Gold – Tatort 1242 #Crimetime #Vorschau #Tatort #Ludwigshafen #Odenthal #Stern #SWR #Gold

Crimetime Vorschau

Nachdem wir die Vorschau zum Polizeiruf der letzten Woche noch ausgelassen hatten, geht es heute aber mit einem Traditions-Tatort aus Ludwigshafen weiter,  zu dem wir gerade einen persönlichen Bezug vermelden können.

Sie wissen schon, ein Tatort mit Lena Odenthal, die mittlerweile seit 34 Jahren als Fernsehkommissarin tätig und damit nach Dienstjahren die Nummer eins im Tatortland ist. Eine Anmerkung in eigener Sache: Zugunsten des Filmfests haben wir die Crimetime-Rezensionen derzeit auf Eis gelegt. Da liegen sie aber gut, wir werden sie nachreichen. Beides gleichzeitig inklusive der Nachholung, die damit verbunden ist, das kriegen wir leider nicht hin.

Trotzdem bleiben wir dem Format und trotz der Lücke der letzten Woche auch dem Polizeiruf verbunden, indem wir uns vorab dafür interessieren, was läuft. Nun zu unserem Bezug: Wir haben dem monumentalen, zweiteiligen Spielfilm von Fritz Lang über die Nibelungen erst kürzlich eine vierteilige Rezension gewidmet, die umfangreichste bisher, die wir auf dem Filmfest vorgestellt haben, mit insgesamt 16.000 Wörtern (etwa ein Viertel der Länge eines „normalen“ Romans):

Die Nibelungen – Siegfried (DE 1924), Teil 1 der Rezension zum zweiteiligen Film #Filmfest 867 #DGR

Die Nibelungen – Siegfried (DE 1924), Teil 2 der Rezension zum zweiteiligen Film #Filmfest 873 #DGR

Die Nibelungen – Kriemhilds Rache (DE 1924), Teil 3 der Rezension zum zweiteiligen Film #Filmfest 879 #DGR

Die Nibelungen – Kriemhilds Rache (DE 1924), Teil 4 der Rezension zum zweiteiligen Film #Filmfest 885 #DGR

Daran können Sie ersehen, warum wir uns entscheiden mussten: Aktuelle Krimis oder ein tieferer Blick in die deutsche Filmgeschichte? Ist uns aufgrund der Tatsache, dass viele Tatorte bei all ihrer Qualität doch repetitiv sind, letztlich nicht so schwergefallen. Wir können uns aber vorstellen, noch in diesem Jahr wieder Tatorte und Polizeirufe zu rezensieren.

Aus dem oben angesprochenen Film wissen wir natürlich, dass Hagen von Tronje den Nibelungenschatz in der Nähe der Burg zu Worms versenkt hat. Eigentlich dürfte es nicht so schwierig sein, ihn zu finden, er kann mit den vielen Preziosen nicht hunderte von Kilometern zurückgelegt haben, denn mal schnell einen LKW beladen, das war damals nicht drin, schon gar nicht in Alleinarbeit, damit niemand anderes vom Versteck erfuhr. Am Ende des zweiten Teils von Langs Nibelungen will Kriemhild, bevor sie Hagen umbringt, noch wissen, wo er den Schatz versteckt hat. Da lässt er sich lieber mit dem Schwert töten, ohne etwas zu verraten. Durchaus nachvollziehbar.

Dreht es sich in dem Tatort also wirklich um den Schatz? Wir glauben das nicht, denn, falls es noch nicht klar wurde, es handelt sich um eine Sage, also ist auch der Schatz, der Nibelungenhort, mehr sagenhaft, als dass man ernsthaft nach ihm suchen sollte. Andererseits wird man, wie die Burgunden zu Worms, wenn man Eigentümer des Schatzes ist, selbst zum Nibelungen. Das hätte einige kaum zu übersehende Vorzüge. Und damit zu den Kritiken:

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Der Kriminalfall selbst ist eigentlich nur von durchschnittlicher Qualität, doch die Kombination mit der Nibelungensage macht diesen Tatort zu etwas Besonderem. Immer wieder werden mystisch-gespenstische Motive in die Handlung eingebaut, die – in Anlehnung an Wagners „Ring“ – mit dem „Rheingold“ beginnt und mit der „Götterdämmerung“ endet. Schauspielerisches Highlight ist zweifellos Heino Ferch als verschrobener Wagnerianer Dr. Dürr. Eine augenzwinkernde Hommage an die Nibelungen, nicht ganz ernst gemeint, aber durchgehend unterhaltsam. Tatort Folge 1242: Gold – Tatort Fans (tatort-fans.de)

