Sonntagsfrage: Union weiter fallend, aber wer ist die Nr. 2? // #AfD #CDU #CSU #DIELINKE #SPD #Grüne #FDP #Sonntagsfrage #Bundestagswahl #Civey #Merkel #Seehofer #ltwby #LtwBY18 #ltwhe18 #ltw #Maaßen #Erdoganbesuch

Umfrage & Ergebnis 31

Es war wieder eine turbulente Woche im politischen Berlin. Maaßen, Brinkhaus, Erdogan: Drei Themen, drei Personen, die für  Schlagzeilen gesorgt haben. Wobei das mit Abstand wichtigste Ereignis ganz sicher der gestern zu Ende gegangene Staatsbesuch des türkischen Präsidenten war. 

Wir ändern ab heute unsere Darstellungsweise, damit wir auch wieder Grafiken erstellen können und weil im Moment beinahe jeden Tag eine neue Umfrage erscheint. Wie üblich gleichen wir diese Werte mit den aktuellsten Civey-Ergebnissen ab, die mittlerweile eine Präzision erreicht haben, von der wir glauben, dass sie den traditionellen Auswahlbefragungen der übrigen Institute mindestens gleichwertig ist.

Gerade in den letzten Tagen hat sich fast jedes Ereignis ganz feinfühlig auf der Zehntel-Skala von Civey abgebildet, aber die Unterschiede zwischen den Tagen lagen erwartungsgemäß im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent. Nachdem nun klar ist, dass die Union tendenziell weiter sinkt und bei höchstens 28 Prozent, bei Civey schon unter 27 Prozent liegt, herrscht unter den Meinungsforschern keine Einigkeit darüber, wer nun gerade Nummer 2 ist.

Hat die AfD die SPD endgültig abgehängt? Manche Institute weisen jetzt einen Abstand von 2 Prozent zugunsten der AfD aus. Sind die Grünen an der SPD vorbeigezogen und ist die AfD weiterhin Nr. 4, wie es gerade eben von Forsa für RTL/n-tv gemeldet wurde oder ist die SPD noch knapp vorne, wie Civey es ausweist? Wir haben das Neueste jetzt zusammengefasst und ein bisschen Bewertung getrieben.

Institut CIVEY FORSA EMNID GMS INSA
Partei / Tag 30.09.2018 29.09.2018 29.09.2018 27.09.2018 24.09.2018
CDU/CSU 26,7 28,0 27,0 27,0 27,0
SPD 16,8 16,0 16,0 16,0 16,0
Grüne 15,7 17,0 15,0 15,0 14,0
AfD 16,8 15,0 17,0 18,0 18,0
DIE LINKE 10,4 10,0 11,0 10,0 12,0
FDP 8,6 9,0 10,0 9,0 10,0
Sonstige 5,0 5,0 4,0 5,0 3,0

Bei der Forsa-Umfrage wurde zusätzlich nach der Lösungskompetenz der Parteien gefragt. Demnach glauben 60 Prozent der Befragten, keine der Parteien könne die aktuellen Probleme Deutschlands lösen. Entweder warten alle auf eine Kraft neuen Stils und wollen sich bewegen, oder es ist noch Platz für eine rechte Partei neben der AfD vorhanden oder die Politik insgesamt wird als unrettbar unfähig angesehen. Die Nichtwähleranteile sind bei den Umfragen nicht ausgewiesen. Bei der Civey-Methode können diese ohnehin nicht erfasst werden.

Das Bild, das sich im Moment zeigt, finde ich absolut logisch. Keines der Themen dieser Woche konnte der Koalition helfen. Das Geschachere um Maaßen, der unerwartete Sieg eines von der Kanzlerin nicht unterstützten Kandidaten bei der Wahl zum Vorsitzenden der Bundestagsfraktion und der Erdogan-Besuch, bei dem die Kanzlerin zwar gesagt hat, es gebe Differenzen, aber ansonsten die Koalition ein typisches Bild von Mittelmaß zeigte, das symbolisch für die Laissez-faire-Haltung vieler Jahre stand, das alles war nicht hilfreich, wie Merkel es ausdrücken würde.

