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Es ist mittlerweile eine Tradition des Wahlberliners, die IWF-Prognose der Weltwirtschaft bzw. ihrer Entwicklung an Sie weiterzugeben. Es gibt andere Institutionen, die ebenfalls Prognosen abgeben, für Deutschland mindestens 6 oder 7 inklusive der Bundesregierung, aber Statista arbeitet mit seinen Grafiken mit der IWF-Prognose. Diese bildet natürlich auch die neuesten Erwartungen für Deutschland ab.
Infografik: Wie bewertet der IWF die Lage der Weltwirtschaft? | Statista

Begleittext von Statista
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft zuletzt nur leicht nach unten korrigiert. Hintergrund ist der Iran-Krieg, der laut IWF einen spürbaren Schock für die globale Konjunktur darstellt. Für das Jahr 2026 erwartet der IWF nun ein globales Wachstum von 3,0 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als noch in der Prognose vom Januar. Damit bleibt die Weltwirtschaft zwar auf Wachstumskurs, verliert aber an Dynamik. Für Deutschland hat der IWF seine Prognose leicht nach unten korrigiert: Statt 0,8 Prozent Wachstum gegenüber Vorjahr geht der IWF nun von 0,7 Prozent Wachstum aus.
Die Möglichkeit einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten stellt ein erhebliches Risiko dar und könnte die Volatilität der Rohstoffpreise verlängern, Lieferketten weiter gefährden, die Preise erhöhen und die Finanzierungsbedingungen belasten. Eine Beschleunigung der Handelsfragmentierung könnte die Produktion beeinträchtigen und die Preise in die Höhe treiben.
Der Ausblick zeigt jedoch ein uneinheitliches Bild: Während die Auswirkungen des Iran-Krieges insbesondere ölproduzierende und energieimportierende Länder belasten, profitieren Volkswirtschaften, die in die globale Technologiewertschöpfungskette integriert sind, von einer steigenden, durch Künstliche Intelligenz getriebenen Nachfrage.
Gleichzeitig ist der globale Disinflationsprozess ins Stocken geraten. Die Risiken sind laut IWF im Vergleich zum April zwar etwas weniger groß, dennoch bestehen weiterhin erhebliche Abwärtsrisiken, insbesondere durch mögliche erneute Konfliktverschärfungen im Nahen Osten und eine Neubewertung an den Finanzmärkten. Die globale Gesamtinflation dürfte laut IWF von 4,1 Prozent im Jahr 2025 auf 4,7 Prozent im Jahr 2026 steigen, bevor sie 2027 auf 3,9 Prozent zurückgeht.
Kurzkommentar
Die ständigen Horrornachrichten aus der Industrie, von den Medien wirksam in Szene gesetzt (auch wir haben uns zuletzt mit unserem VW-Beitrag daran beteiligt), klingen eher nach fünf Prozent BIP-Rückgang als nach Wachstum, insofern sind die prognostizieren 0,7 Prozent Plus gar nicht so schlecht. Allerdings muss man schauen, woher sie kommen. Einerseits: Es handelt sich dabei immer um inflationsbereinigte Zahlen, das heißt, die Wirtschaft macht nicht den Anschein, als würde sie wachsen, schrumpft in Wirklichkeit aber. Das Wachstum ist real.
Das Problem: Es folgt auf drei Jahre mit überschlägigem Nullwachstum. Auch wenn man die Ansprüche herunterschraubt und sagt, 1,5 bis 2 Prozent im Jahr sind für eine alternde Volkswirtschaft, die mit unzähligen strukturellen und ideologischen Problemen belastet ist, ganz normal, mehr ist nicht drin – dann war es in den letzten Jahren trotzdem viel zu wenig und wird auch in diesem Jahr zu wenig sein. Anderen europäischen Ländern geht es aktuell kaum besser, zumindest nicht den großen Volkswirtschaften, sie kamen aber aus dem Corona-Loch besser heraus (Großbritannien und Frankreich sind auf der Grafik abgebildet). Auch in China ist das Wachstum für ein Land, das, wenn man das Pro-Kopf-BIP zugrundelegt, noch viel aufzuholen hat, nicht mehr so gigantisch und wird außerdem mit unfairen Exportpraktiken angeheizt.
Wer weiß, ob selbst diese staatlich kuratierte Zahl von etwa 5 Prozent stimmt oder ob man nicht heimlich einen früheren Berg von defensiven Meldungen abträgt und ob man nicht schon gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen ins Minus gerutscht ist. Bedrohlich ist die chinesische Industriedominanz allemal, aber sie hat eine Grenze: Alles, was über den eigenen Markt hinaus verkauft werden soll, muss auf kaufkräftige Abnehmer treffen, und die Kaufkraft in Deutschland beispielsweise kommt nicht wirklich voran, die Konsumstimmung ist schlecht, trotz der Billigstware von Temu, gegen die jetzt endlich die EU erste Schritte unternimmt.
Die USA sind auch unter Trump deutlich besser unterwegs als die großen europäischen Länder. Seine erratische Politik schlägt bisher nicht auf die Wirtschaftsentwicklung negativ durch – sie hat allerdings auch keine gigantischen positiven Effekte. Und wenn man hinter die Fassade schaut, sieht man vor allem, dass das US-Wirtschaftswachstum sehr einseitig den Superreichen zugutekommt. Die gegenwärtige weltwirtschaftliche Gemengelage fördert die Ungleichheit generell, und ein System, das hier nicht endlich bremst, wird nicht mehr lange mit dem Anspruch bestehen, demokratisch zu sein.
Eine richtige Story erzählt von allen abgebildeten Ländern eigentlich keines. Die chinesische Methode ist bekannt und Indien müsste wesentlich stärker wachsen, um bald als wohlhabendes Land bezeichnet zu werden. Dass es Deutschland mittlerweile beim Gesamt-BIP überholt hat, ist bei einer 15-mal größeren Bevölkerung kein Beweis für ein Wirtschaftswunder, das Wohlstand für alle bedeutet. Auch dort ist die Ungleichheit sehr groß und in sehr alten Traditionen begründet, wie dem Kastensystem.
Aber die Weltwirtschaft wächst, und jenseits der abgebildeten Länder gibt es sehr wohl interessante Entwicklungen, wie die bessere Performance kleinerer europäische Länder, die von einem hohen Ausgangsniveau aus immer noch ein wenig zulegen, sodass man sie in jeder Hinsicht als stabil bezeichnen kann. Die meisten Storys werden aber woanders geschrieben, und es gibt zwei Formen von Wachstum, die außerhalb der klassischen Industrieländer erzielt werden:
Wenn man nach „am schnellsten wachsend“ anhand relativer BIP-Wachstumsraten einzelner Länder fragt, finden sich viele Spitzenreiter sowohl in Asien als auch in Afrika. Zum Beispiel gehören aktuell sowohl asiatische Länder wie Aserbaidschan als auch afrikanische Länder wie Angola zu den Staaten mit den höchsten Wachstumsraten weltweit.
Betrachtet man dagegen die reine Größe und den Zuwachs der Wirtschaftsleistung nach Kontinenten, liegt Asien klar vorne: Es hat inzwischen den größten Anteil am Welt-BIP und verzeichnet den stärksten absoluten Zuwachs. Aus makroökonomischer Sicht ist Asien daher der „am schnellsten wachsende“ Kontinent, während Afrika als aufholende Region mit hohen, aber noch fragilen Wachstumsraten gilt.
TH
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