Filmfest 921 Cinema – Concept IMDb Top 250 of All Time (112)
Sprengt alle Ketten und jeden Rahmen
Gesprengte Ketten ist ein 1962 in Süddeutschland entstandener US-amerikanischer Kinofilm. Er handelt von einem Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Grundlage für das Drehbuch war das Buch The Great Escape von Paul Brickhill. 1988 wurde mit Gesprengte Ketten – Die Rache der Gefangenen eine Fortsetzung für das Fernsehen produziert.
Den Film haben wir uns lange aufgehoben, aber die drei Stunden in HD, die viel Platz auf dem Medienreceiver beanspruchten, mussten freigemacht werden. Das lange Zögern hatte auch damit zu tun, dass die Art, wie die Amerikaner in den 1960ern begannen, über den Zweiten Weltkrieg zu filmen, schlicht unangemessen und nicht den wahren Verhältnissen entsprechend war. Trifft das auch auf „Gesprengte Ketten“ zu? Wir klären dies und mehr in der -> Rezension.
Handlung[1]
Eine Gruppe alliierter Kriegsgefangener – vorwiegend Offiziere der Luftstreitkräfte, die wiederholt Ausbruchsversuche unternommen hatten – wird 1944 ins Stalag Luft III eingeliefert, einem neuen und als besonders ausbruchssicher geltenden Lager. Kaum angekommen, versuchen sich die „Profis“ bereits wieder in neuen Fluchtversuchen, die jedoch alle misslingen. So beschließen Amerikaner und Briten zusammen und unter Führung des Briten Squadron Leader Roger Bartlett, genannt Big X, eine großangelegte Flucht durch selbstgegrabene Tunnel. Insgesamt werden drei Tunnel gegraben – für den Fall, dass einer entdeckt werden sollte – und mit „Tom“, „Dick“ und „Harry“ bezeichnet. Die Gruppe wird von mehreren Spezialisten unterstützt. Flight Lieutenant Bob Hendley – „der Schnorrer“ – besorgt die gewünschten Gegenstände, egal ob Kamera, Textilien oder offizielle Papiere. Officer Louis Sedgwick – „der Handwerker“ – stellt Grabwerkzeuge sowie ein Belüftungssystem für die Tunnel her. Die beiden Flight Lieutenants Danny Valinski und William Dickes – „die Tunnelkönige“ – sind für das Graben der Tunnel verantwortlich. Lieutenant Sandy MacDonald – „das Gehirn“ – überwacht das Lager, beschafft Informationen und fungiert als Bartletts Berater. Lieutenant Commander Eric Ashley-Pitt von der Royal Navy – „der Verteiler“ – erarbeitet ein Verfahren, den Erdschutt aus den Tunnelgrabungen heimlich auf dem Lagergelände zu verstreuen. Flight Lieutenant Griffith fungiert als „der Schneider“ und stellt aus den ergatterten Textilien zivile und militärische Kleidungsstücke her. Flight Lieutenant Dennis Cavendish – „der Vermesser“ – ist für die Karten und Vermessung verantwortlich. Haynes und Nimmo sind für die Ablenkungen verantwortlich. Lieutenant Colin Blythe – „der Fälscher“ – fälscht Dokumente und Ausweise. Wegen der schwierigen Arbeiten bei Kerzenlicht erblindet er fast durch eine fortschreitende Kurzsichtigkeit.
