Briefing Geopolitik, Israel, Palästina, Trump-Friedensplan
Als wir von einer echten, substanziellen Idee für einen Frieden im Nahen Osten erfuhren, war das eine sehr emotionale Angelegenheit. Wir sehnen uns so sehr nach Frieden dort, und er würde die Welt ein Stück weit zu einem besseren Ort machen und hätte sicherlich positive Auswirkungen auf weitere internationale Konflikte.
Umso mehr ist eine nüchterne Analyse das Gebot der Stunde. Diese Analyse ergibt Chancen, aber auch viele Risiken und Unwägbarkeiten, und damit steigen wir ein.
Hier ist eine möglichst aktuelle und fundierte Analyse von Donald Trumps Gaza-Friedensplan (auch: „New Gaza“ / „20-Punkte-Plan“) auf Basis der bislang verfügbaren Informationen. Einige Details sind noch unsicher oder umstritten. Ich gehe Punkt für Punkt auf deine Fragen ein.
1.) Wie viele Punkte und was steht drin (alle Punkte)?
Anzahl und Quelle
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Die meisten seriösen Quellen berichten, dass es sich um einen 20-Punkte-Plan handelt. Arab News PK+3Reuters+3The Guardian+3
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Es gibt vereinzelt Berichte über „21 Punkte“, oft in inoffiziellen Zusammenfassungen oder Interviews, wo zusätzliche Bedingungen oder Formulierungen aufgeführt werden, die nicht in der ursprünglichen offiziellen Version bestätigt sind. The Economic Times+1
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Bislang wurde keine offizielle Veröffentlichung gefunden, die einen 21-Punkte-Text eindeutig in der ursprünglichen Version bestätigt. Daher ist der Plan derzeit mit 20 Punkten am sichersten.
Die wesentlichen Punkte (Auswahl und Struktur)
Ich kann hier nicht alle 20 Punkte vollständig und wortgetreu auflisten, aber ich kann die zentralen Punkte und Themenbereiche zusammenfassen, wie sie in zuverlässigen Quellen stehen:
| Nr. / Themenbereich | Inhalt |
|---|---|
| 1 | Gaza als “deradikalisierte”, terrorfreie Zone — keine Bedrohung für Israel. Arab News PK+2AP News+2 |
| 2 | Wiederaufbau / Entwicklung von Gaza – für die Menschen dort, Infrastruktur, Strom, Wasser, Krankenhäuser etc. Arab News PK+2AP News+2 |
| 3 | Sofortiger Waffenstillstand bzw. Beendigung der Kampfhandlungen, wenn beide Seiten zustimmen. Israel soll Truppen zurückziehen bis zu einer vereinbarten Linie, dann Beginn Freilassung Gefangener/Geiseln. AP News+2Reuters+2 |
| 4 | Freilassung aller Geiseln (lebendig oder tot) innerhalb von 72 Stunden nach der öffentlichen Annahme durch Israel. Reuters+2AP News+2 |
| 5 | Gegenseitige Gefangenenaustausch-Komponente: z. B. Israel gibt im Gegenzug hunderte palästinensische Gefangene frei (u.a. 250 mit lebenslanger Haft + ~1.700 Gaza‐Festnahmen seit dem 7. Oktober 2023) und auch Leichname Verstorbener. Reuters+2Arab News PK+2 |
| 6 | Amnestie für Hamas-Mitglieder, die Waffen niederlegen und friedlich koexistieren wollen; Möglichkeit des Exils für jene, die das Gebiet verlassen wollen. Reuters+2Arab News PK+2 |
| 7 | Ungehinderte humanitäre Hilfe sofort nach Annahme, auch für Infrastruktur etc., ohne Unterbrechung. Arab News PK+2AP News+2 |
| 8 | Durch UN und neutrale Institutionen soll Hilfe verteilt werden (z. B. ohne Einmischung militärischer Stellen), Rehabilitation von Krankenhäusern, Brot‐Backstuben, Wasser, etc. Arab News PK+1 |
| 9 | Zerstörung bzw. dauerhaftes Deaktivieren aller militärischen / terroristischen / offensiven Infrastrukturen — Tunnel, Waffenfabriken etc. Demilitarisierung unter unabhängiger Überwachung. Arab News PK+2AP News+2 |
| 10 | Internationale Überwachungs- / Sicherungskräfte (z. B. eine Stabilisierungstruppe „International Stabilization Force” [ISF]), Aufbau oder Unterstützung einer geprüften palästinensischen Polizei, etc. Reuters+2AP News+2 |
| 11 | Regierungs- und Verwaltungsstruktur: Gaza soll nicht von Hamas regiert werden, stattdessen eine Übergangsverwaltungsstruktur (technokratisch), beaufsichtigt von einem internationalen Board („Board of Peace“) unter Trump bzw. mit globalen Partnern (z. B. Tony Blair etc.). Reuters+2AP News+2 |
| 12 | Kein Zwang zur Vertreibung / kein dauerhafter Ausschluss der Bevölkerung – zumindest in den offiziellen Darlegungen, dass keine erzwungene Vertreibung stattfinden soll. BILD+1 |
| 13 | Zugang zu Wiederaufbauhilfen, Infrastruktur, Wirtschaftszonen etc., langfristige wirtschaftliche Entwicklung. Es wird vorgeschlagen, dass internationale und regionale Partner bei Wiederaufbau und Finanzierung mitwirken. Reuters+1 |
| 14 | Grenzen bzw. Linien der Rückzugs/Abzugsschritte von israelischen Streitkräften sollen vereinbart werden; ein schrittweiser Abzug, nicht sofort überall. Reuters+1 |
| 15 | Verpflichtung regionaler Partner zur Garantie, dass Hamas/Faktionen sich an Abmachungen halten; also Überwachung/Garantien auf Seiten der Nachbarländer oder regional Beteiligten. Arab News PK+1 |
| … | Weitere Punkte befassen sich mit: Bedingungen für palästinensische Gouvernmental Reformen, Dialog zwischen Glaubensgemeinschaften, langfristiger Pfad zu palästinensischer Selbstbestimmung unter bestimmten Voraussetzungen, Einschränkungen für Hamas in der Zukunft etc. AP News+1 |
2.) Hat Israel bzw. haben dort alle maßgeblichen Politiker den Plan wirklich akzeptiert? Oder nur Netanjahu, und hat er Widerstände zu erwarten?
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Netanjahu hat öffentlich erklärt, dass er den Plan unterstützt, wenn auch mit erheblichen Vorbehalten. Le Monde.fr+2Reuters+2
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Vorbehalte: Er lehnt etwa die Gründung eines palästinensischen Staates im Rahmen dieses Plans ab – das sei „eine Belohnung für Terrorismus“ und gefährde die Sicherheit Israels. Le Monde.fr
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Außerdem möchte er, dass Israel in vielen Gebieten weiterhin militärisch präsent bleibt oder zumindest Kontrolle über sicherheitsrelevante Zonen behält. The Guardian+1
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Innenpolitisch: Netanjahus Koalition enthält starke rechts- und ultrarechte Parteien, die bereits Protest abgegeben haben. Minister wie Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir haben Kritik geübt und warnten vor Zugeständnissen. Financial Times+1
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Es ist nicht klar, ob alle relevanten Minister und Entscheidungsträger dem Plan in der Form zustimmen – insbesondere die mit Sicherheitsverantwortung oder Mitgliedern der harten Rechten. Einige Abgeordnete oder Minister könnten dem Plan zustimmen unter der Bedingung vieler Einschränkungen oder Interpretationsspielräume.
Daher: Ja, Netanjahu hat die Unterstützung erklärt, aber nicht in einer Weise, die signalisiert, dass er uneingeschränkt oder ohne weitere Bedingungen akzeptiert. Es gibt erhebliche Streitpunkte und Risiken in seiner Regierung.
3.) Hat die Hamas schon reagiert?
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Formell: Hamas hat erklärt, dass sie den Plan prüfen wird, vor allem nachdem er öffentlich gemacht wurde. Sie haben betont, dass sie den Plan noch nicht schriftlich erhalten hätten (oder zumindest ein vollständiges offizielles Dokument). A News+2AP News+2
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Stellungnahmen: Es gibt Skepsis und deutliche Kritik. Einige Hamas-Vertreter bezeichnen Teile des Plans als unausgewogen, als zu sehr zugunsten Israels oder als Affront gegenüber palästinensischen Rechten. Reuters+1
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Auch Abgeordnete und Regierungskomponenten haben erklärt, Gerüchte oder Vorschläge zu prüfen, aber nicht verbindlich zuzustimmen. Es gibt keinerlei sichtbaren Hinweis darauf, dass Hamas den gesamten Plan akzeptiert hat.
4.) Bewertung in Sachen Gerechtigkeit für alle Seiten
Hier sind meine Einschätzungen, was aus Gerechtigkeitsperspektive funktioniert gut, was problematisch sein könnte:
Positive Aspekte
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Der Plan enthält humanitäre Komponenten, z. B. schnelles Ende der Kampfhandlungen bei Annahme, Hilfe für Wiederaufbau, Versorgung, Infrastruktur. Das adressiert unmittelbares Leid der palästinensischen Bevölkerung.
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Gefangenenaustausch/Geiselnahmen werden behandelt, was für Israel ein zentrales Anliegen ist.
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Die Idee einer Übergangsverwaltung und internationaler Überwachung kann potenziell dazu beitragen, Vertrauen aufzubauen, wenn sie glaubwürdig ist.
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Das Angebot von Amnestie für entwaffnete Hamas-Mitglieder, und die Möglichkeit des Exils, könnten für jene, die sich distanzieren wollen, eine Perspektive bieten.
Problematische Aspekte („Ungerechtigkeiten“ oder Risiken)
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Der Plan setzt eine einseitige Bedingung, dass Hamas ihre Waffen niederlegt und aus der Regierung ausgeschlossen wird, bevor viele andere Maßnahmen greifen – das bedeutet, dass Israel weniger Zugeständnisse machen muss, was Machtungleichgewichte verstärken könnte.
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Teile des Plans deuten auf mögliche Vertreibung oder zumindest erzwungene Verlagerung hin („safe passage“, Exil) – das kann die Rechte der Bewohner von Gaza verletzen, insbesondere wenn nicht freiwillig oder unter Druck. Selbst wenn man „kein Zwang“ betont, könnten ziemlich harte Bedingungen entstehen.
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Die Überwachung und Kontrolle durch internationale Kräfte oder durch Israel (z. B. Sicherheitskontrolle, teilweise Präsenz) kann als Einschränkung der Souveränität angesehen werden – das betrifft palästinensische Selbstbestimmung.
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Die Vision eines palästinensischen Staates wird nur vage erwähnt, und unter Bedingungen („mindset changes“, Reformen, etc.). Das bedeutet, dass die palästinensische Seite auch in längerfristiger Hinsicht viele Unsicherheiten hat.
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Auch die Unklarheit über wie und wann Israel sich zurückzieht oder Kontrolle abgibt ist bedeutsam – Versprechen zu Rückzug sind oft in solchen Plänen problematisch, wenn sie nicht vertraglich abgesichert oder überwacht sind.
Gefühlt liegt der Schwerpunkt stärker auf israelischer Sicherheit, Abrüstung von Hamas, Kontrolle und Bedingungen, während palästinensische Forderungen nach Souveränität, Gerechtigkeit und gleichberechtigtem Status eher zurückgestellt werden.
5.) Internationale Reaktionen
Ich liste einige der bekannten Reaktionen:
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Regionale Staaten (z. B. Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten, UAE, Katar etc.) – gemischte bis vorsichtige Zustimmung. Viele äußern, dass sie den Vorschlag ernsthaft prüfen oder zumindest begrüßen, dass es einen Plan gibt, den Krieg zu beenden. Aber es gibt auch starke Kritik, insbesondere was Fragen von Vertreibung, Kontrolle, Rechte der Palästinenser und Staatsgründung angeht. Reuters+2AP News+2
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Palästinensische Seite außerhalb Hamas (z. B. Palästinensische Autonomiebehörde) – zeigt sich eher offener, unter Bedingungen. Reformforderungen werden unterstützt, Beteiligung an Verwaltung, aber unter Wahrung der Rechte. AP News+1
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Israelische Opposition und Teilen der Bevölkerung / Familien von Geiseln – Druck, das Leiden zu beenden; einige begrüßen den Plan, andere warnen vor Zugeständnissen, die die Sicherheit gefährden könnten. Financial Times+1
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Internationale Akteure – UN, EU, westliche Länder äußern sich prinzipiell positiv zu allen Vorstößen, die Frieden und Humanität fördern. Aber viele betonen, dass ein Plan gerecht sein muss, die Rechte der Palästinenser anerkannt werden müssen, und dass Bedingungen nicht zu einseitig sein dürfen. Es gibt auch Warnungen gegen erzwungene Vertreibungen oder Verletzung des Völkerrechts. AP News+2BILD+2
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Kritiker / harte Rechte sowohl in Israel als auch international – sehen in dem Plan Zugeständnisse, die Israel seine Sicherheitsinteressen kosten; fühlen sich unter Druck gesetzt; warnen vor Gefahr, dass Hamas nicht wirklich entmachtet wird oder dass Israel zu viel Kontrolle abgibt. Financial Times+1
6.) Chancen der Umsetzung
Hier sind die Faktoren, die die Umsetzung ermöglichen könnten – und die, die dagegen sprechen.
Faktoren, die für Umsetzung sprechen
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Der enorme humanitäre Druck: Die Lage in Gaza, die Zahl der Opfer, die Zerstörung – viele Staaten und Organisationen sowie die Öffentlichkeit fordern eine Lösung. Das schafft Druck auf alle Seiten.
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Die Unterstützung (oder zumindest teils Akzeptanz) von Israel zu haben, insbesondere durch Netanjahu, ist entscheidend.
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Internationale und regionale Interesse an Stabilität, sowohl wegen Flüchtlingsströmen, Sicherheit an Grenzen, wirtschaftlichen Folgen etc.
Faktoren, die gegen Umsetzung sprechen
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Widerstand der Hamas: Wenn Hamas Bedingungen ablehnt, vor allem Entwaffnung, Ausschluss aus Regierung, Kontrolle fremder Kräfte in Gaza, oder Forderungen der Rückkehr oder Souveränität. Solche Forderungen sind zentral für Hamas’ Ideologie und Basis.
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Politischer Widerstand in Israel: Netanjahu muss seine Koalition zusammenhalten. Die harten Rechten könnten aussteigen, wenn sie das Gefühl haben, der Plan opfere zuviel Sicherheit oder gebe zu viel Kontrolle nach außen.
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Praktische und logistische Probleme: Rückführung von Geiseln, Entfernung von Trümmern, Wiederaufbau in großem Maßstab, Sicherstellung, dass Hilfe ungehindert verteilt wird, Verifikation und Kontrolle der Abrüstung, Sicherung der Grenzen, etc.
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Vertrauen: Beide Seiten müssen Vertrauen haben, dass die jeweils andere Seite die Bedingungen einhält. Historisch ist das schwierig.
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Überwachung / Garantien: Wer überwacht die Einhaltung? Wie wird gehandelt, wenn Bedingungen gebrochen werden? Welche Rolle sollen internationale Partner übernehmen? Ohne starke Mechanismen bleiben viele Zusagen theoretisch.
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Zeitdruck und Eskalationsgefahr: Wenn einzelne Teile nicht erfüllt werden, könnte der Konflikt wieder eskalieren.
Insgesamt: Geringe bis moderate Chancen – der Plan könnte in Teilen umgesetzt werden, vor allem wenn Kompromisse gefunden werden; aber dass er vollständig und dauerhaft so umgesetzt wird, wie er vorgestellt ist, halte ich für unwahrscheinlich, solange zentrale Unstimmigkeiten (z. B. über Machtteilung, Souveränität, Rechte, Vertreibung) nicht gelöst sind.
7.) Wäre ein Friedensnobelpreis gerechtfertigt, wenn der Plan tatsächlich dauerhaften Frieden brächte?
Man kann Prinzipien heranziehen, wie der Friedensnobelpreis vergeben wird, und wie dieser Plan im Licht dieser Kriterien stünde:
Argumente dafür:
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Wenn der Plan tatsächlich zu einem dauerhaften Frieden führt – also Beendigung der Gewalt, Rückkehr der Geiseln, eine gerechte Lösung, die Rechte beider Seiten wahrt, und eine stabile Verwaltung ohne neue Eskalationen – dann wäre das ein durchaus gewichtiger Frieden, der große menschliche Kosten beendet hätte.
