Der emotionale Impact der Heimtiere in Zahlen (Statista + mehr Infos + Kurzkommentar) | Briefing 291 | Gesellschaft

Briefing 291 Gesellschaft, Tierhaltung

Liebe Leser:innen, haben Sie ein Haustier oder mehrere? Fast die Hälfte aller Haushalte ist mit erwünschtem tierischem Leben verschiedener Gattungen und Körpergrößen ausgestattet. Katzen sind die Nummer eins. Die korrekte Bezeichnung für ihren Mund ist übrigens „Maul“, nicht Schnauze.

Vermutlich spielt dabei das günstige Verhältnis zwischen emotionalem Gewinn und Wirtschaftlichkeit der Haltung eine Rolle, Hundehaltung ist in der Regel um einiges teurer, aber Katzen sind viel reaktiver als Zierfische, die pro Stück noch günstiger zu halten sind.  

Infografik: Katzen haben die Schnauze vorn | Statista

34,4 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel leben laut Angaben eines Berichts des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) in Deutschland. Damit beherbergen 46 Prozent der Haushalte pelzige oder gefiederte Freunde. Die am weitesten verbreiteten Haustiere sind Katzen, von denen es in Deutschland hochgerechnet 15,2 Millionen gibt. An zweiter Stelle folgen Hunde vor Kleintieren und Ziervögeln. Hinzu kommen die Individuen, die in den fünf Millionen Aquarien, Gartenteichen (mit Zierfischen) und Terrarien leben. „Die Gesamtzahl der Heimtiere, die in Haushalten in Deutschland gehalten werden, hat sich über die vergangenen Jahre auf einem hohen Niveau weitgehend stabil eingependelt“, so ZZV-Präsident Norbert Holthenrich. Für die Branche sind das gute Nachrichten, die sich auch in den Marktdaten widerspiegeln. So stiegen die Umsätze mit Fertignahrung, Bedarfsartikeln und Zubehör im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

Angesichts der allgemeinen Lebensmittelinflation dürfte auch die Tiernahrung davon nicht verschont geblieben sein, insofern erklärt sich, wieso bei gleichbleibendem Tierbestand ein so hoher Zuwachs bei allem zu verzeichnen ist, was Tiere zum Leben brauchen oder was sie glücklich macht. In einer Hinsicht ist die Statistik tückisch. Während bei Hunden, Katzen usw. die einzelnen Tiere gezählt werden, gibt es bei Aquarien, Terrarien und Gartenteichen nur eine Zählung der Behälter oder Anlagen, in denen aber jeweils viele Tiere gehalten werden. Insofern sind die ausgewiesenen 33,4 Millionen (der IVH schreibt 34,4 Millionen) Tiere eine Art Mischstatistik. Anzahl der Heimtiere in Deutschland (ivh-online.de):

Heimtiere sind besonders bei Familien beliebt. In 67 Prozent aller Familien mit Kindern lebte 2022 ein tierischer Mitbewohner.

Darüber hinaus sind auch in vielen Singlehaushalten Heimtiere anzutreffen: 34 Prozent aller Singles hatten 2022 ein Heimtier, ein Plus um einen Prozentpunkt im Gegensatz zum Vorjahr. Das bestätigt einmal mehr die wichtige Rolle, die Hund, Katze und Co. vor allem auch für Alleinlebende als Sozialpartner spielen.

Zudem wurden 2022 laut Erhebung der Marktforscher in 14 Prozent aller Haushalte mindestens zwei Heimtierarten gehalten.

Wir gehen davon aus, dass es in wesentlich mehr Single-Haushalten Haustiere geben würde, wenn nicht gerade Singles Probleme mit der artgerechten, jederzeitigen Sicherstellung der Versorgung von Tieren hätten und nicht leider auch finanzielle Aspekte eine Rolle bei einem Entscheid gegen ein Haustier spielen würden.  

„In einer zunehmend digitalisierten und unruhigen Welt sind Heimtiere für viele Menschen ein wichtiger Anker und Ruhepol – das gilt besonders für Kinder, deren Entwicklung durch Tiere in vielerlei Hinsicht gefördert werden kann“, erklärt Georg Müller, Vorsitzender des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) e.V.

Nicht in der Berechnung enthalten sind Pferde. Sie sind selbstverständlich keine Heimtiere, einige von ihnen werde für Sportzwecke verwendet, aber im Grunde müsste man die in Deutschland fast ausschließlich zur Freizeitgestaltung gehaltenen in den gesamten Bestand der Nicht-Nutztiere einrechnen:

Im Jahr 2023 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 890.000 Personen, die persönlich ein Pferd besaßen1. Die Studie ermittelte auch die Zahl der Pferdesportler in Deutschland: 2,32 Millionen Menschen bezeichnen sich selbst als Reiter, darunter 840.000 regelmäßig aktive Reiter und 1,48 Millionen Gelegenheitsreiter700.000 Menschen würden gerne reiten oder wieder in den Sport einsteigen2

Vermutlich gibt es hier von allen Tierarten, die von Menschen gehalten werden, auch den größten geschlechtsspezifischen Unterschied: 78 Prozent der Reitenden sind weiblich. Hier dürfte die soziale Funktion der Tiere eine besonders große Rolle spielen.

TH


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