Goold Will Hunting – Der gute Will Hunting (Good Will Hunting, USA 1997) #Filmfest 939 #Top250

Filmfest 6xx Cinema – Concept IMDb Top 250 of all Time (116)

Good Will Hunting – Der gute Will Hunting (Originaltitel: Good Will Hunting) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1997 von Gus Van Sant. Die Hauptrolle spielt Matt Damon, der zusammen mit Ben Affleck auch das Drehbuch schrieb.

„Es ist nicht deine Schuld!“ Als Will Hunting begriffen hat, dass der Psychotherapeut es tatsächlich so meint, entsteht die berührendste Szene des Films und damit eine von jenen, die dafür sorgt, dass diese spezielle Initiationsgeschichte einen sicheren Platz in der Top-250-Liste der IMDb innehat (aktuelle Bewertung 8,3/10, aktueller Rang: 87. Aber er ist auch ein „Publikumsfilm“, der Metascore liegt bei eher mittelplusguten 70/100. Hatten die Macher also den guten Willen oder ist ihnen die überzeugende Darstellung eines hochintelligenten Außenseiters gelungen? Wir klären das in der –> Rezension.

Handlung (1)

Der 20-jährige Will Hunting bewohnt in einer heruntergekommenen Gegend in South Boston eine nur spärlich möblierte Wohnung und verbringt seine Freizeit mit seinen Freunden Chuckie, Billy und Morgan mit Baseballspielen und anschließenden Trinkgelagen in Bars. Zudem prügelt er sich gerne. Er kann bereits einige Vorstrafen vorweisen, die von Körperverletzung bis zum Autodiebstahl reichen. Sein Geld verdient er mit diversen Hilfsarbeiter-Tätigkeiten. Derzeit arbeitet er als Reinigungskraft an dem renommierten Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, wo er die Flure wischt. Als er dort komplizierte, für Studenten gedachte, an eine Tafel geschriebene mathematische Aufgaben mühelos löst, entdeckt Mathematik-Professor Gerald Lambeau das bislang unbekannte mathematische Genie in ihm.

Nachdem Will zum wiederholten Male eine Prügelei angezettelt hat, kommt er vor Gericht und wird aufgrund seines Vorstrafenregisters zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Professor Lambeau trifft mit dem Richter die Vereinbarung, Will unter Beobachtung von Lambeau aus dem Gefängnis zu entlassen, sofern er sich an zwei Bedingungen hält: Er muss sich einmal pro Woche mit dem Professor treffen und sich in therapeutische Behandlung begeben. Als Will bereits den fünften Therapeuten dazu gebracht hat, die Zusammenarbeit mit ihm aufzugeben, sieht Lambeau die letzte Chance in dem Psychologen Sean Maguire vom Bunker Hill Community College in Charlestown. Maguire, den er noch aus seiner Studienzeit kennt, stammt aus dem gleichen Arbeiterviertel von Boston wie Will. Er findet nach und nach Zugang zu Will und bringt ihn dazu, sich Herausforderungen zu stellen, statt ihnen auszuweichen. Sean spricht die Sprache, die Will versteht. Er gibt Dinge aus seinem Leben preis, offenbart sich immer auch ein Stück weit selbst, verhält sich zunehmend als väterlicher Freund. Beide tauchen in ihre Lebensgeschichten ein, geben ihre Verwundungen zu erkennen. Will, als Waise vom Stiefvater misshandelt. Sean, ebenfalls vom Vater misshandelt und Witwer, dessen Frau an Krebs starb.

In einer Bar trifft Will die Studentin Skylar, die ihm ihre Telefonnummer gibt. Es kommt zu einem Treffen und die beiden verlieben sich ineinander.

