Briefing, 250 Jahre USA, 250 Years of the United States of America, Independence, Unabhängigkeit, Freedom, Freiheit, the pursuit of happiness, kollektive Skepsis und individueller Optimismus, Zukunftsglaube, kognitive Dissonanz, Vollendung, Unmöglichkeit, Chancengleichheit
Ausgerechnet Donald Trump ist Präsident, wenn die USA ihr bisher wichtigstes Jubiläum feiern: den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Wirken sich die aktuellen Zustände in den USA, die auf immer stärkere Einschnitte in die Freiheit hindeuten, auf den Glauben der Amerikaner an den American Dream aus? Dazu hat Statista eine Grafik erstellt, die etwas zeigt, was man bei vielen Umfragen nicht nur in den USA wahrnehmen kann.
Infografik: Wie stark ist der Glaube an den American Dream? | Statista

Begleittext von Statista
Der Glaube an den eigenen Aufstieg bleibt in den USA erstaunlich robust: 69 Prozent der Befragten sind überzeugt, den American Dream selbst erreichen zu können. Gleichzeitig zweifelt jedoch eine Mehrheit daran, dass diese Chance allen offensteht. Nur 46 Prozent stimmen der Aussage zu, dass jeder im Land die Möglichkeit dazu hat, während 54 Prozent widersprechen. Das verdeutlicht die Infografik auf Basis von Gallup-Daten für das Jahr 2026.
Diese Diskrepanz zeigt sich auch in der grundsätzlichen Bewertung des American Dream. 58 Prozent halten ihn für unvollendet, lediglich 16 Prozent sehen ihn als verwirklicht, während 26 Prozent ihn sogar als gescheitert betrachten. Individueller Optimismus steht damit einer deutlich skeptischeren Einschätzung der gesellschaftlichen Realität gegenüber.
Der American Dream beschreibt die Vorstellung, dass jeder Mensch in den USA durch harte Arbeit, Eigeninitiative und Talent sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg erreichen kann – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Er gilt seit Jahrzehnten als zentrales Leitbild der US-Gesellschaft und prägt sowohl politische Debatten als auch individuelle Lebensentwürfe.
Die Ergebnisse der gezeigten Umfrage deuten auf ein Spannungsfeld zwischen persönlichem Ehrgeiz und wahrgenommenen strukturellen Hürden hin. Wachsende Ungleichheit oder eingeschränkte Aufstiegschancen könnten dazu beitragen, dass viele zwar an sich selbst glauben, aber weniger an die Fairness des Systems. Diese Entwicklung könnte langfristig das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen beeinflussen.
Kommentar und Recherche
Dieses Mal haben wir zuerst kommentiert und auf der Basis des bisher Geschriebenen im Anschluss noch ein wenig Recherche betrieben. Es ist interessant, was dadurch an Zusatzinformationen und Mehrwert für Sie als unsere Leser zustandekam.
In den USA ist die 250-Jahr-Feier der Unabhängigkeit seit Tagen das dominierende Thema in der Presse, und die Publikationen, in die wir Einsicht haben, ziehen überschlägig eine bittere Bilanz – und das hat mit der aktuellen Regierung der Vereinigten Staaten zu tun. Die heimische Presse nimmt mehr als wir die innenpolitische Seite des Trumpismus wahr. Doch die Menschen bleiben typisch amerikanisch optimistisch, das sagt die Grafik aus. Solange es sie selbst betrifft. Nicht, wenn es um die allgemeine Entwicklung geht.
Die oben beschriebene Diskrepanz nennt man auch kognitive Dissonanz. In Deutschland geben bei Umfragen regelmäßig viel mehr Menschen an, die allgemeine wirtschaftliche Lage ist schlecht, als dass die eigene wirtschaftliche Lage schlecht ist. Man rechnet sich also zu, dass man irgendwie Glück gehabt hat oder etwas richtig gemacht hat, es aber im Land insgesamt nicht zum Besten steht. Ähnlich ist es in den USA mit dem American Dream. Hier ist der Zusammenhang noch direkter: Was sagt es aus, dass fast 70 Prozent glauben, sie könnten für sich selbst den American Dream verwirklichen, aber nicht einmal die Hälfte glaubt, dass das für alle gilt und nur 18 Prozent sagen, er ist bereits (im Allgemeinen) verwirklicht.
In Wahrheit passt das gut zusammen und spiegelt die Mentalität der Amerikaner: Wer in einem der vielen Billigjobs feststeckt, sieht sich nicht als in der Klemme, sondern im Wartestand auf die große Chance. Dies bedeutet auch, dass es schwieriger ist, Amerikaner gegen soziale Ungerechtigkeit zu mobilisieren als Europäer, denn wer glaubt, er selbst könne den Traum aus eigener Kraft verwirklichen, obwohl er merkt, dass das für die Mehrheit nicht mehr gilt, lebt oft genau dort: in einer Traumwelt, die den Zusammenschluss verhindert, welcher die Realität positiv verändern könnte. Der American Dream lebt nicht seit Jahrzehnten, wie oben beschrieben, sondern ist ein Gründungsmythos der USA, der außerdem durch gute Zeiten genährt wurde, in denen es, wie in Europa, einen enormen Zuwachs an Wohlstand für die Mehrheit gab. Das war nicht zufällig genau in jener Zeit, als das Steuersystem die Möglichkeit der Reichen, auf Kosten der Mehrheit immer schneller immer mehr Kapital zu akkumulieren, noch vernünftig beschränkte. Wir haben uns noch ein wenig auf die Suche nach dem Amerikanischen Traum gemacht.
Aktuelle Umfragedaten zum American Dream
Gallup findet im Juni 2026: 78 Prozent der Befragten stimmen zu, dass es wichtig ist, nach dem American Dream zu streben, und 69 Prozent glauben, dass sie selbst ihn erreichen werden. Zugleich meint aber nur eine Minderheit von 46 Prozent, dass „jeder“ im Land die Chance dazu hat; dieser Wert ist gegenüber früheren Erhebungen gesunken.[1][2]
In der Bewertung des American Dream als gesellschaftliches Projekt sehen 58 Prozent ihn als „unvollendet“, 16 Prozent als verwirklicht und 26 Prozent als gescheitert, also nahe an den von Statista referierten Zahlen. Andere Befragungen – etwa von Lord Ashcroft Polls – kommen auf ähnliche Muster: Nur etwa ein Fünftel sagt, die USA hätten ihre Ideale von Freiheit und Chancen für alle erfüllt, während rund zwei Fünftel von „signifikantem Fortschritt, aber noch Arbeit“ sprechen.[3][1]
Individueller Optimismus vs. Systemzweifel
Die Grundstruktur der Ergebnisse gleicht der von Ihnen angesprochenen kognitiven Dissonanz: Die meisten glauben weiter an ihre eigene Aufstiegschance, zweifeln aber daran, dass das System fair oder intakt ist. In der Gallup-Studie ist der Anteil, der an die Fairness des Systems glaubt, seit 2024 gesunken, während persönliche Zuversicht relativ stabil bleibt.[2][1]
Ähnlich wie in deutschen Umfragen zur wirtschaftlichen Lage fällt die Bewertung des „großen Ganzen“ deutlich pessimistischer aus als die eigene Situation. Ashcroft findet etwa, dass 64 Prozent der US-Amerikaner optimistisch bezüglich ihrer persönlichen Zukunft sind, aber weniger als die Hälfte dies für die USA insgesamt sagt.[2][3]
Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass der Glaube an den American Dream stark von Herkunft, Alter und politischer Orientierung abhängt. In den Gallup-Daten und Medienberichten dazu zeigt sich: Menschen mit Migrationshintergrund glauben überdurchschnittlich stark daran, dass harte Arbeit sich lohnt und sie es besser haben werden als ihre Eltern.[4][3][2]
In einem Bericht, der Gallup-Daten popularisiert, heißt es etwa: 77 Prozent der im Ausland geborenen Befragten glauben, dass sich harte Arbeit auszahlt, gegenüber 66 Prozent der in den USA Geborenen; ähnlich hoch ist ihr Vertrauen, ein besseres Leben als ihre Eltern zu erreichen. Lord Ashcroft Polls findet, dass Afroamerikaner zwar kritischer gegenüber den erfüllten Gründungsidealen sind, aber bei der persönlichen Zukunft etwas optimistischer auftreten als weiße oder hispanische Befragte.[4][3]
Politische und kulturelle Bruchlinien
Der American Dream ist auch entlang der Parteigrenzen umstritten, wobei es interessante Gemeinsamkeiten gibt. Laut Gallup bezeichnet eine Mehrheit sowohl von Demokraten als auch von Republikanern den American Dream als „unvollendet“, was auf ein geteiltes Gefühl hindeutet, dass die USA ein laufendes Projekt sind.[1][4][2]
Gleichzeitig divergiert die Deutung: In einem Bericht über die Gallup-Studie wird erwähnt, dass unter Demokraten ein höherer Anteil den Dream für gescheitert hält, während mehr Republikaner ihn als verwirklicht sehen – beide Gruppen aber in der Mehrheit den „unfinished“-Status teilen. Ashcroft wiederum zeigt: Republikaner und ältere Befragte betonen stärker die individuelle Anstrengung, während jüngere Amerikaner und Demokraten eher auf kollektive Unterstützungssysteme und öffentliche Investitionen verweisen, damit der Traum erreichbar bleibt.[3][4]
Was „American Dream“ heute bedeutet
Interessant ist, wie sich die Inhalte des American Dream verschoben haben. Gallup fragt 2026 nicht nur nach der Erreichbarkeit, sondern auch nach Assoziationen: Am häufigsten nennen die Befragten „Freiheit“ oder individuelle Rechte, danach finanzielle Sicherheit und Wohneigentum, erst danach Erfolg oder Aufstieg.[2][3]
Nur ein sehr kleiner Anteil verbindet den Begriff spontan mit „Chancengleichheit für alle“, was Ihre These stützt, dass der Mythos stärker auf individuelle Lebensentwürfe als auf ein universales Versprechen für alle verweist. In der Ashcroft-Studie werden „persönliche Freiheit“ und „Eigenheim“ als wichtigste Elemente genannt; zugleich glaubt nur rund ein Viertel, der Traum sei für Menschen „wie sie“ noch lebendig und erreichbar.[3][2]
Ungleichheit, Steuern und Klassenmobilität
Ihre Verbindung von Wohlstandszuwächsen, Steuerpolitik und American Dream lässt sich durch längerfristige Befunde zur sozialen Mobilität und Ungleichheit illustrieren. Gallup verweist in seinen Themenberichten zu den USA darauf, dass viele Amerikaner zunehmende Ungleichheit und begrenztere Aufstiegschancen wahrnehmen, auch wenn sie sich individuell weiter optimistisch sehen.[5][3]
Ashcroft identifiziert insbesondere Wohnungsaffordabilität, politische Instabilität und die Unsicherheit von Jobs in einer zunehmend automatisierten Wirtschaft als zentrale Ängste, die den Traum strukturell unterminieren. Diese Faktoren korrespondieren mit der historischen Beobachtung, dass die „goldene Ära“ der amerikanischen Mittelschicht in der Nachkriegszeit von progressiveren Steuersystemen und stärkerer Regulierung geprägt war, die Kapitalakkumulation an der Spitze einschränkte – ein Muster, auf das viele ökonomische Analysen hinweisen.[5][3]
Autoritäre Tendenzen und Freiheitsverständnis
Vor dem Hintergrund des 250-jährigen Jubiläums diskutieren zahlreiche Kommentatoren, wie sich die zweite Amtszeit Donald Trumps auf Freiheitsrechte, Institutionen und die politische Kultur auswirkt. Kritische Analysen sprechen von einem „autoritären Programm“, das auf die Schwächung demokratischer Institutionen, die Kriminalisierung von Protesten und die Ausweitung von Überwachung hinauslaufe, häufig eingebettet in christlich-nationalistische Narrative.[6][7][8][9]
In einem Kommentar wird 2025 als das Jahr beschrieben, in dem die Regierung aufgehört habe, so zu tun, als sei sie durch die Verfassung beschränkt, und stattdessen offen repressive Maßnahmen vorantreibe; andere Beobachter warnen, Trump habe die liberale Demokratie ins Visier genommen und könne den „Abzug noch ziehen“. Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU dokumentieren und kritisieren Verschärfungen bei Überwachung, Umgang mit Protesten und Einschränkungen von Meinungsfreiheit bereits seit Trumps erster Amtszeit und sehen Kontinuitätslinien.[8][9][6]
Wirkung auf den Glauben an den Traum
Die Umfragen deuten darauf hin, dass diese politischen Entwicklungen den Glauben an die Fairness des Systems schwächen, ohne die individuelle Hoffnung völlig zu zerstören. Gallup betont, dass die meisten Amerikaner ihre Aufstiegschancen nach wie vor positiv einschätzen, aber die USA als Gesamtgesellschaft weniger als „Land der Chancen für alle“ wahrnehmen.[1][2]
