Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas beschleunigen? (Umfrage + klarer Kommentar)

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Sie haben sicher von der Energiewende gehört, gelesen. Vor ein paar Jahren war es noch eine ausgemachte Sache, dass erneuerbare Energien nachhaltiger sind, als immer weiter die Erde auszuplündern und die Luft zu verpesten. Aber in diesen verrückten Zeiten gibt es keine Logik mehr, die Menschheit dreht am fossilen Rad und beschleunigt damit ihren Untergang.

Nun könnte man sagen, den Untergang hat sie sich redlich verdient, so, wie sie gestrickt ist. Was meinen Sie? Hier gibt es eine aktuelle Umfrage, die Ihnen die Möglichkeit gibt, rückständige Lobbyisten zulasten von uns allen auf den Leim zu gehen, oder mal kurz nachzudenken und es doch mit einem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit zu versuchen. Diese Einleitung war kurz, aber Sie können vor dem Abstimmen auch den Begleittext von Civey lesen und unseren Kommentar, falls Sie noch nicht wissen, was Sie uns allen antun, wenn Sie gegen die Energiewende stimmen.

Civey-Umfrage: Sollte der Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas Ihrer Meinung nach beschleunigt werden?

Civey-Begleittext

In Deutschland sind die Preise für Benzin und Diesel zuletzt massiv angestiegen und liegen mit teils über 2 Euro pro Liter deutlich über dem EU-Schnitt. Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs belastet nicht nur Haushalte, sondern könnte laut aktuellen Prognosen führender Institute auch das Wirtschaftswachstum ausbremsen. Die Bundesregierung plant bereits Maßnahmen, um extreme Preissprünge zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher einzudämmen. Aktuell vorgesehen sind bereits die Verschärfung des Kartellrechts sowie eine „Einmal-täglich-Regel“ für Preisänderungen an Tankstellen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter kritisiert diese Pläne als unzureichend und fordert einen konsequenteren Abschied von fossilen Brennstoffen. Im RBB sagte Hofreiter am Montag, die Politik müsse aufhören, das Land systematisch von Öl und Gas abhängig zu machen, da dies ein „Weg in die falsche Richtung“ sei. Auch Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte Anfang März, dass die aktuelle Krise verdeutliche, dass erneuerbare Energien Sicherheitsenergien seien, weil sie fatale Abhängigkeiten von fossilen Energien reduzieren. Er verteidigte auch das umstrittene Verbrenner Aus, da der Weltmarkt auf E-Autos setze und die Industrie Planungssicherheit benötige.

Zugleich mehren sich international Tendenzen, fossile Energieträger längerfristig zu stützen. Ein ZDF-Bericht zeigte im Dezember, dass die Bundesregierung ihr Versprechen zum Abbau klimaschädlicher Subventionen verfehlt hat und stattdessen Vergünstigungen für Diesel oder das Dienstwagenprivileg beibehält. Zudem schlug die EU-Kommission im Dezember 2025 vor, das strikte Verbrenner-Aus durch ein Anrechnungssystem aufzuweichen. Weite Teile der CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterstützen diese Lockerung. Ein starres Verbot gefährde ihnen zufolge industrielle Kernkompetenzen und Arbeitsplätze am Automobilstandort Deutschland.

Kommentar

Wir haben es befürchtet. Gegenwärtig sind knapp 46 Prozent klar dafür, die Abhängigkeiten Deutschlands beizubehalten und zu verstärken, und nur 36 Prozent verstehen, neben dem Umwelt- und Klimagedanken, dass die Förderung der Erneuerbaren auch geostrategisch unerlässlich ist – wenn wir nicht weiter von Imperien vorgeführt werden sollen. Die Energieabhängigkeit Deutschlands halten wir sogar für noch dramatischer als die militärische Abhängigkeit von den USA. Warum? Wir glauben nicht, dass Deutschland morgen überfallen werden wird, aber wir sehen heute, wie sich geopolitische Konflikte auf die Preise fossiler Rohstoffe auswirken. Und es ist nicht das erste Mal, dass das passiert. 2022 schossen die Preise wegen des Ukrainekriegs in die Höhe. Wir zahlen für die Kilowattstunde Strom immer noch mehr als 30 Cent, mehr als Privatverbraucher in jedem anderen Land auf dieser Erde.