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.“ Fred Breinersdorfer und Katja Röder haben für den 78. „Tatort“ mit Ulrike Folkerts als Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal die Nibelungen-Sage geplündert. Die Struktur von „Gold“ (Südwestrundfunk) orientiert sich an Richard Wagners „Ring“-Zyklus, aber die Handlung ist auch ohne Kenntnis der Oper verständlich: Ein verschwundener Bankfilialleiter hat offenbar irgendwo in den Weinbergen der Weinstraße tatsächlich den sagenhaften Schatz der Nibelungen gefunden; aber auf dem Gold liegt ein Fluch. Esther Wengers Film erfreut durch allerlei originelle Ideen, die auch optisch sehr überzeugend umgesetzt sind, durch eine formidable Musik mit vielen Wagner-Anklängen, durch eine zum Teil bühnenbildartige Ausstattung sowie nicht zuletzt durch Heino Ferch, der als Erzähler mit einem Augenzwinkern durch die Handlung führt. Dieser Artikel stammt von http://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-6374.html

4,5/6 sind eine für Tittelbach-TV durchschnittliche Bewertung.

Götterbeömmelung. Goldstaub vor den Augen, Wagner in den Ohren: Odenthal und Stern sind auf der Suche nach dem Nibelungenschatz. Zur Eröffnung der neuen »Tatort«-Saison wird der »Ring« gefleddert. »Tatort« aus Ludwigshafen: »Gold« mit Lena Odenthal und Johanna Stern – DER SPIEGEL

Schon wegen seiner Titel ist Buß ein Muss. Leider mittlerweile auch mit Bezahlschranke. Falls Sie ein Spiegel-Abo haben, schauen Sie mal rein, die Überschrift lässt auf keine sehr hohe Wertung schließen.

Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ ist eine hochkomplexe Geschichte über Gold, Gier, Götter und Gewalt. Kompliment also für den Mut der Drehbuchautoren Fred Breinersdorfer und Katja Röder, aus dem großartigen Stoff einen „Tatort“ zu schmieden, der logischerweise vor musikalischen und inhaltlichen Zitaten nur so strotzt – Wagner-Fans werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Für alle anderen ist der Sonntagskrimi „Tatort: Gold“ aber ziemlich schwere Kost, denn der von Esther Wenger inszenierte Film ist unnötig kompliziert und leider nur mäßig spannend. Da mag TV-Star Heino Ferch als zwielichtiger Museumschef und geheimnisvoller Erzähler noch so sehr von Fluch und Schicksal raunen, in diesem Film wollen die beiden urdeutschen Themen Nibelungenschatz und „Tatort“ nicht so recht zueinanderfinden. Tatort heute: So wird „Gold“ aus Ludwigshafen | Südwest Presse Online (swp.de)

Die SWP wertet in Form von Pistolen: 2/4.

Ganz schön gruselig, aber zum Glück nicht bierernst inszeniert. Und die Auflösung des Falls um den verschwundenen Filialleiter ist dann fast schon trivial. Kritik zum „Tatort“ am 3.9.2023: Kommissarin Odenthal auf Schatzsuche (rnd.de)

Auch in dieser Rezension kann man erfahren, dass man den „Ring“ nicht kennen muss, an dem sich allerdings auch der oben erwähnte Großfilm nicht orientiert hat, sondern an den verschiedenen schriftlichen Überlieferungen, die es lange vor Wagners „Ring“ gab. Hervorgehoben wird die visuelle und akustische Pracht des Films. Dazu haben wir eine Anmerkung: Visuell sind die jüngeren Tatorte meist ansehnlich, aber wir haben uns des Öfteren vorgestellt, wie es wäre, einen melodramatischen Kinostoff in einem Tatort mit einem sinfonischen Score zu unterlegen. Meist dürfte das an den Kosten scheitern. Andererseits haben die ARD-Sender in der Regel eigene Orchester, mit denen sie die Musik einspielen können. Ein wenig mehr Wagner im Tatort? Wir sind froh, dass man wenigstens von den Synthesizer-Klängen der 1980er und 1990er weg ist, als immer schön auf dem Teppich bleiben. Manche Tatorte haben mittlerweile nicht nur eine schöne Anmutung, sondern auch gute Musik, inklusive der „Playlists“.

Gelegentlich legt der Tatort seine Genrefesseln ab und wird mit anderen Formaten amalgamiert, das legendäre Murot-Abenteuer „Im Schmerz geboren“ wurde vor fast zehn Jahren im Stil eines Shakespeare-Dramas erzählt. Und zum vergangenen Weihnachtsfest ermittelten die Münchner Francis Lightmyer und Detective Constable Ivor Partridge in einer Kostümklamotte nach Agatha Christie, verließen sich dabei aber zu sehr auf die Wirkung ihrer Verkleidung und Maske. Denn die Geschichte war nicht annähernd so eindrucksvoll wie die Barttracht der Kommissare.

