Briefing 290 KER | Wirtschaft, Energiewirtschaft, Klimawandel, Erneuerbare Energien, fossile Brennstoffe
Nachdem wir Sie gestern über die deutsche Gasversorgung informiert und bemerkenswerte Entwicklungen festgestellt hatten (Das deutsche Gaswunder nimmt Form an: Woher Deutschland sein Gas bezieht), folgt heute eine Darstellung zum Strom, weil wir in diesem Bereich der Entwicklung von Grafiken durch Statista gefolgt sind:
Infografik: Woraus Deutschland seinen Strom erzeugt | Statista
Die Darstellung von Grafiken als „Racing Bars“, bewegte oder Laufbalken, mit denen man Entwicklungen über Jahre hinweg nachvollziehen kann, kommt immer mehr in Mode und wenn man die Grafiken etwas langsamer laufen lassen würde, hätte man damit ein impressives Instrument an der Hand, das Informationen deutlich verbessert. Jedenfalls stehen die Erneuerbaren in Deutschland jetzt auf Platz 1 der Energieträger. Wir haben den Begleittext von Statista für Sie zusammengefasst:
- Energieträger zur Stromerzeugung: In Deutschland hat sich der Einsatz von Energieträgern zur Stromerzeugung in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert1. Heute werden rund ein Viertel des Stroms durch erneuerbare Energien erzeugt, die damit der wichtigste Energieträger zur Stromerzeugung sind2.
- Wasserkraft und Windkraft: Innerhalb der erneuerbaren Energien ist die Wasserkraft der wichtigste Energieträger, gefolgt von der Windkraft, die seit 2020 mehr als ein Viertel zur Erzeugung aus erneuerbaren Energien beiträgt43.
- Klimawandel und Energiewirtschaft: Im Zuge der Diskussionen um den Klimawandel findet in vielen Ländern ein Umdenken im Bereich der Energiewirtschaft statt5. Ziel ist die Abkehr von fossilen Energiequellen hin zu erneuerbaren Energien, die nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehen6.
Die Grafik für 2021 weist noch einen Anteil von 18 Prozent Kernenergie aus und wieder staunen wir, wie schon beim Bezug von Erdgas, wie mühelos offenbar Energieträger gewechselt werden können. Dass es teuer ist, wissen wir allerdings auch. Können Sie sich vorstellen, wie der Energiemix aussehen würde, hätte man die Kernenergie noch auf dem Stand von 1990 mit etwa einem Drittel am deutschen Energiemix? Man bräuchte kaum noch fossile Rohstoffe, um Energie zu gewinnen. Allerdings ist das sowohl eine ideologische wie eine Frage der Wirtschaftspolitik, die ebenfalls nicht frei von ideologischen Komponenten ist: Die erneuerbaren Energien könnten bereits einen wesentlich höheren Anteil als 25 Prozent (2021, mittlerweile sind es wieder mehr) haben, wenn die Regierung Merkel sie nicht in den 2010er Jahren mehr oder weniger lobbyistischen Aspekten, vor allem zugunsten von Gaslieferanten, geopfert hätte. Wichtig ist dieser Absatz, den wir noch einmal ungekürzt vorstellen:
Hinweis zur Datenerhebung: Die Daten der AG Energiebilanzen berücksichtigen auch die Eigenstromerzeugung der Industrie, den sogenannten „Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden“. Diese Eigenerzeugung wird direkt in den Betrieben verbraucht und nicht in das öffentliche Netz eingespeist. Die Daten zu Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme ISE hingegen repräsentieren den Strommix, der tatsächlich zu Hause aus der Steckdose kommt und der im Haushalt verbraucht wird bzw. mit dem auch Elektrofahrzeuge öffentlich geladen werden. Hier ist der Anteil der Erneuerbaren Energien deutlich höher.
Daraus erklärt sich, dass der Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergieerzeugung in Deutschland höher ausgewiesen wird als das, was wir in der heute vorgestellten Laufgrafik sehen, das trifft auch auf weitere Statista-Grafiken zu, die wir kürzlich gezeigt haben: Erneuerbare Energie: 2023 überstrahlt das Vorjahr (Statista + Kommentar: Leider nicht bei uns).
TH
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