„Sichtbare soziale Verwüstung“ – #BerndRiexinger in der #FrankfurterRundschau // #FR #Riexinger #DIELINKE #Aufstehen #EU #Wagenknecht #Bewegung

Analyse 19

Der Co-Vorsitzende von DIE LINKE, Bernd Riexinger, hat gestern der Frankfurter Rundschau ein längeres Interview gegeben, der Titel ist „Sichtbare soziale Verwüstung“ –  geht es auch wieder um „Aufstehen“?

Damit diejenigen, die sich nur noch für „Aufstehen“ interessieren, gleich aussteigen können: Nur ganz am Ende wird die Bewegung dieses Mal erwähnt und vielleicht hat Riexinger es sich ausbedungen, darüber nicht mehr so ausführlich referieren zu müssen. Es ist ja auch fast alles gesagt, solange „Aufstehen“ noch nicht im politischen Raum gezeigt hat, was die Bewegung kann oder nicht. Trotzdem ist dieser Beitag fürs Dossier „Aufstehen“ geeignet, weil es um Positionen geht, die sich eilweise von denen der „Aufstehen“-Initiatoren unterscheiden und wir hier mal etwas mehr Ausarbeitung und Kritik betrieben haben als bisher. Daher wiederum die Verwendung des Features „Analyse“.

Er sagt aber, die Politik wird nicht durch Klicks, sondern durch Gegenwehr geändert.

DIE LINKE ist bei allen Protesten dabei – gegen Rechts in Chemnitz, gegen zu hohe Mieten in Berlin. Aber sie führt die Proteste nicht an und kanalisiert sie nicht zu einer wirklichen Bewegung. Solange das nicht der Fall ist, zeigt sie zumindest nicht, dass sie es besser kann und eine linke Machtoption erarbeitet. Die Menschen sind ungeduldig geworden, das darf man nicht vergessen. DIE LINKE hatte elf Jahre Zeit, groß und mächtig zu werden, das hat sie nicht geschafft, trotz einer vielversprechenden ersten Phase nach der Vereinigung aus WASG und PDS, als sie bei der Bundestagswahl 2009 bereits 11,9 Prozent erreichte. Fairerweise muss man anmerken: begünstigt durch die damals besonders virulente Finanzkrise. Seither ist sie aber nicht mehr in die Nähe dieses Ergebnisses gekommen. Und werden parlamentarischen Weg gehen möchte, der muss mehr zeigen als minimale Zuwächse im Bund und ansonsten ein Patt zwischen etwas mehr im Westen und einiges weniger im Osten.

Sollen wir nochmal auf Riexingers Bewertung der Causa Maaßen eingehen, die Causa Kauder / Brinkhaus konnte ja im Interview noch nicht besprochen werden.

Ich glaube, wir sind alle etwas Maaßen-müde und es ist uns langsam egal, wer da nun in der Koalition das allerschlechteste Bild abgegeben hat – ich würde lieber ins Grundsätzliche wechseln, zu dem Riexinger sich äußert, da finden wir einiges zum Besprechen.

Also zur AfD mit ihrer Blut-und-Boden-Sozialpolitik.

Die AfD nährt sich im Moment von allem, was die Koalition schlecht macht, so viel doch noch zu Maaßen, den die AfD ja geradezu für sich entdeckt hat und zum Märtyrer stilisieren will. Aber ich weiß beim besten Willen nicht, was Riexinger mit „Blut-und-Boden-Sozialpolitik“ meint. Dass die Sozialpolitik nur für Biodeutsche da sein soll, an die Scholle gebunden sein soll und das ius sanguinis auch für Sozialleistungen gelten soll? Ich wusste gar nicht, dass es bei der AfD eine nennenswerte Sozialpolitik geben soll. Aber: Richtig, für die Menschen würde sich bei einer AfD-Regierung nichts verbessern. Ich halte es aber für falsch, eine solche rhetorisch schon vorwegzunehmen oder als Möglichkeit zu benennen. Sollte die CDU wirklich mit der AfD eines Tages gemeinsame Sache machen, muss es von links wirken, als sei so etwa bisher niemals denkbar gewesen und ein Sturm der Entrüstung muss losbrechen.

Jetzt wird aber erstmal die SPD adressiert, denn DIE LINKE ist ja stabil und die SPD sackt immer weiter durch.