Lambeau hat vor, Will möglichst bald eine lukrative Stellung in Forschung oder Industrie zu vermitteln, die seinen Fähigkeiten entspricht. Will ist jedoch nicht bereit, das vertraute Hilfsarbeiterleben mit seinem Kumpel Chuckie gegen ein bürgerliches Dasein einzutauschen. Professor Lambeau kann das nicht verstehen, der Kontakt zwischen den beiden bricht ab. Auch von Skylar trennt Will sich wieder mit der Behauptung, er liebe sie nicht. Tatsächlich hat er auch hier nur Angst davor, eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Maguire erfährt aus den Gerichtsakten, dass Will in Pflegefamilien aufgewachsen ist und dort körperlich schwer misshandelt wurde. Maguire selbst wurde als Kind von seinem alkoholkranken Vater geprügelt und musste daher ähnliche Erfahrungen machen wie Will. Als er in einer der nächsten Sitzungen Will damit konfrontiert und ihm wiederholt eindringlich sagt, er trage daran keinerlei Schuld („Du kannst nichts dafür. Du kannst nichts dafür. Du kannst nichts dafür.“),[3] bricht der zunächst noch verschlossene Will plötzlich in Tränen aus, fällt Maguire in die Arme und lässt seinem Schmerz zum ersten Mal freien Lauf.

Den entscheidenden Impuls, sein Leben zu ändern, bekommt Will allerdings von seinem besten Freund Chuckie, als dieser ihn dafür zur Rede stellt, dass Will aus seinen Fähigkeiten nichts macht („Du hast einen Lottoschein mit sechs Richtigen in der Tasche und bist zu feige, ihn einzulösen, das ist Schwachsinn!“). Chuckie sagt, ihn würde es am glücklichsten machen, wenn Will eines Tages einfach verschwunden wäre, ohne Abschied, um Größeres anzugehen.

Die Auseinandersetzung mit Will ändert auch Maguires Leben: Nach dem Tod seiner geliebten Frau hatte er sich Neuem gegenüber ähnlich verschlossen gezeigt wie Will, nun aber entschließt er sich zu einer Weltreise.

Der Film endet damit, dass Will Chuckies Wunsch wahrgemacht hat und sich in seinem alten PKW nach Kalifornien aufmacht, um Skylar zu folgen, die dort Medizin studiert. Von Maguire verabschiedet er sich mit einem Zettel: „Ich muss mich um ein Mädchen kümmern.“ Dieselben Worte hatte einst Sean Maguire benutzt, als er Will erzählte, wie er seine Frau kennengelernt und dafür ein entscheidendes Baseballspiel (Spiel 6 der World Series 1975) verpasst hatte. 

„Ein überwiegend vom Dialog lebender filmischer Entwicklungsroman, der sich in Großaufnahmen ganz auf die Gesichter der hervorragenden Schauspieler konzentriert. Die darstellerischen Leistungen sowie einige äußerst intensive Momente können aber weder die visuellen Defizite des Films noch seine Handlungsklischees vergessen machen.“ – Lexikon des internationalen Films[11]

„Es sind vor allem die superben schauspielerischen Leistungen (allen voran Williams in einer ernsthaften Darstellung, die an seine eindringliche Rolle in ‚Der Club der toten Dichter‘ erinnert), die das Psychogramm über manches Drehbuchklischee hinwegheben. […] Daß ‚Good Will Hunting‘ trotz manch naseweiser Dialoge geradezu unwiderstehlich auf sein Publikum wirkt, ist sicherlich der für seine Verhältnisse ausgesprochen konventionellen Regie von Gus Van Sant zu verdanken, der es aber nicht versäumt, sein blendendes Gespür für junge Außenseiter und ein Höchstmaß an Authentizität stets beinahe körperlich spürbar zu machen.“ – Kino.de[12]

Rezension

Visuelle Defizite würde ich dem Film nicht ohne Weiteres zusprechen wollen, aber für 1997 ist er sehr konventionell gefilmt, das ist richtig. Man kann es aber positiv sehen: Keine Mätzchen, sondern volle Konzentration auf die Story und die Figuren. Eher hat mich ein wenig amüsiert, wie konventionell dieses Werk inhaltlich geraten ist. Dafür konnte man also 1997 einen Oscar für das beste Originaldrehbuch bekommen: dass es so wenig originell ist. Aber wir müssen uns immer wieder mühevoll in eine zurückversetzen, die einen viel optimistischeren Grundton hatte als die heutige. Es waren die flauschigen 1990er, die Präsidentschaft Bill Clintons, die Epoche der großen Romantikkomödien und da wäre es fast so daneben gewesen, wie es  heute antiquiert wirkt, dass am Ende Wills Potenzial tatsächlich gehoben wird und er in seiner  Rostlaube nach Kalifornien fährt, der Liebe folgend, die er kurz zuvor noch zurückgewiesen hatte. Da dieses Werk im Milieu der Naturwissenschaftler angesiedelt ist, hier eine Anmerkung zu einem Aspekt, dessen Darstellung ich glauben muss, denn höhere Mathematik ist nicht mein Spezialgebiet:

Die im Film gezeigten Mathematikprobleme stammen überwiegend aus der Graphentheorie und Linearen Algebra,[8][9] darunter das tatsächlich keineswegs besonders schwere Problem, alle homöomorph-irreduziblen Bäume (das heißt ohne Knoten mit Grad 2) mit 10 Knoten aufzulisten[10] – wobei der Protagonist nur 8 der 10 Bäume aufzeichnet – und einem Anzahlproblem von Bäumen, dessen Lösung durch die Cayley-Formel gegeben ist.

Die meisten Kinozuschauer:innen werden trotzdem noch nie von der Cayley-Formel gehört haben, aber das macht sicher einen Teil der Faszination ebenjener Zuschauer:innen für den Film aus. Es wird etwas dargestellt, das die wenigsten qualitativ beurteilen können, aber es wirkt fancy, wie Will damit umgeht und darauf kommt es in amerikanischen Filmen an. Die zweite Szene, die mir besonders gut gefallen hat, beschäftigt sich jedoch mit Politik: Will erklärt den Schnöseln vom Geheimdienst NSA, warum es ethisch bescheuert wäre, sich dort zu verdingen. Auf einer ziemlich fiesen Ebene kann man das allerdings so deuten, dass diese herablassende Darstellung, wie die meisten Dialoge im Film, aus einer Zeit stammen, da Hunting noch nicht „erlöst“ ist. Hätte diese Szene nach seinem kathartischen Gespräch mit Maguire stattgefunden, hätte Will seinen Narzissmus im Griff gehabt und erkannt, wie wichtig der Dienst am Vaterland ist und dass, wo gehobelt wird, stets Späne fallen. So hätte das Drehbuch aussehen müssen, wenn der Film nach 9/11 noch Chancen auf Oscars hätte haben wollen. Das ist nun etwas pointiert, aber in den 1990ern durfte man auch mal Institutionen infrage stellen, ohne dass dies jemanden groß auf die Palme gebracht hätte. Es war die letzte kurze Epoche von Selbstsicherheit des nach wie vor herrschenden Systems, wie wir sie nicht noch einmal erleben werden.

Wenn schon die Story recht vorhersehbar ist, haben wichtigere Filme aus den USA immer den unbestreitbaren Vorzug, von herausragenden Darstellern bevölkert zu sein. Robin Williams spielt den Therapeuten mit der ihm eigenen Intensität, die nicht, wie in „Good Morning, Vietnam“ der Exaltiertheit bedarf, um zu wirken, sondern eher in der Tradition von „Der Club der toten Dichter“ zu finden ist. Die perfekte Besetzung für einen Typ, der etwas verkracht wirkt, aber in Wirklichkeit die Orientierungsfigur für alle ist. Nicht nur für Will und für seinen Mathematiker-Freund, sondern auch fürs Publikum. Ich möchte nicht wissen, wie vielen Menschen die Tränen kommen, wenn er so lange sagt: „Es ist nicht deine Schuld!“, bis der Patient es glaubt.

Matt Damon ist exakt der Typ, der Figuren wie Will Hunting verkörpern kann. Er kann die Eitelkeit des narzisstischen Jungen perfekt darstellen, ohne dass er selbst dabei eitel wirkt. Mit dieser Intelligenz, die nicht der Beweise bedarf, die Hunting seiner Umwelt immer wieder reindrückt, hat er viele interessante Rollen gemeistert und zählt zu den besten Schauspielern, die noch keinen Schauspiel-Oscar erhalten haben. Er bekam ihn schon früh in seiner Karriere, nämlich für den Film, den wir hier besprechen, weil er zusammen mit Ben Affleck das Drehbuch verfasst hatte. Affleck und dessen Bruder Casey spielen auch die „Bums“, die aus einem ebenso prekären Umfeld wie er selbst stammenden Freunde von Will. Diese Boston-Connection gibt es wirklich, aber sie entstand in einem weitaus gehobeneren sozialen Milieu und vielleicht wollten die Macher des Films, die sehr privilegiert aufwuchsen, selbst eine Schuld abtragen: Allen verkannten, verwilderten Talenten gegenüber, die aufgrund ihrer miserablen Kindheit ihre Möglichkeiten nicht so nutzen können, wie es die Jungs aus der oberen Mittelschicht, die alle zu Hollywoodstars wurden, konnten. Talent ist dafür eine Voraussetzung, aber was ist mit Talent ohne Erlösung, wenn jemand also nicht einen Förderer wie den Mathematikprofessor Lambeau findet, der mit aller Geduld und unter Zurückstellung eigener Ansprüche jemanden „aufbauen“ möchte? 

