Die robuste Roswitha – Tatort 1064 / Vorschau 26.08.2018 DAS ERSTE 20:15 Uhr

Titelfoto © MDR / Wiedemann & Berg / Anke Neugebauer

Entweder hat man Humor oder nicht

Oder doch nicht? Über seltsame Figuren wie Charlotte Lindholm konnte ich mich jahrelang hingebungsvoll auslassen und bin neulich erst darauf gekommen, dass sie eigentlich auch den Humormenschen, das Kind in mir, weckt. Nämlich unfreiwillig.

Ich kann die Münsteraner gut ab, obwohl die Macher sich zeitweise wirklich nur noch auf die Darsteller verlassen haben und man die Filme ansonsten vergessen konnte . Ich komme mit dem besonderen Kumpel-Humor der Münchener zurecht und mit der etwas sozialpädagosicher ausgerichteten Variante in Köln, dem Psycho-Satire-Humor in Dortmund und dem feinen, grantigen Humor in Kiel oder der schmähigen Variante in Wien. Sogar beim MDR fällt mir nicht alles schwer. Mit Brambachs Dresdener Schrullenwesen kann ich leben. Den historischen Totalossi-Humor von Ehrlicher habe ich irgendwann lieb gewonnen.

Aber Weimar? Ich kenne die Stadt und mag sie. Leider hat mir das nicht dabei geholfen, auch Lessing und Dorn zu mögen.

Es hat nichts damit zu tun, dass „Kira Dorn“, also Nora Tschirner, mit diesem Tschiller-Darsteller gedreht hat … der Name fällt mir gerade nicht ein, den finde ich wirklich schlimm und in Hamburg macht er Tatorte und ich habe es bis jetzt nicht geschafft, diesen „Off Duty“-Film anzuschauen, der gammelt auf meinem Mediaplayer vor sich hin. Es gibt also bei mir keine Kollektivhaftung für filmische Verbrechen, jedenfalls nicht über den einzelnen Film hinaus. Jedes neue Werk ist eine neue Chance.

Aber wieso weiß ich jetzt schon, dass ich heute Abend oder wann immer ich mir einen Ruck geben werde, um das Aufgezeichnete anzuschauen und darüber hier zu schreiben, so viel mit den Augen rollen anstatt lachen werde, dass psychosomatische Schäden zu befürchten sind? Es liegt einfach am Konzept. Murmel Clausen! Dann lieber doch Claus Clausnitzer.

Ich kann mich erinnern: Den ersten Weimarer, „Die fette Hoppe“, fand ich noch ganz passabel, diese Art von Witzgestaltung für ganz Infantile war damals ja auch neu. Dass sie das aber so eisern weiter durchziehen würden, kam mir nicht in den Sinn. Mittlerweile sind ja auch die Adjektive in den Titeln genormt, sie müssen mit demselben Buchstaben beginnen wie das nachfolgende Subjektiv … äh, Substantiv.

Trotzdem werde ich versuchen, die Rezension so gerecht wie möglich zu gestalten und auf echte Fehler im Film nur hinzuweisen, wenn es echte Fehler im Film gibt.

Was ich leider besonders übel finde: Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Weimarer Tatorte sowas wie „Influencer-Filme“ sind. Das heißt, diese abgehackte Diktion breitet sich bei uns im Fernsehen überall aus. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt und ich merk’s nicht, weil ich kein Serienjunkie bin, sondern mir den Tatort ausgesucht habe, da mich das Genre seit einigen Jahren interessiert und die Tatorte auch Zeitdokumente sind, die viel Politisch-Gesellschaftliches spiegeln.

Aber ja, auch die Weimar-Schiene ist ein Stück Zeitgeist.

TH

Inhalt

Der Mord an Christoph Hassenzahl, dem Geschäftsführer einer traditionsreichen Kloßmanufaktur, erschüttert Weimar. Seine Überreste werden in granulierter Form gefunden. Kurz nachdem die Kommissare Kira Dorn und Lessing die Ermittlungen aufgenommen haben, taucht Hassenzahls totgeglaubte Ehefrau Roswita wieder auf. Angeblich habe sie vor sieben Jahren bei einem tragischen Unfall das Gedächtnis verloren und ihren Lebensunterhalt seither als Toilettenfrau in einer Autobahnraststätte am Hermsdorfer Kreuz bestritten.