Die Union ist gefühlt den 27 oder 26,7 Prozent für mich näher als den 28, die einzig Forsa ausweist. Die SPD hatte zwar das Fraktionsthema nicht, doch an den beiden anderen Gegenständen war sie ebenfalls beteiligt und zudem zeigt sich, was ich nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden bereits dachte: Andrea Nahles ist nicht die Person mit Strahlkraft, welche der SPD jetzt wenigstens aus dem tiefsten Loch helfen könnte, einfach, weil die Menschen sie mögen. Alle Umfragen sehen die SPD nur noch bei 16 Prozent, einen Tick gnädiger ist nur das Civey-Ergebnis, das 16,8 ausweist.

Die Grünen steigen in allen Umfragen und ich muss schreiben, ich bewundere es, wie sie derzeit alles richtig machen. Allein die Arbeitsteilung, dass die Vorsitzenden nicht zum Erdogan-Dinner gehen und der Ex-Vorsitzende, der einer der profiliertesten Kritiker des türkischen Präsidenten mit Herkunftsland Türkei ist und von fanatischen Erogan-Fans schon viel aushalten musste, zwar hingeht, aber ein paar kritische Worte fallen lässt, die bei ihm authentisch wirken, war geradezu genial.  Ob sie wirklich schon die SPD überholt haben und gemäß Forsa Nr. 2 sind, nicht die AfD, muss sich anhand weiterer Umfragen bestätigen, jedenfalls haben sie am Wochenende von allen Partein das beste Bild abgegeben und die 15,7 bei Civey bestätigen einen sanften, aber kontinuierlichen Anstieg in den letzten Monaten. Das ändert nichts daran, dass die Grünen Zukunftsfragen zu isoliert betrachten und in vielen Dingen zu bürgerlich geworden sind, aber der Lauf stimmt.

Um in der Terminologie zu bleiben: Im Laufe des heutigen Tages hat die AfD mit der SPD nun doch auch bei Civey gleichgezogen. Lediglich bei der heutigen Forsa-Umfrage liegt die SPD noch ein Pünktchen vorne, ansonsten ist die Tendenz der letzten Woche klar und setzt sich fort. Auch die AfD profitiert von allen drei Vorgängen, die in dieser Woche die Diskussion geprägt haben – und meine Befürchtung ist, dass der Verlauf des Erdogan-Besuchs, insbesondere die Ereignisse vom Samstag, die AfD weiter stärken werden.

In gewissem Umfang profitiert jetzt auch DIE LINKE von der Entwicklung. Die 10,4 Prozent, die Civey aktuell ausweist, sind der höchste Wert, den sie von diesem Berliner Institut bekommen hat, seit ich es zur Auswertung der politischen Stimmung verwende (März 2017). Es geht aber recht langsam voran und ob „Aufstehen“ daran einen Anteil hat oder das miserable Bild der Koalition jetzt doch den einen oder anderen SPD-Wähler dazu führt, DIE LINKE zu bevorzugen, kann ich nur schwer einschätzen. Dazu ist die Bewegung zu gering, einzelne Ereignisse hinterlassen weniger Ausschläge als bei allen anderen Parteien. Die 12 Prozent, die INSA ausweist, halte ich für sehr hoch gegriffen.

Die FDP nähert sich gemäß einigen Umfragen wieder ihrem Ergebnis von 10,2 Prozent bei der Bundestagswahl 2017, aber aus dem berühmten Bauch heraus würde ich sagen, die 8,6 Prozent bei Civey liegen näher an der Realität als die 10 zweier anderer Institute.

Ach ja, Landtagswahlen gibt’s demnächst auch: In Hessen und in Bayern werden wir beobachten, dass die Union und die SPD ebenfalls historische Niederlagen einfahren werden.

TH

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