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Experten widersprechen dem US-Präsidenten: US-Autos in EU unverkäuflich | WEB.DE / Zölle: Experten widersprechen Donald Trump – Amerikanische Autos in EU unverkäuflich – DER SPIEGEL
Entweder hat Donald Trump von Marktwirtschaft keine Ahnung, oder er drangsaliert die Europäer aus Gründen, die mit dem Export-Import-Ungleichgewicht in Wirklichkeit nichts zu tun haben.
Es ist so einfach und so logisch, was die Experten zum tatsächlichen Grund für dieses Ungleichgewicht zu sagen haben und entspricht genau dem, was wir seit Jahren vertreten. Ein europäisches Auto passt in den USA überallhin, umgekehrt trifft das nicht zu. Auch europäische Autos sind in den letzten Jahren erheblich gewachsen, aber selbst die für dieses Wachstum hauptsächlich verantwortlichen SUV-Stadtpanzer wirken wie Blechzwerge, neben den Pickups, die in den USA einen großen Teil der Verkäufe der heimischen Hersteller ausmachen. Wir sind heilfroh, dass sich diese Art von Über-Übergröße bei uns noch nicht durchgesetzt hat. In den Vereinigten Staaten mögen diese Autos für gewisse Berufsgruppen und draußen in den Weiten, wo Größe alles ist (Ausnahme: die des menschlichen Gehirns), einen gewissen Sinn ergeben, aber selbst dort dürfte eine besonders protzige Art von Prestige bei der Wahl dieser Autos eine erhebliche Rolle spielen, denn Lieferwagen mit einem vernünftigen Verhältnis von Größe und Nutzraum wären auch dort für die meisten Aufgaben besser geeignet.
Wir halten es durchaus für möglich, dass Donald Trump aufgrund seines eigenen schlechten Geschmacks gar nicht merkt, dass diese Autos für europäische Verhältnisse nach wie vor No-Gos sind und natürlich interessiert ihn nicht, wie viel Benzin diese Kutschen mit ihren überdimensionierten Motoren verbrauchen, er ist ja ein Ölfanatiker.
Hingegen gibt es viele Amerikaner, die doch lieber vernünftige japanische Autos fahren oder mit kleiner als die US-Pickups oder Minitrucks dimensionierten deutschen Modellen ein bewusstes Gegenstatement setzen: Klasse vor Masse. Leider müssen die deutschen Hersteller höllisch aufpassen, dass ihnen dieser Nimbus, für Menschen mit mehr Sinn für echten, etwas feiner ausgearbeiteten Luxus gemacht zu sein, nicht verloren geht. Technischer Rückstand war noch nie ein gutes Verkaufsargument, nirgends auf der Welt. Tradition anstatt Innovation hat schon vielen europäischen Marken die Existenz gekostet.
Amerikanische Autos waren in den meisten europäischen Ländern aber noch nie ein Massenphänomen, weil sie einfach nicht für die hiesigen Märkte konstruiert waren. Nicht umsonst haben US-Hersteller, die in Europa produzieren, eigene Modelle für den alten Kontinent entwickelt, die zwei Nummern kleiner waren als die US-Typen, namentlich Opel und Ford, auf Deutschland bezogen.
Aber nicht einmal diesen Willen, Europa als Markt zu erhalten, gibt es noch. GM hat Opel an das französische Multimarken-Unternehmen Stellantis verscherbelt, wo die Deutschen nur noch konservativere Versionen von Peugeots und Citroens herstellen dürfen, anstatt Statthalter eines US-Konzerns mit eigenem Programm und dem Anspruch, mindestens die Nummer zwei in Deutschland zu sein – und Ford cancelt unfassbarerweise die beliebtesten Modelle des Konzerns in Europa, verkauft oder schließt Werke und bietet im Grunde nur noch Nischenautos an, darunter kurioserweise auch mindestens ein Pickup-Modell. Die für mehr oder weniger alles geltende Haltung der Amerikaner platzt geradezu durch. Entweder ihr schließt euch unserem Geschmack an oder wir jammern bei der Politik. Das kennen wir irgendwoher, aber wengistens bemühen sich die hiesigen Hersteller, nicht komplett an den Kunden vorbeizuproduzieren. Gelingt auch nicht mehr immer, aber das beruht eher auf Fehleinschätzungen (bis auf Mercedes, da spielt ebenfalls Arroganz eine Rolle).