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Der Nobelpreis wird oft für Visionen und konkrete Schritte ausgezeichnet, die den Weg zu Frieden ebnen, nicht nur für schon vollständig erreichte Endzustände. Ein erfolgreicher, nachhaltiger Plan in einem der schwierigsten Konflikte der Welt hätte das Potenzial, als herausragende Leistung angesehen zu werden.
Argumente dagegen:
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Der Plan müsste mehr sein als ein Konsenspapier; er müsste umgesetzt werden – und zwar in der Praxis, mit spürbarer Verbesserung für Menschen vor Ort, mit Einhaltung internationaler Normen, mit Schutz von Minderheiten und Menschenrechten etc.
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Wenn Teile des Plans weiterhin kontrovers bleiben, wenn z. B. Vertreibungen stattfinden oder Rechte untergraben werden, könnte das den moralischen Anspruch schmälern.
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Auch die Frage, ob der Plan tatsächlich eine faire Teilhabe aller involviert – nicht nur Spitzenpolitiker, sondern Bevölkerung, Opfer, Gefangene, Displaced Persons etc. – ist entscheidend.
Wenn all diese Bedingungen erfüllt würden, dann ja, es wäre gerechtfertigt, über einen Friedensnobelpreis nachzudenken.
Fazit
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Es handelt sich um einen 20-Punkte-Plan, nicht verlässlich um 21 Punkte.
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Israel (Netanjahu) hat zugestimmt, allerdings mit bedeutenden Vorbehalten; nicht alle Regierungsmitglieder sind einbezogen oder einverstanden.
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Hamas hat noch nicht zugestimmt, prüft, reagiert skeptisch.
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In puncto Gerechtigkeit enthält der Plan gute Elemente, aber auch bedeutende Risiken und Machtasymmetrien.
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Internationale Reaktionen sind gemischt: von vorsichtigem Optimismus über Abwehr, Skepsis, bis offene Kritik.
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Umsetzungschancen sind begrenzt, stark abhängig von Verhandlungen, Vertrauen und konkreter Ausgestaltung.
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Ein Nobelpreis käme nur in Frage, wenn der Plan wirklich funktioniert, dauerhaft Frieden bringt und gerecht gegenüber allen Seiten ist.
Kommentar
Wenn man so kurzsichtig ist, den Nahostkonflikt mit dem 7. Oktober 2023 beginnen zu lassen, könnte man auf die Idee kommen, zu sagen: Dafür dass die Hamas diesen Terrorakt verübt hat, kommen die Palästinenser, denen unterstellt wird, dass sie die Hamas mehrheitlich unterstützen, doch ganz gut weg. Die Geschichte ist aber viel älter, beginnt sogar vor der Staatsgründung Israels 1948. Wenn man alles, was seit dem Beginn der jüdischen Einwanderung nach Palästina passiert ist, und was außerhalb Gazas derzeit passiert, zum Beispiel im Westjordanland, einbezieht, dann ist dieser Plan nicht gerecht. Und selbst dieser Plan, den wir nicht für gerecht halten, steht unter Beschuss seitens der Rechten in Israel, die schlicht einfach alles wollen, ohne jeden Kompromiss, ob legal oder illegal, ob sachlich nachvollziehbar oder lediglich der extremen Ausformung einer expansionistischen Ideologie geschuldet.
Wir sehnen uns nach Frieden, aber wir trauen dem nicht, was hier verhandelt wird. Und selbst dann, wenn wir sagen würden, damit endlich Frieden ist, wird dieser einseitige Plan eben durchgeführt: Wer überwacht die Durchführung, wie sicher ist, dass niemand Foul spielt und weiter an der Expansion Israels schraubt? Warum sollten wir den Akteuren dort vertrauen, die täglich einfach Fakten schaffen, ohne jede rechtliche Grundlage, einfach, weil sie es können?
