Filmfest 1292 Cinema
Private Number ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1936 unter der Regie von Roy Del Ruth mit Loretta Young, Robert Taylor und Basil Rathbone in den Hauptrollen. Der Film, der manchmal auch unter dem alternativen Titel „Secret Interlude“ bekannt ist, basiert auf dem Theaterstück Common Clay von Cleves Kinkead, das bereits 1930 mit dem gleichen Namen verfilmt worden war. Nach der strengeren Durchsetzung des Motion Picture Production Code nach 1934 wurden viele der anzüglicheren Elemente des früheren Films weggelassen.
Die Sichtung des Films ist ein „Zwischenspiel“, das keiner aktuellen Interessenlinie folgt, sondern einfach an einem Sonntagnachmittag im Grippemodus erfolgte. Vermutlich wird daraus auch nicht mehr werden. Warum, erklären wir in der – Rezension.
Handlung[1]
Ellen Neal ist ein 17-jähriges Mädchen, das auf der Suche nach einem Job als Dienstmädchen ist, als sie im Haus der wohlhabenden Familie Winfield ankommt. Dort lernt sie die Dienerin Gracie kennen, die ein Interview zwischen ihr und dem Butler der Familie, Thomas Wroxton, arrangiert. Wroxton regiert die Hausangestellten wie ein Tyrann und verlangt eine große Kürzung ihres Wochenlohns als seine „Provision“. Obwohl Ellen keine Erfahrung hat, findet er sie attraktiv, also willigt er ein, ihr einen Monat lang zu arbeiten und sagt ihr, dass sie nur ihm Bericht erstatten muss. Sie geht und fühlt sich unwohl, aber Gracie überredet sie, zu bleiben. Ellen lernt Mrs. Winfield kennen und bezaubert sie so sehr, dass sie gebeten wird, ihr persönliches Dienstmädchen zu werden.
Richard, der Sohn der Winfields, kehrt vom College nach Hause zurück und lernt Ellen auf einer Party kennen. Er hat keine Ahnung, dass sie eine Dienerin ist. Später nehmen Gracie und ihr Freund Smiley Ellen zu einem Doppeldate mit und verabreden sich mit ihr zu einem Blind Date. Nach einem Streit zwischen den Männern bricht ein Aufruhr aus. Ellen flieht und trifft auf Coakley, einen Mann, den sie gerade erst vor dem Date kennengelernt hat und der bereit ist, sie nach Hause zu fahren. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause, aber beide werden verhaftet, nachdem die Polizei das Haus durchsucht hat, weil sie über illegales Glücksspiel informiert wurde. Wraxton lässt sie gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen. (…)
Rezension
Der Film hat keinen deutschen Wikipedia-Eintrag und gehörte wohl auch nicht zu jenen, die nach dem Krieg verspätet ins hiesige Kino kamen, daher müssen wir die englischsprachige Wikipedia für die Fakten bemühen. Ich hätte, die obige Aussage hin oder her, doch Lust, die ältere Verfilmung zu sehen. Dass sie als Pre-Code-Streifen deftiger ist, wurde in der Wikipedia angedeutet, siehe oben. So aber haben wir ein Werk vor uns, das ganz gut in die New-Deal-Ära passt. Die Reichen können nie wirklich böse sein, höchstens ein bisschen dumm, denn sie mussten damals hohe Steuersätze ertragen, um dabei zu helfen, das Land ausgangs der Great Depression wieder auf die Beine zu bringen, aka ihren gerechten Anteil dazu beizutragen. Rober Taylor, zweifelsohne einer der bestaussehenden Schauspieler der späten 1930er (bis auf die angewachsenen Ohrläppchen), nimmt man aber ab, dass er etwas unbedarft ist und sich von seinen Eltern gegen seine Frau und große Liebe manipulieren lässt, die sich wiederum von einem fiesen Butler und damit Chef des Gesindes manipulieren lassen. Dieser wird von Basil Rathbone gespielt und kriegt eins auf die Mappe, als seine Intrige auffliegt. Der Mann musste wirklich viel aushalten, in jenen Jahren, obwohl er der klar beste Schauspieler des gesamten Ensembles ist. Auch die später ruhmreiche Loretta Young musste noch ein paar Jahre spielen, um außer mit Bright Eyes und hyperschlanker Figur auch schauspielerisch hervorzustechen, den Eindruck hat man zumindest in diesem Film. Es mag aber auch daran gelegen haben, dass sie, wie die anderen Darsteller, nicht angespornt wurde; dass es der Regie so genug war, wie man es sieht, also mittelplusgut.