US-Konzerne haben ganz ohne Not, von einer guten Position aus, über Jahrzehnte hinweg gravierende modellpolitische Fehler gemacht und in den USA kam auch noch Pech hinzu. Durch die Sparverordnungen der 1970er und 1980er Jahre wurden die Autos innerhalb weniger Jahre viel kleiner, sodass man sogar europäische Plattformen in den USA produzieren konnte. Den Originalen ging ihr Hauptmerkmal verloren, stark und riesengroß zu sein. Das hat die Big Three in den USA unter Druck gebracht, vor allem gegenüber den Japanern, die aber längst auch in den USA produzieren, ebenso wie die Deutschen. Damals ging den Amerikanern auch der Zugang zu modernem Design und wenigstens halbwegs konkurrenzfähiger Technik komplett verloren, den es trotz vieler Übertreibungen einerseits und Stagnation andererseits in den 1960ern noch gab. Dieser Verlust konnte nie korrigiert werden. Erst waren es in den 1980ern deutsche Autos, später asiatische, die auf dem Gebiet oder bei anderen wichtigen Aspekten wie Effizienz oder Innovation führend waren. Und vor allem: Sie waren zuverlässiger und besser verarbeitet. Die Verarbeitungsqualität amerikanischer Autos der 1970er und frühen 1980er war geradezu berüchtigt.
Mittlerweile gibt es diese Zwänge und Nachteile nicht mehr, US-Autos erreichen wieder unglaubliche Dimensionen, aber eben mit einer anderen Art von Modellen als früher: Kleinlastwagen mit zwei bis vier Plätzen und einer offenen Ladefläche, die für europäische Verbraucher schlicht keinen Sinn ergibt. Sie macht die Autos aber bis zu sechs Meter lang; es gibt auch Heavy-Duty-Versionen, die noch größer sind und auch in Höhe und Breite sämtliche europäischen Normen für Personenkraftwagen sprengen. Die Amerikaner bauen technisch wieder Autos, die gar nicht so uninteressant sind, sie fallen auch nicht gleich auseinander. Doch sie sind für Europa nach wie vor ungeeignet. Hinzu kommt eine beispiellose Arroganz, wenn es um Direktimporte geht. Während Europäer selbstverständlich ihre Exportautos an US-Normen anpassen, werden US-Produkte meist gar nicht offiziell nach Europa exportiert, wie sollen da also nennenswerte Stückzahlen zustandekommen?
Die Hersteller wissen, dass sich der Aufwand nicht lohnt, etwa einen Ford F 150 für Europa umzurüsten und offiziell anzubieten. Wer ein solches Auto haben will, muss auf Spezialisten, auf freie Händler setzen, die solche Fahrzeuge an europäische Normen anpassen, was die Preise glatt verdoppeln kann. Um das auszugleichen, genügen die Zölle auf europäische Autos nicht, sondern US-Autos müssten massiv subventioniert werden. Und immer noch wären sie für den hiesigen Geschmack viel zu klotzig und nur für Freaks mit Größenwahn geeignet, nicht für Normalverbraucher. Vielleicht kann ein schwacher Dollar dieses Problem ein bisschen lindern, aber sicher nicht verschwinden lassen. Kurzer Exkurs: Ein schwacher Dollar ist vermutlich ein weiteres Ziel Trumps, weil er den Export stärkt, deshalb kommt es ihm auch ungelegen, dass die FED die Zinsen nicht nach seinen Vorgaben senken will (hohe Zinsen = Kapitalzufluss aus dem Ausland = starke Währung).
Die US-Fahrzeuge werden bei uns mit einigem Recht statistisch nicht zu den Personenkraftwagen gezählt. Dies ist der Grund, warum es in manchen Darstellungen über Produktionszahlen so aussieht, als ob in den USA nur noch ein Bruchteil dessen hergestellt würde, was dort früher an Autos produziert wurde. Das stimmt aber so nicht, denn Pickups wie der Marktführer Ford F 150 (1,5 Tonnen Nutzlast) und die kaum weniger beliebten Pendants vom RAM (Stellantis via Chrysler / Dodge) oder GMC und Chevrolet (GM) fließen nicht in die PKW-Statistik ein. Vom erwähnten einzelnen Ford-Modell werden in den Vereinigten Staaten mindestens so viele Autos pro Jahr abgesetzt, wie alle deutschen Hersteller zusammen in die USA gemäß dem verlinkten Artikel exportieren (nicht mitgerechnet sind die in den Vereinigten Staaten hergestellten Autos mit deutschen Markenlogos). Auch von einer Überflutung durch europäische Importe kann also keinerlei Rede sein.