(…)
Rezension
Die Handlungsangabe in der Wikipedia ist sehr ausführlich, wir haben hier nur den ersten Abschnitt wiedergegeben. Doch schon dieser klingt beeindruckend, oder? Was könnten die Russen im Ukrainekrieg von diesen hochspezialisierten Künstlern des Ausbruchs an Geschick lernen. Wir hatten eingangs den Realitätsgehalt des Films angesprochen. Es waren bei dem realen Ausbruch keine Amerikaner beteiligt, aber wenn ein Film amerikanisch ist, muss das einfach sein und natürlich stehen sie für Aufmüpfigkeit und Individualismus, während die Briten eher die planenden Typen sind, die auch eine andere Einstellung zu den vielen Opfern haben, die der Ausbruch letztlich kosten wird. Sicher ist an den Nationalcharakteren etwas dran, die hier gezeigt werden. Aber vor allem sind die Indiviuen, denen wir begegnen, dermaßen gut gestaltet, dass sie uns drei Stunden lang interessieren. Das macht den Film aus und bringt ihm bis heute hohe Anerkennung ein:
Gesprengte Ketten wurde von den Kritikern sehr positiv aufgenommen und erreichte bei Rotten Tomatoes, basierend auf 45 Kritiken, eine Bewertung von 93 Prozent. Zusammenfassend heißt es dort: „Mit einem tadellos langsamen und geduldvollen Handlungsaufbau sowie einem Ensemble für die Ewigkeit, ist Gesprengte Ketten ein spannender Filmklassiker.“[11] In der IMDb ist er seit Erstellen der Liste der Top 250 Filme ständig vertreten und belegt aktuell Platz 134 (Stand: 5. Januar 2020).[12]
Zum Zeitpunkt der Verfassung des Entwurfs dieser Rezension ist es Platz 149 (30.12.2022). Damit ist der Film weiterhin ein relativ sicherer Bestandteil der Liste und die vorliegende Besprechung zählt zum „Concept IMDb Top 250 of All Time“, das darin besteht, alle jemals in dieser Liste enthaltenen Filme sukzessive auf dem Filmfest vorzustellen. Einige Ausnahmen wird es geben, wenn diese Filme aus Ländern kommen, deren Kinopublikum sie sichtlich gepusht hat, ohne dass die Qualität dafür stünde.
„Hervorragend fotografierter und inszenierter Thriller um einen Massenausbruch alliierter Kriegsgefangener von John Sturges. Auch wenn dieser Film […] seine Längen hat, die gekonnte Machart und die brillante Besetzung machen dies wett. Besonders gelungen: die Sequenz, in der Steve McQueen in halsbrecherischer Motorrad-Fahrt von den Nazis gejagt wird.“– Prisma[13]
„Vorzüglich besetzt und mit viel Routine inszeniert, ist der Film in erster Linie an den Spannungselementen des Stoffes interessiert.“– Lexikon des internationalen Films[4]
Humor und Tragik halten sich die Waage, am Schluss überwiegt Letzteres sogar deutlich, sodass man insgesamt nicht, wie bei anderen Filmen aus alliierter Produktion den Eindruck hat, dass das Dritte Reich doch eigentlich bei soviel Dummheit seines Militärs nach ein paar Wochen hätte besiegt sein müssen. Im Gegenteil, die Gestapo wird als ruchloser Haufen gezeigt, der rücksichtslos Kriegsgefangene erschießt. Und es waren auch in der Realität genau 50, wie im Film. Da hätte sich ein Epilog angeboten, denn die Beteiligten an der Erschießung wurden von den Briten ermittelt, gefasst und mehrheitlich drei Jahre nach Kriegsende hingerichtet. Da der Film aber ohnehin lang ist und es nicht um Rache geht, sondern um eine wirklich feine Aktion, die ähnlich angelegt ist wie ein Heist-Movie – nur, dass der Tunnel hier nicht gegraben wird, um in einen Tresorraum zu gelangen, sondern in die Freiheit.
Dass die Charaktere so schlüssig wirken, liegt auch an der Hand für die Besetzung, die die Macher des Films hatten. Regisseur John Sturges hatte schon drei Jahre zuvor mit „Die glorreichen Sieben“ bewiesen, dass er ein stimmiges Star-Ensemble zusammenführen und eine im Grunde recht längliche Geschichte so aufbauen kann, dass sie spannend wirkt. „Die glorreichen Sieben“ wird auch nach dem Ansehen von „The Great Escape“unser Lieblingsfilm von ihm bleiben, denn das Thema ist nicht so unangenehm, es geht nicht um deutsche Kriegsverbrechen. Es geht ebenfalls um Freiheit und Abwehr eines barbarischen Gegners, aber nicht nur ist das Ende eindeutiger positiv, die Sieben sind auch aus anderen Motiven unterwegs als die 73, die zunächst aus dem Lager Luft III fliehen können.
