, sondern fußt auf Bestehendem, das weiterentwickelt wird, neu gedacht, bestenfalls, in dem Sinn, dass es stilistische Novitäten gibt oder man eine bisher unbekannte Perspektive zu einem Stoff einnimmt. „Star Wars“ ist außerhalb des Technischen aber nicht innovativ, sondern ein Mix aus bekannten Elementen.

Er ist ein Kriegsfilm aus der Sicht David gegen Goliath oder das aggressive deutsche Reich gegen die Résistance, natürlich überwiegend aus letzterer Sicht gefilmt, er ist eine Heldenreise für Luke Skywalker und hat entsprechend ein paar mystische Elemente, die dem Taoismus und dem Zen-Buddhismus entlehnt sind und verliert dadurch bereits seine Stellung als echter („harter“) Science-Fiction. Er ist eine Art Buddy-Film mit einem eigentlich für den Befreiungskampf nicht geeigneten Typ, der eine Wandlung vollzieht, weil er einer Prinzessin imponieren will und er bedient sich natürlich der Elemente, die bisher schon für Weltraumfilme entwickelt worden waren und setzt sie auf eine konsequentere, rauere und vor allem schneller gefilmte Weise um. Dabei werden unzählige Versatzstücke aus der Geschichte verwendet. Dass von allen bisherigen Kriegen der Zweite Weltkrieg am meisten in „Star Wars“ eingeflossen ist, versteht sich fast von selbst, denn 32 Jahre danach war die  Zeit wohl reif für eine Übersetzung in ein anderes Genre, nachdem man in den 1960ern schon sichergestellt hatte, dass es eigentlich ganz easy für einen kleinen Haufen toller Typen war, die Wehrmacht zu düpieren. Die hätte man mal 1941 schon einsetzen dürfen, dann wären viele schlimme Dinge nicht passiert. Trotz des frühen Endes des gerade neu konstruierten Todessterns nimmt man das Imperium in „Star Wars“ aber etwas ernster und Darth Vader als der ausführende Kriegsherr und Tarkin als grausamer und ihm von der Position her übergeordneter Kommandeur, der   von Peter Cushing gespielt wird und  Joseph Goebbels nachempfunden wurde, ist ein guter Gegner und eine eigenständige Persönlichkeit, die sich der dunklen Seite zugewendet hat.

Eine solche vom Guten zum Bösen gewandelte Person gab es im Nazi-Imperium nicht, zumindest nicht an führender Stelle. Die Jedi-Ritter haben wiederum zwei Vorbilder: Die japanischen Samurai, was ihre Bushido-Grundsätze angeht und die Ritter an König Artus‘ Tafelrunde – nur, dass diese keine übersinnlichen Kräfte hatten und nicht andere Personen mit Telepathie beeinflussen konnten. Keine Frage, dass deren Lichtschwerter, eigentlich veraltetet, aber hier schön ins Neondesign übersetzte Waffen diese Ritterlichkeit des fairen Zweikampfes symbolisierend, einer der Pluspunkte von „Star Wars“ sind. Auf diese Weise kommt in den Film auch ein weiteres Genre hinein: Der Western mit seinem klassischen Showdown. Niemand erschießt jemanden einfach so, sondern man geht in eine formalisierte Duellsituation hinein, die wiederum aus der vordemokratischen europäischen Kultur übernommen ist.

Was man dem Film nicht absprechen kann, ist eine einigermaßen gut durchgezogene Handlung, die aber, wenn man den Film in Genres und vorhandene Elemente aufspaltet, so neuartig ist wie ein tropfender Wasserhahn.  Für jedes einzelne Element lassen sich viele Vorbilder finden – so viele, dass wir nur stellenweise welche benennen werden.

Betrachten wir aber nun die Figuren. Harrison Ford macht einen guten Job als Han Solo, keine Frage. Er spiegelt noch den Rebellentyp, der in den 1950ern zunächst von Marlon Brando, dann James Dean verkörpert wurde und dann das Feeling von „Easy Rider“ und Co. aus den späten 1960ern und natürlich den einsamen Reiter des Westens, der zwar nicht so recht legal vorgeht, aber trotzdem einen guten Kern hat. Dieser Typ wiederum hat oft einen „Buddy“, das ist hier sein haariger Beifahrer, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er in jeder Situation fast denselben Ton von sich gibt und mimisch den maskenbildnerischen Möglichkeiten der 1970er entspricht, nicht den CGI-Möglichkeiten späterer Jahrzehnte. Die arg plötzliche Wandlung von Solo zum Kampfgefährten von Luke Skywalker, der unvermitelt neben ihm auftaucht, als es darum geht, den Todesstern zu besiegen, kann man sich angesichts der Tatache, dass bisher keine Wandlung erkennbar war, nur dadurch erklären, dass er Prinzessin Leia mit dieser für ihn neuen Solidarität beeindrucken will. Das wäre zumindest eine halbwegs nachvollziehbare Begründung dafür, dass einer, der bisher vor allem seinen eigenen Vorteil im Blick hat, sich plötzlich auf ein Himmelfahrtskommando begibt.

