Was bleibt – Tatort 1255 #Crimetime Vorschau Das Erste 01.01.2024, 20:15 Uhr #Tatort #Bundespolizei #Falke #Grosz #NDR #Abschied #Wasbleibt

Crimetime Vorschau – Titelfoto © NDR, Georges Pauly

Was bleibt ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom NDR produzierte Beitrag ist die 1255. Tatort-Episode und soll am 1. Januar 2024 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt werden. Es ist der 19. Fall von Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke und der dreizehnte und letzte seiner Kollegin Julia Grosz.[1]

„Der große Umbruch im „Tatort“ geht weiter. Nachdem sich unter anderem schon Heike Makatsch verabschiedet hatte, wurde nun das nächste Aus verkündet. Wotan Wilke Möhring verliert seine Partnerin.“[2]

Wir erfahren es erst jetzt: Dass auch das Team Falke / Grosz von der Bundespolizei auseinandergehen wird. Nach Vorgängerin Lorenz verliert Falke nun zum zweiten Mal seine Ermittlungspartnerin. Nachdem auch das Aus für Tschiller feststeht, hat Falke im westlichen NDR-Gebiet alle anderen überdauert. Darf er zur Belohnung endlich einen festen Dienstsitz in Hamburg einnehmen? Machen wir einen Zwischenstopp und fangen die Abschiedsstimmung damit ein, dass wir ausnahmsweise ein zweites Foto aus dem Film veröffentlichen, dessen Stimmung einen Kontrast zu jener auf dem Titelbild darstellt:

Beitragsbild © NDR, Georges Pauly

„Berlin – Seit Jahrzehnten ist der „Tatort“ eine feste Instanz im deutschen TV. In verschiedenen Städten unterhalten unterschiedliche Ermittler-Teams mit spannenden Fällen. Doch schon seit einigen Wochen werden nach und nach Änderungen bekannt gegeben. Heike Makatsch (52), Dagmar Manzel (65) und Axel Milberg (67) kehren der Krimireihe den Rücken zu. Jetzt folgt die nächste: Franziska Weisz (43) verlässt die ARD-Sendung und lässt ihren Co-Star Wotan Wilke Möhring (56) alleine.“ (Quelle wie vor)

Ich fand, Grosz und Falke passten gut zusammen, während Falke mit der aparten Vorgängerin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) eher ein Kontrastpaar bildete. Beide Varianten hatten ihren Reiz und sicher wird „WWM“ nicht für immer alleine bleiben. Oder doch? Es gibt Schienen wie den Polizeiruf Magdeburg, da wurden so viele Co-Stars aus dem Weg geräumt, dass endlich eine Darstellerin ihre Rollenfigur ganz in den Mittelpunkt stellen konnte. Der Hintergrund war aber vermutlich ein anderer als jetzt beim NDR der Weggang von Franziska Weisz. Im Verlauf einer Pressemitteilung seitens des NDR heißt es weiter, die Figur Grosz sei auserzählt. Für uns ist das immer ein Hinweis darauf, dass irgendetwas nicht gestimmt hat, denn man kann eine Ermittlerin, die erst seit sieben Jahren im Einsatz ist, immer weitererzählen – wenn man es denn will. Sieben Jahre sind im Tatort keine lange Zeit, wie die Größen der Reihe belegen (Odenthal / Folkerts wird im Jahr 2024 ihr 35-jähriges Dienstjubiläum feiern, Batic und Leitmayr / Nemec und Wachtveitl sind dann 33 Jahre lang dabei, es folgen Ballauf und Schenk / Behrendt und Bär mit 27 Dienstjahren, auch der Münster-Tatort wird im Jahr 2023 schon 22 Jahre „auf dem Buckel“ haben).

Diese großen Tatort-Karrieren, das haben wir kürzlich geschrieben, werden sich mit den neueren und kommenden Teams kaum wiederholen lassen, wobei wir den Beweis wohl schuldig bleiben werden müssen, es sei denn, wir werden selbst wirklich steinalt.

Aber zehn bis fünfzehn Jahre sollten drin sein; alles andere lässt uns darauf schließen, dass eine der beteiligten Seiten die Zusammenarbeit nicht als optimal empfunden hat.

Im Moment sieht es so aus, als gebe es eine besonders hohe Quote von Ab- und Zugängen in der Tatort-Reihe, aber es kann ja damit nicht immer ganz gleichmäßig laufen und bei nicht weniger als 22 Teams ist es normal, dass in einem Jahr fünf oder sechs Figuren wechseln. Ungewöhnlich wäre es, wenn es Bewegung bei der Mehrzahl der Teams geben würde. Ich hatte mich kürzlich schon dafür ausgesprochen, dieses große Feld etwas zu begrenzen, die Reihen Polizeiruf und Tatort zusammenzulegen und statt 26 Teams in beiden Reihen insgesamt 20 zu erhalten. Falke und Grosz hatte ich nicht auf dem Schirm, als ich mir eine Streichliste visualisierte. Aus dem schlichten Grund, dass nach dem Abgang von Tschiller am Traditionsstandort Hamburg, wo der erste Tatort überhaupt angesiedelt war („Taxi nach Leipzig“, 1970), dort auf jeden Fall wieder jemand ermitteln wird. Aber auch, weil ich die beiden sehr wohl noch entwicklungsfähig und als Ermittlerpersonen auch einigermaßen stimmig fand, einzeln und als Paar. Immer unter Berücksichtigung der Tatsache, dass mir ein paar neuere von ihren Filmen fehlen, um das abschließend beurteilen zu können.

Im ersten Fall nach Grosz wird Falke mit der Kollegin Schmitz aus Niedersachsen (Florence Kasumba) zusammenarbeiten, die zuletzt dafür gesorgt hatte, dass sich die Kollegin Lindholm nicht immer intensiver um sich selbst drehte. Das scheint aber als Überbrückungslösung gedacht zu sein. Doch wer weiß? Wenn es „matcht“? Nun kommen wir zu den Stimmen:

„Ja, auch schon der letzte Bundespolizei-Tatort des NDR spielte im Geflüchteten-Milieu. Dennoch schaffen es die Macher, der Thematik immer wieder neue Facetten abzugewinnen, denn die Geschichte von Denis und seiner Familie berührt zutiefst und vermittelt Außenstehenden eine vage Ahnung davon, was es bedeutet, sein gesamte Existenz, ja seine Identität aufzugeben für ein vermeintlich besseres Leben in einem Land, das Fremde keinesfalls immer mit offenen Armen empfängt.
Der Film ist in dramaturgischer Hinsicht einer der besten Falke-Krimis und spielt geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer. Zugleich bedeutet er das Ende der Ära Julia Grosz. Ihr wird ein würdiger Abschied bereitet, der die Stärke dieser Rolle noch einmal herausstellt. Danke, Franziska Weisz, für 13 unterhaltsame und nachdenkliche Fernsehabende!“[3]

Bei dem Titel „Was bleibt“ muss ich immer an einen herausragenden Fernsehfilm der 2010er denken, ein Familiendrama mit Corinna Harfouch und dem mittlerweile zu einem der profiliertesten Charakterdarsteller in Deutschland aufgestiegenen Lars Eidinger. Aber das ist nur eine Assoziation, thematisch hat der Film nichts mit dem neuen Tatort zu tun.[4] Da wir gerade Tittelbach-TV verlinkt haben, bleiben wir auch bezüglich des titelgleichen Neujahrstatorts dabei:

„Die von Max Zähle packend inszenierte „Tatort“-Episode „Was bleibt“ (NDR / Nordfilm) besitzt doppelte Qualität: Zum einen als kluges Drama um Herkunft, Flucht und Identität. Zum anderen als emotionaler Abschied: In 13 Filmen spielte Franziska Weisz die Kommissarin Julia Grosz an der Seite von Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring). Vor ihrem Abgang zeigt sich Grosz zugänglicher als bisher und überrascht außerdem mit Gesangsqualitäten. Drehbuch-Autorin Marija Erceg hat prägnante Figuren und eine Geschichte geschaffen, die ebenso wie viele Bilder (Kamera: Frank Küpper) in Erinnerung bleiben werden.“[5]

Auch diese Publikation setzt ein Fragezeichen hinter „auserzählt“ und je mehr wir über den Begriff nachdenken, gerade bei dieser Figur, desto mehr erscheint er uns geradezu diskriminierend. Das zuvor erwähnte Familiendrama erhielt von Tittelbach 5,5/6; während der Tatort immerhin auf 5/6 kommt, das ist eine überdurchschnittliche Bewertung. Klar, ergibt sich aus den Zahlen selbst, aber wir erwähnen es deshalb, weil Tatort-Bewertungen bei dieser Publikation erst bei etwa 3,5/6 beginnen und der Durchschnitt bei ca. 4,5 liegt. Ein halber Punkt mehr ist deshalb ein größerer Unterschied, als man denken könnte, wenn man die Art nicht kennt, wie diese wichtige Kritikenstimme wertet.

„Die Kameraarbeit fängt die düstere Atmosphäre der Handlung ziemlich gut ein, und die Bilder von Hamburg und der Elbe verleihen dem Film eine angenehm unheimliche Ästhetik. Die Regie von Max Zähle bringt einen ansprechenden visuellen Stil in die Produktion, der dem düsteren Ton des Films entspricht. Doch insgesamt bleibt «Tatort – Was bleibt» eine zwiespältige Erfahrung. Die Schauspielerleistungen und die visuelle Gestaltung lassen einen hoffnungsvoll in das neue Krimi-Jahr blicken, während die unklare Handlungsstruktur und die oberflächliche Charakterentwicklung leider verhindern, dass der Film sein volles Potenzial entfaltet.“[6]

Die Handlung sei zu konfus, was wiederum die Entwicklung der Charaktere beeinträchtige, heißt es von derselben Stellte. Heraus kommt eine 60-Prozent-Wertung.

„Wotan Wilke Möhring spielt Kommissar Falke natürlich erstklassig, wenngleich auch ein bisschen vernuschelt. Für die Fans ist das ein beständiger, ein bodenständiger Falke-Tatort. Wer den bruddeligen, liebenswerten Falke mag, ist hier wieder einmal genau richtig. Oft holt er um 10 Millionen Einschaltquote – das bedeutet aber auch: Dem Falke-Tatort liegt ein Geheimnis inne. Denn er eignet sich meiner Meinung nach nicht, um Zuschauer mal wieder anzulocken, die die Tatort-Serien schon lange abgeschrieben haben. Dafür ist das Migrations- und Identitäts-Thema und die Erzählweise einfach zu sperrig. Und das ist echt schade, denn der Sonntagabend (in diesem Fall Montagabend) ist jedes Mal eine neue Chance zu zeigen, was gutes Fernsehen für eine breite Masse ist.“

Gemessen an den Zuschauerquoten hat das Team also viele Fans, die dann hoffentlich auch beim letzten gemeinsamen Film dabei sein werden. Der NDR kann Quote ganz gut, auch die Lindholm-Fälle hatten in der Regel überdurchschnittliche Einschaltzahlen. Einzig der Kieler Tatort blieb zurück, obwohl er um 2010 herum zu den besten im gesamten DACH-Raum zählte. Es ist ohnehin keine Frage der Qualität, das muss man so klar schreiben. Die Münster-Fälle können als Krimis schlecht und die Gags so abgeschmackt sein, wie sie wollen, über 11 Millionen Zuschauer sind immer drin. Es ist ein bisschen wie beim Sport: Fußball ist grundsätzlich populär, auch wenn das einzelne Spiel die Erwartungen nicht erfüllen kann.

„Von einem gesellschaftspolitischen Beitrag zur Migrationsdebatte ist „Was bleibt“ (…) weit entfernt. Regisseur Max Zähle schafft eine Atmosphäre der Unmittelbarkeit, der Unsicherheit und Verwundbarkeit, ohne Partei zu ergreifen. „Was bleibt“ erzählt die Geschichte als hoch emotionales Drama über die Menschen, über ihre Gesichter, Geheimnisse, ihre Lügen und Gefühle. Selbst als man die Zusammenhänge zu ahnen beginnt, bleibt es spannend mitanzusehen, wie die Betroffenen von Schuldgefühlen geplagt werden, sich wundern, winden und leiden.

Die verregnete Melancholie, die „Was bleibt“ prägt, wird verstärkt durch die Tatsache, dass es sich um den letzten Fall mit Franziska Weisz als Julia Grosz handelt. Der drohende Wegzug der Kommissarin hängt leider auch wie ein triefendes Damoklesschwert über den Ermittlungen: Ständig müssen sich der Thorsten und die Julia verstohlene, wehmütige, Tun-sie’s-oder-tun-sie’s-nicht-Blicke zuwerfen, bis „Was bleibt“ in einer melodramatischen Pfütze landet.