Warum sollten es alle Beteiligten tun, denn auf beiden Seiten gibt es Radikale, die vermutlich auch dann keine Ruhe geben würden, wenn dieser Plan erst einmal Realität werden sollte. Natürlich ist es ganz wichtig, dass endlich die humanitäre Situation der Palästinenser verbessert wird und dass die israelischen Geiseln zurückgegeben werden, ob tot oder lebendig. Die geschehene Gewalt auf beiden Seiten lässt sich ohnehin nicht mehr rückgängig machen, aber man könnte die Spirale beenden. Das wäre schon viel wert.
Die andere Seite ist: Bisher hat niemand einen besseren und detaillierteren Friedensplan vorgelegt als nun Donald Trump. Und er ist der einzige Politiker auf der Welt, der tatsächlich Einfluss auf die Politik in Israel hat, auch wenn wir den Einfluss in der umgekehrten Richtung für größer halten. Da gibt es aber noch etwas wie Gegenseitigeit, gegenseitige Abhängikeit, und damit auch einen Druck, Lösungen zu finden. Die USA brauchen ihre Kräfte für den Endkampf der Systeme, für sie ist der Nahostkonflikt lästig, auch wenn sie auf der Seite Israels stehen und dadurch immer wieder gefordert sind.
Wenn mit dem Trump-Plan von allen Seiten vernünftig umgegangen wird, kann er zumindest eine Basis für weitere Verhandlungen sein. Allerdings müsste er mehr als Roadmap angelegt werden: Waffenstillstand darf nicht das Ergebnis der Umsetzung sein, sonderm müsste die Voraussetzung bilden für die Verhandlung und Justierung der übrigen Punkte. Und, doch, genau dies: Am Ende muss eine Aussicht auf ein Staat für die Palsätinenser stehen, der mit starken internationalen Garantien und auch mit Friedenstruppen vor Ort davor berwahrt wird, von rechten isrealischen Politikern immer weiter zerstückelt zu werden, weil er keine Macht hat, dies zu verhindern. Die Vorgänge im Westjordanland sollten allen klarmachen, dass es ohne einen international unterstützten palästinensischen Staat nicht geht. Ein solcher würde aber auch bedeuten, dass die Siedlerbewegung aufgelöst wird, die sich unrechtmäßig ein Stück Land nach dem anderen aneignet.
Wir können uns bei dem Rechtsdrall in der israelischen Politik kaum vorstellen, wie das möglich sein sollte.
Ob man den Trump-Plan so ausentwickeln oder Teile herauslösen könnte, dass er immerhin einen Waffenstillstand bringt und humanitäre Hilfe und alles andere auf später vertagt wird, können wir gegenwärtig nicht einschätzen. Aber eine Gesamtlösung, die nicht darauf hinausläuft, dass die Vertreibungen der Palästinenser weitergehen, halten wir derzeit für beinahe utopisch. Es gab im Laufe der letzten Jahrzehnte viel günstigere Momente als den jetzigen, um eine dauerhafte Friedenslösung zu erreichen, aber es wurde nichts daraus. Damals war Israel noch nicht so politisch rechtsgewendet, die USA noch weniger rüde regiert, die Hamas noch nicht so blutbefleckt oder noch gar nicht gegründet, die einstige PLO aber schon ein anderkannter Gesprächspartner. Und doch hat es nie funktioniert, einen dauerhaften Frieden zu organisieren.
Deswegen wäre jetzt schon viel gewonnen, wenn man wenigstens die humanitäre Lage der Menschen im Gazastreifen verbessern könnte. Wenn der Trump-Plan dazu führen könnte, hätte Trump erstmals außenpolitisch etwas für alle meßbares Positives bewirkt. Für den Friedensnobelpreis würde es nach unserer Ansicht nicht reichen, denn sich diesen noch einmal mit Lösungsversuchen im Nahostkonflikt zu verdienen, ist erst dann angemessen, wenn die Palästinenser einen Staat erhalten, in dem sie sicher und frei leben können. Wer ihnen diesen Staat beschaffen kann, der in friedlicher Koexistenz mit einem friedlichen Israel lebt, der ist ein Meister des Friedens und im erweiterten Kontext unserer Zeit ein Gerechter unter den Völkern.
TH / Analyse mit Hilfe von KI anhand 7 den Text gliedernder Fragen
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