Filmfest 1389 Cinema
Der Garten des Bösen (Originaltitel: Garden of Evil) ist ein US-amerikanischer Western des Regisseurs Henry Hathaway aus dem Jahr 1954 mit Gary Cooper, Susan Hayward und Richard Widmark in den Hauptrollen.
Unser Western des Jahres 1954 mit Gary Cooper in der Hauptrolle war bisher „Vera Cruz“, ein früher Film von Robert Aldrich. Daran hat sich nach „Der Garten des Bösen“ nichts geändert. Regisseur Henry Hathaway hat hier drei hervorragende Kräfte, neben Cooper Richard Widmark und natürlich Susan Hayward, eine der besten Hollywood-Schauspielerinnen bis heute. Aber er kann mit diesem Potenzial erstaunlich wenig anfangen, das beobachten wir bei ihm in „Der Garten des Bösen“ nicht das erste Mal. Wenn man bedenkt, dass er jahrzehntelang mit A-Stars und respektablen Budgets drehen konnte, ist eine einzige Oscar-Nominierung im Fach beste Regie auch etwas dürftig.
Handlung (1)
In dem kleinen mexikanischen Fischerdorf Puerto Miguel tauchen drei Glücksritter auf. Wegen der Reparatur des Bootes, mit dem sie gekommen waren, sind sie gezwungen, mehrere Wochen in dem Ort zu verbleiben. Sie verbindet die Gier nach Reichtum und die Sucht nach Gold. Hooker ist ein schweigsamer Mann, dem die Pfeife nie ausgeht, Fiske macht den Eindruck eines heruntergekommenen Kartenspielers und Daly ist ein großmäuliger Angeber, der gern mit seiner Pistole spielt.
In der Wirtschaft des Ortes machen die drei die Bekanntschaft von Leah Fuller, die die Männer um Hilfe bittet. Ihr Mann ist in einem Stollen einer Goldmine verschüttet worden. Für die Befreiung ihres Mannes bietet sie jedem, der mitkommt, tausend Dollar. Die Mexikaner in der Wirtschaft schweigen, die drei Freunde fragen Leah, warum anscheinend keiner bereit ist, für das Geld mitzukommen. So erfahren sie, dass die ganze Gegend von Indianern beherrscht wird. Schließlich sagen die drei Männer für den doppelten Betrag zu, ebenso einer der Mexikaner.
Sie beschaffen sich Pferde und reiten unter der Führung von Leah in die unbekannte Landschaft, die einem Urwald gleicht. Der Mexikaner markiert von Zeit zu Zeit den Weg, indem er immer wieder Zeichen in Bäume ritzt. In der Nacht versucht Leah, die Zeichen wieder unkenntlich zu machen. Dabei wird sie von Hooker beobachtet. Leah befürchtet, dass die Männer mehr wollen als nur das Geld. (…)
Rezension
Für einen Film von 1954, als man Drama, Figurenzeichnung und Action so gut im Griff hatte, dass man sie locker unter einen Hut bringen konnte, wirkt „Der Garten des Bösen“ seltsam hohl und langatmig, obwohl er nur 100 Minuten Spielzeit aufweist. Das Breitwandformat Cinemascope, das erst im Jahr zuvor eingeführt wurde, nutzt der Film gut und profitiert davon, dass er an dem Ort gedreht wurde, in Mexiko, an dem er tatsächlich spielt. Eine Parallele zu „Vera Cruz“, den Cooper direkt im Anschluss mit Burt Lancaster als Co-Star abfilmte, aber eine der wenigen. „Vera Cruz“ ist voller verhaltener Aktion und psychologisch intendierter, steigender Spannung, während in „Der Garten des Bösen“ auf der Reise zur Mine so gut wie nichts und als man dort ankommt, ist der Patient ungehalten und außerdem hat man den Eindruck, was die vier Männer schaffen, hätte seine Frau vielleicht auch gekonnt, nämlich ihn ans Licht bringen.
Der lange Weg zur Goldmine hätte spannender werden können, wenn man das Verhältnis der Männer untereinander mehr zeigend und weniger erklärend angelegthätte, dafür die Spannungen um die Frau besser ausdefiniert hätte. Ein kleiner Überfall der Apachen hätte sicher auch mehr Thrill erzeugt. Die werden jedoch erst tätig, nachdem man den Kranken aus der Mine geholt hat und wollen dann in aller Ruhe die Expeditionsteilnehmer einzeln töten, weil sie eben Spaß am Töten haben und grundsätzlich grausam sind. Solche Menschen gibt es, aber so richtig glaubwürdig wirkt es trotzdem nicht. Und am Gold aus der Mine sind die Apachen überhaupt nicht interessiert, dabei läge es doch sehr nahe, wenn sie die Mine besetzen und ausbeuten würden, denn aurum non olet, wie der Volksmund sagt. Vielleicht ist der Wert, den die Weißen dem gelben Metall zumessen, aber auch ein spezieller Ausdruck ihrer Gier, denn gemessen am Gebrauchswert gibt es viele Stoffe, die mehr Geld einbringen müssten. Wie bei so vielem spielt die Marktfantasie eine wichtige Rolle, wenn es um Gold geht, und ab einer gewissen Größenordnung natürlich auch die Machtfantasie.
