Das Jahr 2025 beim Wahlberliner – und ein Hinweis, der uns am Herzen liegt

In eigener Sache 2025

Das Jahr 2025 war für den Wahlberliner ein gutes Jahr. Unsere Zugriffszahlen haben sich gegenüber 2024 mehr als verdoppelt. Der Monat November 2025 war der beste Monat in der Geschichte dieser kleinen Publikation, die am 27. Juni 2018 ihre Arbeit aufnahm.

Vom März 2011 bis Ende 2016 gab es den „ersten Wahlberliner“, der eine etwas andere Ausrichtung hatte, weniger Beiträge zeigte, trotzdem von Beginn an gut lief – auch, weil Blogging damals noch etwas relativ Neues war. Wenn es so hingegen so weitergelaufen wäre wie 2024, hätten wir vermutlich den Betrieb eingestellt. Auch 2025 liegt unter den Jahren seit 2018 nur auf Rang drei und hinter den Werten des „ersten Wahlberliners“ zurück. Es ist eben alles relativ, und die Aufmerksamkeitsökonomie hat sich verändert.  

Außerdem gibt es Wichtigeres. Wir waren im Archiv. Dort, wo unzählige Dokumente, gescannt oder fotografiert, immer noch darauf warten, Namen zu bekommen, die sich leicht finden lassen und eine Zuordnung in eine nachvollziehbare Systematik. Es konnte nicht ausbleiben, dass wir dabei diese Stücke aus dem eigenen Leben anschauen. Das Ergebnis ist eine große Nachdenklichkeit, die sich wie ein Schatten über den Start ins Jahr 2026 legt. Aber es hilft nichts, diese Befassung ist notwendig, wenn man nicht nur Dinge in der Welt, sondern auch im eigenen Leben und das eigene Leben realistisch einordnen will. Wir werden sehen, ob wir noch einmal Konsequenzen ziehen können, die sich aus dieser Lektüre heraus anbieten.

Aber das ist es auch nicht, das Wichtige, auch wenn es bei dieser Beschäftigung zutage getreten ist. Wir haben uns Fotos angeschaut, die wir im Februar 2025 beim Besuch der Unicef-Ausstellung „Photo of the Year“ (2024) im Willy-Brandt-Haus gemacht haben. Jeden Tag müssten wir eines dieser Fotos im Wahlberliner ausstellen. Diese Idee kam uns zwangsläufig während des Besuchs. Sie ist immer noch nicht realisiert und das wird auch so bleiben. Es hat rechtliche Gründe, dass wir diese preisgekrönten Aufnahmen, die Kinderleid auf aller Welt dokumentieren, nicht einfach weiterleiten dürfen, auch nicht für den besten denkbaren Zweck: nämlich, uns und andere an dieses Leid immer wieder zu erinnern.

Wir nennen nicht die Länder, in denen die Dokumente entstanden sind, keine Namen. Sie sind im Zusammenhang mit den Fotos von Bedeutung. Es sind Fotos dabei, die man nicht so schnell vergisst. Sie werden eingeschrieben in unser individuelles Gedächtnis eingeschrieben, wenn wir es zulassen. Was sie zeigen, wird menschliche Tragödie, ist bereits verankert im kollektiven Gedächtnis einer ungerechten Welt, ob wir es wollen, ob wir es wahrnehmen oder nicht. 

Uns mahnen sie, den Wahlberliner weiterhin auf Kurs für Demokratie und Menschenrechte zu halten. Es ist nie genug und es ersetzt kein Engagement vor Ort, aber wir schauen nicht weg. Wir haben uns auch das Datum der kommenden Ausstellung „Photo of the Year 2025“ notiert: 30. Januar 2026 bis 26. April 2026, wieder im Willy-Brandt-Haus. Dieses Jahr standen weniger die akuten Krisen im Vordergrund als Benachteiligung von Kindern und Verbrechen an der Zukunft von Kindern in Gesellschaften, in denen sie nicht geschützt sind, wie die Auswahl der preisgekrönten Fotos zeigt. Wir werden die Ausstellung wieder besuchen.

Wir wünschen Ihnen ein gutes Jahr 2026!

TH


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