Wie entwickelt sich die Grippesaison 2025/26? (Statista + Mehrwert-Recherche + Ratgeber + Kommentar)

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Der Winter ist dieses Jahr ein wirklich hartnäckiger Geselle. Schlägt sich dies auch in der Zahl der Grippefälle nieder? Die Statista-Grafik dazu ist eindeutig:

Infografik: Wie entwickelt sich die Grippesaison 2025/2026? | Statista

Zusammenfassung des Statista-Begleittexts

Seit Ende September 2025 wurden dem RKI rund 150.000 Influenzafälle gemeldet, womit die aktuelle Saison schwerer verläuft als die beiden vorangegangenen Jahre. Dominierend ist derzeit der Subtyp A(H3N2), während A(H1N1) seltener auftritt.

Zwar markiert der Winter 2022/23 mit über 290.000 Gesamtfällen den bisherigen Höchststand der letzten Jahre, doch die aktuelle Dynamik ist beachtlich: Allein in den ersten Wochen (KW 40 bis 49) der Saison 2022 wurden 100.000 Fälle registriert. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen laborbestätigten Meldungen und der tatsächlichen Krankheitslast: Das RKI schätzt die Zahl der Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen (ARE) aktuell auf etwa 7,2 Millionen. Dies unterstreicht die enorme Dunkelziffer, da nur ein Bruchteil der Erkrankten tatsächlich PCR-getestet wird.

Zwischenkommentar

Der plötzliche Sprung von 2021-2022 zum Folgejahr lässt sich leicht erklären. Damals war es kein exorbitanter Winter, sondern das geschwächte Immunsystem vieler Menschen, die während der Pandemiezeit zu lange zu Hause bleiben mussten, was die Zahlen nach oben getrieben hat. Aber seitdem sind die Zahlen auffällig viel höher als vor der Pandemie. Woher kommt das?


Ursachenanalyse: Warum bleiben die Zahlen permanent hoch?

Dass die Fallzahlen seit der Pandemie nicht auf das alte „Normalmaß“ zurückgefallen sind, hat medizinische, infrastrukturelle und biologische Gründe:

1. Die „Immunitätsschuld“ ist kein Einmaleffekt

Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass das Immunsystem der Bevölkerung durch mangelnde Kontakte während der Pandemie „aus der Übung“ gekommen ist. Entgegen der Annahme, dies würde sich in einer einzigen heftigen Saison (2022/23) erledigen, zeigen Daten, dass die Basisimmunität der Bevölkerung länger braucht, um sich zu stabilisieren. Besonders Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren kaum Kontakt mit Influenzaviren hatten, fungieren nun über mehrere Jahre hinweg als starke Überträger.

2. Revolution der Test-Infrastruktur (Multiplex-PCR)

Dies ist ein entscheidender statistischer Faktor: Vor 2020 wurde bei einer „starken Erkältung“ selten ein Labortest gemacht. Durch die Pandemie wurden massiv Kapazitäten für Multiplex-PCR-Tests (die gleichzeitig auf COVID, Influenza und RSV testen) aufgebaut. Ärzte nutzen diese Diagnostik heute routinemäßig.

  • Folge: Fälle, die früher einfach als „grippaler Infekt“ in keiner Statistik auftauchten, werden heute als laborbestätigte Influenza aktenkundig. Die Kurve steigt also auch deshalb, weil wir genauer hinsehen.

3. Viraler Drift: Die Subklade K

In der aktuellen Saison 2025/26 treibt eine neue genetische Variante des Influenza-A-Virus, die sogenannte Subklade K, die Zahlen nach oben.

Das Virus hat sich leicht verändert (antigener Drift), wodurch die bestehende Immunität aus Vorinfektionen oder Impfungen etwas weniger effektiv greift. Das Virus „schlüpft“ leichter durch die Abwehrreihen, was zu mehr Infektionen führt, auch wenn die Schwere der Erkrankung nicht zwangsläufig zunimmt.

4. Digitalisierung des Meldewesens

Mit dem System DEMIS wurde das elektronische Meldewesen in Deutschland während der Pandemie professionalisiert. Die Übermittlung vom Labor zum RKI erfolgt heute schneller und lückenloser als im Papierzeitalter vor 2020. Ein Teil des „Sprungs“ ist somit auf eine effizientere Bürokratie zurückzuführen.

5. Veränderte Impfquoten

Aktuelle Berichte zeigen, dass die Impfbereitschaft in einigen Altersgruppen (insbesondere bei den über 60-Jährigen) leicht rückläufig ist. Eine sinkende Impfquote bei gleichzeitig hochaktiven Viren begünstigt die schnelle Ausbreitung in der Fläche. 

Wir haben natürlich immer den Mehrwert für unsere Leser:innen im Blick, daher hier der Ratgeber: Wie bei vielen Dingen im Leben gilt, es ist nie zu spät!


Infokasten: Schutz in der Hochsaison – Was Sie jetzt wissen müssen

Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Grippewelle ist in vollem Gange. Doch auch wenn der Winter schon fortgeschritten ist, gibt es gute Nachrichten und wichtige Tipps für den Selbstschutz.

  • Ist es für eine Impfung schon zu spät?

    Nein. Die Grippewelle dauert oft bis in den April oder Mai (20. KW). Da der Körper etwa 10 bis 14 Tage benötigt, um den vollen Immunschutz aufzubauen, ist eine Impfung auch im Februar oder März noch sinnvoll, um die zweite Hälfte der Welle abzufangen.

  • Warum jedes Jahr neu?

    Influenzaviren sind Verwandlungskünstler. Der Impfstoff wird jährlich an die aktuell zirkulierenden Varianten (wie die derzeit dominante Subklade K) angepasst. Zudem lässt der Immunschutz über die Monate nach.

  • Die „AHA“-Regeln bleiben Gold wert:

    Was wir in der Pandemie gelernt haben, schützt auch vor Influenza:

    • Abstand in der Öffentlichkeit soweit möglich. (Die KI schrieb hier „in vollen Bahnen“, aber wenn Sie BVG fahren, wissen Sie, warum die Bahnen so voll sind und warum da kein Abstand mehr gehalten werden kann – was tendenziell wiederum die Grippefälle steigen lässt, ein Aspekt, den wir bei unserer jüngsten Streik-BVG-Besprechung gar nicht bedacht hatten).

    • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen unterbricht die Infektionskette.

    • Alltag: Stoßlüften in Innenräumen senkt die Virenlast in der Luft massiv.

  • Wann zum Arzt?

    Ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, trockenem Husten und starken Gliederschmerzen ist typisch für die „echte“ Grippe. Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, insbesondere wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören. 

Schlusskommentar

So eine Corona-Schuld ist eben nicht leicht abzutragen. Die einzigen, die mit ihrer Schuld sehr lässig umgehen, sind wieder einmal die Politiker. Immerhin war die Analyse auch für uns selbst sehr erhellend. Zum einen, weil der frühere Schutz gegen Infektionen offenbar immer noch nicht wiederhergestellt ist, zum anderen, weil ein Effekt eingetreten ist, der – mit anderem Hintergrund, nämlich bezüglich der Aufmerksamkeit für bestimmte Straftaten, weniger bezüglich der Erfassungstechnik – auch bei der Kriminalstatistik relevant ist. Mehr Transparenz, mehr Mut, mehr Aufmerksamkeit auf der einen Seite und bezüglich der Grippe mehr Technik – und vielleicht auch eine andere Herangehensweise der Ärzt:innen.

Die Preisfrage ist jetzt, ob unser grippaler Infekt, der uns im Oktober 2025 drei Wochen lang außer Gefecht gesetzt hatte, nicht doch eine Influenza gewesen sein könnte. Unsere Ärztin sagte: nein. Was hätte die KI gesagt, wenn wir unsere Symptome exakt geschildert hätten? Auf jeden Fall müssen wir uns künftig gegen Grippe impfen lassen. Da wir aktuell so viel an unserer Organisation arbeiten, muss auch das Gesundheitliche noch einmal ein administratives Update erfahren. In Teilen ist das schon passiert.

Statista hat eine weitere Grafik herausgegeben, die belegt, dass Senior:innen in Deutschland eine geringere Anti-Grippe-Impfquote haben als in den nordeuropäischen Ländern. Klar, dass auch in dieser Hinsicht die Skandinavier wieder vorne sind. Wir werden diese Grafik als Update vorstellen, natürlich wieder mit etwas Recherche.

Kommentare: TH / Analyse: KI

 


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