Filmfest Special Wirtschaft, Entertainment, Unterhaltungsindustrie
Liebe Leser:innen, niemand von uns hat noch nie einen Film aus den Disney-Studios gesehen, das können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit festhalten. Heute wird das Unternehmen, dessen Produkte jedes Kind und auch mancher Erwachsene kennt, 100 Jahre alt.
Obwohl es um Wirtschaft geht, ist uns dies ein „Filmfest Special“ wert. Wenn man alle Konzerne heranzieht, die sich mit Medien im weitesten Sinne befassen, ist Disney bereits ein Gigant und die Nummer vier der Welt. Nimmt man nur die Filmproduzenten, führt Disney sogar mit weitem Abstand vor Sony, Warner und Paramount, letztere beide sind ebenfalls traditionelle Hollywood-Studios, die schon seit den 1920ern existieren, zumindest im Kern und auf im Laufe der Jahre vielfach geänderter Basis. Einst viel größere Studios wie MGM hingegen spielen heute kaum noch eine Rolle, ein weiteres der einstigen „Big Five“-Studios Hollywoods, zu denen Disney noch nicht zählte, die 20th Century Fox, hat Disney vor einigen Jahren übernommen.
Kein anderes Hollywood-Studio hat eine solche Kontinuitiät vorzuweisen wie Disney und eine solche Reihe von überwiegend geglückten Akquisitionen.
Es gab Meilensteine, die in der folgenden Grafik wiedergegeben sind, es gab auch Phasen der Stagnation, wie in den 1970ern, nach dem Tod von Walt Disney. Seit der „Disney-Renaissance“ in den 1980ern, die vor allem von einigen sehr beliebten Zeichentrickfilmen eingeläutet wurde, prosperiert Disney nicht nur durch ein Revival des Animationsfilms, das es selbst in die Wege geleitet hat, sondern kauft auch die mögliche Konkurrenz auf. Das Studio produziert dadurch bei Weitem mehr Blockbuster als jedes andere und verpasst selten einen Trend. Als besonders gelungen gelten die Übernahme des Star-Wars-Franchises durch den Kauf der Lucasfilm Ltd., des größten Studios für computeranimierte Filme, Pixar, und von Marvel Entertainment, das für fast alle der äußerst populären Superhelden-Filme der letzten Jahre verantwortlich ist. Nur durch solche Akquisitionen konnte Disney in Umsatzgrößenordnungen vorstoßen, welche die Dimensionen großer Industriekonzerne erreichen. Dass Google (Alphabet) und Facebook + Instagram (Meta) noch einmal wesentlich größer sind, zählt eigentlich in eine andere Kategorie, denn die Filmindustrie und Social Media oder das Internet-Business an sich sind doch zwei recht verschiedene Geschäftszweige. Letzterer ist noch recht jung, aber besonders weltumspannend und mit dem fast jede:r von uns hat täglich damit zu tun, ohne dass man viel Wahlfreiheit hätte. Ins Kino gehen oder Disneys Streamingdienste benutzen, ist immer noch eine unter vielen Möglichkeiten, sich unterhalten zu lassen, die man nutzen kann, aber nicht muss. Disney muss sich im Umfeld immer neuer Konkurrenten und Trends also immer wieder bewähren.
Über den Gründer Walt Disney, der 1966 verstarb, haben wir bereits geschrieben, indem wir eine ausführliche, zweiteilige Filmdokumentation über ihn besprochen haben. DieDokumentation ist sehr spannend gemacht, weil sie ein abgerundetes und auch kritisches Bild des Mannes zeichnet, der die Kinderzimmer der Welt erobert hat.
Gerade erst haben wir einen wichtigen, wenn auch zunächst nicht erfolgreichen Disney-Film besprochen, der seinerzeit visionär war, „Tron (1982), aber nicht erfolgreich, sodass sich der Cyberpunk in dieser Form erst einmal nicht durchsetzte.