Der SWR versucht sich mit der Episode „Gold“ an einer Krimivariation von Richard Wagners „Ring“-Zyklus. Tatort „Gold“ aus Ludwigshafen: Mit Liebe gemacht – Medien – SZ.de (sueddeutsche.de)

Den Münchner Weihnachtskrimi haben wir noch nicht rezensiert, aber „Im Schmerz geboren“ war ein herausragendes Tatort-Event. Gut, daran noch einmal zu erinnern, wie es anfing, mit Filmen in dieser Reihe, die die Genregrenzen sprengten. Das ist in hohem Maße Felix Murot zu verdanken, der schon vor dem oben erwähnten Fall der Ermittler fürs Außergewöhnliche war.

„Warum eigentlich hat Hagen von Tronje das Rheingold am Ende der Geschichte wieder im Fluss versenkt?“, fragt die Kriminalhauptkommissarin Johanna Stern (Lisa Bitter) den Direktor des Wormser Nibelungen-Museums. Der raunt: „Der Schatz ist verflucht.“ Tatort „Gold“ aus Ludwigshafen: Mit Liebe gemacht – Medien – SZ.de (sueddeutsche.de)

Nach unserer Kenntnis wollte Hagen einfach nicht, dass er in die falschen Hände fällt, aber vielleicht ist das im „Ring“ ja anders.

„Gold“ ist ein Experiment, man muss sich darauf einlassen und auch einlassen wollen, und wer vom Krimi einen Krimi erwartet, dem wird das nicht viel sagen. Aber auch derjenige wird anerkennen, dass das Szenenbild jedenfalls beeindruckend ist und auch die Art, wie Robert Schulte-Hemming und Jens Langbein hier Elemente aus Wagners Opern zu einer ganz eigenen Krimifilmmusik verdichtet haben. Tatort „Gold“ aus Ludwigshafen: Mit Liebe gemacht – Medien – SZ.de (sueddeutsche.de)

Aus Ludwigshafen kamen in den letzten Jahren schon einige Experimente, die man als das richtige Mittel erachtet hat, um die nunmehr älteste Schiene innerhalb des Formats mit neuem Schwung zu versehen. Meist wurden diese Experimente vom Publikum nicht sehr geschätzt und wir meinen, da spielt auch eine unterschwellige Abneigung gegen die Wiederbelebung einer Schiene eine Rolle, die man für „auserzählt“ erachtet. Wir kennen diesen Effekt ja selbst und haben häufig die Drehbücher kritisiert, die Odenthal in den letzten Jahren erhalten hat, während man sich die Top-Geschichten offenbar für die Stuttgarter Schiene aufgehoben hat. Ob die Darstellung glänzt, hängt eben auch stark daran, was gespielt werden soll. Aber auch die zuletzt zitierte Rezension fasst das Ganze so zusammen, als ob der Krimi fast nicht vorhanden wäre, das klingt im Verlauf doch etwas anders.

Die Nibelungensage selbst ist ein Krimi, der jedes Fernsehformat sprengt, es sei denn, man basiert darauf einen die Sage penibel nacherzählenden Mehrteiler. Trotzdem wundern wir uns geradezu, dass man erst nach über 50 Tatort-Jahren an diese uralte Geschichte herangeht. In Deutschland gibt es gar nicht so viele Stoffe, die man schwungvoll und ironisch in einen Tatort einbinden kann, aber in Westeuropa Stoffe in Hülle und Fülle. Schade, dass man das Setting nach Deutschland verlegen müsste, das ist durchaus ein Hindernis, wenn es um die Adaption von Schatzgeschichten geht; uns fällt dabei gerade „Der Graf von Monte Christo“ ein.

Handlung

Die Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern ermitteln zum mysteriösen Verschwinden des jungen Boris Wolter, dem Filialleiter bei einer Bank, der privat eine Passion für mittelalterliche Ritterspiele hat. Die Spur führt in den beschaulichen Pfälzer Weinort Deidesheim und zu einem atemberaubenden Fund, der nicht nur Johanna Stern in den Bann zieht: Bei den Münzen, die im Kofferraum des Vermissten gefunden werden, handelt es sich um jahrhundertalte, kostbare Goldstücke, offenbar aus der Zeit der Nibelungen.

Besetzung und Stab

Regie – Esther Wenger
Drehbuch – Fred Breinersdorfer, Katja Röder
Kamera – Michael Merkel
Musik – Robert Schulte Hemming, Jens Langbein

Hauptkommissarin Lena Odenthal – Ulrike Folkerts
Kommissarin Johanna Stern – Lisa Bitter
Kriminaltechniker Peter Becker – Peter Espeloer
Sekretärin Edith Keller – Annalena Schmidt
Dr. Albrecht Dürr – Heino Ferch
Susanne Bartholomae – Ulrike C. Tscharre
Hagen Reuschlin – Hendrik Heutmann
Marie Bernard – Marie Bonnet
Melania Wolter – Pheline Roggan
Mutter von Boris Wolter – Karin Nennemann
Helmut Roth – Jo Jung
Angelika Berger – Davina Chanel Fox
Rene Schalles – André Eisermann


Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar