Filmfest 1245 Cinema
Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern ist eine deutsche Filmkomödie und Urlaubs-Satire des Regisseurs Rolf Olsen, der auch das Drehbuch schrieb. Die Hauptrolle übernahm Heinz Erhardt. Die Uraufführung fand am 26. November 1970 im Ufa-Theater in Hannover statt.
Über Heinz Erhardt und seine Filme haben wir schon einiges geschrieben, dabei aber vor allem die späten 1950er und die frühen 1960er betrachtet, die Rezensionen sind auf dem Filmfest des neuen Wahlberliners (seit Juni 2018) überwiegend noch nicht gezeigt worden. Die „Willi“-Serie war sozusagen das Leinwand-Vermächtnis des geliebten Komikers, da ihn kurze Zeit später ein Schlaganfall traf, von dem er sich nicht so erholte, dass er hätte weiter Filme drehen können. Ob das Vermächtnis mit den Filmen, in denen er denselben Vornamen trägt wie der damalige Bundeskanzler, seinen Rum noch einmal vermehrt, erklären wir in der Rezension.
Handlung (1)
Willi Hirsekorn und seine Familie liegen ständig mit den Nachbarn Buntje im Streit. Eine Familie will stets die andere übertreffen. Als im Geschäft die beiden Frauen der Familien aufeinandertreffen, prahlt Mizzi Buntje mit dem Urlaub, den man in Italien zu verbringen gedenke. Sieglinde Hirsekorn steht dem in nichts nach und erzählt, dass man im Urlaub auch in Italien weilt. Nur weiß der Rest der Familie noch nichts davon, und sie muss die Familie erst überreden. Ende der Geschichte: Man reist nach Italien und trifft dort (natürlich) auf die Buntjes.
Ebenfalls mit auf der Reise ist der Freund der Tochter der Buntjes. Allerdings inkognito, denn der Vater hält nichts von dem jungen Mann, obwohl er ihn nicht kennt. Diese Gelegenheit nutzt der Freund, um den Vater auf seine Seite zu ziehen.
Rzezension
Schade. Schade, dass es so endete. Auch die früheren Filme waren Unterhaltungskino, keine Kunst, aber da war doch manchmal ein tieferer Blick in die deutsche Seele drin. Nicht, dass es den in „Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern“ gar nicht gäbe – aber er ist dann doch zu entlarvend. Wenn jemand solche Filme komisch findet, kann er nur aus diesem Land stammen und in der Mentalität der 1960er verhaftet sein. Wir wissen, dass es noch peinlichere Kinoprodukte gab, in jenen Jahren, aber von denen haben wir uns bisher ferngehalten. Auch von denen mit Heinz Erhardt, aber jetzt gehört doch mal einer von diesen Filmen dazu, um ein besseres Bild vom Aufstieg und – soll man sagen: Niedergang? – dieses Vollblutkomikers zu bekommen. Das Publikum mochte die Willi-Filme wohl, also kann man nicht von einem kommerziellen Niedergang sprechen.
Aber wir verstehen, warum Heinz Erhardt nach solchen Parforce-Klamotten nicht mehr allzu lange bis zum Herzinfarkt brauchte. Es ist alles vollkommen blödsinnig überzogen und eine treffende Satire auf den Urlaubswahnsinn, wie der Begleittext des aufführenden Senders zur x-ten Wiederholung lautete, ist für uns doch etwas anderes, in Frankreich wurden einige gute Filme dieses Komödien-Sub-Subgenres gemacht. Wer nicht sieht, dass hier im Grunde deutsche Klischees über Italien dermaßen plattgewalzt werden, dass sich auch der letzte Spießer in seinem engstirnigen Weltbild bestätigt sieht, der hat wohl den Subtext des Films verpasst.
Und der hat es in sich, weil hier beinahe alles zusammengefasst wird, was uns immer schon an den Ausländern gestört hat – vor allem, dass sie einfach so vor sich hinleben können, während selbst die Urlaubsentspannung in Deutschland ganz offensichtlich zum Magenkrampf gerät. Und immer noch gerät, auch wenn der Massenurlaub jetzt mehr auf Malle stattfindet als am italienischen Mittelmeer oder an der Riviera. Wer konnte es den Italienern verdenken, dass sie ein Geschäft daraus gemacht haben, dass die Deutschen sich am Strand gerne noch enger mit den Nachbarn zeigten, Handtuch an Handtuch, Campingliege an Campingliege als zu Hause. Handlungen, in denen man die Nachbarn im Urlaub wiedertrifft, wie in diesem Film, sind alles andere als pure Fiktion.
Dazu passt das Leben in Castrop-Rauxel bestens. Wir merken erst allmählich, wie privilegiert wir waren, dass wir in einem für damalige Verhältnisse modernen, großzügigen, freistehenden Einfamilienhaus aufgewachsen sind, mit reichlich Platz zu den Nachbarn, und unsere Eltern meist Ferienhäuser gemietet haben (sogar in Italien) und darauf achteten, dass wir im Urlaub nicht schon wieder mit lauter Deutschen zusammenkamen. Damals fanden wir’s manchmal nervig, immer alles anders machen zu müssen als andere, heute erkennen wir den Wert dieser Idee, auch wenn sie mehr auf ungestörte Ruhe und das Für-sich-Sein der Familie als auf kulturellen Austausch unter Ausschluss der Gesichter zielte, die man von daheim kannte.
Sicher erkennt man Vieles aus der eigenen frühen Kindheit wieder, die nur ein paar Jahre nach den Willi-Filmen ihren Lauf nahm, aber auch schon den Wandel, der sich in den 1970ern vollzogen hatte, und der sich so ausgewachsen hat, dass man heute eher Mitgefühl mit Heinz Erhardt hat, als dass man Filme wie diesen witzig finden kann.
Es ist eben nicht wie bei Starkomikern britischer Provenienz, dass man die Geschmacklosigkeit als Satire akzeptiert, weil man das supercoole Statement erkennt, sondern man schämt sich fremd dafür, dass die Deutschen in solchen Filmen ihre seltsame Auffassung von Humor dokumentiert haben. Wenn man einigen Comedians heute zuhört, denkt man, so viel hat sich gar nicht geändert, nur, dass die Zuschauer stylischer geworden sind und die Kalauer vorwiegend und vorgeblich linkslastig sind und nicht mehr oder weniger offen chauvinistisch, wie in diesen unterirdischen Filmen von vor bald 50 Jahren. Das Niveau der Filmkomödien, von der Spitze her betrachtet, hat sich allerdings verbessert, das wollen wir doch lobend erwähnen.
Wir konstatieren demgemäß, dass nicht die verrufenen 1950er, sondern die frühen 1970er den absoluten Tiefpunkt des deutschen Kommerzfilms darstellen. „Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern“ wurde übrigens von der Constantin verliehen, deren Geschichte die Probleme der Nachkriegszeit ebenso spiegelt wie die Möglichkeiten, die es dann doch wieder gab – und wie man zunehmend fahrlässig damit umging.
Finale
Das bisher Geschriebene wirkt eher allgemein gefasst, aber wir werden uns nicht an einzelnen Szenen oder Figuren abarbeiten, wie bei ernst gemeinten Filmen, und nach 90 Minuten überwiegend peinlich berührt sein darf die Rezension nicht auch noch Stunden in Anspruch nehmen.
Trotzdem ein leises Hoch auf Heinz Erhardt: Weil er sein reizendes Lied „Immer, wenn ich traurig bin, trink ich einen Korn“ zum Besten gibt. Und das kennen wir seit ewig, weil unsere Eltern eine Doppel-LP von ihm hatten („Was bin ich heute wieder für ein Schelm“), auf der es ebenfalls enthalten ist. Das fanden und finden wir immer noch schön, weil es wirklich viel von unserer Art, mit Trauer umzugehen und nicht umgehen zu können, verrät. Wir haben gar nichts gegen diesen Seelenblick, den Heinz Erhardt wie kein anderer Nachkriegskomiker ermöglicht hat. Er war wirklich ein Schelm.
Umso bedauerlicher, dass er ins flache Fahrwasser der typischen Klamotte jener Zeit geriet, in die sein abruptes Karriereende fiel. An „Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern“ stimmt weder das Timing so richtig, noch sind die Gags irgendwie gelungen. Bis die Leute mal auf Urlaubsreise gehen, ist bereits eine gefühlte dreiviertel Stunde Spielzeit mit Nebensächlichkeiten verstrichen. Außerdem ist er auch noch schlampig gemacht, wie viele Fehler in der Continuity zeigen.
Vielleicht nicht gerade ein grandioser Auftakt ins neue Filmfest-Jahr, aber es steht auch nirgends geschrieben, dass solch ein Auftakt besonders großartig sein muss. Glücklicherweise erstellen wir keine Statistiken über die Durchschnittsbewertungen verschiedener Länder. Filme wie dieser würden unweigerlich dazu führen, dass Deutschland ziemlich hinten landet – wie es schon der Fall war, als wir solche Zahlen noch aufbereitet haben (siehe „erste Chronologie“, Filmverzeichnis Nr. 8, 1989); damals waren aber auch viele deutsche Klassiker noch nicht rezensiert.
30/100
© 2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2014)
(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia
| Regie | Rolf Olsen |
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| Drehbuch | Rolf Olsen |
| Produktion | Heinz Willeg |
| Musik | Erwin Halletz |
| Kamera | Franz Xaver Lederle |
| Schnitt | Renate Willeg |
| Besetzung | |
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