Filmfest 1165 Cinema
Monkeyshines ist vermutlich der erste Film, der in den Vereinigten Staaten gedreht wurde. Es handelt sich um einen experimentellen Film, der eine frühe Version des Kinetographen des Edison-Labors testen sollte. Der Film wurde von William K. L. Dickson und William Heise gedreht.
Wir haben nunmehr die „2. US-Chronologie“ im Jahr 2022 beendet und beginnen gemäß dem Filmfest Special, das unser aktuelles Vorgehen erklärt, von vorne. Von ganz vorne.
Insgesamt wurden fünf „Monkeyshines“ (auf Deutsch etwa mit „dumme Streiche“ zu übersetzen) gedreht, die ersten beiden davon kann man sich tatsächlich im Internet Archive ansehen, der Ausschnitt ist sowohl im englischsprachigen wie im deutsche Wikipedia-Artikel eingebettet. Nummer drei gilt als verloren und zu Nummer vier und fünf habe ich keine Datei gefunden. Daher kann ich leider nicht beurteilen, ob es zwischen den beiden ersten und den späteren „Monkeyshines“-Filmen schon zu einem technischen Fortschritt gekommen war. Die Rezension wird mehr Material aus der Wikipedia enthalten als eigenen Text, denn der Hintergrund ist bei diesen kurzen Einzelszenen die Hauptsache. Mehr also im Bereich Information / Rezension.
Handlung (1)
In dem nur wenige Sekunden dauernden Film ist eine verschwommene weiße Figur zu sehen, die große Gesten ausführt.
Produktionsgeschichte (1)
Seit 1887 arbeitete Thomas Alva Edison an der Idee, ein Gerät zu entwickeln, das „bewegte Bilder“ aufzeichnen und wiedergeben konnte. Mit den Entwicklungsarbeiten an dem Kinetoskop genannten Gerät wurde im Herbst 1888 der schottische Ingenieur William K. L. Dickson beauftragt, der als Amateurfotograf die nötigen Erfahrungen einbringen konnte. Analog zu Edison Phonograph, auf dem Musik und Sprache auf einer Wachswalze aufgezeichnet werden konnte, konstruierte Dickson zunächst ein Gerät, mit dem Einzelbilder auf einer speziell präparierten Walze aufgenommen werden konnten.
Edison hatte bereits 1889 eine Beschreibung der Apparatur bei dem US-amerikanischen Patentamt hinterlegt. 1896 reichte er drei Filme bei dem Patentamt als Beweis für die Funktionsfähigkeit der zylindrischen Filmkamera ein, nachdem seine Patentansprüche für die Erfindung des Kinetoskops in Frage gestellt worden waren.[1] Bei diesen Filmen handelt es sich um die Streifen Monkeyshines No. 1, 2 und 3, die nur für interne Tests gedacht waren und nie öffentlich vorgeführt wurden; sie sollten lediglich das neue Kamerasystem überprüfen.
Es ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt, ob Monkeyshines Nr. 1 bereits 1889 mit John Ott oder 1890 mit G. Sacco Albanese als Darsteller gedreht wurde. Beide waren Mitarbeiter des Labors und für beide Varianten gibt es Indizien, die dafür sprechen. Während der Filmhistoriker Paul Spehr davon ausging, dass Dickson Monkeyshines No. 1 im Juni 1889 produziert hatte, verweist Dickson-Biograf Gordon Hendricks auf Dicksons eigene Notizen, wonach der Film im November 1890 entstanden sei.[2] Filmhistoriker wie Charles Musser oder David Robinson bestätigen Hendricks Datierung.
Kurz nach Fertigstellung der Monkeyshines-Filme gaben Edison und Dickson die Idee des zylindrischen Anordnung des Filmmaterials auf und arbeiteten stattdessen mit Rollfilmen. Im Mai 1891 wurde schließlich ein Prototyp des Kinetoskops fertiggestellt, mit dem Edison die kommerzielle Nutzung der Erfindung vorbereitete.
Die 1896 von Edison eingereichten Filmstreifen der Monkeyshines werden heute in der Library of Congress aufbewahrt.
Rezension
„Monkeyshines“ 1 und 2 sind in einer 56 Sekunden langen Aneinanderreihung zu sehen; offenbar wird der gesamte Film (bzw. die beiden Filme) jeweils mehrfach abgespielt, denn die Länge wird mit nur 5 Sekunden angegeben. Ich meine, erkannt zu haben, dass tatsächlich beide Filme mehrfach wiederholt werden, damit die laufenden Bilder fast eine Minute Länge erreichen. Mehr war nicht möglich, denn eines kann man auf jeden Fall festhalten: Wäre die Qualität der Bilder nicht alsbald besser geworden als in diesen Filmen zu sehen, würde es kein Filmfest beim Wahlberliner geben. Man kann allenfalls erahnen, dass es sich um menschliche Figuren handelt, die „große Gesten“ ausführen, wie es in der Wikipedia-Handlungsangabe heißt.
Thomas A. Edison war sicher in toto der größte Erfinder aller Zeiten, aber nicht alles, was er erfand, hat sich auch durchgesetzt. Auf die Glühbirne trifft das uneingeschränkt zu, aber sein Walzen-Phonograph konnte sich später nicht gegen das Platten-Grammophon behaupten, ebenso erging es seiner Walzen-Kamera. Im Allgemeinen werden heute die Filme der Gebrüder Lumière aus dem Jahr 1895 als die ersten gebrauchsfähigen und öffentlich vorgeführten Filme nach heutigem Verständnis angesehen. Gleichwohl: Wenn man eine Chronologie ganz vorne beginnen will, dann ist das Startjahr in den USA fünf Jahre weiter zurück. Und wir haben uns gewagt, schon bis 1891 zu sichten: Der Film „Dickson Greeting“ zeigt bereits gravierende Verbesserungen, der Mann, der ein Ingenieur war, der für Edison gearbeitet hat, ist deutlich zu erkennen, auch wenn er nicht mehr tut, als seinen Strohhut zum Gruß zu lüften.
Finale
Historisch gehören alle diese Filme zur Entwicklung des Kinos und es ist auch bei diesem Medium faszinierend, zu sehen, wie schnell es sich in den ersten Jahren entwickelte. In jenen Jahren wurden so viele Dinge erfunden, die heute noch unser Leben bestimmen, auch das Medium Film. Schon 1895 stellt Edison aus einer Verknüpfung seiner Kameraversion und dem Phonographen den ersten Tonfilm her, das ist beinahe unglaublich. Die nächsten Versuche diesbezüglich entstanden zu Beginn der 1920er Jahre und natürlich passierte es in den USA, dass die ersten echten Filme, die sprechen konnten, zuwege gebracht wurden. Es ist ein bisschen unübersichtlich mit der Historie, denn frei im Internet sind verschiedene Versionen dessen zu sehen, was im Internet-Archiv als „Monkeyshines No. 1 & No. 2“ angeboten wird, teilweise wird es als Nr. 3 bezeichnet. Da Nr. 3 aber nach Auskunft der US-Wikipedia als verloren gilt, handelt sich, so wirken die Bilder auch, immer um Nr. 1 und Nr. 2. Wenn man ganz genau hinschaut und es auch so sehen will, gibt es schon eine kleine Verbesserung bei Nr. 2, man kann erkennen, dass die männliche Figur eine Art Zipfelmütze trägt.
Damit haben wir das Maximum an historischer Rückbetrachtung erreicht, zumindest die USA betreffend, denn die fünf „Monkeyshines“-Kurzfilme gelten als die ersten, die in diesem Land hergestellt wurden.
Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung des Textes ca. 50 Tage nach dem Entwurf: Gut, dass wir nicht geschrieben haben, es handele sich um die allerersten Filme überhaupt. Der erste noch erhaltene Film ist wohl dieser:
1888 – Louis Le Prince kreiert den ältesten noch existierenden Film, „Roundhay Garden Scene“. Das Filmmaterial wurde in Leeds, Yorkshire, England, aufgenommen und dauert nur 2,11 Sekunden.
Außerdem sind wir in unseren Forschungen mittlerweile so weit vorangeschritten, dass wir den Beginn des Kinos Ende 1895 zumindest hinterfragen oder zur Diskussion stellen, als in Berlin die Gebrüder Skladanovsky die ersten öffentlichen Vorführungen veranstalteten (November) oder die Gebrüder Lumière in Paris (Dezember), sondern anmerken, dass man das Datum, je nach Sichtweise, auch ein wenig zurückverlagern kann. 1894 kam eben aus jenem Edison-Team, das mit „Monkeyshines“ die ersten noch erhaltenen US-Filme produzierte, auch die erste öffentliche und kommerzielle Filmvorführung zustande.
- April 1894 – Die erste kommerzielle Präsentation des Kinetoscope findet im Kinetoscope Parlor der Holland-Gebrüder am 1155 Broadway, New York City, statt.
Kleines Problem, fürs große Kino nicht unwichtig: Hier wurde noch nicht auf eine Leinwand projiziert, sondern einzelne Menschen konnten sich für einen geringen Betrag Bilder durch die Guckkasten-Projektoren anschauen. Wenn man das nicht als Start des Kinos gelten lassen will, muss man ihn doch entweder den Skladanowskys mit ihren Wintergarten-Vorführungen im November 1895 oder den Lumières zuschreiben, die einen Monat später auf eine Leinwand projizierten.
Witzig ist, dass natürlich auch diese absoluten Frühwerke des Films IMDb-Bewertungen aufweisen, „Monkeyshines Nr. 1“ kommt auf 4,9/10, Nr. 3 auf 4,2/10. Dabei ist es unmöglich, heutige Kriterien auf diese Pionierstücke anzuwenden. Sie müssen vor allem gesehen werden als genau dies, als allererste Meilensteine auf dem Weg zum Kino, deshalb gehe ich wesentlich höher und bin mir dabei im Klaren, dass dies eigentlich immer noch eine zu niedrige Bewertung ist, angesichts der epochalen Bedeutung der ersten Filme für die weitere Entwicklung – auch wenn sich das hier verwendete Verfahren nicht durchsetzte und bereits der oben erwähnte „Dickson Greeting“ das eigentliche Kernstück der filmischen Entwicklung darstellt, indem er auf perforiertem Rollfilm mit einer wiederum neu entwickelten Kamera aufgenommen wurde.
67/100
© 2024 Der Wahlberliner, Thomas Hocke
Regie William K. L. Dickson
Produktion William K. L. Dickson
Kamera William K. L. Dickson, William Heise
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