Bei dem sozialen Desaster ist Stabilität kein Ruhmesblatt. Dass die SPD in gegenwärtiger Aufstellung hingegen ungeeignet ist, eine Linksregierung anzuführen, sollte in der LINKEn klar sein. Ganz sicher ist das eine deprimierende Situation.

Riexinger hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Neue Klassenpolitik – Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen“ und die FR befragt ihn nach der darin propagierten Solidarität ohne Grenzen.

Riexinger verweist alsbald auf das neue Integrationsbarometer, das ich, vorsichtig ausgedrückt, für fragwürdig halte. Es widerspricht vielen Umfragen, an denen weniger manipuliert und interpoliert wurde. Aber die No-Border-Fraktion ist natürlich begeistert von dieser Studio einer „VSA“, deren Existenz mit bis zu dieser Studie nicht bekannt war.

18 Millionen Migranten in Deutschland darf man nicht ausgrenzen.

Wer will das denn? Ich kenne niemanden. Riexinger trägt Eulen nach Athen, zumindest für FR-Leser und Genossen wie mich sollten das nach Athen getragene Eulen sein. Die Aussage, dass sie zum Wohlstand beigetragen haben, ist ebenso banal wie die, dass alle, die hier länger leben, etwas zum Wohlstand beigetragen haben, überwiegend jedenfalls und manche eben nicht, unabhängig von der ethnischen Zuordnung. Das ist aber der heutige Stand der Dinge, der nichts über die weitere Entwicklung aussagt.

Riexinger erklärt den Wert der MmM (Menschen mit Migrationshintergrund, im Folgenden so abgekürzt) anhand eines eigenen Krankenhausaufenthaltes.

Riexinger lernt Storytelling. Im Ernst, die Zahl der Eulen nimmt zu. Aber ich greife schon mal ein wenig vor: Der Mindestlohn kann nur für Jobs gelten, die auch vorhanden sind. Und in dem Bereich, in dem MmM überwiegend arbeiten, lassen sich die Jobs nicht  unbegrenzt vermehren. Wie insgesamt nicht. Zahlenmäßig vermehren sich die Jobs seit Jahren wie die Pilze nach einem Frühlingsregen, aber die Arbeitsstundenzahlen ändern sich kaum. Jobsharing ist die Folge dessen. Und immer wieder entsteht Druck auf den Lohnsektor, weil gerade bei den einfachen und mittleren Dienstleistungen kein Arbeitskräftemangel herrscht wie bei den Industrie-Facharbeitern. Und auch in der Pflege müssen Menschen erst ausgebildet werden, das sind doch sehr verantwortungsvolle Arbeitsfelder.

Arbeitskämpfe internationalisieren sich, aufgrund der Globalisierung. Das Beispiel Ryan Air soll das belegen.

Ryan Air hat aber nicht überall die gleichen Tarife und das wird auch nach den Arbeitskämpfen nicht so sein. Es gibt nur wenige Konzerne, die nicht das Lohngefälle zwischen Ländern nutzen, in denen sie tätig sind und ihre Mitarbeiter überall gleichstellen. Einige gehen in Billiglohnländer und profitieren davon, dass diese Staaten noch auf einem Stand sind, der sie dazu veranlasst, froh zu sein, wenn überhaupt Arbeitsplätze entstehen. Ich sehe nicht, wie das mit europäischer Gewerkschaftsbewegtheit geändert werden soll. Weite Teile der Welt kennen kaum Arbeitnehmerrechte, das müssten die europäischen Gewerkschaften eigentlich wissen, die ja infolge des Neoliberalismus und der Krise 2008-2009 auch an Boden verloren haben. Deswegen führen sie mit wirklich global aufgestellten Konzernen einen sehr ungleichen Kampf, den sie nicht gewinnen können, wenn sie sich in diese Form von Globalisierung hineinziehen lassen und ihn als Setting annehmen, anstatt systemkritisch zu denken und die systemkritischen Kräfte zu unterstützen.

Es geht noch bei Fluggesellschaften, weil die in jedem Land, in dem sie Slots haben und Flüge anbieten, auch ein paar Mitarbeiter_innen stationiert haben müssen, aber es funktioniert nicht bei den Warenproduzenten und auch nicht bei Internetriesen wie Amazon, die sich auch in Europa die Lockkonditionen der sehr eifrigen Regierungen wie der irischen aussuchen können. Da gibt es keine Solidarität der Politik. Es gibt keine Sozialsystem-Solidarität, es gibt kaum Steuersolidarität innerhalb der EU und schon gar nicht weltweit. Also ist der Handlungsrahmen hier national, wenn es überhaupt noch einen geben soll.