Die Parallelen sind dennoch auffällig: Einigen gelingt die Flucht oder das Überleben, bei den Sieben, den anderen nicht. In „The Great Escape“ schaffen nur ganz wenige die Flucht bis zum Ende. Da Charles Bronson in „Die glorreichen Sieben“ zu den Männern gehört, die sterben müssen, darf er dieses Mal einer der wenigen sein, die Deutschland lebend verlassen. Bei Steve McQueen ist es nicht exakt, aber beinahe umgekehrt. Während er in „The Glory Seven“ die Hilfe für das mexikanische Dorf, das von einer Räuberbande traktiert wird, unbeschadet davon kommt, stirbt er hier beinahe auf der Flucht und wandert am Ende wieder in den Bunker, den Ort, in dem er wegen seiner Aufsässigkeit häufig zugange ist. Ähnlich bei James Coburn, der in „Die 7“ stirbt und hier über Frankreich nach Spanien gelangt. Er scheint ein Linker zu sein, liest die „Libération“, aber dass er geradewegs weitermarschiert in den spanischen Bürgerkrieg ist eher unwahrscheinlich und da Spanien 1944 bereits in Francisco Francos Hand war, wirkt dieser Zufluchtsort nicht unbedingt logisch. Im Zweiten Weltkrieg war es aber politisch neutral.
Es ist auffallend, mit wie vielen Darstellern John Sturges in „The Great Escape“ zusammenarbeitet, die er schon in „The Glory Seven“ eingesetzt hat. Von den ganz bekannten Namen fehlt nur Yul Brynner, während vor allem die britischen Schauspieler hinzukamen, die in Western notabene selten zu sehen sind, ebenso natürlich die deutschen Darsteller. Es handelt sich wirklich um Darsteller, wir haben das Gender nicht vergessen: In dem Film gibt es keine einzige Sprechrolle für eine Frau, nicht einmal eine Komparsin, lediglich ein paar Statistinnen in Verkehrsmitteln und in Orten, durch welche die Flucht führt. Ein Film wird nicht unwesentlich durch die Musik beeinflusst, die für ihn geschrieben wurde. Auch dabei hat John Sturges eine bewährte Zusammenarbeit fortgesetzt, die mit Elmer Bernstein, der mit dem Thema von „Die glorreichen Sieben“ einen epochalen Score umgesetzt hatte. Er markierte die Wende von den mächtigen, pathetischen Filmmusiken der 1950er, für die vor allem Dimitri Tiomkins Werke als sinnbildlich gelten können, oft mit Titelsong. Sein Score zu „High Noon“ leitete diesen Trend ein, auch mit ihm arbeitete John Sturges zusammen, in „Zwei rechnen ab“ (1957). Nun kam es zu einer etwas leichteren, optimistischer wirkenden Variante der Westernmusik, die gleichwohl immer noch klassisch sinfonisch war. Auch der „Great Escape March“ gehört zu den wichtigen Arbeiten von Bernstein, in welcher er den Genrewechsel perfekt vollzogen hat, ohne von seinem Stil wesentlich abzuweichen. Die Stimmungswechsel werden von der Musik sehr gut untermalt, ohne dass die Geschlossenheit des Scores darunter leidet.
Fahren wir fort mit dem Abgleich zwischen Film und Wirklichkeit:
Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Jedoch hat sich die echte Flucht nicht, wie im Film dargestellt, bei sommerlichen, sondern bei winterlichen Wetterbedingungen mit Eis und Schnee ereignet. Sie fand in Wirklichkeit in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1944 im Stammlager „Stalag Luft III“ im niederschlesischen Sagan, etwa 160 km südöstlich von Berlin, statt. Anders als im Film waren keine US-Amerikaner unter den Flüchtenden. Zahlreiche weitere Details wurden für den Film geändert.[6]
Die Bavaria, die damals u. a. zum Dienstleister für ausländische Studios aufstieg, ist aber nun einmal in München angesiedelt und der angenehme Nebeneffekt für die Macher des Films ist, dass man Deutschland so sieht, dass der Film sogar werbenden Charakter hat, nämlich vor einem malerischen Alpenpanorama, wie es vor allem die Amerikaner mögen. Sogar das Schloss Neuschwanstein ist einmal aus der Luft zu sehen, wenn ich richtig orientiert bin. Auf jeden Fall ist es ein bayerisches Märchenschloss. Hier für Freunde des Filmens on Location etwas genauer:
Alle Innenaufnahmen des Films entstanden in den Bavaria Studios bei München.[1] Das Gefangenenlager, das im Film zu sehen ist, wurde im direkt an die Studios angrenzenden Perlacher Forst errichtet.[2] Der Schlussteil des Films – die Flucht durch Europa – wurde im Allgäu, in Füssen, bei Pfronten, Hopfen am See und bei Schwangau, mit Beteiligung der einheimischen Bevölkerung gedreht. Die Zug- und Bahnszenen filmte man auf der Bahnstrecke Großhesselohe–Holzkirchen, am Bahnhof Deisenhofen, am alten Bahnhof in Füssen und auf Bahnstrecken in der Nähe von Markt Schwaben. Die Notlandung des Flugzeugs von Hendley und Blythe wurde in der Nähe von Frauenried/Irschenberg gedreht.[3]
Einige technische Details sind, wie die Verlegung nach Bayern, ebenfalls abweichend, hier vor allem im Sinne von Anachronismen:
Viele der gezeigten Militärfahrzeuge der deutschen Wehrmacht tragen Kennzeichen mit dem Schriftbild nach DIN 1451, die in der Bundesrepublik Deutschland erst ab 1956 zum Einsatz kamen.