Dadurch, dass Will die Putzstelle ausgerechnet an einer der renommiertesten Unis antritt und nicht bei Walmart, macht er allerdings bereits von sich aus auf sich aufmerksam. Im Grunde ist das, was er da tut, eine verdeckte Initiative, ein erstes Vortasten in eine Welt, der er ansonsten gerne den Spiegel vorhält. Dafür hätte er nicht unbedingt in einem Havard-Club im löchrigen T-Shirt auftauchen müssen, da wird etwas übertrieben, aber der eigentlich Elitäre ist er, nicht die  Söhnchen reicher Eltern, das versteht man schnell und da werden vor allem Eltern getriggert. Im Anschluss an das Anschauen dieses Films werden sie ihre Sprösslinge genauer beobachtet haben, ob nicht ein Genie in ihnen steckt. Es muss ja nicht ein mathematisches sein, ein neuer Beethoven oder Mozart würde den meisten wohl ausreichen.

Anhand dieses etwas missglückten Beispiels erklärt Will seiner neuen Freundin schon, dass er zwar sehr talentiert ist, aber auch einseitig aufgestellt, zum Beispiel ist er ganz und gar unmusikalisch. Was bei Mathematikern ja eher selten der Fall sein soll. Angeblich gehen diese Begabungen überwiegend miteinander einher und ich glaube, das ergibt Sinn, denn Musik auf hohem Niveau, mit höchster Präzision ausführen zu können, hat etwas Mathematisches und es gibt nur ein „richtiges Ergebnis“, wenn man von der persönlichen Interpretation eines Stücks absieht. Es zu verändern, ist jedoch mindestens eine Variation, deswegen:  Anders sieht es m. E. mit der kreativen Seite aus, der Fähigkeit, schöpferisch tätig zu sein, und diese Fähigkeit hatte das Genie von Mozart oder Beethoven ausgemacht und die bis heute anhaltende Faszination für diese Begnadeten hervorgerufen, nicht, dass sie möglicherweise zu den besten Pianisten ihrer Zeit rechneten.

Der Abspann endet mit der Zeile: „In Memory of Allen Ginsberg & William S. Burroughs“, beides amerikanische Schriftsteller der Beat Generation.

Um bei den Genies zu bleiben. Sicher bewundern Menschen wie Damon und Affleck diese Schriftsteller, die sie auch reflektieren können und in deren Wirkungszeit sie hineingeboren wurden. Hochbegabte unter sich, wenn man so will. Da ich den Film bei einem Privatsender angeschaut habe und deshalb für alle, die ihn ebenfalls auf diese Weise sehen: Der Abspann fehlt natürlich, weil dafür keine Zeit ist. Denn das Interesse der Zuschauenden am nächsten Werbeblock könnte während des Abspanns verloren gehen, selbst bei einem Film, von dem sich vor allem jene angesprochen fühlen dürften, die doch etwas wie einen Funken in sich wahrnehmen. 

Im Grunde ist nichts Falsches daran, den amerikanischen Traum auf diese Weise zu verkaufen, ein Scheitern von Will wäre unvertretbar gewesen für alle, die glauben, dass das Bessere sich durchsetzt und die Welt denen huldigt, die es verdient haben, berühmt zu werden. Ich habe oben geschrieben, dass der Film ein typisches Beispiel für den Optimismus der 1990er ist. Die Frage ist wohl eher, ob man heute einen solchen Stoff bearbeiten würde, als dass man ihn wesentlich anders bearbeiten würde als in einer Zeit, in der weiter Filme dieser Art entstanden, wie etwa „Das Wunderkind Tate„.  Außerdem ist leider Robin Williams verstorben

Den Namen Einstein wird noch jeder kennen, wenn die Tycoons unserer Tage, die mit der Ausbeutung unzähliger Arbeitender unfassbar reich geworden sind, längst vergessen oder als das enttarnt wurden, was sie sind: Parasiten, die die Welt nicht braucht. Deshalb ist das unaufgeräumte Büro des Therapeuten der Sehnsuchtsort der wahren Erkenntnis, auch wenn dessen Bewohner am Ende seine Sachen packt – und nicht die fancy Bürotürme, in denen Geheimdienste oder ihnen ähnliche Unternehmen residieren, nicht einmal die kultivierte Welt eines Technologie-Instituts in Boston, Massachusetts. Am Ende harmonisiert sich aber alles, denn die Arbeit mit Will hat auch Maguire etwas gelehrt: Nämlich, dass er selbst durch den Totenkult an seiner an Krebs verstorbenen Frau das tut, was er Will vorwirft: Er entzieht sich einer tieferen Bindung, in seinem Fall einer neuen Bindung, die nie sein kann wie seine vorherige. Die Chance auf einen Neuanfang, das ist ja nicht grundsätzlich falsch, hat jeder Mensch verdient und auf diese Weise kann Vertrauen wiedererlangt werden. Will hingegen hat aufgrund seiner desaströsen Kindheit generell kein Vertrauen in andere Menschen, beherrscht sie intellektuell, um sie nicht an sich  heranlassen zu müssen. Welcher Hochbegabte, der sich als Persönlichkeit nicht frei entfalten durfte, kennt das nicht? Kleiner Scherz, musste  mal sein, angesichts von so viel geistiger und menschlicher Größe, wie wir sie in „Good Will Hunting“ sehen.

Finale

Es ist wie so oft, wenn Kritiker anders tendieren als das Publikum oder, sagen wir es etwas weniger konfrontativ, nicht ganz so überragend positiv tendieren. Ich liege irgendwo dazwischen und das entpricht meiner Position. Ich sehe die wunderbaren Tools, die Inspiration, die aus einem solchen Film entstehen kann, aber dazu muss man ihn sich häufiger ansehen, als ich das beispielsweise tue. für mich war dies die erste Sichtung, oder man muss ein fotografisch-sprachliches Gedächtnis für seine Benefits haben, ähnlich konstruiert sein wie Will Hunting. Dann kann man sich an derlei Kino hochziehen und sie als Inspirationsquelle verwenden.

Die Realität ist aber, wie immer komplizierter, auch das Aufbereiten einer schwierigen persönlichen Vergangenheit betreffend und es kann viele Jahre dauern, bis hier als „Du hast keine Schuld!“ zusammengefasste Ergebnis Wirkung zeigen und zur Selbstermächtigung einer Person führen.
Die Wahrheit ist immer so furchtbar graustichig: Die meisten, die sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen, müssen dafür auch die Kapazität haben, die Ressourcen und schaffen es doch selten vollständig, sich so zu befreien wie Will Hunting. Filme, die auf dem heutigen Stand der Erkenntnis mit Themen wie diesen umgehen, sollten diese überwiegende Wahrscheinlichkeit zumindest nicht verschweigen, sich nicht zu sehr aufs Episodische und Fragmentarische stellen und es als exemplarisch verkaufen. Die Glaubwürdigkeit des Einzelfalls hängt davon nicht ab. Diese finde ich ziemlich hoch, trotz der etwas übertrieben wirkenden Fähigkeiten von Will, wohl aber, was man letztlich mitnehmen kann aus einem erneuten Versuch, das Genieprinzip mit dem amerikanischen Mythos zu verbinden, dass jeder alles erreichen kann, wenn nur der gute Wille vorhanden ist. Die Allgemeingültigkeit der Position, dass diese Synthese ganz erreicht werden kann, ist fraglich und ich denke, das wussten die Macher von „Good Will Hunting“ auch.

78/100

© 2023 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2022)

(1), zitiert, kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Gus Van Sant
Drehbuch Ben Affleck,
Matt Damon
Produktion Lawrence Bender
Musik Danny Elfman
Kamera Jean-Yves Escoffier
Schnitt Pietro Scalia
Besetzung

„Ein überwiegend vom Dialog lebender filmische


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