Riexinger propagiert den verbindenden Klassenkampf.

Endlich erwähnt er das Wort mal wieder. Ja, genau, alle, die gemeinsame Interessen haben. Und natürlich muss die internationale Solidarität in dem Sinn gestärkt werden, dass linke Bewegungen, Gewerkschaften, NGOen und alle, die etwas tun können, einander unterstützen. Ganz unbedingt sogar, denn nur, wenn i Deutschland die Menschen anständig verdienen, können sie faire Produkte erstehen, die wiederum der Mehrheit in anderen Ländern zugutekommen. Aber die deutschen Gewerkschaften und die deutsche Linke können doch keine Weltpolitik gegen die Ausbeutungssystem in Lateinamerika oder Afrika anderswo machen, indem sie die dortigen Bedingungen mitbestimmen. Sie können darauf hinwirken, dass die EU keine ausbeuterischen Handelsabekommen schließt, das ist ihre Aufgabe, damit können sie auch in die hiesige Öffentlichkeit hineinwirken. Aber  zu sagen, wir dürfen hier soziale Schritte erst gehen, wenn sie in jedem Winkel der Erde mitgegangen werden können, ist geradezu widersinnig, denn erst, wenn hier die Menschen wieder in einen vernünftigen sozialen Stand gesetzt werden, der sie aus dem Zwang zum Billigkonsum herausholt, sodass sie sich aktiv gegen Ausbeutung wehren können und nicht Teil dieses Systems sein müssen, weil sie sonst gar nicht mehr teilhaben würden, können an den Werkbänken der Welt die Konditionen verbessert werden. Man muss doch sehen, dass die Globalisten auf solche Argumentationen geradezu warten, dass man hier sozial nichts mehr tun darf, bis alle weltweit gleichgezogen sind – weil sie dadurch auch bei uns immer besser freidrehen können.

Das heißt, die Strategie muss sein, die Globalkonzerne in jedem Land einzeln in die Schranken zu weisen?

Wir haben keine Weltregierung, jeder Staat muss das bisher selbst regeln, und es wird die Konzerne mehr nerven, wenn in den großen Absatzmärkten die Sozialleistungen wieder angehoben werden und dann – dann werden sie merken, es hilft allen. Aber sie werden immer wieder Länder finden, die sie ausbeuten können, zumindest in den nächsten Jahrzehnten. Wir können dagegen mehr tun, als Verbraucher, indem wir gute Produkte erwerben, als wenn wir uns marginalisieren lassen mit dem Argument, dass noch nicht alle anderen auf gleich mit uns sind. Es wird niemals weltweit gleiche Lebensverhältnisse geben, das sei an der Stelle ebenfalls erwähnt. Nicht im Kapitalismus, und der hat sich Bernd Riexingers Angriffen bisher blendend widersetzt. Und weil das so sein wird, wird es immer einen Migrationsdruck geben, solange die Systemfrage nicht geklärt ist. Und der Druck muss handhabbaren Regelungen unterstellt werden, sonst klärt sich die Systemfrage in eine Richtung, die wir als Linke nicht wollen können.

Aber jetzt könnte man doch mal die Fluchtursachen bekämpfen, findet Riexinger.

Das sagen wir alle, in der LINKEn und alle Linken sagen es und wissen genau: Es ist Quatsch. Wir haben es nicht im Angebot, vor Ort die Fluchtursachen zu bekämpfen, wir sind da absolut machtlos. Jedes Mitglied der LINKEn könnte sich verpflichten, für zwei Wochen im Jahr bei einem Entwicklungsprojekt mitzuarbeiten, dann kämen wir auf 140.000 Arbeitswochen oder 700.000 Arbeitsstunden, das ist nicht gar nichts, aber es ist auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und da links nicht regiert, kann es nichts gegen die Rüstungsexporte tun. Im Gegenteil, wenn die SPD aus der GroKo gehen sollte, was wir ja gerne hätten – Jamaika wäre da noch weniger zimperlich. Mich stört dieses Ding mit den Fluchtursachen vor Ort schon lange, weil es unredlich ist, wenn man derzeit in Deutschland Realpolitik machen will.