Alle deutschen Hersteller kommen in den USA gegenwärtig auf einen Marktanteil von 7 bis 8 Prozent, weniger als z. B. Toyota alleine vorweisen kann. Die Dependancen von Ford und GM in Deutschland hatten hierzulande einmal einen Marktanteil von zusammen mehr als 30 Prozent, mit großen Chancen nach der Wende, in Ostdeutschland noch besser abzuschneiden. Vor allem galt das für Opel, in den 1920ern größter europäischer Automobilhersteller. Mittlerweile hat sich der Marktanteil dieser beiden Marken in Deutschland gedrittelt. Das kann man nicht irgendwelchen Handelspraktiken in die Schuhe schieben, also finde den Fehler. Es ist die falsche Modell- und Kostenpolitik von inkompetenten, teilweise aus den USA importierten Managern, die schon vor Jahrzehnten den Zugang zu europäischen Verbrauchern verloren, etwas zeitversetzt zu der Defensive, in die die US-Hersteller auf dem Heimatmarkt gerieten. Seit vielen Jahren tragen diese Fehler zum Niedergang der deutschen Autoindustrie bei, der nun so richtig Tempo aufnimmt, weil auch die deutschen Hersteller immer schwächer werden. Im Grunde kann man sich in Sachen Versagen die Hand geben, denn sie wiederholen heute die Fehler, die US-gesteuerte europäische Automarken vor Jahren gemacht haben.
Trump und seine MAGA-Fantasten sind bekannt dafür, die Tatsachen komplett umzudrehen, und in Bezug auf den Misserfolg amerikanischer Autos in Europa trifft das besonders zu. Tesla war in der Tat eine neue Story, die zu Europas ökologischem Selbstverständnis recht gut gepasst hat, ein neuer Lichtblick für die US-Autoindustrie, auf dem Weg, eine Kultmarke wie Apple zu werden. Doch diese Story dürfte dank des rechten Oberfantasten Elon Musk (wir hätten beinahe „Elon Trump“ geschrieben) erst einmal zu Ende sein. Menschen, die sich für avantgardistisch halten und sich im Image der Produkte spiegeln, die sie kaufen, mögen keine Typen, die Hitlergrüße für normal halten. Außerdem ist Tesla technologisch nicht mehr so führend wie zu Beginn der E-Auto-Ära.
Wegen der eklatanten Faktenfehler in den Darstellungen von Trump & Co. kommt es zu zwei Deutungen: Die eine ist, dass Trump außerhalb der Immobilienbranche von Ökonomie wirklich keinen Schimmer hat. Die zweite lautet: so dumm kann doch eine gesamte Administration nicht sein, also muss etwas anderes als pure Hohlheit hinter diesen Zollangriffen stecken. Einige Analysten sagen, man soll sich den Plan 2025 der ultrarechten Heritage Foundation genauer anschauen, dann wird man im Hinblick auf die Ideologie hinter Trumps Wüten fündig. Dann ergibt sich ein größerer Zusammenhang, in dem man jene Handelskriege sehen muss, die aktuell vom Zaun gebrochen werden. Damit werden wir uns an anderer Stelle befassen, für heute bleibt es dabei, dass Trump Tünkram über amerikanische und europäische Autos erzählt.
Derweil sollte die EU außerdem darüber nachdenken, wie sie US-Internetfirmen mit Abgaben belegen kann, denn hier herrscht wirklich ein eklatantes Ungleichgewicht. Trump glaubt wohl, es fällt gar nicht auf, dass die USA ein höchst unsauberes Spiel spielen, jenseits der Zölle an sich. Internet-Dienstleistungen sind keine Waren und unterlagen nie klassischen Zöllen. Also muss künftig eine Strafabgabe auf US-Interneterzeugnisse erhoben werden, um den strukturellen Nachteil der Europäer in diesem Handelskrieg auszugleichen. Das wird uns wohl als Verbraucher alle mehr oder weniger treffen. Ein Grund mehr, endlich ernst mit einer europäischen Digitalstruktur zu machen. Dabei könnte man auch die vielen Fehler und Anwendungsprobleme vermeiden, die typisch amerikanische Produkte haben, obwohl sie teilweise seit Jahrzehnten auf dem Markt sind. In dem, was die USA sich gerade leisten, liegen so viele Chancen, aber man muss sie jetzt auch mal nutzen. Dann wird man eines Tages auch nicht mehr den verlorenen Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie nachtrauern, die sicherlich nicht vollumfänglich zurückzuholen sein werden.
TH
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