Nichts anderes als dies ist nämlich der Angriff auf den Todesstern: Eine Kamikaze-Aktion, bei der von vornherein klar ist, dass fast alle Rebellen-Jagdflieger draufgehen werden. Als die wenigen Überlebenden zurückkehren, gibt es Freude bei den Rebellen, aber wir sehen keinen einzigen Zug von Trauer über die Gefallenen. Weder bei Skywalker, noch bei der Prinzessin, noch bei Han Solo flimmert auch nur ein Moment des Gedenkens auf. Das hätte man bei der Schlusszeremonie wirklich einbauen können – aber vielleicht wäre das schon ein zu erwachsenes Element gewesen für einen Film, der so spekulativ ist wie dieser. Wir können gut verstehen, dass die europäischen Kritiker 1978 an diesem Werk nicht viel fanden, das unverrückbar ganz oben in der Liste der Top 250 aller Zeiten der IMDb angesiedelt ist, egal, was an neuen Filmen auch kommen mag.

Abgesehen von Han Solo, der aber, nebenbei bemerkt, auch nicht die Präsenz hat, die Harrison Ford wenige Jahre später als Indiana Jones zeigen konnte, sind die Figuren allenfalls mittelmäßig. Am besten sicher noch Obi Wan Kenobi in Person von Alec Guiness, aber auch nur, weil er von diesem grandiosen Schauspieler, einem der besten überhaupt, verkörpert wird. Wenn man ihn so apostrophiert, muss man allerdings sagen: Auch Guiness hatte schon viel stärkere Parts; selbst die Nebenrolle in „Doktor Schiwago“ war prägnanter als der Auftritt in der Mönchskutte in „Star Wars“.

Das liegt schlicht daran, dass keine Zeit ist, die Figur zu entwickeln. Und damit zu einem weiteren Problem, das gerade durch die für damalige Verhältnisse rasante Handlung aufkommt: Alles spielt sich innerhalb weniger Tage ab, aber ein junger Mann, der nichts anderes vorhat, als endlich aus seinem vom Weltraumschrotthandel lebenden Heimatkaff auf einem abgelegenen Stern mit Doppelsonne wegzukommen und an einem zentraleren Ort zu studieren, wandelt sich innerhalb von ein paar Tagen zu einem Frontkämpfer, zu einem Helden des Widerstandes, nur, weil er von den Nöte einer Prinzessin per Hologramm erfährt. Und weil er von Ben Kenobi schon gehört hat, der ein Jedi-Ritter war und zum Einsiedler wurde, als das Imperium zu dominieren begann und die Demokratie in Form des „Senats“ abgeschafft wurde („Demoraczie Schtonk!“, hätte Charles Chaplin dazu gesagt). Auch dies natürlich eine Anspielung, und zwar auf die Vorgänge in Deutschland im Jahr 1933.

Diese Wandlung von Luke vollzieht sich viel zu schnell und man merkt immer wieder an den weit aufgerissenen Augen von Mark Hamill, seinem Darsteller, dass er sie selbst nicht so recht glauben mag. Sogar auf dem  von uns gewählten Titelbild kann man diese Blauäugigkeit im wörtlichen und übertragenen Sinne erkennen.

Wir waren ebenfalls nicht überzeugt. Und die Prinzessin? Kritiker haben bemängelt, Carris Fisher habe überhaupt keinen Sex-Appeal. Das hat uns gar nicht so gestört, wir fanden ihre Art durchaus angemessen einer Person, die eher politisch denkt, als besonders erotisch wirken zu müssen, aber sie ist, wie die meisten Charaktere, sehr linear angelegt – Persönlichkeitsstudien sind erkennbar nicht die Priorität der Macher von „Star Wars“ gewesen. Dass sie keinerlei Emotionen zeigt, nachdem ihr Heimatstern Alderan mit all ihren Lieben darauf sozusagen exemplarisch und demonstrativ vom Todesstern vernichtet wird, sagt einiges über ihre mentale Konstitution.

Bis auf Harrison Ford wurde keiner der Darsteller zum Superstar, während dem Ruhm von Alec Guiness auch ein Cameo-Auftritt von zehn Sekunden Länge nichts hätte anhaben können. Auch das zeigt, dass der Film nicht gerade auf allen Ebenen Spitzenqualität bietet. Immerhin sechs Oscars und keine Spitzenqualität? Doch, auf technischer Ebene, und die waren sicherlich verdient, auch ohne die spätere Digitalisierung. Und , nicht zu vergessen: für die Musik. Auch wenn es Stimmen gibt, die behaupten, John  Williams habe geklaut, der Score ist ikonisch und hat sicher einen guten Teil zum Erfolg von „Star Wars“ beigetragen. Er hat die sinfonische Filmmusik revitalisiert, und diese Wirkung hält bis heute an. Für uns ist dieser Soundtrack neben den beiden Robotern der größte Bonus dieses Kultstreifens und zählte als Doppel-CD zu den ersten Digitaltonträgern , die wir uns angeschafft haben, als diese Art von Tonträgern noch ganz neu war.

Wir haben es schon angedeutet – wir können uns lebhaft vorstellen, wie Kritiker in Europa zu dem Film standen, als er herauskam. Es war die Zeit des Autorenfilms, die Zeit, in der auch das US-Kino erwachsen zu werden schien und speziell im SF-Genre waren viele kritische Filme zu sehen, von „Planet der Affen“ bis zu „Soylent Green“ oder „2001“, die intellektuell auf einer höheren Stufe stehen als „Star Wars“. Der Film war demnach für sie ein Rückfall in die  Zeit, als Kientopp vor allem Massenvergnügen ohne größere Ansprüche war. Noch heute gilt „Star Wars“, eher noch als Spielbergs Filme aus den 1970ern, als Start in die Re-Infantilisierung des Mainstream-Kinos, das sich in den 1950ern, 1960ern zunächst im Fach Drama und durch Literaturverfilmungen veredeln wollte und dann den Anschein erweckte, als sei es möglich, eine Synthese zwischen Indpendent und Mainstream herauszubilden. Selbst den Status als Weltraummärchen wollten viele Kritiker „Star Wars“ nicht zubilligen, sondern bezeichneten ihn als plattes Spekulationsobjekt.

Was er ist. Man hat einfach alles zusammengemixt, was bisher funktioniert hat – und etwas geschaffen, was zumindest uns emotional keinen Moment lang berühren konnte. Das  hat nicht nur mit den Figuren zu tun, mit den allzu deutlich erkennbaren Versatzstücken aller Genres außer dem ernsthaften Drama, sondern auch mit einigen technischen Prämissen. Der Todesstern spielt dabei eine zentrale Rolle. Ob man ein solches Monstrum wirklich bauen könnte, wollen wir an der Stelle nicht eruieren, es ist den Kugelraumern von Perry Rhodan nachgestaltet, die im Verlauf der Historie auch immer größer werden – natürlich noch einmal mehr ins Gigantische gewendet. Allerdings wäre es den Schreibern von Rhodan zu schräg gewesen, diese Raumschiffe in Kugelform als Fehlkonstruktionen darzustellen.

Mithilfe eines Bauplans, der in einer ziemlich rudimentären Grafik visualiert wird, können die Rebellen ermitteln, dass dieser Todesstern durch eine simple Granate, die in einen simplen – Luftschacht? – geworfen wird, komplett zerstört werden kann. Auweia. Dieses Imperium sollte angesichts des Verhältnisses von massivem Produktionsaufwand für Todessterne und der billigen Möglichkeit, sie zu vernichten, ökonomisch sowieso bald am Ende sein, ganz ohne Résistance. Und die Verteidigung der Oberfläche wird mit Waffen vorgenommen, die in etwa den Kanonentürmen auf Schlachtschiffen des 20. Jahrhunderts ähneln. Es geht wirklich nur um den Effekt, nicht um die Logik. Eigentlich ist der Todesstern aber doch visionär: Als ein typisches Blender-Produkt des Spätkapitalismus zu erkennen, das einen riesigen Fez um sich selbst macht, aber nichts taugt. Ein bisschen auch wieder Anspielung auf Wunderwaffen, die allerdings, im Gegensatz zu diesem Stern, nicht realisiert wurden. Doch das Imperium hat noch die Sternenflotte, die wird in den weiteren Filmen auch zum Einsatz kommen. Manchmal ist die konventionelle Technik doch die bessere, damit lassen sich auch zünftigere Weltraumschlachten mit viel Getöse inszenieren, weil alles in Bewegung ist, während dieser Todesstern dumm am Platz verharren muss. Dass es dabei so viele Geräusche gibt, tragen wir dem Film aber nicht nach, obwohl auch dieser Part im atmosphärelosen Weltraum unrealistisch ist – in vielen SF-Produktionen vor „Star Wars“ hat man schon erkannt, dass ohne Akustik plötzlich herauskäme, wie öde diese Kampfszenen mit ihren immer ähnlichen Feuerbällen als Endstadium gegnerischer Raumschiffe sind.

Wer bis hierher gelesen hat, obwohl wir keine Fan-Rezension schreiben, dem wird aufgefallen sein, dass wir zwei wichtige Figuren noch nicht ewähnt haben. Die Roboter C3-PO und R2-D2, in deren Blechhüllen jeweils Menschen gesteckt wurden. Sie sind für uns die eigentliche Innovation und Sensation des Films, denn erstmals gewinnt die KI in diesem Film Persönlichkeit. Das viele Piepsen von R2-D2 nervt zwar etwas, aber es drückt Stimmungen und Willensbekundungen besser aus, als alle menschlichen Figuren in dem Film es hinbekommen und der manierierte Kollege mit der goldglänzenden Außenhaut kommt dem schon recht nah, was mittlerweile im Bereich androider Roboter tatsächlich entwickelt wird. Und warum sollte es bald zu erwartende kommerzielle Haushaltsroboter nicht in verschiedener Optik und mit verschiedenen Oberflächenamutungen geben? Wäre ja gelacht, wenn der Konsumismus ausgerechnet hier nicht zu ganz unterschiedlichen Ausführen gelänge, in denen mehr oder weniger die gleiche Technik steckt. Den beide Typen zuzuschauen, auch, wie sie miteinander interagieren, macht mehr Spaß als alles andere in dem Film.

Das bedeutet bei uns sicher nicht, dass wir total technikaffin sind oder gar nicht darauf warten können, dass die (zensiert), die wir täglich in Berlin herumlaufen sehen, endlich durch logischer und funktionaler wirkende Kunstwesen ersetzt werden, denn die beiden Roboter glänzen ja gerade dadurch, dass sie menschliche Eigenschaften haben und nicht perfekt sind, der Protokollroboter C3-PO ist sogar ein ständig plappernder und vordergründig ängstlicher Typ, während der Kleine den Stoiker gibt, der immer nur an seiner Aufgabe orientiert ist: Die Botschaft der Prinzessin und den Bauplan in die richtigen Hände gelangen zu lassen. Was er aber nicht ohne die Hilfe des eloquenteren Partners kann. Die beiden gehen trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten eine wesentlich überzeugendere Symbiose miteinander ein als alle menschlichen Figuren in „Star Wars“.  Ob man das philosophisch sehen sollte? Dazu müssten wir wissen, ob George Lucas den beiden einen solchen Hintergrund geben wollte. Selbst, wenn sie einfach nur zur Erbauung der Zusschauer gedacht sind – mit ihnen konnten wir im wörtlichen Sinn mitgehen, als sie in der Wüste herumliefen und spürten sogar die Hitze und die Trockenheit, die besonders dem empfindlichen Zeremonien-Androiden zu schaffen machten. 

Nach unserer Ansicht sind die beiden Roboter die Klammer des Films, man kann sogar sagen, er wird weitgehend aus ihrer Perspektive erzählt, denn sie sind immer am Ort des Geschehens. Dass wir die beiden überhaupt näher kennenlernen, beruht allerdings wieder auf einem problematischen Handlungselement: Die Besatzung des imperialen Raumkreuzers, die mitbekommt, dass sich da eine Rettungskapsel absetzt, lässt diese einfach ziehen, weil ja keine menschlichen Wesen an Bord sind. Na dann. Tschüss, Bauplan vom Todesstern. Nicht nur die Mängel dieses Objekts selbst sind eklatant, sondern auch der Schutz selbiger. Wie die Prinzessin an diese Pläne rangekommen ist, fragen wir lieber nicht nach, sonst nehmen die Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Handlung kein Ende. Dafür hätte man sie als Spionin aufstellen müssen und damit gleich noch ein weiteres Genre, den Agentenfilm, gecovert. Das wäre dann aber schon wieder zu kompliziert geworden für die – sorry – überwiegend simplen Gemüter, für die der Film gemacht wurde.

Finale

Kein Wunder, dass auch die produzierende Firma 20th Century Fox „Star Wars“ als B-Movie vermarkten wollte, obwohl sie eines der ersten Studios war (neben MGM), das sich schon dreißig Jahre zuvor entschlossen hatte, gar keine B-Filme mehr zu machen, und auch Lucas selbst ihm nicht den durchschlagenden Erfolg zutraute, den der Film dann hatte. Angeblich hat Steven Spielberg besser erkannt als Lucas, was in dem Werk steckt – und doch mit „Begegnung der dritten Art“ noch einmal eine Art Gegenfilm gemacht, der gleichzeitig eine Wendung der Filme der 1950er darstellt, in denen Außerirdische, die mit Untertassen anreisen, vor allem als Bedrohung dargestellt wurden (bis auf „Der Tag, an dem die Erde still stand“, der sehr philosophisch geraten ist) – bevor er sich mit „E. T.“ ebenfalls den unendlichen Möglichkeiten des kindgerechten Blockbuster-Movies zuwandte. „E. T.“ hat allerdings bei Weitem mehr emotionalen Impact als „Star Wars“, Episode IV.

Was bleibt? Ein riesiger kommerzieller Erfolg natürlich, der dazu geführt hat, dass dieser Film und der Nachfolger u. a. in der IMDb unter den Top 10 / 20 der besten Filme aller Zeiten geführt werden, was zumindest „Episode IV“ definitiv vom Gehalt her nicht ist, ein für seine Zeit sehr opulenter SF, der manche Zuschauer wohl gerade wegen seines rüden Genre-Mixes verblüfft haben mag, aber die Kritiker in Europa hatten schon Recht mit ihren Befürchtungen: „Star Wars“ und einige Spielberg-Filme leiteten eine Regressionsphase des Mainstream-Kinos ein, die schon auf alle heutigen Mängel des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems hindeutet – Überdehnung, Effekt vor Inhalt, logische Schwächen allüberall und Figuren, die ziemlich austauschbar sind. Dass dies ausgerechnet auf zwei Roboter nicht zutrifft, beruhigt nicht unbedingt unsere kulturpessimistische Seite. Der Befreiungskampf, den wir sehen, zieht immer viele Menschen in seinen Bann, aber wenn wir mal genau hinschauen: Die Widerständler sind ebenfalls choreografiert wie auf einem Nazi-Parteitag und tragen ähnliche Landserkappen wie die führenden Offiziere des Imperiums. Die Soldaten in ihren Quasi-Panzern wirken wie heutige Polizisten, die gegen die Zivilgesellschfaft eingesetzt werden. – nur, dass man sie erstaunlicherweise in freundlichem Weiß gehalten hat. Wegen der technischen Skills und der Roboter wird die Bewertung für „Star Wars“ nicht so schlecht ausfallen, aber herausragende Filme müssen für uns andere Eigenschaften ausweisen als dieser gezielt zusammengestellte Mix aus allem, was im Kino bisher funktionierte und von dem George Lucas eben hoffte, es würde kombiniert noch besser funktionieren. 

Man kann gegen die Art, wie wir diesen Film rezensiert haben, sicherlich viele Einwände vorbringen und Fans, sofern sie dies lesen, werden es zumindest innerlich tun. Vielleicht müsste man ihn auch nicht  mit echter Filmkunst vergleichen, sondern mit Genrefilmen, die es zuvor gab, und im Vergleich dazu ist der Mix sehr reichhaltig und innovativ. Trotzdem bleibt dieser Film auf der Ebene, auf der Kritiker einen Film betrachten (sollten), eher oberflächlich. Etwas anderes ist die Tiefenwirkung, das Manipulative daran, das sicher nicht alles auf Absicht beruht, dazu würde sich eine eigene Untersuchung anbieten, weil mit so vielen Versatzstücken der Geschichte und des Kinos geschmissen wird, dass der Film für seine Zeit ein richtiger Mindfuck war.  Das heißt, seine Wirkung beruht nicht auf der Qualität der Figuren oder Einzelelmente, sondern darauf, dass er eine popkulturelle Verdichtung darstellt und außerdem ein mehrfaches Echo der Geschichte vieler Jahrhunderte und mehrerer Kulturen hören lässt. Der Mix ist schon krude, aber er wirkt.

74/100

© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2019)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie George Lucas
Drehbuch George Lucas
Produktion Gary Kurtz
Musik John Williams
Kamera Gilbert Taylor
Schnitt Paul Hirsch,
Marcia Lucas,
Richard Chew
Besetzung

 

 

 

 

 

 

 


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