Die Filme aus Disneys „Meisterwerke“-Reihe, die mit dem in der Grafik erwähnten „Schneewittchen“ (1937) begann, haben wir aus der US-Chronologie ausgegliedert und werden sie als Werkschau rezensieren, weil sie popkulturell so bedeutend sind. Die meisten von ihnen haben wir bereits gesichtet. Damit zur Grafik „100 Jahre Disney“ von Statista und zu weiteren Informationen. In Der Grafik unten muss es bei „Schneewittchen“ eigentlich heißen „erster abendfüllender Zeichentrickfilm des Studios“, denn alles, was dort zuvor gemacht wurde, auch der schon mit Ton ausgestattete „Steamboat Willie“ waren ebenfalls Zeichentrickfilme. Catoons eben, wie im ursprünglichen Firmennamen ausgewiesen. Die Entstehung von „Schneewittchen“ und die Zweifel darüber, ob ein für damalige Verhältnisse sehr teurer, animierter Langfilm tragen würde, sind eine spannende Story für sich. Hätte dieser Film gefloppt, könnten wir heute nicht über 100 Jahre Disney sprechen, aber er wurde ein Riesenerfolg und leitete eine Reihe weiterer legendärer langer Animationsfilme ein. Bei „Toy Story“ muss ebenfalls eine Ergänzung sein: der erste vollständig am Computer entworfene Animationsfilm, und damals gehörte Pixar, das ihn vorstellte, noch nicht zu Disney.

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz CC BY-ND 4.0 Deed | Namensnennung-Keine Bearbeitung 4.0 International | Creative Commons erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.
Am 16. Oktober 1923 gründeten die Brüder Walt und Roy Disney die “The Disney Brothers Cartoon Studios”. Was damals noch niemand wissen konnte: Das kleine Filmstudio sollte sich innerhalb der nächsten hundert Jahre zu einem der größten Medienimperien der Welt wandeln.
Wie der auf dieser Statista-Grafik abgebildete Zeitstrahl verdeutlicht, entwickelte sich das Unternehmen konstant weiter und erweiterte Schritt für Schritt sein Repertoire. Während sich Disney in den Anfangszeiten vor allem auf Zeichentrickfilme, wie “Steamboat Willie” oder “Schneewittchen und die sieben Zwerge” konzentriert hat und damit große Erfolge feiern konnte, kam 1950 mit “Die Schatzinsel” bereits der erste Realfilm dazu. Fünf Jahre später eröffnete im kalifornischen Anaheim das erste Disneyland, ein Vergnügungspark rund um die Schöpfungen aus dem Hause Disney. Die Eröffnung des noch größeren Disney World in Orlando 1971 erlebte Gründer Walt Disney nicht mehr mit – er verstarb bereits 1966 im Alter von 65 Jahren an Lungenkrebs.
Mit der Umbenennung in “The Walt Disney Company” verdeutlichte das Unternehmen seinen Wandel von einem primären Filmstudio zu einem regelrechten Konglomerat, mit mehr Fokus auf Merchandising. In den Folgejahren machte Disney immer wieder mit Firmenübernahmen Schlagzeilen und eignete sich somit mehr Know-How und Lizenzen an, die die Marktposition des Unternehmens in der Unterhaltungsindustrie weiter festigten. Marken wie Star Wars oder die Avengers fanden durch den Erwerb von Marvel und Lucasfilm den Weg in die Disney Company, die zwei Lizenzen entpuppten sich wenig später als die größten Zugpferde von Disney.
Aufgrund des enormen Markenportfolios war die Einführung eines eigenen Streamingportals quasi ein “No-Brainer” für das Unternehmen. Im November 2019 startete Disney+ in den USA, im darauffolgenden März war der Streamingdienst dann auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern verfügbar. Nur ein Jahr später konnte Disney+ bereits 100 Millionen Nutzer:innen weltweit vorweisen und ist seither eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Platzhirsche Netflix und Amazon Prime Video.
Disney ist also weiterhin auf einem expansiven Kurs und beeinflusst damit die Entwicklung der Entertainment-Industrie erheblich. Fort the better or worse, wenn man über Wirtschaft schreibt, mehr aber noch, wenn man eine Rubrik wie „Filmfest“ führt, die gerade den 1000. Beitrag feiert, also ebenfalls ein Jubiläum mit einer Eins vorne und ein paar Nullen dahinter, kommt man nicht um Disney herum.
TH
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