Da könnten wir hinkommen, in ein paar Jahren, und dann gäbe es auf der Welt zig Länder, die gerne in die Bresche springen würden. Selbst wenn man sagt, es ist trotzdem richtig, keine Waffen mehr zu exportieren und sich den Moralschweiß von der Stirn wischen kann –global ändert das gar nichts, wenn nicht alle großen Waffenexporteure mitziehen und sagen, wir stellen unseren Handel mit Kriegsgerät ein. Und wer bitte wird das tun? Wer? Selbst Frankreich hat anteilig am Gesamtexport eine wesentlich höhere Rüstungsausfuhr als Deutschland und wird darauf nicht einfach verzichten, Achse Paris-Berlin hin oder her. Und die USA und – ja, auch Russland? Niemals, solange der Kapitalismus besteht. Wir wissen das alle, aber es gehört zum typischen linken Rhetoriknebel, so zu tun, als könnten wir „vor Ort“ wirklich etwas tun. Genau das Gleiche gilt für die Kriege, in denen jene Waffen eingesetzt werden. Man muss hier also bloß einen einzigen Satz anhängen.

Aber Riexinger will doch auch im Land was tun – das Steuerkonzept der LINKEn, das allen Glück bringen soll.

Ich kenne das Konzept und es wirft Fragen auf, das ist das eine. Das andere: Wir kommen langsam in die Zone, wo ich immer wieder den Eindruck habe, Riexinger argumentiert wider besseres Wissen. Nicht wie Katja Kipping, die weiß es nicht besser. Aber als Gewerkschafter, der mal Oskar Lafontaine nahestand, wirkt er auf  mich wie jemand, der aus Machttaktik heraus sogar Bücher schreibt, hinter denen er nicht wirklich stehen kann, wenn er bei den DGB-Schulungen aufgepasst hat. Drittens: Die Begrifflichkeiten verwischen sich  mehr und mehr, das hasse ich sowieso an diesem Flügel der LINKEn, dass er ebenso schwurbelt wie Merkel, wenn es um klare Linien geht. Um nicht selbst unklar zu sein, ich habe heute in einem anderen Beitrag schon geschrieben, dass Hilfe für Bootsflüchtlinge selbstverständlich ist. Aber was sind offene Grenzen? Tatsächlich die Öffnung der Grenzen in einem System nationaler Sozialpolitik? Komplett? Jetzt? Heute? Morgen? Das kann Riexinger nicht ernst meinen, als Gewerkschaftler und dafür stehen auch die deutschen Gewerkschaften nicht, auch das muss er wissen.

Warum tun sie das nicht?

Weil sie sich mit der Begrenztheit von Ressourcen, auch mit Kampfressourcen, auskennen. Sie wissen, wie es ist, diesem Kapitalismus überhaupt noch was abzuringen. Und sie haben unzählige Mitglieder verloren, weil die Arbeitswelten, die einst Immigranten zu Millionen materiell gut integrieren konnten, nicht mehr vorhanden sind. Wer soll also für die durch offene Grenzen ankommende neue Millionen kämpfen, dass sie nicht ausgebeutet werden oder die Sozialsysteme hoffnungslos überladen werden? Riexinger zieht nämlich eine ganz logische Verbindungslinie nicht: Er will heute offene Grenzen, aber das Steuerkonzept der LINKEn in reiner Form ist für übermorgen. Das heißt, es gibt keinerlei Tendenz, es umzusetzen, das könnte DIE LINKE in einer Koalition mit der SPD und mit den Grünen auch nie in reiner Form durchsetzen und es gibt Teile darin, die sowieso nicht realistisch sind, solange das System nicht grundlegend geändert wird, und zwar – ganz recht, international und dafür sollte sich DIE LINKE bitte erstmal einsetzen. Nur, ich höre von Riexinger nichts in dieser Richtung – aber die Grenzen sollen trotzdem sofort geöffnet werden? Wenn DIE LINKE der AfD zu einer absoluten Mehrheit verhelfen will, dann ist das genau die richtige Idee, wie man das erreichen kann. Noch einmal eine Lage wie im Herbst 2015 und die AfD steht schon bei 30 Prozent. Permanent offene Grenzen ohne jede Steuerung und natürlich auch ohne Registrierung und sie kriegt jedes Jahr weitere zehn hinzu. Aber diejenigen, die da nicht mehr mitgehen wollen, sind natürlich alle Nazis.