Die Wagen des Zuges, den ein Teil der flüchtenden Kriegsgefangenen aus dem Bahnhof Neustadt benutzt, sind mit der Aufschrift der ehemaligen Deutschen Bundesbahn versehen, die zum Zeitpunkt der Flucht noch gar nicht existierte. Auf dem Ankunftsbahnhof erkennt man deutlich die schwache Übermalung zur Deutschen Reichsbahn, die zu dieser Zeit jedoch ein anderes Logo verwendete.
Das von Virgil Hilts geklaute Motorrad eines Wehrmachtssoldaten war eine modifizierte TR6 Trophy, ein Modell aus dem Jahr 1961 vom britischen Motorradhersteller Triumph Motorcycles.[14] Das Motorrad, mit dem er dann so spektakulär über die Grenzbefestigung springt, hat eine stark verbesserte Federung und einen verstärkten Blockmotor. Angesichts der Stunts ist es verständlich, dass für die Szenen keine Zündapp oder BMW mit Starrrahmen genommen wurde, was zeitgemäß gewesen wäre. Zudem trägt Hilts eine Armbanduhr vom Typ Rolex Submariner, die erst deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg hergestellt wurde.
Im Vergleich zu dem, was es in anderen Filmen an Gegenständen zu sehen gibt, die nicht in die Zeit passen, in der die Handlung spielt, sind die Fehler aber recht dezent. Die Autos, die von der Wehrmacht gefahren werden, gab es wirlich, soweit ich das sehen konnte, ebenfalls die BMW-Gespanne mit Beiwagen. Auch bei der Mode, inklusive der Haarmode, hat man sich relativ gut an der Zeit orientiert, die damals schon 20 Jahre her war, allerdings waren auch nicht allzu viele Zivilkleidungsstücke zu schneidern.
Der reale Ausbruch, der dem Buch und dem auf ihm basierenden Film als Vorlage diente, trug sich so zu:
In der Nacht vom 24. März auf den 25. März 1944 begann gegen 22:30 Uhr die Flucht durch den noch verbliebenen Tunnel „Harry“. „Harry“ war 102 m lang, hatte drei Zwischenstationen, maß 0,70 m × 0,70 m und verlief rund 8,5 m unterhalb der Grasnarbe. Der eigentliche Beginn der Flucht, nämlich der Ausstieg außerhalb des Lagers, verzögerte sich aufgrund der Tatsache, dass der Boden zu dieser Jahreszeit noch gefroren war und es rund vier Stunden länger als geplant dauerte, bis zur Oberfläche durchzustoßen.
Auch war der Tunnel rund zehn Meter zu kurz, so dass er nicht wie geplant im Wald, sondern kurz davor endete. Dies erforderte wiederum eine Synchronisation des Ausstiegs aus dem Tunnel mit der Wachpatrouille. Dies verzögerte abermals den geplanten Ablauf des Ausbruchs, und so wurde den Beteiligten schnell klar, dass nicht, wie geplant und vorbereitet, 220 Personen, sondern nur etwa 100 würden fliehen können. Die Flucht wurde gegen 4:55 Uhr morgens entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatten 87 Personen den Tunnel passiert, von denen jedoch 11 bereits im angrenzenden Wald gestellt und deshalb nicht als Entflohene gewertet wurden. Danach gelang 76 Personen die Flucht. Von diesen wurden aber aufgrund der damals winterlichen Wetterbedingungen bei Eis und Schnee alle bis auf drei wieder gefasst.
Im Film ist von 73 Personen die Rede, die Flucht ist ein Sommerunternehmen und der reale Schauplatz liegt heute in Polen. In der Tat habe ich drei Gefangene gezählt, denen die Flucht gelang. Dem Tunnelgräber Danny und seinem Kumpel und dem Mann, der nach Spanien gelangte.
Finale
Auf Befehl Hitlers (sogenannter Sagan-Befehl) wurden auf Weisung von Arthur Nebe von den Gefassten 50 selektiert und in der Zeit von 6. bis 18. April 1944 von einem Gestapokommando angeblich „auf der Flucht“ erschossen. Die Polizei– und Gestapo-Mitarbeiter wurden nach dem Krieg im britischen Verhörzentrum London Cage vernommen. Am 3. September 1947 verurteilte ein britisches Militärgericht 14 an der Erschießung Beteiligte zum Tode (13 Todesurteile wurden Anfang 1948 im Zuchthaus Hameln vollstreckt) und weitere vier Beteiligte zu langjährigen Haftstrafen. In einem zweiten Prozess standen wenig später drei weitere Beteiligte vor Gericht. Nach Nebe fahndeten die Briten noch Monate nach dem Krieg, da sie den Angaben nicht trauten, dass er Anfang März 1945 wegen Beteiligung am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 hingerichtet worden war.[3]
Eine Gedenktafel für vier Gefangene, die bis Flintbek in Schleswig-Holstein kamen und dort von der Gestapo getötet wurden, erinnert seit dem 29. März 2018 an diesen Mord.[4]
Die Handlung des Films hat auch ein paar kleinere Schwachstellen. Zum Beispiel glauben einige der Gefangenen, die den Ausbruch organisieren, dass der Lagerkommandant weiß, was sie tun, als sie die Erde aus den Tunnelgrabungen bei den Gartenarbeiten verwenden. Das wird, entgegen den Konventionen, nie bestätigt oder negiert, jedenfalls wird der Tunnel „Tom“ durch einen dummen Zufall ausgerechnet von einem ansonsten nicht sehr erleuchteten Wachsoldaten entdeckt. Hätte der Lagerkommandant Bescheid gewusst, wäre die Lage so zu deuten gewesen, dass er a.) absichtlich warten wollte, um die Aktion kurz vor dem Ausbruch zu stoppen oder b.) er wollte sie gar nicht stoppen. Was dieser Ausbruch für ihn selbst bedeutet, wird aber am Ende klar, als er Hilts sagt, dieser werde Berlin vor ihm sehen.
Es sind nicht so viele Kriegsfilme, die Eingang in die Top 250 der IMDb gefunden haben. Die meisten davon wiederum sind Antikriegsfilme wie William Wellmans „Im Westen nichts Neues“ oder Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“, während man die Zuschreibung Antikriegsfilm an „The Great Escape“ nicht vergeben kann. „Wege zum Ruhm“ gilt noch heute zu Recht als bester Antikriegsfilm und nimmt in der IMDb-Top 250 Platz 60 ein. Künstlerisch und ethisch kann „The Great Escape“ mit diesem außergewöhnlichen Film nicht mithalten, aber die erstklassige Handlungsführung mit großem Detailreichtum und einem soliden Spannungsaufbau, der über fast drei Stunden einen weiten Bogen beschreibt und die erstklassigen Darsteller, die von John Sturges als Ensemble wunderbar inszeniert werden, machen ihn wirklich sehenswert. Damit stellt er wiederum unter den Streifen, die eine glorifizierende Tendenz bezüglich der Fähigkeiten und der Charaktereigenschaften alliierter Soldaten aufweisen, eine Ausnahme dar.
84/100
© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2022)
[1], kursiv und tabellarisch: Gesprengte Ketten – Wikipedia
| Regie | John Sturges |
|---|---|
| Drehbuch | James Clavell W. R. Burnett |
| Produktion | John Sturges James Clavell |
| Musik | Elmer Bernstein |
| Kamera | Daniel L. Fapp Walter Riml |
| Schnitt | Ferris Webster |
| Besetzung | |
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