Zwar finden die Ermittler heraus, dass der Abstieg von der Kloßkönigin zur Klokönigin der Wahrheit entspricht, dennoch gerät Roswita unter Mordverdacht. Hat sie ihr Gedächtnis wirklich erst an dem Tag wiedererlangt, an dem ihr Mann ermordet wurde? Roswitas neuer Lebensgefährte Roland Schnecke schwört, dass es sich so verhält. Doch auch er ist eine zwielichtige Figur, wovon sein teures Auto zeugt, das er sich mit seinem kargen Verdienst niemals hätte leisten können. Steht der plötzliche Geldsegen in Verbindung zu dem Mord?

Die Kommissare treffen auch auf Thomas Halupczok, einen Kartoffelbauern, dessen Existenz durch Hassenzahl vernichtet wurde. Auch ihm wäre der Mord zuzutrauen, zumal es sich bei seiner Geliebten Marion Kretschmar um die Managerin einer Supermarktkette handelt, die die „Hassenzahler Kloßspezialitäten“ exklusiv vertrieb und die Firma durch eine Kündigung in den wirtschaftlichen Ruin getrieben hat. Die Kloßbrühe, in der Kira Dorn und Lessing rühren müssen, ist trüber als die Ilm.

 Besetzung und Stab

Hauptkommissar Kira Dorn – Nora Tschirner
Hauptkommissar Lessing – Christian Ulmen
Kommissariatsleiter Kurt Stich – Thorsten Merten
Polizist Lupo – Arndt Schwering-Sohnrey
Rechtsmedizinerin Dr. Seelenbinder – Ute Wieckhorst
Christoph Hassenzahl, Chef der Kloßfabrik – Matthias Paul
seine Frau Roswita Hassenzahl alias Mogli – Milena Dreißig
Roland Schnecke, Roswitas/Moglis neuer Lebensgefährte – Nicki von Tempelhoff
Vorarbeiterin Cordula Remda-Teichel – Christina Große
Kartoffelbauer Thomas Halupczok – Jörn Hentschel
seine Geliebte Marion Kretschmar – Anne Schäfer
Sekretärin Fräulein Müllerschön – Marie Anne Fliegel
Nachbarin Irma – Christine Zart

Drehbuch – Murmel Clausen, Andreas Pflüger
Regie – Richard Huber
Kamera – Robert Berghoff
Schnitt – Knut Hake
Szenenbild – Jürgen Schäfer
Musik – Dürbeck & Dohmen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

AutismusJournal

Perspektiven und Reflexionen

Carolin Schnelle

Jungjournalistin

thomas post

Alternativen

Telepolis

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

ScienceFiles

Kritische Sozialwissenschaften

Zusammen gegen #Mietenwahnsinn

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

KuBra Consult

Acta, non verba

Nachrichten: ZEIT ONLINE Newsfeed

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

Meike K.-Fehrmann (Autorin)

Frieda - Ein Demenz-Krimi / Warum Herr Hagebeck sterben muss / Kakerlaken-Schach / Die Rache stirbt zuletzt

SPIEGEL ONLINE - Politik

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

Testkammer

Testen macht süchtig: Filme, Spiele, Bücher etc. im Fokus

Film plus Kritik - Online-Magazin für Film & Kino

„Film is a disease. When it infects your bloodstream, it takes over as the number one hormone. As with heroin, the antidote to film is more film.“

SPD erneuern

Unfrisierte Gedanken zur Wiedergewinnung von Relevanz

Ein Parteibuch

Noch ein Parteibuch

Jan Josef Liefers

Die offizielle Fanseite

Wortwechsel 15

Das Schreibblog von Anja, Armena, Elke und Thomas

The Blog Cinematic

Film als emotionalisierende Kunstform

%d Bloggern gefällt das: