UPDATE 2: Neues Jahr, neue Petition für Böllerverbote (Abstimmung + Petition + Kurzkommentar)

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Wir schreiben ein weiteres Update zum Thema Böllerverbot nach einem ausführlicheren Beitrag dazu, was die Menschen generell an Silvester unternehmen, der Petition und der Umfrage zum Böllerverbot. Dieses Mal geht es um eine neue Petition, und wir sind der Ansicht, man kann sich gar nicht klar und oft genug zu diesem Thema äußern. Und immer wieder nachsetzen, auch und gerade nach der jüngsten Silvesternacht, daher heute eine neue Petition, die bereits wenige Stunden nach ihrer Veröffentlichung von 150.000 Menschen unterzeichnet wurde. Außerdem verlinken wir einen typischen Silvesterbericht und – wir äußern uns zu unseren persönlichen Eindrücken, auch ein wenig über Silvester hinaus.

Petition:

Es reicht: Böllerverbot möglich machen

Jedes Jahr werden Menschen an Silvester durch Böller verstümmelt oder sogar getötet. Für Tiere bedeutet die Nacht Angst pur. Immer mehr Länder und Kommunen fordern deshalb regionale Böllerverbote. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) könnte dies mit einer einfachen Gesetzesänderung ermöglichen. Wir haben einen Appell gestartet – lass uns den Silvester-Albtraum zusammen beenden!

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Inhaltswarnung: Der folgende Text enthält Beschreibungen von ernsthaften Verletzungen.

Hallo Thomas,

„Ich hab’ noch vor Augen, wie ich auf dem Boden liege“, erzählt der 19-Jährige Lucas, „und mir die Kugel versuche aus dem Auge zu kratzen“. Er hat an Silvester die Sehkraft auf dem linken Auge verloren – durch eine Leuchtkugel.[1] Jedes Jahr verletzen Feuerwerkskörper Menschen, versetzen Tiere in Panik und sprengen die Feinstaubwerte.[2] Auch dieses Silvester war für viele wieder eine Horror-Nacht.[3]

Die gute Nachricht: Wir sind einem Böllerverbot so nah wie nie. Vor allem in der Union sperren sich viele weiter gegen eine bundesweite Regelung.[4,5,6] Aber immer mehr Länder und Kommunen fordern, eigenständig über ein Verbot entscheiden zu können.[7] Das könnte eine Welle auslösen: Führen erste Städte böllerfreie Silvester ein, werden andere folgen. Dafür braucht es die Zustimmung von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er hat sich nun erstmals offen für die Idee gezeigt.[8] Doch bislang ist nichts passiert.

Die Erinnerungen an Silvester sind noch frisch – das ist unsere Chance. In den letzten Jahren geriet das Thema stets in Vergessenheit, sobald sich die Feinstaubschwaden verzogen hatten. Je mehr Menschen unseren Appell unterzeichnen, desto schwerer wird es für Dobrindt, weiter untätig zu bleiben. Thomas, mach mit und lass uns die gefährliche Knallerei endlich beenden.

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Vermüllte Straßen, Rettungskräfte am Limit und traumatisierte Tiere – Silvester eskaliert jedes Jahr aufs Neue. Davon profitiert vor allem die Feuerwerksbranche, sie erzielt immer neue Rekordumsätze.[9] Das muss so nicht bleiben: In Frankreich ist privates Feuerwerk vielerorts auch zum Jahreswechsel verboten.[10] Die Niederlande haben ab diesem Jahr ein allgemeines Böllerverbot erlassen.[11] In Deutschland tut sich jedoch nichts.

Dabei befürwortet eine klare Mehrheit der Bevölkerung ein Verbot.[12] Seit Jahren gibt es immer wieder Proteste gegen die private Böllerei – doch sie verhallen. Jetzt bewegt sich etwas: Die SPD-geführten Bundesländer wollen das Sprengstoffrecht ändern. Eine einfache Öffnungsklausel soll es Ländern und Kommunen erlauben, privates Feuerwerk für eine Stadt oder ein Bundesland zu untersagen.

Bei inoffiziellen Gesprächen auf der Innenministerkonferenz im November hat sich Dobrindt überraschend offen gezeigt für eine solche Öffnungsklausel.[8] Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) unterstützt die Forderung sogar öffentlich.[13] Unter dem Eindruck der letzten Silvesternacht wollen wir Dobrindt nun den entscheidenden Schubser geben. Gemeinsam können wir Menschen und Tiere schützen und Böller endlich verbieten.

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Herzliche Grüße
Nicolas Morgenroth, Campaigner

PS: Lucas musste mehr als zwölf Mal operiert werden, seit Feuerwerk sein linkes Auge verbrannte. Dennoch – das alles habe ihn stärker gemacht, sagt er heute.[1] Doch Lucas wird für immer gezeichnet bleiben. Mit einem Böllerverbot können wir solche Unfälle verhindern. Sei dabei.

Unterzeichne jetzt für Böllerverbote
[1] „Silvester-Albtraum: Lucas (19) von Feuerwerk getroffen“, TRU DOKU, Funk Online, 27. Dezember 2023
[2] „Von Verletzungen bis Feinstaub. Welche Folgen hat das Böllern wirklich?“, Tagesschau Online, 30. Dezember 2024
[3] „Tote und Verletzte bei Unfällen und Krawallen“, Tagesschau Online, 1. Januar 2026
[4] „Söder lehnt ein Böllerverbot an Silvester ab“, Süddeutsche Zeitung Online, 1. Januar 2024
[5] „Grüne fordern drastisches Böllerverbot – CDU dagegen“, T-Online, 10. Dezember 2025
[6] „Zwei Millionen Menschen fordern Böllerverbot“, MDR Online, 7. Januar 2025
[7] „Länder bei Böllerverbot uneins“, Tagesspiegel Online, 13. Juni 2025
[8] „Feuerwerksverbot an Silvester“, Tagesspiegel Online, 5. Dezember 2025
[9] „Wie viel geben die Deutschen für Feuerwerk aus?“, Statista Online, 5. Dezember 2025
[10] „In diesen Ländern ist das private Feuerwerk bereits untersagt“, RND Online, 3. Januar 2025
[11] „Was das Böller-Aus in Holland für die Grenzregion bedeutet“, Westfälische Nachrichten Online, 2. Juli 2025
[12] „Knallen und Böllern verbieten? Die Mehrheit der Deutschen ist dafür“, Stern Online, 8. Juli 2025
[13] „Innenminister räumen Böllerverboten mehr Spielräume ein“, ZDF Heute Online, 5. Dezember 2025

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Kommentar

Wir schreiben den Kommentar zur Abwechslung wieder in Form eines „Zirkel-Interview“, das mach den Beitrag – sic! – abwechslungsreicher für diejenigen, die uns privat nach unseren Eindrücken aus der Silvesternacht gefragt haben: Wie es denn so war, im Böller-Hotspot Berlin, die unsere grundsätzliche Ansicht aber kennen und meistens teilen.

Wie war’s denn so, im Böller-Hotspot Berlin, in der Nacht vom 31.12.2025 auf den 01.01.2026?

Ich möchte zunächst auf eine Auffälligkeit in der neuesten Petition hinweisen. Es heißt jetzt „Böllververbote“, nicht mehr „Böllerverbot“. Die Tendenz geht hin zur Möglichkeit, regional angepasste Regelungen zu erlassen, ein bundesweites generelles Böllerverbot scheint vorerst nicht möglich zu sein. Schade, aber wir nehmen, was wir kriegen können, und von da aus geht es weiter.

Haben wir nicht schon etwas gekriegt?

In der Tat ist eine Böllerverbotszone dieses Jahr erstmalig über meinen Wohnort hinaus ausgedehnt worden. Hat mich ein wenig daran erinnert, wie wir einst Milieuschutzgebiet wurden, da ging es auch schrittweise und Straße für Straße voran. Aber es ging voran.

Also war jetzt alles gut?

Keineswegs. Natürlich haben wir auch an die vielen Betroffenen außerhalb solcher Schutzzonen gedacht und wie sie noch mehr abkriegen als sonst, weil sich das Böllern natürlich verlagert. Böller-Tourismus, würde ich das nennen wollen.

Also sind alle, die böllern wollten, in andere Kieze ausgerückt?

Nein, eben nicht. In einem Nachbarhaus haben ein paar Typen sich gedacht „jetzt gerade!“ und von 22 Uhr bis 1 Uhr fast die ganze Zeit durchgeböllert und Raketen abgeschossen. Das bekommt man mehr mit, wenn es ansonsten ruhiger ist, und man ärgert sich natürlich auch mehr.

Was sind „ein paar Typen“? Gibt es eine Milieuzuordnung?

Das Haus gehört zu jenen, die in den letzten Jahren aufwendig saniert wurden, alle, die dort wohnen, sind vor noch nicht allzu langer Zeit eingezogen. Eine Hipster-Blase, wie sie im Buche steht.

Also nicht das, was man vermutet hätte?

Wieso nicht? Selbstverliebt, arrogant, rücksichtslos, Regeln gelten nur für andere. Das ist außerdem keine Erscheinung in einem bestimmten Milieu, das ist ein gesellschaftliches Gesamtphänomen. Es muss also immer der Einzelfall betrachtet werden.

Aber unzweifelhaft gibt es doch Hotspots in Berlin.

Es gibt Sammelpunkte, es gibt Massenpsychologie, es wirkt in Neukölln-Nord, den Bezirk darf man ruhig nennen, durch die Massierung von Übertritten und große Gruppen, deren Mitglieder einander befeuern, eine objektiv gefährlichere Lage als in den meisten Gegenden. Aber es gibt überall Idioten und Ignoranten. Schon im letzten Jahr ist mir bei einem Spaziergang an einem der hochwertigsten Plätze von Berlin aufgefallen, wie Väter, bei denen man das, wenn man auf Milieu-Klischees abhebt, nicht vermuten würde, ihren kleinen Kindern schon vor Mitternacht das Böllern beibrachten. Und vor zwei Jahren war ich noch mit dem Fahrrad unterwegs, da ist sogar auf mich aus dem Hinterhalt mit Böllern geschossen worden, auch in einem Viertel, das nicht zu den Hotspots zählt, und überall wurde das Feuerwerk gerne auch mal auf den Radwegen entzündet.

Es ist so schade, dass man dieser verrohten Gesellschaft nur noch mit Verboten beikommen kann. Langfristig müssen wir uns etwas Besseres einfallen lassen, sofern es nicht schon zu spät ist, aber erst einmal hilft nur großflächige Restriktion, zumindest in Berlin. Auch sehr unangenehm, aber natürlich ein Effekt der Verbotszone: Von jenseits bereits lange vor Mitternacht ein unglaubliches Brausen, geradezu apokalyptisch. Das kriegt man in der Form nicht so mit, diese Lärmwand, wenn Böllerei in der Nähe es überlagert. Immer, wenn im Nachbarhaus mal kurz Pause war, konnte an diesem Inferno, das sich hinter der Verbotszonengrenze abspielte, lauschen.

Ein generelles Verbot würde doch gegen Verhaltensweisen wie die Übertretung desselben im Nachbarhaus nicht helfen, hier gab es ja ein Verbot.

Doch. Ich erkläre es gerne. Hätte ganz Berlin, vielleicht bis auf ein paar Areale, die eigens zum Böllern freigegeben werden, ein Verbot gehabt, hätten wir wegen dieses Typs von Nachbarn die Polizei gerufen. Da aber die Verbotszonen immer noch die Ausnahme sind, ließen wir’s, weil klar war, dass die Polizei keine Kapazität haben würde, ein einzelnes Haus voller Arschlöcher in einer neu eingerichteten bzw. erweiterten in der Theorie böllerfreien Gebiet zu befrieden.

Gestern und heute Morgen war es trotzdem schön.

Es gab nicht dieses nachträgliche Knallen, das sonst noch tagelang geht, ebenso wie das Vorausböllern, das früher schon Anfang Dezember begann. Da flogen die Böller auch durch unseren Hof und ich bekam jedes Mal fast einen Herzstillstand, wenn es direkt vor dem Fenster dieses Arbeitszimmers knallte, weil – man rechnet einfach nicht damit, man ist nicht ständig vorbereitet, wenn man z. B. hier am Computer sitzt, obwohl es immer wieder passiert, umso mehr, je näher der 31.12. rückt.

Gab es noch etwas Schönes oder eine Verbesserung?

So wenig Müll auf den Straßen und Gehsteigen, im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Man hat richtig sehen können, wo Einzelne dachten, ist doch mir egal, kontrolliert eh niemand. Aber es sah nicht mehr flächendeckend wie in einem Bürgerkrieg aus. Ich schätze, es waren 80 Prozent weniger Dreck als bisher zu sehen. Das ist schon eine ganze große Menge an Verbesserung, und das schätze ich auch nicht gering. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass wir in diesem Land richtig abstinken, auch im wörtlichen Sinne, dort, wo es kein Böllerverbot gibt. Die Verbotszonen brauchen auch die übrige Stadt, um wirksam sein zu können, das war in mehrerer Hinsicht gestern festzustellen, und wir gönnen einfach auch anderen Menschen und ihren Tieren mehr Ruhe, mehr Sicherheit und weniger Abfall.

Ist das alles wirklich ein Zeichen für gesellschaftlichen Niedergang?

Um den Jahreswechsel herum sind in Berlin schon drei Kältebusse angezündet worden, deren Besatzungen als Helfer für Obdachlose unterwegs sind. Erneut steht ein Kältebus in Berlin in Flammen: Mann festgenommen. Ich meine, wer macht so etwas? Was sagt es über die Gesellschaft aus – auch wenn es hier von einigen Medien wieder eine (vorschnelle) Zuschreibung gibt, die das übliche Spiel der rechten Presse spielt, nämlich, dass die Ärmsten eh selbst schuld an ihrer Lage sind.

Die vielen Übergriffe auf Obdachlose bis hin zu Anzündungen werden jedenfalls von anderen Gruppen ausgeführt.

Das ist nur ein aktuelles Beispiel für ein Land, in dem ganze viele Menschen zeigen, dass ihre Vorfahren nicht umsonst mal die Nazis gewählt haben, die Menschen in Öfen verbrannten oder im Gas umbrachten, und sie zeigen, die Gemeinheit ihrer Vorgenerationen ist nach wie vor in ihnen verankert. Und jetzt laufen sie welchen Politikern nach? Nun ja. Ich will niemanden markieren, der vielleicht so wählt und doch den Anstand hat, für ein Böllerverbot zu sein.

Heute geht es nur um dies, doch über den Tag hinaus muss man es in einen größeren Kontext stellen, wenn erfahrene Rettungskräfte mit anderen Worten sagen, die Menschen werden immer hemmungsloser. Das Verhalten in der Silvesternacht ist nur ein Symptom für etwas, das generell aus dem Ruder läuft, von ganz oben bis – sagen wir mal, unterhalb der Mitte. Ich möchte hier aber nicht weiter ausführen, was ich meine, wer uns häufig liest, wird es sich denken können. Wir möchten etwas erreichen, und dafür braucht es eine breite Basis der Einsicht in der Bevölkerung.

Die Petition hat in der kurzen Zeit während der Abfassung dieses Artikels über 100.000 Unterschriften bekommen.

Das ist gut. Und mit dieser erfreulichen Meldung schließen wir für heute.

TH

31.12.2025

Kann man direkt über unseren Jahresrückblick noch einmal ein Thema wie das Böllerverbot setzen? Ja, man kann. Und man muss, wenn man konsequent bleiben will. Just am 31. Dezember, also nach Auffassung der Meinungsforscher gewiss zum besten Zeitpunkt, hat Civey eine Umfrage dazu gestartet:  

Wie sollte mit Feuerwerk und Böllern an Silvester umgegangen werden?

Der Civey-Begleittext dazu:

Trotz anhaltender Verbotsdebatten wächst der Markt für privates Feuerwerk weiter. Zum Verkaufsstart am Montag meldeten große Hersteller wie Weco ein rund zehn Prozent größeres Sortiment als im Vorjahr, auch Comet verzeichnet eine gestiegene Nachfrage. Geböllert werden darf in Deutschland am 31. Dezember und 1. Januar – vielerorts jedoch auch mit Einschränkungen. In einigen Gemeinden ist das Zünden von Pyrotechnik nur zwischen 18 und 6 Uhr erlaubt. Bundesweit verboten bleibt das Abbrennen in der Nähe von Kirchen, Kliniken, Altenheimen, Reet- oder Fachwerkhäusern sowie an Orten mit größeren Menschenansammlungen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert ein Verbot privater Feuerwerke. Gegenüber dem RND appellierte er jüngst an Bund und Ländern, endlich zu handeln. Die „ungeregelte Knallerei“ sorge jedes Jahr für volle Notaufnahmen, verursache schwere Verletzungen – oft auch bei Unbeteiligten – und belaste Mensch, Tier und Umwelt massiv. Organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen seien dagegen akzeptabel, so Reinhardt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gemeinsam mit knapp 60 Organisationen – darunter die Gewerkschaft der Polizei – eine Petition gestartet, die ein bundesweites Böllerverbot fordert. Die DUH verweist auf Todesfälle, Angriffe auf Einsatzkräfte, tausende Tonnen Böller-Müll und Panik bei Tieren. Bis Montag hatten über 800.000 Menschen unterzeichnet. 

Dagegen mahnen andere zur Besonnenheit. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich in der Funke Mediengruppe gegen ein pauschales Verbot aus: „Man muss auch nicht immer alles verbieten“, so Schnieder. Zwar sei er persönlich kein Freund des Böllerns, doch Silvester sei auch ein Ausdruck gewachsener Tradition. Ähnlich äußerte sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in der Neue Rhein Zeitung. Er plädierte für „mehr Flexibilität und Differenzierung“ statt pauschaler Verbote und schlägt vor, Kommunen selbst entscheiden zu lassen, wo Feuerwerk erlaubt sein soll. Zugleich zeigte sich Reul zuversichtlich, dass Polizei und Einsatzkräfte in diesem Jahr gut vorbereitet seien.

Kommentar
Auch der neue SPD-Spitzenkandidat für die kommende Berliner Abgeordnetenhauswahl, Steffan Krach, hat sich ähnlich wie Herr Reul geäußert und eine kommunal differenzierte Handhabe empfohlen. Dies ergänzen wir, damit nicht nur CDU-Politiker erwähnt werden, welche den Kriegszsutand in den Städten in der Nacht vom 31.12. auf den 01.01. immer noch als Tradition beschönigen. Gewachsen sind in Wirklichkeit nur Rücksichtslosigkeit und Gefahr.

Wir bleiben bei unserer Forderung nach einem bundesweiten Verbot der privaten Böllerei. Es darf nicht davon abhängen, wo Menschen wohnen, ob sie geschützt werden oder nicht. Vielmehr müsste eine Erlaubnis der Ausnahmetatbestand sein, dessen Einrichtung zu begründen ist, sofern ein bundesweites Anti-Böller-Gesetz endlich kommt, nicht die Regel.