So traurig ein einsamer Falke auch ist: Diese stimmige, starke Geschichte hätte es verdient, ohne die ziemlich aufgepfropft wirkende Zweithandlung erzählt zu werden, mit der Julia Grosz verabschiedet wird.“[7]

Es ist ja überhaupt eine melancholische Zeit, in der wir leben, eine Zeit der Abschied von vielen Gewissheiten jedenfalls. Das heißt aber nicht, dass der Tatort immer den Zeitgeist in diesem Sinne spiegelt, dass er eine Stimmung im Land exakt wiedergibt. Manchmal wird davon ganz unabhängig gefilmt, manchmal sogar, so scheint es, bewusst dagegengehalten. Die bereits erwähnten Münster-Tatorte sind im Grunde vollkommen aus der Zeit gefallen, das waren sie aber von Anfang an und sind wohl auch deshalb so beliebt. Wir schließen nach (nur) vier Stimmen die heutige Vorschau, weil wir schon wieder auf die 2000-Wörter-Grenze zulaufen. Im Anschluss noch die Handlung, ein paar Anmerkungen von uns sowie Stab und Besetzung:

Ein Unbekannter bittet Thorsten Falke um ein Treffen. Er hoffe, so sagt er, dass der Kommissar ein mehr als 20 Jahre altes Versprechen einlöse und ihm aus einer Notlage helfe. Da der Unbekannte eine Zusage verlangt, ohne jedoch die weiteren Umstände preiszugeben, weigert sich Falke. Kurz darauf wird der Mann tot aus der Elbe gezogen. Wie sich herausstellt, hatte er unter einer falschen Identitäten gelebt. Um herauszufinden, wer der Mann wirklich war, muss Falke zusammen mit seiner Kollegin Julia Grosz tief in die eigene Vergangenheit eintauchen. Und auch bei dem Mann, den die beiden schließlich verdächtigen, scheint nichts so zu sein, wie zunächst angenommen.[8]

Dieses Mal fasst sich Das Erste relativ kurz, obwohl der Film ziemlich viele Handlungselemente zu beinhaltend scheint. Starten Sie mit einem Tatort ins neue Jahr? Oder haben Sie sich vorgenommen, Ihre Treue zu dieser nach wie vor wichtigsten fiktionalen Reihe im deutschen Fernsehen aufzugeben? Unser Tipp: Folgen Sie Ihrer Stimmung. Zwingen Sie sich nicht dazu, alles gucken zu müssen. Wenn Sie ein Team mögen, schauen Sie rein, auch wenn der Fall von der Kritik als nicht so dolle apostrophiert wird. Münster-Fans muss man nicht sagen, dass sie nicht so streng mit sich selbst sein sollen, aber es gibt ja auch jene, die sehr eisern dabei sind, auch wenn sie sich ärgern über das, was sie sehen. Leider gibt es den Tatort-Fundus nicht mehr, der nach den Filmen immer eine sehr gute Stimmungslage unter diesen versierten Zuschauern offenbart und uns dadurch auch die Denkweise des besonders engagierten Teils des Publikums erleichtert hat. Es ist eben eine schwierige Zeit und wir kümmern uns derzeit eher um die Publikation von Kritiken, die noch archiviert sind, bevor wir wieder vollumfänglich ins Premierengeschehen einsteigen werden. Mit dem notabene aufgelaufenen Nachholbedarf.

TH

Hauptkommissar Thorsten Falke – Wotan Wilke Möhring
Hauptkommissarin Julia Grosz – Franziska Weisz
Denis Demorovic – Malik Blumenthal
Oliver Timmig – Hanno Koffler
Jasmina Timmig – Janina Elkin
Björn Timmig – Gerhard Garbers
Katharina Timmig – Leslie Malton
u. v. a.

Regie – Max Zähle
Drehbuch – Marija Erceg
Kamera – Frank Küpper
Szenenbild – Thomas Freudenthal
Maske – Sylvia Reusch, Hanna Haag
Kostümbild – Susanne Roggendorf
Schnitt – Thomas Stange
Ton – Corinna Zink
Casting – Deborah Congia
Musik – Florian Tessloff (eingespielt von der NDR Radiophilharmonie)
Herstellungsleitung – Marcus Kreuz (Nordfilm)
Produktionsleitung – Daniel Buresch (NDR), Ulrike Zirzow (Nordfilm)
Produzentinnen – Katinka Seidt, Kerstin Ramcke
Redaktion – Donald Kraemer

[1] Tatort: Was bleibt – Wikipedia

[2] „Tatort“-Aus besiegelt: Wotan Wilke Möhring verliert nächste Kollegin (merkur.de)

[3] Tatort Folge 1255: Was bleibt – Tatort Fans (tatort-fans.de)

[4] Was bleibt – Kritik zum Film – Tittelbach.tv

[5] https://www.tittelbach.tv/programm/reihe/artikel-6479.html

[6] Die Kritiker: «Tatort – Was bleibt» – Quotenmeter.de

[7] Neubeginn als Schwerstarbeit: „Was bleibt“ ist ein packender „Tatort“ aus Hamburg | WEB.DE

[8] Was bleibt – Tatort – ARD | Das Erste


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