Filmfest 1123 Cinema
Lethal Weapon 4, auch unter dem Verweistitel Lethal Weapon 4 – Zwei Profis räumen auf bekannt, ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahr 1998 mit Mel Gibson und Danny Glover in den Hauptrollen. Der Regisseur war Richard Donner, das Drehbuch schrieben Shane Black, Channing Gibson, Alfred Gough, Jonathan Lemkin und Miles Millar. Der Film startete am 13. August 1998 in den bundesdeutschen Kinos.
Im Januar 2020 verkündigte der für Warner Bros. tätige Produzent Dan Lin, dass ein fünfter Teil der Filmserie in einem frühen Entwicklungsstadium ist. Sowohl Gibson als auch Glover sollen ihre alten Rollen wieder aufnehmen, auch der zu dieser Zeit 90-jährige Richard Donner war erneut als Regisseur im Gespräch.[9] Das Projekt kam aufgrund Mel Gibsons Absage nicht zustande, der nach Richard Donners Tod ohne ihn als Regisseur seine Teilnahme verweigerte.[1]
Hier zu unseren Rezensionen zu Lethal Weapon, Lethal Weapon 2 und Lethal Weapon 3.
Wenn ich mich nicht täusche, hat Cop Roger Murtaugh schon im ersten Film gesagt, er sei für die Scheiße zu alt. Das war 1986. Im Jahr 1998 stellen beide Cops fest, dass sie „eigentlich“ aber nicht wirklich zu alt sind, wie man daran sieht, dass sie den asiatischen Martial-Arts-Spezialisten zur Strecke bringen. Zu zweit, aber immerhin. Und 2020? Rückkehr aus dem Altersheim? Insbesondere für den Regisseur? Nun ja, Richard Donner war der Mann, der Mel Gibson vor nunmehr 45 Jahren mit dem ersten „Mad Max“-Film zum Star machte. Und wir wissen, dass nach vier „Lethal Weapon“-Filmen Schluss war. Verdientermaßen? Dies und mehr klären wir in der Rezension.
Handlung (1)
Während eines Spezialeinsatzes, bei dem Roger Murtaugh und Martin Riggs einen mit einem Flammenwerfer zündelnden Verrückten aufhalten wollen, werden beide vom jeweils anderen vor vollendete Tatsachen gestellt: Roger erzählt Martin, dass dessen Freundin Lorna schwanger ist und Martin bald Vater wird. Im Gegenzug berichtet Riggs Murtaugh, dass dessen Tochter Rianne ebenfalls bald ein Kind erwartet und er in Kürze Großvater wird. Beide beenden den Einsatz trümmer- und erfolgreich und schwören sich, wegen des anstehenden Nachwuchses kürzerzutreten. Die kurz darauf (aus Versicherungsgründen) erfolgende Beförderung zu Captains ist dem mehr als förderlich.
Als sie bald darauf mit Leo Getz zu einem Angelausflug aufbrechen, wird Rogers Boot von einem scheinbar führerlosen Frachter versenkt. Riggs gelangt an Bord und stoppt den Kahn, der sich als Schmugglerschiff für chinesische Einwanderer entpuppt. Während die Behörden die Flüchtlinge zurücksenden, entdeckt Murtaugh in einem Rettungsboot eine der verarmten Großfamilien und nimmt diese heimlich bei sich auf. Gleichzeitig versucht er dem aufstrebenden Jungcop Lee Butters auszuweichen, der ihnen zugeteilt wurde: Roger missversteht dessen übervorsorgliches Handeln als homosexuelle Avancen.
Aus dem eigentlich harmlosen Fall für die Küstenwache entwickelt sich bald eine verzwickte kriminelle Angelegenheit, da die chinesische Familie und auch Rogers Sippe ins Fadenkreuz der Triaden geraten. Nach Observierung und Beobachtung des einschlägig stadtbekannten Gauners Benny Chan kommen Riggs, Murtaugh und Butters schließlich dem wahren Drahtzieher des Menschenhändlerrings auf die Spur: Dem chinesischen Gangster Wah Sing Ku, der unbedingt an Hong, das Oberhaupt der bei Murtaugh versteckten Familie, herankommen will. Hong ist nämlich der Verwandte eines in Wahs Diensten stehenden Graveurs, der ihm mehrere hundert Millionen Bargeld-Blüten in chinesischer Landeswährung herstellen soll, sich aber weigert, die Arbeit fortzuführen, bis seine Familie wohlbehalten in den Staaten untergekommen ist. Bei den Recherchen kommt Roger durch ein Versehen von Riggs (der es von Lorna erfahren hat) zudem dahinter, dass Butters der Vater von Riannes Kind ist und er sich durch seine einschmeichelnde Weise nur einen guten Leumund bei seinem zukünftigen Schwiegervater verschaffen wollte, vor allem weil Roger strikt dagegen war, einen Polizisten als Schwiegersohn zu bekommen. (…)
Rezension
Vor einigen Monaten schrieben wir:
Ein Highlight war auch dieser dritte Lethal-Weapon-Blockbuster für uns nicht, aber angenehmer zu schauen als die beiden ersten, die noch sehr die Verhärtung der 1980er spiegeln und in einer Weise auch den Kalten Krieg. Wer sich aber bezüglich Fiesheiten, Boshaftigkeit und Übergriffigkeit steigern will, dem empfehlen wir die Reihenfolge 3, 1, 2. Ob wir uns den vierten Teil, der im Fernsehen nicht so häufig gezeigt wird, ausleihen, müssen wir noch sehen. Es gibt so viel zu tun. Es liegt noch Weltklassekino voraus.
Nun haben wir uns Nummer vier doch recht zügig angeschaut, dank Amazon Prime. Dieses Abo lädt dazu ein, Reihen wie „Lethal Weapon“ oder „Die Hard“ zu vollenden.
James Berardinelli schrieb auf ReelViews, dass bei der Produktion des Films die kommerziellen Ziele weit mehr als die künstlerischen verfolgt würden. Der Film erfülle die Erwartungen, biete aber keine Überraschungen. Er lobte stark die Darstellung von Jet Li.[2]
Roger Ebert bezeichnete den Film in der Chicago Sun-Times vom 10. Juli 1998 als eine „Übung“.
„Die Neuauflage der Actionkomödie bedient sich in Gags und Dialogen vorwiegend bei den schon bekannten Motiven und Figurenzeichnungen, trotz der neuerlichen Ensemble-Erweiterung um einen jungen Ermittler. Handwerklich routiniert, besonders in den Actionszenen, sucht der Film Inspirationen aus dem Actionkino Hongkongs zu schöpfen, bleibt in der Darstellung der Chinesen zugleich aber Klischees verhaftet.“ – Lexikon des internationalen Films
Ich fand den Einfall mit der gelben Gefahr hochmodern, wo doch in den 1980ern noch Nazis aus Südafrika die Gegenspieler unserer ehrenwerten Cops aus L. A. waren. Aber es stimmt natürlich, die Chinesen werden wirklich sehr klischeehaft dargestellt. Vier Triaden gibt es in dem Film, dabei weiß mittlerweile jede:r, dass es eine existiert. Die heißt KPCh und gebietet über 1,4 Milliarden Menschen, die nichts anderes im Kopf haben, als dem Westen zu zeigen, was eine Harke ist. Vielleicht schaffen sie das auch und man soll vielleicht nicht zu sehr darüber witzeln, was man in Filmen wie diesen an Klischees sieht. Die Realität ist zwar nicht so pittoresk wie in solchen Actionfilmen, aber nicht weniger kampfbetont.
Reihen wie „Lethal Weapon“ haben ein Grundproblem: Sie müssen sich immer weiter steigern, um das Publikum zufriedenzustellen. Glauben die Macher jedenfalls. Besser als viel Action ist nur noch mehr Action. Viellleicht hat aber das schon in „Lethal Weapon 4“ nicht mehr richtig funktioniert, denn der Film hat einen unguten Rhythmus, der zwischen unglaubwürdigen Kampfszenen und unglaubwürdigen Dialogzsenen schwankt, die sich teilweise mitten während Kampfszenen abspielt. Dieses übertrieben Eloquente im Moment der Gefahr war damals sehr in und wenn schon das Filmlexikon von Inspirationen redet, dann sind daran u. a. Filme wie „nur 48 Stunden“ schuld, in dem ein afroamerikanischer Schnell- und Vielsprecher einen eher wortkargen weißen Cop in Grund und Boden schwätzt.
Dialoglastige Filme gab es auch in früheren Filmepochen, aber die Idee, die Leute wie Wasserfälle quasseln zu lassen, während sich jeder normale Mensch in dem Moment voll auf seine Aufgaben konzentrieren müsste, lassen schon die Eingangsszene mit dem Brandstifter im feuer- und kugelfesten Anzug grotesk wirken. Erstaunlich, wie ein Auto durchlöchert wird und die dahinter in Deckung befindlichen Männer gar nichts abbekommen. Aber das kennen wir schon von der Wohnwagen-Vernichtungszene aus einem der früheren LW-Filme (ich weiß nicht mehr, ob es Nr. 2 oder 3 war, aber ich glaube, da hat Riggs seine erste große Liebe verloren, die zweite heiratet er ja nun am Ende von LW 4).
Es gibt auch ein paar niedliche Momente, aber die sind eher dem komödiantischen Teil zuzordnen, zum Beispiel die Lachgasszene, in der wieder einmal demonstriert wird, wie ansteckend Lachen sein kann. Stan Laurel und Oliver Hardy haben es in „Hände hoch oder nicht“ in der „Näschen, Händchen, Öhrchen“-Szene vorgemacht, da war der Tonfilm noch nicht so alt. Seitdem wurde es unzählige Male wiederholt. Hier in Kombination mit dem Gag, dass in diesem Moment sich offenbart, dass der junge afroamerikanische Cop der Schwiegersohn in spe von Murtaugh sein wird, der doch keinen Polizisten für eine seiner Töchter will, weil der Job so gefährlich ist.
Eine politische Botschaft hat die Handlung auch, sie ist schon an Donald Trump gerichtet, obwohl der damals noch gar nicht in der Politik war: Die USA sind das Land, das die Beladenen dieser Welt aufnimmt, auch die Sklaven im Bauch eines chinesischen Frachters. Was angesichts der rigide erscheinenden Politik der letzten Jahr nicht mehr so real scheint, wie es ist: Die USA sind immer noch das Land auf der Welt mit den meisten Einwander:innen. Aber Einwanderung ist nicht mehr gleich Einwanderung, das ist der Unterschied, der die USA mehr dem Rest der Welt gleichstellt, die sich (abgesehen von Deutschland) aussucht, wer zum Land passen und dort eine Erfolgsgeschichte schreiben könnte. Aber der gute Hon und seine Familie, die sind doch so nett!
In Wirklichkeit zählen sie zu den erwähnten 1,4 Milliarden und könnten trojanische Pferde sein, wie einst die japanischen Einwanderer, die während des Zweiten Weltkrieg interniert worden waren. So hat aber danach und vor 9/11 wohl generell nur eine Minderheit gedacht. Eine kleine Minderheit, wollten wir ursprünglich schreiben, aber so klein ist sie vielleicht gar nicht. Vielleicht ist es nicht einmal eine Minderheit, sondern die überwiegend schweigende Mehrheit.
Die Lockerheit des Films atmet aber noch die freie Luft der 1990er, und das ist ja schon etwas, angesichts der immer bedrückenderen Umstände der letzten Jahre, die auch auf den Tenor des Hollywoodkinos abfärben. Hinzu kommt die – wie immer – sehr sympathische Art von Danny Glover als Murtaugh, die über manche Plattheiten, die auch in diesem Charakter angelegt sind, ganz gut hinweghilft. Riggs hingegen in Person von Mel Gibson hat den natürlichen Charme des jugendlichen, vom Schicksal gebeutelten Außenseiters verloren, obwohl er immer mit seiner Kollegin immer noch im Wohnwagen haust (ein Kinderzimmer wird tatsächlich an das Fahrzeug angebaut), ist aber auch kein grauer Wolf von beeindruckender Statur. Vielleicht wäre das die Idee für einen Film des Jahres 2020 gewesen, die auch eine schauspielerische Reifung hätte beinhalten dürfen.
Finale
Die Handlung ist, wie die Handlungen solcher Filme eben sind, einiges wirkt sehr zufällig oder so geschustert, dass die Actionszenen einigermaßen plausibel bezüglich ihrer Entstehung wirken. Immer gelingt schon das nicht, aber die Ausführung ist dann das Tüpfelchen auf dem Realismus-Verweigerungs-i. Wenn schon Lethal-Weapon-Fan Roger Ebert die vierte Produktion der Reihe als „Übung“ beschreibt, wird es wohl so sein, und sicher fühlt er sich dem Franchise so verbunden, dass er nicht zu deutlich wird. Für mich stehen die „LW“-Filme ohnehin hinter der „Die Hard“-Reihe zurück, aber auch deren Ergebnisse sind im Laufe der Jahre nicht durchweg besser geworden. Obwohl der Film gut performt und seine enormen Produktionskosten von 140 Millionen Dollar locker eingespielt hat, war danach Schluss. Warum, wissen wir nicht, aber vielleicht hatte man sich noch mehr erwartet oder / und einer der Beteiligten wollte keine weiteren Fortsetzungen mehr. Finde ich okay, diese Entscheidung. Ein fünfter Teil hätte entweder eine ganz andere Atmosphäre gebraucht, wäre dann aber nicht mehr so buddyhaft, oder man hätte risikiert, dass das Ergebnis vollkommen aus der Zeit gefallen ist.
60/100
© 2024 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2022)
(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia
| Regie | Richard Donner |
|---|---|
| Drehbuch | Shane Black, Channing Gibson, Alfred Gough, Jonathan Lemkin, Miles Millar |
| Produktion | Richard Donner, Joel Silver |
| Musik | Eric Clapton, Michael Kamen, David Sanborn |
| Kamera | Andrzej Bartkowiak |
| Schnitt | Dallas Puett, Kevin Stitt, Eric Strand, Frank J. Urioste |
| Besetzung | |
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[1] Lethal Weapon 4 – Wikipedia
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