Und was sagen die Menschen, die bei Civey (wie wir) schon abgestimmt haben? Es gibt eine absolute Mehrheit für ein absolutes Böllerverbot, weitere knapp 28 Prozent sprechen sich aktuell für ein differenziertes Verbot oder eine differenzierte Erlaubnis aus, nur 21 Prozent haben es noch nicht verstanden. Das sind diejenigen, die Befürworter eines Verbots trotz aller Argumente, die für ein solches sprechen, als dämlich bezeichnen usw. und unbedingt meinen, diese Haltung, verbunden mit hinreichend Protzgehabe, sogar in sozialen Netzwerken ausstellen zu müssen. Diese Ignoranten gibt es bei jeder gesellschaftlichen Frage. Eine Gesellschaft, die endlich wieder einen kleinen Schritt in Richtung mehr Zivilisierung machen will, darf aber nicht vom Verhalten dieses Typus dominiert werden.

Uns ist klar, dass das Böllerthema mittlerweile ein Teil des Kulturkampfs ist und dass wir eine kämpferische Position einnehmen. Für uns war es aber vor Jahren, als wir anfingen, uns dafür einzusetzen, nur das, was es ist, nämlich der Wunsch nach der Verbesserung der Lebensumstände vieler Menschen, inklusive unserer eigenen, denn damals gab es, wo wir wohnen, noch keine Böllerverbotszone. Dass unser Wohnort dieses Jahr erstmals von ihrer Ausdehnung umfasst sind, macht uns Mut. Wir wissen jedoch, dass Rückschritte auf anderen gesellschaftlichen Gebieten nicht durch ein Böllerverbot kompensiert werden können. Für sich genommen, ist es eine Notwendigkeit, die endlich von der Politik durch eine entsprechende Normierung anerkannt werden muss. 

Sie müssen nicht klicken, den Ausgangsartikel zur Petition für ein Böllerverbot von vorgestern haben wir unten angehängt. Und bevor wir es vergessen. Die Petition ist gegenüber der Umfrage sicher mit einem deutlicheren Ausrufezeichen versehen, aber geben Sie bitte Ihre Meinung noch einmal ab, auch, wenn sie gegen ein Verbot sind. Es gibt keine bessere Möglichkeit, am Stimmungsbild mitzuwirken:

Wie sollte mit Feuerwerk und Böllern an Silvester umgegangen werden?

TH

29.12.2025

Liebe Leser:innen, das Jahr geht zu Ende und jetzt wird es wirklich ernst. Seit Jahren engagieren wir uns für ein Böllerverbot, und heute möchten wir (auch nicht zum ersten Mal) darum bitten, dass Sie eine Petition unterzeichnen. Wir haben das gerade getan. Unterhalb der Petition kommentieren wir noch einmal.

***

Bundesweites Böllerverbot, JETZT!

Hallo Thomas,

Silvester ist für viele Einsatzkräfte kein Fest, sondern ein Ausnahmezustand. Jedes Jahr werden unsere Kolleg*innen von Polizei, Feuerwehr und den Rettungsdiensten gezielt beschossen. Böller, Raketen und Batterien werden als Waffen gegen sie eingesetzt!

Die Feuerwerkskörper von heute sind gefährlicher als noch vor 10, 20 Jahren. Dazu kommen selbst gebaute Sprengsätze und Kugelbomben!

An einem bundesweiten Böllerverbot führt deshalb kein Weg mehr vorbei! Die Eskalation der letzten Jahre sprengt jeden Rahmen. Das sinnlose Böllern hat mit Tradition nichts mehr zu tun und muss endlich aufhören!

✍️ Jetzt unterschreiben!

Unsere Antwort ist klar: Wir fordern ein umfassendes Böllerverbot im Privatbereich, so wie es das in vielen Ländern bereits gibt. Dazu gehört auch ein entsprechendes Verkaufsverbot an all jene, die damit nicht beruflich zu tun haben. Statt völligem Chaos auf unseren Straßen bedarf es organisierter Veranstaltungen.

Jetzt geht es um alles! Thomas, unterschreibst auch du die größte Petition Deutschlands, damit Innenminister Alexander Dobrindt uns nicht mehr ignorieren kann? Wir planen, die Petition Anfang Januar an Dobrindt zu übergeben.

✍️ Ja, jetzt die 2,5 Mio. Unterschriften knacken!

Danke für deine Unterstützung!

Benjamin Jendro
Gewerkschaft der Polizei Berlin

***

Kommentar

Herr Jendro ist der Vorsitzende der GdP (Gewerkschaft der Polizei) in Berlin. Wir sind politisch in unterschiedlichen Lagern verortet, wir haben die Polizei hier vielfach kritisiert, vor allem für ihr Verhalten bei sozialen Protesten und den auffälligen Unterschied zum Verhalten bei rechten Aufmärschen. Aber in diesem Fall haben wir ein gemeinsames Interesse – und wir wollten bewusst eine andere Perspektive einnehmen, die uns persönlich nicht betrifft: die der Einsatzkräfte in der Nacht des Wahnsinns. Nicht nur die Einsatzkräfte der Polizei, sondern auch der Feuerwehr, die Notärzte und Krankenwagenbesatzungen. Sie alle werden in Berlin Opfer des an Silvester randalierenden Pöbels.

Außerdem ist diese Petition die größte zum Thema, die wir finden konnten, und drückt eine sehr breite Unterstützung aus (aktuell ca. 2,5 Millionen Unterschriften). Die Mehrheit im Land ist gegen diese Böllerei, das sagen Umfragen eindeutig aus.

Und es nützt etwas, solche Petitionen zu unterzeichnen, das ist vielleicht das Erfreulichste daran.

Bei uns ist es derzeit so ruhig wie noch nie, seit wir mitten in Berlin leben. Weil eine Böllerverbotszone, die vor ein paar Jahren ein paar Straßenzüge von unserem Wohnort entfernt ihren Anfang nahm, mittlerweile so ausgedehnt wurde, dass wir endlich auch geschützt sind. Die Kommunen sind schon einsichtig, sie müssen ja den riesigen Dreck beseitigen.  

Aber es braucht eine allgemeine Regelung für Deutschland, und dafür müssen wir weiter kämpfen. Mit der Polizei, mit der Zivilgesellschaft, den Einsatzkräften aller Berufszweige, den Menschen, die den Schutz der Umwelt betonen, die Haustiere haben oder gesundheitlich angeschlagen sind und diesen Lärm schlicht nicht aushalten. Neuerdings auch mit Hausbesitzern, wie der Kugelbombenfall Ecke Vorbergstraße / Hauptstraße in Schöneberg im vergangenen Jahr zeigt, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Bei diesem Thema entstehen Koalitionen, die verbindender sind als fast alles andere derzeit.

Es ist eine Koalition der Vernunft. Sie ist nicht an Milieus oder Weltanschauungen gebunden, sondern rein daran orientiert, dass hier ein gesellschaftlicher Tatbestand komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Warum das so ist? Dieses Thema können wir hier nicht diskutieren, obwohl wir dazu selbstverständlich eine Ansicht haben. Jetzt geht es um Lösungen. Um Einsichten, aus denen Regeln erwachsen müssen, um die Mehrheit zu schützen.

Hier noch einmal der Link zur Unterschrift: Jetzt unterschreiben!

Wir haben schon viele Artikel zum Thema geschrieben, zuletzt vor wenigen Tagen: Die Stadt, der Knall und der Tod. Willkommen, 2026! (Statista + Kommentar). Lesen Sie rein! Es geht in diesem Fall nicht nur ums Böllern, sondern um die gesamte Silvesterkultur in Deutschland.

TH


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