Aber eine Welt für alle muss das Ziel sein.

Bernd Riexinger ist einer der wenigen in der aktuellen linken Führungsriege, der mal den einen oder anderen Betrieb wirklich von innen gesehen hat, daher  nehme ich ihm solche Aussagen besonders übel. Denn wer die Industrie kennt, weiß, was Prozesse sind und dass man nicht erst das Produkt hat und dann erst werden die Komponenten angereicht und zu diesem zusammengefügt. Riexinger lässt den Film rückwärts laufen: Erst die offenen Grenzen und dann irgendwann die Voraussetzungen dafür schaffen, zum Beispiel durch das Steuerkonzept der LINKEn. Das ist zu einfach. Das ist nicht links im sozialen Sinn, das muss schiefgehen und am Ende stehen weite Teile der Bevölkerung tatsächlich schlechter da als jetzt. Ich kann mich  natürlich auch irren und Riexinger vergisst immer das „wenn, dann“. Also, wenn DIE LINKE endlich mal ihre Politik umsetzen kann, dann könnte man als Belohnung für alle, die sich daran beteiligt haben, dass dies möglich wurde, dass dieses große Werk gelang, die Grenzen offener gestalten.

Riexinger amüsiert sich darüber, dass ihm vorgeworfen wird, die Arbeiterklasse zu verraten.

Ich amüsiere mich darüber, wenn jemand von den Gewerkschaften kommt und darauf auch sehr viel Wert legt, wie wir hier sehen, aber Positionen vertritt, an denen man klar sieht, dass er diese Vergangenheit nur als Fassade verwendet und sogar negiert, dass das Ergebnis erst nach der Arbeit am Ergebnis kommt. Nein, ich amüsiere mich gar nicht, das ist ja hier kein „Spottlight“-Beitrag. Ich finde es schlimm, dass DIE LINKE sich auf diese Weise als Fantastenkabinett enttarnt und damit verhindert, dass sie breitenwirksam wird. Dabei wäre es so einfach: Man stellt den Prozess wieder vom Kopf auf die Füße und sagt: Damit dies möglich wird, müsst ihr uns erst einmal bei diesem und jenem Projekt unterstützen, weil sein Gelingen eine Voraussetzung ist. Aber sie kriegen es nicht hin und das Kapital, das amüsiert sich wirklich über die in Europa einmaligen Vorstellungen der LINKEn in Deutschland. Vielleicht amüsiert es sich aber nicht nur, sondern infiltriert auch, damit solche Positionen vertreten werden. Das wäre die Deutungsvariante von Albrecht Müller von den „Nachdenkseiten“.

Der zu den 80 Unterstützer_innen von „Aufstehen“ zählt.

Ich wollte, ich könnte, wenn ich Riexingers Einlassungen lese, sagen, der alte Müller, dieser destruktive Mensch, liegt komplett falsch. Das wäre für meinen Seelenfrieden die bessere Lösung, bei weitem. Ich kann es aber nicht ganz ausschließen, dass er Recht hat, wenn ich sehe, wie von Riexinger und Kipping und anderen in der LINKEn mit der schlichten Logik umgegangen wird, dass wenn a und b die Produktkomponenten sind und c das Produkt, erst einmal a und b erstellt und zusammengebaut sein müssen, damit c dabei herauskommen kann. Ist das nicht klar? Also, mir schon.

Und dann: Die Arbeiterklasse ist anders zusammengesetzt als früher. Das hat Riexinger also auch schon festgestellt. Und wenigstens nimmt er das nicht, wie viele seiner Gewerkschaftskollegen, als Rechtfertigung dafür, dass die heutige Arbeiter_innenschaft nicht mehr organisiert ist. Und wieder wischt er komplett rüber: Nämlich hin zu den Immigrantinnen und deren Nachkommen, die schon hier leben und arbeiten. Da wird bewusst rhetorische Grenzverwischung betrieben, aber auch das ist verständlich, wenn man eh keine Grenzen mehr akzeptieren will. Die einzige Kraft im Spiel, die so aufgestellt ist, die ist das Kapital und wer ihm entgegentreten kann, das ist die Organisation, die Normen setzen kann. Die EU kann das bis zu einem gewissen Grad auch, aber was tut sie? Sie fördert den Neoliberalismus. Und jetzt gehen die Kulturlinken wie Riexinger hin und fordern von Corbyn, dass er sich bitte hinter die Exit-vom-Brexit-Bewegung stellt, ach, Europa! Aber welches Europa?