Ashcroft findet, dass weniger als die Hälfte die USA noch als Kraft zum Guten in der Welt sehen, auch wenn eine Mehrheit das Land nach wie vor als einzigartig betrachtet. Diese Kombination – Stolz und Einzigartigkeitsglaube einerseits, Skepsis an der globalen und inneren Rolle andererseits – stützt Ihre These einer mentalen Verschiebung hin zu einem eher individualisierten Traum, der strukturelle Konflikte überdeckt.[3]
„Wartestand“ und Mobilisierbarkeit
Ihre Beschreibung des billigen Jobs als Wartesaal auf die große Chance findet empirische Entsprechungen in den Zahlen zur subjektiven Zukunftserwartung. Die Archbridge-Umfrage etwa zeigt: Zwei Drittel der Amerikaner sagen, sie hätten den American Dream bereits erreicht oder seien auf dem Weg dorthin, obwohl gleichzeitig ein historisch hoher Pessimismus darüber herrscht, ob der Traum allgemein noch erreichbar ist.[10][1][3]
Das erschwert – wie Sie schreiben – kollektive Mobilisierung gegen Ungleichheit: Wer sich selbst auf dem Weg nach oben sieht, hat weniger Anreiz, ein System infrage zu stellen, von dem er hofft zu profitieren. Zugleich betonen mehrere Umfragen, dass viele Amerikaner den American Dream als potenziell „vereinende“ Idee sehen, die trotz politischer Spaltung einen gemeinsamen Bezugspunkt liefern könnte – ein Hinweis auf das Mobilisierungspotenzial, das in dem Mythos auch steckt.[10][1][3]
Einordnung des Gründungsmythos
Ihr Hinweis, der American Dream sei weniger ein Jahrzehnte „lebender“ Traum als vielmehr ein Gründungsmythos, den gute Zeiten immer wieder neu befeuert haben, lässt sich historisch stützen. Gallup und andere Institute verweisen darauf, dass die Idee – von „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ bis zu Geschichten vom Tellerwäscher zum Millionär – tief in der politischen Kultur verankert ist und Debatten über Freiheit, Eigentum und Staat intervention bis heute rahmt.[5][2]
Die aktuellen Daten zeigen: Der Mythos ist weder tot noch unangefochten; er wird umgedeutet – weg von einer universalen Verheißung hin zu einem individualisierten, stark von Freiheit und Stabilität geprägten Ideal, dessen Erreichbarkeit immer mehr als Frage persönlicher Resilienz in einem fehlerhaften System verstanden wird.[2][3]
Gibt es einen bestimmten Aspekt – etwa Ungleichheit, autoritäre Tendenzen oder die Rolle von Migration – den Sie im Artikel noch vertiefen möchten?
Transparenz: Grafik und Begleittext stammen von Statista, die Einleitung und der Kurzkommentar von uns (TH), die anschließende Recherche wurde mit diesem Text als Vorlage an eine KI vergeben.
- https://news.gallup.com/poll/711293/american-dream-endures-approaches-250-years.aspx
- https://www.washingtonpost.com/nation/2026/06/18/belief-that-anyone-can-achieve-american-dream-is-fading-poll-finds/
- https://finance.yahoo.com/economy/articles/lord-ashcroft-polls-reveals-state-100000500.html
- https://nypost.com/2026/06/18/us-news/americans-still-optimistic-about-the-american-dream-at-250/
- https://news.gallup.com/topic/country-usa.aspx
- https://www.counterpunch.org/2026/01/01/2025-the-year-the-government-stopped-pretending-it-cared-about-freedom/
- https://davisvanguard.org/2025/06/trump-administration-authoritarian-agenda/
- https://www.lemonde.fr/en/opinion/article/2026/02/05/trump-put-liberal-democracy-in-the-crosshairs-in-2025-he-might-pull-the-trigger-in-2026_6750157_23.html
- https://www.aclu.org/publications/trump-on-surveillance-protest-and-free-speech
- https://nypost.com/2026/06/30/us-news/the-death-of-the-american-dream-is-greatly-exaggerated-poll-finds/
- https://abc45.com/news/nation-world/american-dream-at-250-support-strong-despite-doubts-its-achievable-for-everyone-gallup-milken-center-for-advancing-the-american-dream-public-opinion-survey-june-2026-america-250th-anniversary
- https://prri.org/wp-content/uploads/2026/03/PRRI-Mar-2026-Immigration_final.pdf
- https://www.washingtonpost.com/opinions/2026/06/29/trumps-legacy-could-lie-civil-rights-law/
- https://www.bbc.com/news/articles/c977njnvq2do
- https://www.nytimes.com/2025/12/27/us/politics/trump-second-term-promises-actions.html
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