Racheengel – Tatort 667 / Crimetime 83// #Tatort #Ehrlicher #Leipzig #Racheengel #Kain

Crimetime 83 - Titelfoto © MDR, Hardy Spitz

Eine Million auf ein Manuskript

In dieser Schreibstube herrscht immer eine gewisse Verunsicherung, wenn Rezensionen zu Tatorten die aktuell wiederholt werden, nicht im Fundus des alten Wahlberliners oder im Archiv aufzufinden sind. Deswegen archivieren und canclen wir gerade die letzten „Crimetime“-Beiträge, die es auf „Rote Sonne 17“ gibt, um wenigstens nicht immer an drei Orten nachschauen zu müssen.

Wir wissen aber, dass noch nicht alle Ehrlicher-Tatorte gesichtet sind und eine Kritik abbekommen haben. Und an einen, der auf der Leipziger Buchmesse spielt, kann ich mich derzeit nicht erinnern. Dieses Setting hätte mir doch im Gedächtnis bleiben sollen. Gibt es eigentlich einen Hessen-Tatort, der auf der Frankfurter Buchmesse spielt?

„Racheengel“ war der zweitletzte von 44 Ehrlicher-Tatorten, bevor Peter Sodann und Bernd Michael Lade als Oberkommissar Kain von Simone Thomalla und Wolfram Wuttke als Duo Saalfeld / Keppler abgelöst wurden. In der Rangliste des Tatort-Fundus sieht man diesen Spät-Ehrlicher, der aber noch keine Abschiedszenen enthalten sollte, die Ehrlicher selbst peinlich sind, auf Platz 32.

Regie führte Hannu Salonen, der auch für einige Saarbrücker Tatorte verantwortlich zeichnet.

Handlung

Während der Leipziger Buchmesse wird die Literaturagentin Ulrike Oppermann tot aufgefunden. Die Hauptkommissare Ehrlicher und Kain ermitteln, dass es sich bei der Ermordeten um die berühmte Starautorin Mimi Blaise zu handeln scheint, deren wahre Identität niemandem bekannt war.

Nachdem zunächst der Polizist Matthias Erler unter Verdacht gerät, weil er die letzte Nacht mit dem Opfer verbracht hatte, steigt die Polizeiobermeisterin Anna Stein in den Fall ein. Sie will die Unschuld ihres Kollegen beweisen. Sie übernimmt die Rolle der Starautorin, deren wahre Identität im Rahmen der Buchmesse enthüllt werden sollte, um damit den Mörder unter Zugzwang zu setzen und ihn glauben zu lassen, er habe die Falsche ermordet.

Hauptkommissar Ehrlicher ist dieser eigenmächtige, gefährliche Einsatz der jungen Kollegin gar nicht recht. Während sich Anna Stein in der Rolle der Starautorin immer besser gefällt, recherchieren Hauptkommissar Ehrlicher im wirtschaftlichen Umfeld der Buchmesse und Hauptkommissar Kain im persönlichen Bereich der Autorin, um dem Täter auf die Spur zu kommen und einen weiteren Mordanschlag zu verhindern. Die Kommissare stoßen auf geheime Intrigen, dunkle Machenschaften – und auf die echte Mimi Blaise. Einen zweiten heimtückischen Anschlag können die Kommissare gerade noch verhindern.

Aus der Vorschau

In dieser Schreibstube herrscht immer eine gewisse Verunsicherung, wenn Rezensionen zu Tatorten die aktuell wiederholt werden, nicht im Fundus des alten Wahlberliners oder im Archiv aufzufinden sind. Deswegen archivieren und canclen wir gerade die letzten „Crimetime“-Beiträge, die es auf „Rote Sonne 17“ gibt, um wenigstens nicht immer an drei Orten nachschauen zu müssen.

Wir wissen aber, dass noch nicht alle Ehrlicher-Tatorte gesichtet sind und eine Kritik abbekommen haben. Und an einen, der auf der Leipziger Buchmesse spielt, kann ich mich derzeit nicht erinnern. Dieses Setting hätte mir doch im Gedächtnis bleiben sollen. Gibt es eigentlich einen Hessen-Tatort, der auf der Frankfurter Buchmesse spielt?

„Racheengel“ war der vorletzte von 44 Ehrlicher-Tatorten, bevor Peter Sodann und Bernd Michael Lade als Oberkommissar Kain von Simone Thomalla und Wolfram Wuttke als Duo Saalfeld / Keppler abgelöst wurden. In der Rangliste des Tatort-Fundus sieht man diesen Spät-Ehrlicher, der aber noch keine Abschiedszenen enthalten sollte, die Ehrlicher selbst peinlich sind, auf Platz 32.

Regie führte Hannu Salonen, der auch für einige Saarbrücker Tatorte verantwortlich zeichnet.

Rezension

Soso, Mimi Blaise. Wenn ich mir nicht selbst für bestimmte Rezensionen eine Dialogfigur namens Mimi ausgedacht hätte, fände ich schon den Namen lächerlich, auch oder gerade für eine Crime-Fantasy-Autorin. Aber ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett, das weiß jeder. Und klar ist die Idee für „Sariel“, den dunklen Engel der Gerechtigkeit, von einem Kulturjournalisten geklaut und die echte Autorin schreibt diese Idee besser auf, als der Journalist es je gekonnt hätte. Der übliche Klau also, denn es gibt nichts wirklich Neues mehr. Das gilt auch für den Titel, der von einem Tatort entwendet wurde, der weniger als zwei Jahre zuvor gedreht wurde („Rache-Engel“ mit Max Palü).