Riexinger hat das nicht getan, unseres Wissens?

Nein, aber linksliberale Medien tun es. Corbyn ist in einer echten Bredouille. Einerseits ist er sicher jemand, der gerne international links voran kommen würde, aber kann er deshalb das aktuelle Europa propagieren, in dem Großbritannien einen besonders neoliberalen Weg gehen konnte und dabei von den Kontinentaleuropäern sogar ständig, also seit der unseligen Margaret Thatcher, privilegiert wurde, damit es diesen Weg ungehindert gehen konnte? Das will man also jemandem, der vielleicht wirklich links denkt, nun aufzwingen. Vielleicht klappt’s ja, denn Corbyn ist nicht identisch mit Labour, seiner Partei, die ist nicht so ein Kanzlerwahlverein. Aber es wird dann wohl wieder ein neuer Sieg für die Kapitalisten sein, wenn Labour doch eine Empfehlung für eine neue Abstimmung ausspricht. Und so machen sie Politik, die Herrscher der Welt: Indem sie Leute wie Riexinger von a + b = c auf c hat zu existieren aus dem Nichts, also ohne a + b, drehen und andere, wie Corbyn, in eine Zwangslage bringen. Letzteres beobachten wir ja auch im Umgang mit Sahra Wagenknecht.

Wir kommen wieder zur AfD – ist ihr Aufstieg nun ein Ausdruck sozialer Spannungen oder nicht?

Wer Riexingers Antwort gelesen hat, wird nicht hinterher nicht schlauer sein. Weil er nämlich dieses Mal derjenige ist, der in einer Klemme steckt. Ist dieser Aufstieg nun durch die neoliberale Politik bedingt, dann muss diese ja erst beseitigt werden bevor man deren Folgen, die Wanderungsbewegungen, generös und komplett in Deutschland bewältigen kann, ist die AfD aber eine Ansammlung von Rassisten, was dann? Dann tritt genau das ein, was ich oben beschrieben haben, denn derjenige, der sich heute nur Sorgen macht, könnte der Rassist von morgen sein. Deswegen stellt sich Wagenknecht auch viel deutlicher auf die Position, dass die AfD ein soziales Problem kanalisiert. Woher Riexinger das mit den 51 Prozent Akademiker-Wähleranteil bei der AfD hat, sollte er mal belegen. Es gibt doch dafür keine Verifizierungsmöglichkeit. Genauso wenig wie dafür, dass Anhänger der LINKEn den höchsten IQ haben, solch eine Behauptung gab es letztes Jahr auch mal. Hätten wir gerne, aber so sicher ist das für mich nicht, wenn ich sehe, wie wir uns verrennen in Logik-Fails.

Aber der Wettbewerbswahn ist doch ein wirklich ein Grund für den Aufstieg der Rechten, das sagen alle in der LINKEn mehr oder weniger.

Ganz meine Meinung. Aber dieser Wahn bedingt auch Rassismus. Weil man die anderen als Konkurrenz ansieht. Rassismus sogar den eigenen „Brüdern und Schwestern“ gegenüber, die vielleicht etwas mehr links denken. Auch die LINKEn werden angegangen, als seien sie eine auszurottende andere Rasse. Was ich damit sagen will: Es handelt sich um zunehmenden Fanatismus, von dem Rassismus ein Spielart darstellt. Rassismus ist nicht anders als alle anderen –ismen der aggressiven Art. Er ist eine besonders diskriminierende Variante. Und es gibt von ganz „links“, in Wirklichkeit aus einer rein anarchistisch-destruktiven Ecke, auch die richtigen Gegner, das sei hier nicht verschwiegen. Es ist ja nicht so, dass die Linken den Rechten nicht genauso viel Angst machen wie umgekehrt, weil sie beispielsweise Positionen wie Riexinger vertreten und zusätzlich noch gewaltbereit sind. So wird keine friedlichere Welt entstehen. Und die Vermögensvergleichszahlen lassen wir hier mal weg, die sind bekannt und man kann sie im bezogenen Beitrag in der FR nachlesen, falls man sie doch nicht auf dem Schirm haben sollte.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Sichtbare soziale Verwüstung“

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