Die meisten Zuschauer im Fernsehen 2023 (Die 5 Tops und ein paar Anmerkungen) | Briefing 393 | Gesellschaft, Medien

Briefing 393 Gesellschaft, Medien, lineares Fernsehen, Fernsehkonsum, Zuschauer, Tatort Münster, Fußball, Wetten dass …

 Liebe Leser:innen,

Sie sind wie wir. Also statistisch interessiert. Wollen Sie wissen, welche Sendungen die erfolgreichsten im deutschen Fernsehen im Jahr 2023 waren? Hier haben wir sie: TV-Hits 2023: Die meistgesehenen Sendungen des Jahres – DWDL.de

Alles klar? Wir haben sie aber auch aus dem verlinkten Text extrahiert, die Highlights, und als Grafik dargestellt:

 

Waren Sie wenigstens bei einer dieser Sendungen unter den Zuschauenden? Was wäre bloß mit dem deutschen Fernsehen, wenn es den Münster-Tatort und Thomas Gottschalk nicht gäbe? Tote Hose! Beinahe jedenfalls.

Die Wahrheit ist, wie immer, etwas differenzierter. Wir haben die vielen Dauerbrenner weggelassen, die regelmäßig hohe Zuschauerzahlen zwischen 5 und mittlerweile bis zu 9 Millionen Zuschauende vor den Bildschirm locken: Die Krimis, die unter der Woche bei den Öffentlichrechtlichen Premiere feiern, beispielsweise. Die Shows und anderen Formate, die turnusmäßig laufen. Serien wie Babylon Berlin, die ca. 4 Millionen Menschen pro Folge angezogen haben. „Wetten dass …“ gab es früher häufiger, mehr als eine Sendung konnte dieses Jahr gar nicht vorne liegen, weil es nur dieses eine Abschieds-Festival gab, keine weitere Ausstrahlung. Im Jahr 2021 erreichte die Show übrigens noch eine Zuschauerzahl von beinahe 14,5 Millionen.

Was nur die reinen Streaming-Dienste melden, was aber eine immer größere Rolle spielt: Die Abrufe in den Mediatheken, die mit linearen Ausstrahlungen nur bedingt vergleichbar sind. Problem dabei: Jeder Klick zählt, als ob die gesamte Sendung angeschaut worden wäre. Allerdings ist auch die Zählung der Direkt-Linear-Zuschauenden nicht so ausgerichtet, dass jemand tatsächlich die ganze Dauer einer Sendung hinweg vor dem Fernseher gesessen haben muss, damit er oder sie mitgezählt wird. Die Tatorte haben im linearen Fernsehen einen klaren Vorteil. Damit man sofort Bescheid weiß, wird wohl immer noch überwiegend „live“ geschaut, während vermutlich bei anderen Formaten die Zahl der Mediatheken-Benutzer schneller ansteigt.

So gesehen, liegt der Tatort aber nach wie vor herausragend, vielleicht sogar mehr denn je, weil er die Zahlen hält, die wir seit Jahren kennen, obwohl die Mediatheken auch bei diesem Krimi-Format sicherlich immer mehr genutzt werden. Das heißt nichts anderes, als dass die Zuschauerzahlen beim Sonntagabendkrimi steigen (Ähnliches gilt, mit leichten Abschwächungen, für den Polizeiruf 110).

Normalerweise sind es Sport-Großereignisse, die ganz an der Spitze der Tabelle zu finden sind. In diesem Jahr gab es sie aber nicht. Denn Großereignis bedeutet in Deutschland zumeist Fußball, und es kam in diesem Jahr zu keinem einzigen der besonders wichtigen Turniere, also nicht zu einer EM oder einer WM der Männer. Die Frauen können da noch nicht ganz mit, obwohl im vergangenen Jahr das EM-Endspiel der Frauen Deutschland gegen England einen besonders hohen Wert erzielt hat und zu den meistgesehenen Sendungen gehörte. Auch Olympische Spiele gibt es nächstes Jahr erst wieder. Und die Fußball-EM im eigenen Land, für die Deutschland als Gastgeber automatisch qualifiziert ist (zum Glück, muss man im Moment wohl sagen), ebenfalls. Früher waren bei großen Länderspielen Zuschauerzahlen zwischen 17 und mehr als 20 Millionen durchaus keine Seltenheit. Wird das wieder? Wie viele Jahre wird es dauern, bis das Zuschauen wieder richtig Spaß macht?

Münster-Tatorte wird es mindestens noch bis zum großen Jubiläum (dem 50. Tatort des Teams) geben, also bis 2025 oder 2026. Das scheint ausgemacht, sofern nichts Besonderes dazwischenkommt. Danach wird sich vielleicht auch die beliebteste Fernsehreihe Deutschlands nach einem neuen Spitzenreiter umschauen müssen. Einen Hinweis darauf, wie es dann aussehen könnte, gibt die Tatsache, dass bei der Erstausstrahlung oder bei jedweder Wiederholung kein weiterer Tatort im Jahr 2023 die Zehn-Millionen-Marke geknackt hat. 

TH


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