#MeTwo #Özil: Die Mehrheit sieht die Sache nicht einseitig (Deutschlandtrend)

#MeTwo #Özil: Die Mehrheit sieht die Sache nicht einseitig (Deutschlandtrend)

Ich wollte eigentlich jetzt was zur Sonntagsfrage schreiben, aber der jüngste Deutschlandtrend, den die ARD am vergangenen Freitag herausgegeben hat, beinhaltet auch eine #Metwo – Komponente.

Die Affäre Özil hat nun einmal hohe Wellen geschlagen und daher hat die ARD auch in ihrem Deutschlandtrend das Thema aufgegriffen und gefragt, wer denn nun Schuld an dem Schlamassel ist.

Wer hat die Verantwortung für den Bruch zwischen dem DFB und Özil?

a.) Mesut Özil?

b.) Beide gleichermaßen?

c.) Die Spitze des DFB?

Aufgegliedert wurde das tatsächlich auch noch nach Partei-Präferenzen der Befragten, um nachschauen zu können, wie denn nun die Anhänger der verschiedenen politischen Lager sich zur Sache stellen, mithin, ob es da wesentliche Unterschiede gibt. Eines vorweg. Ich finde es nicht sehr günstig, dass man nicht eine überwiegende Verantwortung zuweisen konnte, wie Civey das in seinen Umfrage meist anlegt (ganz die eine Seite, überwiegend die eine Seite, ausgewogen, überwiegend die andere, ganz die andere Seite).

Das Wahlberliner-Statement zur Sache sieht eine leicht überwiegende Schuld beim DFB. Aber in der Umfrage hätte ich wohl auch für „beide“ votiert, nicht unbedingt gleichermaßen, denn die Eskalation hätte der DFB vermeiden können.
Den Hashtag #Metwo gab es  zu dem Zeitpunkt noch nicht, dieser kam dadurch zustande, dass sich Außenminister Heiko Maas auf recht unterschiedliche Weise zur Sache geäußert hat und der Aktivist Ali Can darauf eingestiegen ist.

Zunächst abschätzig Özil gegenüber, dann mehr staatsmännisch, was von Beginn an seine Pflicht gewesen wäre. „Metwo“ heißt also, in diesem Menschen sind zwei Menschen. Das trifft   im Grunde auf uns alle mehr oder weniger zu. Viele, insbesondere erfahrene Politiker, sind aber nicht so ungeordnet, dass sie dies dergestalt medienwirksam offenbaren.

Und nun, nachdem sich niemand gegen diese Darstellung gewehrt hat, die richtige:

„Warum Ali diesen Hashtag in der Nachfolge des Özil-Rücktritts erfand, erklärte er in einem Video: „Ich habe einen Migrationshintergrund und den sieht man mir an. Was man mir aber nicht glauben will: dass ich für demokratische Grundwerte einstehe. Auch ich wurde schon oft diskriminiert. In der Disko wurde ich nicht reingelassen, bei der Wohnungssuche oder in sozialen Medien. #MeTwo ist der neue Hashtag gegen Diskriminierung von Minderheiten.“

Ali erklärt die Bedeutung des Hashtags: Die Zwei stehe dafür, dass er mehr als nur eine Identität habe. Er fühle sich in Deutschland zu Hause, sei aber auch dem Land seiner Eltern verbunden. Diese Mehrfach-Identität sei nichts Negatives für die deutsche Gesellschaft, sondern wertvoll. „Die deutsche Gesellschaft ist keine Monokultur“, sagt Ali.“ (jetzt)

Zur Umfrage:

Grundsätzlich sehen 29 Prozent der Befragten Özil als Verantwortlichen, 47 Prozent beide gleichermaßen, nur 14 Prozent wollen dem DFB die Alleinverantwortung geben. Da sicher auch viele Menschen mit Migrationshintergrund befragt wurden, liegt die Vermutung nah, dass sich unter den  14 Prozent ein erheblicher Anteil dieser Gruppe finden lässt.

Dass unter den AfD-Anhängern nur 5 Prozent die VA beim DFB sehen, 32 Prozent eine Gleichverteilung vornehmen wollen, hingegen 59 Prozent nur Özil verantwortlich machen, überrascht nicht sonderlich.

Bei der CDU steht es 30/50/10, wobei dies aber schon ausweist, dass doch eine Mehrheit eine beiderseitige Verantwortung sieht. Nun die weiteren Befragten nach Parteianhängerschaft:

FDP 27/48/13. Die Betonung der individuellen Verantwortung bei dieser Partei spielt da sicher rein.

SPD 22/49/21. Ein sehr ausgewogenes Bild, aber keine Mehrheit für einen „Özil-Freispruch“, das hatte ich etwa so erwartet.

Grüne 20/52/20. Das hat mich schon eher überrascht, weil bei vielen Grünen der Reflex, dass Immigranten immer Recht haben und der Rassismus überall lauert,  doch relativ stark ausgeprägt ist. Ein komplett ausgeglichenes Bild, zumindest die „Alleinschuld“-Verteilung betreffend.

DIE LINKE 31/44/24. Also auch hier keine Mehrheit zugunsten von Mesut Özil, aber recht viele nehmen „Alleinschuld-Zuweisungen“ vor, insgesamt sogar überwiegend. Einige linke Medien habe ich ja gelesen, vor allem die „Alternativen“, die sich geäußert haben – und gedacht: Etwas mehr Sachkenntnis und / oder etwas weniger Propaganda könnte(n) nicht schaden, aber das kommt davon, wenn man sich der Thematik nur annimmt, um „Rassismus!“ rufen und ein bisschen Spalterei betreiben zu können.

Doch die Mehrzahl der Parteianhänger sieht es anders und das ist gut so. Man darf sich nicht jeden Schuh anziehen, wenn man persönlich nicht betroffen und schon gar nicht rassistisch ist und das sind Linke nicht – soweit es meine Beobachtungen betrifft, versteht sich. Die vergleichsweise geringe Quote für „gleichermaßen“ finde ich allerdings auch nicht untypisch:  Nicht so in der Mitte rummurksen, lieber mal kräftig schwarz-weiß als in einer der Gestaltung der menschliche Psyche näherkommenden Grautönen malen.

Über die Hintergründe von „#MeTwo“ und alle seine Aspekte müsste man ein Buch schreiben, drunter geht’s im Grunde nicht, wenn man sich ernsthaft mit dem, was sich jetzt auf Twitter abspielt, auseinandersetzen möchte. Aber ja, jeder Mensch hat  mehrere Identitäten und es kommt ein wenig darauf an, welcher dieser Identitäten er die meiste Aufmerksamkeit schenken, den meisten Raum geben möchte. Dass Menschen mit erkennbarem Migrationshintergrund geradezu gewzungen werden, diese Herkunftsidentität immer wieder zu reflektieren und in den Vordergrund zu rücken, ist eine sehr vielschichtige Thematik, die immer auch etwas von denen erzählt, die schon da waren und denen, die dazukommen und von Macht und Ohnmacht und natürlich von den Wünschen, die Parameter zu verschieben  und die Verhältnisse zu verändern.

TH

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