Regisseur Roy Del Ruth ist ein durchaus bekannter Name, er soll um die Zeit herum, in der „Private Number“ entstand, der zweitbestbezahlte Spielleiter in Hollywood gewesen sein.[2] Das kam vermutlich daher, weil er bei einigen der damals sehr erfolgreichen Revuefilme Regie führte, die insgesamt ein großes Budget hatten, schon der teuren Ausstattung wegen. Wer diese Prestigeprojekte gut über die Runden und ans Publikum brachte, deren Inszenierung trotz einfacher Handlungen viel visuelles Können und Organisationstalent erforderte, der war wohl prädestiniert für hohe Saläre. Del Ruth gehörte zu den vielen Männern, die in der Stummfilmzeit, by Doing, von der Pike auf das Business erlernten.
Aber um ein Drama zu erstellen, wie es „Private Number“ hätte sein können, wenn man den Film etwas tiefer und kritischer angelegt hätte, dafür braucht es wieder andere Qualitäten, und die zeigt hier die Regie nicht – und insbesondere aus Robert Taylor konnte man schauspielerisch nur dann einigermaßen etwas herausholen, wenn man ihn exzellent führte. So bleibt er ein Schönling, der wenig Tiefgang offenbart. Da auch seine spätere Frau eher apart als tiefgründig wirkt, passt das aber ganz gut. Rathbone musste man nicht inszenieren, das schaffte er von alleine – aber auch ihn habe ich schon besser gesehen, zum Beispiel, wenn er als Bösewicht auch seine Physis zeigen durfte. Er galt in den 1930ern als bester Fechter in Hollywood und war ein adäquater Gegner unter anderem für Errol Flynn in „Captain Blood“ (1935). Ich finde, eine Mischung aus Boshaftigkeit und Verwegenheit konnte erst Rathbones ganzes Potenzial offenlegen – oder die ikonische Rolle als Sherlock Holmes, also durchaus snobby, herrlich britisch, was aufgrund seiner Herkunft authentisch wirkte und ihn grundsätzlich auch für Butlerrollen wie in „Private Number“ prädestinierte – aber auf der guten Seite stehen, mit welcher er im Jahr nach „Private Number“ zu neuen Ufern aufbrach. Seine Rolle als Erzschurke übernahm Vincent Price, der eine ähnliche Physiognomie aufweist. Das ist natürlich eine verkürzte Darstellung dessen, wofür sehr versatile Schauspieler damals standen oder stehen mussten, die oft mehr konnten als Hauptdarsteller, die vor allem gut auszusehen hatten.
Vor allem läuft der Film viel zu glatt durch, auch wenn eine Reunion-Szene, wie am Ende zu sehen, immer wieder berührend ist. Nicht so schlecht ist, wie gegen das arme Mädchen intrigiert wird, um sie loszuwerden. Daraus hätte man sozialen Stoff für eine Gesellschaftsstudie machen können, aber dann hätte der Film länger und an den richtigen Stellen besser ausgeformt sein müssen. Es sollte sich um einen A-Film gehandelt haben, für einen solchen waren aber auch damals 80 Minuten Spielzeit schon eher knapp. Wenn der Stoff, wie man ihn vorfindet, nicht mehr hergibt, muss man ihn eben beim Verfilmen eines Bühnenstücks anreichern, dafür ist das Medium Film ja dar. Aus der Staginess herauszukommen und draußen und drinnen, Schauplätze und Nebensächlichkeiten, zu einer viel prächtigeren Sache werden zu lassen als jedes noch so gute Theaterstück eine sein kann. Mein Verdacht ist, dass das zugrundeliegende Theaterstück schon nicht der Hammer war, jedenfalls ist es nicht zum Klassiker geworden. Vielmehr behandelt es etwas, was in den USA schon als sozialkritisch gelten mag, aber in Wirklichkeit die Verhältnisse zementiert, nicht infrage stellt. Denn am Ende bleibt alles in der Familie, und die ist nun einmal steinreich. Wenigstens weiß ich jetzt, wo Billy Wilder den witzigen Dialog zwischen Audrey Hepburn und Humphrey Bogart aus „Sabrina“ aufgegriffen hat, in dem sie erklärt, die unteren Klassen hätten auch ihren Stolz. Wir erinnern uns, die Tochter des Chauffeurs ist es dieses Mal, die in die Geldaristokratie einheiratet. Der Wilder-Film ist um einiges hellsichtiger und schärfer, ich zähle ihn aber wegen seiner letztlich ebenfalls zu affirmativen Haltung nicht zu seinen besten.
Finale
Natürlich enthalten wir Ihnen nicht vor, was in der englischsprachigen Wikipedia an Kritiken zitiert wurde:
Die Kritiken zum Film sind gemischt. Motion Picture Reviews sagte, dass der Film „nur unterhaltsam ist, weil er ein Vehikel für den aufstrebenden Robert Taylor und die schöne Loretta Young ist, aber er kreidet nichts auf ihre Musik an trägt nichts zu deren Reputation bei, weil er von Natur aus trashig ist. Die Motive sind verworren, die Situationen erzwungen, die Richtung nicht bemerkenswert.“ [1]
The Hollywood Reporter bezeichnete es jedoch als „eine Liebesgeschichte, die in diesem Jahr einen romantischen Höhepunkt erreicht und Loretta Young und Robert Taylor als modernes Aschenputtel und ihren Prinzen zusammenbringt… Die Kombination bedeutet Kassenerfolge in der Smash-Kategorie. Seine Anziehungskraft ist vor allem auf Frauen gerichtet, die ihm unbegrenzte Mundpropaganda verleihen, aber es ist eine süße Unterhaltung für jeden Mann mit einem Funken Romantik in seinem Make-up.“ [2]
The Motion Picture Daily schrieb schlicht und ergreifend: „Das ist typische Hollywood-Kost…„[2] und Variety nannte es „solide Unterhaltung für die Massen“. [2]
Immerhin war der Geschmack damals noch einfach, ganz unverstellt, und nach der verdammten Rezession natürlich auf Heilung, auch auf Handschlag zwischen den Klassen, ausgerichtet. Heute muss ein unfassbarer pseudophilosophischer Bombast aufgefahren werden, den die Kritiker auch bereitwillig hypen, um im Grunde komplett hohle und zudem profaschistische Filme u. a. in die IMDb-Top-250-Liste zu hieven. Alles bleibt sozusagen in der Hollywood-Familie und lässt sich gut zurückverfolgen in seiner Entstehung. Die IMDb-Bewertung dient uns dennoch immer wieder als Anhalt für den Publikumsgeschmack, und der liegt bei diesem Film aktuell bei 6,8/10. Das ist um einen Punkt zu hoch angesetzt. Ein deutscher Film dieser Qualität käme höchstens auf 6/10. Wir geben, vor allem, weil das ruchlose und an einer Stelle auch bedrohliche, dem Übergriff nahe Agieren Basil Rathbones dafür sorgt, dass man sich zwischenzeitlich echte Sorgen um das schöne Dienstmädchen macht, noch
59/100
Von der Erstverfilmung „Common Clay“ haben wir leider kein zugängliches Video gefunden. Wie oben geschrieben, ich hätte doch Lust auf einen Vergleich gehabt, denn er soll einer der zehn erfolgreichsten Filme des Jahres 1930 gewesen sein. Daher wohl auch eine baldige Neuverfilmung, die man auch in den durch den Hays Code desinfizierten Kinos der Jahre 1934 und später zeigen konnte.
2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2023)
| Regie | Roy Del Ruth |
|---|---|
| Drehbuch | Cleves Kinkead (Theaterstück) William M. Conselman Gene Markey |
| Produzenten | Raymond Griffith Darryl F. Zanuck |
| Besetzung (wichtigste Rollen) | Loretta Young , Robert Taylor , Basil Rathbone , Patsy Kelly , Joe E. Lewis |
[1] Private Number (Film von 1936) – Wikipedia
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