Von der Wikipedia-Handlungsbeschreibung darf man sich nicht täuschen lassen. Gary Cooper raucht nur einmal Pfeife, wobei ihn dies aber offensichtlich durchaus charakterisieren soll, denn geraucht haben damals – als der Film gedreht wurde, er spielt ja einige Jahrzehnte früher – fast alle, aber der Pfeifentabakfreund ist der ruhige Vertreter. Und Fiske wirkt nicht abgetakelt, höchstens ein bisschen abgebrannt, warum, das erfahren wir aber nicht genau.
Die Motive, warum die Männer die 2000 Dollar für den gefährlichen Job annehmen: Das war damals viel Geld und reich sind sie wohl alle nicht. Außerdem hat der eine oder andere von ihnen vielleicht doch schon die Frau im Kopf, als er zusagt. Zwei der Männer werden von der Regie in Situationen hineingezwungen, in denen sie sich bei ebenjener Frau eine Abfuhr holen. Nicht die Tatsache ist das Problem, sondern die recht plumpe Darstellungsweise. Hooker hingegen steht von Beginn an als Gewinner fest. Das ist eben so, wenn Gary Cooper irgendwo mitmacht. Deswegen war auch „Vera Cruz“ so spannend – hier ging es wirklich in erster Linie um Geld und es wäre möglich gewesen, dass sowohl die Figur, die er gespielt hat als auch die von Burt Lancaster am Ende beide etwas gewinnen oder beide leer ausgehen. Der Star-Status von Cooper ließ das nur in Ansätzen zu, aber seit „High Noon“ wissen wir, dass man auch in den Mokassins von Cooper nicht alles haben muss, schon gar nicht den Stern. „Der Garten des Bösen“ aber ist zu durchsichtig gemacht, sogar in der Form, dass es uns nicht eine Sekunde lang überrascht hat, dass der Mann von Leah zu Tode kommt, denn wie sonst hätten sie und Hooker am Ende zueinanderfinden können? Sicher nicht, indem die Frau den Nörgler verlassen hätte, wir sind im Jahr 1954 und der gesamte Film wirkt konservativ. Der vorherige Satz ist etwas überspitzt formuliert, aber „Der Garten des Bösen“ ist eben ziemlich wenig überraschend, hat einen Standard-Plot, der die fähigen Darsteller ein wenig unterfordert.
Hat er wenigstens eine Aussage, eine tiefere Philosophie, die man nicht auf den ersten Blick bemerkt? Die Darstellerung der „Indianer“ ist auf die übliche Weise höchst einseitig, sie dienen nur in toto als rote Gefahr, kein einziger von ihnen gewinnt Individualität. Der interessanteste Charakter ist sicher Leah, die sich nicht in die Karten schauen lässt, auch nicht vom Kartenspieler Fiske, während Hooker abwartet, weil er schon ahnt, dass seine Zeit noch kommen wird und sie daher nicht zu einer Erklärung zwingt. Ist sie nur am Gold interessiert oder will sie wirklich ihren Mann retten? Das sind ja schon wichtige Fragen, aber sie stellt sich als good Girl heraus, auch das war recht vorhersehbar, denn das Negative, was insbesondere der junge Heißsporn Luke in ihr sieht, ist wohl seiner schwierigen Kindheit zu verdanken. Keine der Figuren erhält einen Hintergrund, aber es muss bei ihm wohl so sein. Wir finden es bei solchen Filmen gar nicht so notwendig, dass alle Charaktere über ihre Vergangenheit erzählen, aber man kann etwas mehr davon in ihren Handlungen ausdrücken, ohne dabei rot zu werden. Und dann hin und wieder ein kleiner Hinweis – und gut.
Da die Filmmusik von Bernard Herrmann stammt, der ab dem Folgejahr und bis 1964 alle Hitchcock-Filme mit Scores versah, haben wir natürlich besonders hingehört. Erst in den Szenen, in denen die Apachen die Verfolgung der Gruppe aufnehmen, kommt etwas von Rhythmik und dem klar orchestrierten, für damalige Verhältnisse sehr modernen Thrill von Herrmann durch. Nur aufgrund dieser Stellen hätten wir nicht herausgehört, dass die Musik von ihm stammt.
Finale
Am meisten hat uns beim Nachschauen überrascht, dass „Der Garten des Bösen“ und „Vera Cruz“ bei der Bewertung der IMDb-Nutzer nur wenig auseinanderliegen (6,7/10 gegenüber 7,1/10). Den Unterschied sehen wir als wesentlich bedeutender an, zumal „Vera Cruz“ trotz seiner klaren Moral und seiner zuweilen leicht zynischen Art, die für Regisseur Robert Aldrich wohl damals schon typisch war, sehr viel Spaß bringt, was man von „Der Garten des Bösen“ nicht sagen kann. Aber wir haben eben auch keine tiefere Symbolik in diesem Namen der Gegend und wie die „Indianer“ ihn ihr gegeben haben, erkannt. Eine Goldmine muss aufgegeben werden, das war wohl damals schon genug Desaster und die Frau stellt fest, dass sie an der Seite des richtigen Mannes sehr gut ohne den Mammon in Gelb auskommen kann. Na bitte, da lässt sich doch politisch noch ein bisschen was herausholen.
62/100
(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia
2025 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2019)
| Regie | Henry Hathaway |
|---|---|
| Drehbuch | Frank Fenton |
| Produktion | Charles Brackett |
| Musik | Bernard Herrmann |
| Kamera | Milton R. Krasner Jorge Stahl Jr. |
| Schnitt | James B. Clark |
| Besetzung | |
|
|
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

