Die Grünen haben doch einen Star in Berlin – den Kreuzberger Robin Hood der Mieter, Baustadtrat Florian Schmidt

Kommentar 41

Der Tagesspiegel berichtete heute über den Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt. Ein Grüner, ein Kommunalpolitiker also, der es schon zur Berühmtheit gebracht hat und ich habe es nicht mitbekommen. Dabei ist doch ein profilierter Grüner das, was dem 2RG-Senat am meisten fehlt.

Verfolgt habe ich allerdings die Nachrichten über den Verkauf einzelner Häuser in Kreuzberg und da ich ja ein wenig vom Fach bin, habe ich mir die Gebäude mal auf Google Earth, Street View oder real angeschaut und tatsächlich gedacht: Kreuzberger müsste man sein. Bei uns kriegen sie es nicht mal hin, einen so wichtigen Schnittpunktkiez wie meinen zum Milieuschutzgebiet zu machen. Vom Kauf ganzer Häuser durch die grüne Baustadträtin ganz abgesehen. Deren Klientel kann sich hier in der Regel eh Eigentumswohnungen leisten.

Aber natürlich kam auch der Kaufmann in mir durch und ich fragte mich, wie lange das wohl so laufen soll und kann, kleine Kreuzberger Häuser zu horrenden Marktpreisen zu erwerben, denn das ist ja leider das Problem: Hier werden Investoren schlicht überboten, damit den bisherigen Eigentümern ja nicht irgendwas entgeht, was sie vor Gericht ziehen lassen könnte – nicht etwa gesagt, nee, wir kaufen nur zum Verkehrswert, in den ja der aktuelle Marktpreis sowieso wieder einfließt, wenn das Gutachten dazu einigermaßen aktuell ist und natürlich wird für solche Verkaufsfälle ein aktuelles erstellt. Denn dann könnt das Modell eben doch Gericht kommen und wer will das schon. Nichts ist unberechenbarer als die Justiz in heiklen Immobilien-Eigentumsfragen.

Und natürlich ist das eine sehr selektive Vorgehensweise, die ganz sicher nicht 25 Prozent des Wohnungsbestandes unter städtische bzw. bezirkliche Kontrolle bekommen kann, wenn nicht schon ein Satz von etwa 20 Prozent vorhanden war, bevor die neue Methode der Kapitalismusbefreiung sich Bahn brach.

Was im Beitrag nicht erwähnt wird: Das stemmt der Bezirk natürlich nicht allein, da muss das Land Berlin helfen. Da aber Kreuzberg für sich schon ein Politikum ist und alle Welt drauf schaut, was sich dort tut, hilft es eben mehr oder weniger gerne – und in anderen Gegenden werden Wohnungen zu Tausenden an Investoren verscherbelt und mal richtig durchgentrifziert. Das Ganze hat ja schließlich auch einen überbezirklichen Bezug.

Der Baustadtrat  Florian Schmidt jedenfalls hat noch einiges im Koffer, wie im Beitrag zu lesen ist. Ich muss der erwähnten FDP-Frau hier tendenziell Recht geben. Alle Baumöglichkeiten erfassen  und schauen, ob man sie nicht genossenschaftlich verwerten kann, das sollte nicht ganz falsch sein. Mit genossenschaftlich meine ich nicht Architekten-Baugemeinschaften, die sich als Genossenschaft formieren und dann hippe Eigentumswohnungen oder ein hippes Genossenschafts-Townhaus von Besserverdienern für sich selbst bauen, sondern, dass die bestehenden Berliner Wohnungsgenossenschaften die Gelegenheit bekommen, Neues zu errichten und dadurch ihre Bestände zu erweitern.

Auch der Bodenfonds hat natürlich seinen Charme, wobei ich gerne etwas mehr über dessen Ausgestaltung und vor allem darüber wüsste, von wem er mit welchen Mitteln ausgestattet werden soll, ohne dass irgendwann dem Kreuzberger Mieter-Robinhoodismus mal doch finanziell die Luft ausgeht. Aber vielleicht ist ja bis dahin die Immobilienblase geplatzt. Das wär’s doch.

TH

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