Natürlich kostet auch der Umbau der Energiewirtschaft Geld, erfordert Investitionen. Aber wenn alles steht, hat es sich gelohnt. Die Merkel-Regierung hat dafür gesorgt, dass Deutschland seine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Energiewende verliert, die Ampel hat zu ruckig und mit falscher Kommunikation eine Wende für die Wende versucht, was immerhin ehrenwert war. Nur eben politisch nicht ankam. Und jetzt haben wir eine Gaslobbyistin als Wirtschaftsministerin und einen Kanzler, der glaubt, die Autoindustrie sei zu retten, indem man sie rückwärts orientiert.

Und dann ist da noch das Thema Atomenergie, das wieder aus der Mottenkiste geholt wird. Wissen Sie, was es kostet, die bestehenden Meiler noch einmal anzuwerfen oder gar neue zu bauen und sicher zu betreiben? Viel mehr, als weiter konsequent auf Windkraft und Solarenergie zu setzen jedenfalls. Und es ist und bleibt dreckige Energie, deren Abfälle bis heute nicht vernünftig zu entsorgen sind. Und die angesichts der globalen Konflikte immer riskanter wird. Im Iran ist erst vor zwei Tagen ein militärischer Flugkörper auf dem Gelände eines Atomkraftwerks eingeschlagen, nur 350 Meter von einem Reaktorblock entfernt. Angeblich ist nichts passiert, aber trotzdem zieht die Betreiberfirma ihr Personal ab und stoppt den Bau zweier weiterer Meiler. Jederzeit kann es geschehen, dass ein Reaktorblock getroffen wird. Das ist die Wahrheit, und alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer.

Deutschland ist auch kein Land wie Indien oder China, wo die Volkswirtschaften so schnell wachsen, dass auch schlechte Energie weiter ausgebaut wird, weil der Energiehunger anders nicht zu stillen ist. Hierzulande könnte man die ökonomische Flaute nutzen, um in aller Ruhe das Land wieder auf Zukunftskurs zu bringen. Nichts drängt, die Energieversorgung ist bei uns nur eine Frage des Managements, nicht eines rasant steigenden Bedarfs.

Lassen Sie sich um Himmels Willen nicht von Lobbyisten einseifen, die Ihnen etwas anderes vorgaukeln. Oder von deren Hofjournalisten, die etwas von Dunkelflaute und dergleichen faseln. Gab es nicht und wird es nicht geben, wenn man konsequent an den Erneuerbaren arbeitet und natürlich auch die Speichertechnologie weiterentwickelt.

Es gibt zu viele Leute in unserer Politik, die persönliche Gründe dafür haben, dreckige Energie zu promoten. Plus ein paar dumme Ideologen, die so laut nach billigem Gas aus Russland schreien, dass jedem Menschen, der bei Sinnen ist, der Schädel brummt. Aber die gefährlicheren Personen sind diejenigen, die mit den Konzernen verbunden sind, welche diese Energie verkaufen – direkt oder indirekt. Diese Leute haben nicht die Zukunft, nicht uns als Bevölkerung, sondern nur ihre eigenen Interessen im Blick. Nennen Sie uns irgendeine Person, die öffentlich als Verfechter:in der alten Energien auftritt, und wir werden für Sie recherchieren, warum diese eine Politik verkauft, von der sie genau weiß, dass sie falsch ist und kommende Generationen belastet.

Wenn die Energiewende seit den 2000ern geradeaus gelaufen und nicht immer wieder politischen Schwankungen unterworfen gewesen wäre, hätten wir für Privatverbraucher längst viel günstigere Energiepreise. Weder der Ukrainekrieg noch die jetzige Lage in Sachen Iran hätten die Auswirkungen, die sie nun einmal haben. Der Spritpreis würde natürlich auch steigen, wenn die Energiewende durchgezogen worden wäre, aber es wären weniger Autos betroffen und man wäre nicht so von den Preisen für fossile Energie auf den Weltmärkten abhängig, die Kraftwerke betreffend. Die Resilienz des Landes gegen alle möglichen geopolitischen Einwirkungen wäre viel stärker. Das Thema der leeren Gasspeicher, das ein typischer Aufreger ist, bei dem uns nie erklärt wird, dass es dieses Thema nur gibt, weil die Energiewende verzockt wurde, gäbe es nicht. Und die Benzinpreise künstlich zu deckeln, wäre auch nicht so relevant, wie es im Moment scheint.

Deswegen haben wir uns klar auf die Seite der 35 Prozent Vernunftbegabten gestellt, die für eine schnellere Abkehr von fossilen Brennstoffen und Energieträgern sind. Machen Sie mit, ändern Sie die Mehrheitsverhältnisse. Denken Sie an morgen und übermorgen!

TH


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