Aber wenn ich gewusst hätte, dass man in Deutschland eine Million Euro nur für das Manuskript eines Romans bekommt, wenn also noch  kein einziges Buch verkauft wurde, hätte ich unter anderem mal drüber nachgedacht, warum ich meine Zeit mit diesem Blog vertue. Und dann erst das Merchandising. Wow! Aber ist das jetzt alles Satire auf einen Buchmarkt, der wirklich andere Sorgen hat, als dass ein Hype um ein Pseudonym und dessen Hauptfigur in einer Romanreihe entsteht? Natürlich, wir sind  elf Jahre weiter und das Lesen hat in der Zwischenzeit generell stark nachgelassen.

Obwohl es in diesem Film mit keinem Wort erwähnt wird, war das Ende des Duos Ehrlicher-Kain zm Zeitpunkt des Drehs von „Racheengel“ wohl schon festgelegt. Dabei hätten sich die beiden bomastisch-bombenlastigen Situationen doch so dafür geeignet, mal über den Job an sich nachzudenken. Vor allem die Schlussszene ist Geschmacksache – James Bond darf nachgespielt werden oder nicht. Goldfinger und zwei weitere Bond-Filme, in denen diese Bombenentschärfung auf die letzte oder vorletzte Sekunmde zitiert wird. Eine legendäre Szene wird verleipzigt. Dadurch, dass Ehrlicher und Kain komplett unbondig wirken, bleibt es bis zum Ende beim leicht satirischen Einschlag.

Der Film hat mich nicht gelangweilt und ist stellenweise für einen Ehrlicher-Tatort recht ansprechend bebildert, aber die Regie lässt bei den Figuren einige Wünsche offen, was deren Führung angeht. Sowohl Kain als auch Ehrlicher haben  schon mehr gezeigt und speziell bei ersterem hat mich die ungewöhnlich tiefe, kratzige Stimme irritiert, das fiel mir besonders während einer Verhörszene auf. Die Art, wie Ehrlicher und Kain mit anderen umgehen, besonders mit dem verdächtigen Kollegen, ist eine Art von ritualisierter Kauzeigkeit und Unbequemheit, daran konnte man sich über viele Jahre hinweg gewöhnen, aber sie wirken eben beide nicht mehr frisch und anders als die Tatort-Ermittler aus München, Köln oder Ludwigshafen, die mittlerweile wesentlich länger in ihren Kommissar-Rollen verharren, war Peter Sodann  bereits, als er 1992 anfing, den Ehrlicher zu spielen, nicht mehr der Jüngste.

Hier obliegt es einer anderen Figur, Anna Stein, gespielt von Annika Blendl, den Zuschauer mitzunehmen, und das tut sie ab dem Moment, in dem sie sich in Mimi Blaise die Jüngere verwandelt, sehr gut. Glaubwürdig wirkt diese Wandlung nicht, aber da der Plot im Ganzen ziemlich schräg ist, kann man sich ja immer damit behelfen, dass es sich um eine Satire auf die Bücherwelt handeln soll. Die allerdings nicht recht gelungen ist und außer Stein bleiben die Episodenrollen ziemlich blass und schließen sich damit Ehrlicher und Kain an. Gerade die Literaturwelt hätte so viel Gelegenheit für gute Dialoge geboten, aber kennzeichnend ist die sehr schwache und uninspirierte oder auch einfach viel zu trocken und humorlos abgewickelte Pressekonferenz, mit welcher der Verlag Mimi Blaise bzw. deren endlich sichtbare reale Persona vorstellt. Man hat die Chance, die Leswelt mit ihren Eitelkeiten herauzuarbeiten, vergeben und stattdessen einen gothischen Mummenschanz installiert, der ausgerechnet im Innenraum des Völkerschlachtdenkmals von Leipzig seinen Höhepunkt in Form einer etwas unbeseelt wirkenden Party findet. In Bezug auf Anna Stein, die sich dorthin begibt, kommt es übrigens zu seinem seltsamen, sehr auffälligen Continuity-Fehler, als sie angegriffen wird und in einer Art Zelle endet. Da fehlt mindestens eine Einstellung, die den Vorgang realistisch darstellt.

Fazit

Den letzten Ehrlicher-Film „Die Falle“ haben wir vor längerer Zeit bereits rezensiert, den drittletzten, „Die Anwältin“, ebenfalls, nun schließe wir die Lücke dazwischen. Ich finde ein Szenario mit Büchern generell interessant, daher fällt meine Bewertung trotz der wenig dynamischen und griffigen Handlung nicht so schlecht aus und ich mag ja auch die Art, wie eine junge Polizistin sich für ihren Liebsten einsetzt, obwohl der gerade mit einer Literaturagentin fremdgegangen war. Echte Gefühle, die einiges verzeihen. Dass sie für eine Starautorin zu jung ist, die ja doch über einige Jahre schon ein paar Bestseller geliefert haben muss, damit aus „Sariel“ ein Kult werden konnte, geschenkt.

6,5/10

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Bruno Ehrlicher – Peter Sodann
Hauptkommissar Kain – Bernd Michael Lade
Matthias Erler – Johannes Brandrup
Anna Stein – Annika Blendl
Heiko Brenner – Bernhard Schütz
Mechthild Bläser – Tina Engel
Carola Nagel – Anke Sevenich
Robert Lützgen – Steffen Schroeder
Lutz Döhring – Robert Gallinowski
Ulrike Oppermann – Jutta Fastian
Techniker Walter – Walter Nickel
Frederike – Annekathrin Bürger

Stab
Drehbuch – Mario Giordano, Andreas Schlüter
Regie – Hannu Salonen
Kamera – Carl Finkbeiner
Musik – Karim Sebastian Elias

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