Land in dieser Zeit – Tatort 1006 / Crimetime 90 // #Tatort #Frankfurt #Janneke #Brix #HR #TatortFrankfurt #LandindieserZeit

Crimetime 90 - Titelfoto © HR / Degeto, Bettina Müller

Shitstorm over Frankfurt

Der Tatort 1006 ist nach „Wendehammer“ (1004) der zweite innerhalb von drei Wochen mit dem neuen Frankfurt-Team Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch). Und die dritte Premiere hintereinander, bei welcher der Schweizer Markus Imboden Regie geführt hat (so auch bei „Klingelingeling“, Tatort München, Nr. 1005).

Aber es ist der einzige von den dreien, der wirklich Wellen schlägt, weil politisch der eindeutigste. Als er gedreht wurde, im Juli und August 2016, war die Debatte über die Geflüchteten in vollem Gang – aber es gab zum Beispiel noch nicht den terroristischen Anschlag, der sich am 20.12.2016 nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt zutrug, an dem diese -> Rezension geschrieben wird. Tatorte heutiger Prägung haben meist politische Aspekte, die man gut besprechen, die man als Kernpunkt der Betrachtung verwenden kann – beim Wahlberliner tun wir das aber nicht ausschließlich, sondern, und das bleibt auch in diesen politisch aufgeregten Zeiten so, betrachten wir auch die Qualität eines Tatorts als Film.

Handlung 

In einem ausgebrannten Friseursalon wird die Leiche der Auszubildenden Melanie Elvering gefunden. Rosi, die Chefin (Birge Schade), und ihre zweite Angestellte, Vera Rüttger (Jasna Fritzi Bauer), sind erschüttert. Alles weist auf einen Brandanschlag hin. Rasch können Hauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) und Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch) ermitteln, dass es vor kurzem einen heftigen Streit zwischen Melanie und einem afrikanischen Drogendealer gab. Dieser wird festgenommen. Nachdem zunächst Vera, dann auch Rosi den Drogendealer John Aliou (Warsama Guled) eindeutig wiedererkannt haben, schleichen sich jedoch bei den Kommissaren Zweifel ein.

Denn John Aliou hat ein wasserdichtes Alibi. Bei der Befragung von Veras WG-Mitbewohnerin Juliane Kronfels (Anna Brüggemann) und Margaux Brettner (Odine Johne), der Enkelin des Besitzers des gegenüberliegenden Kiosks, registrieren Janneke und Brix, dass diese sich in nationalistischen Kreisen bewegen und die afrikanischen Drogendealer unbedingt weg haben wollen. Nachdem Vera von Janneke und Brix immer stärker verdächtigt wird, etwas mit dem Brand zu tun zu haben, beschließen Juliane und Margaux, dass Vera untertauchen soll. Doch Vera lässt sich nichts vorschreiben – die Situation eskaliert vollkommen … „Land in dieser Zeit“ ist der fünfte Tatort mit dem Frankfurter Ermittlerteam Margarita Broich als Anna Janneke und Wolfram Koch als Paul Brix.

Rezension

Der fünfte Janneke-Brix-Tatort aus Frankfurt am Main ist der eindeutig politischste, wie ist das Gefühl nach dem Anschauen gewesen?

Ich schrieb in der Vorschau, dass man sich an Janneke und Brix gut gewöhnen kann, weil sie nicht solchermaßen ungewöhnliche Charaktere sind wie ihre Vorgänger Steier-Mey oder deren Vorgänger Dellwo-Sänger. Diese Duos haben ihre Filme oft sehr dominiert, aber besonders Sänger-Dellwo durften sich auch durch hervorragende Drehbücher spielen und während ihrer Zeit war Frankfurt stilistisch, inhaltlich, darstellerisch ein Top-Tatort-Standort, der die Maßstäbe der Reihe mitbestimmt hat. Das ist jetzt nicht mehr so, bei aller Sympathie für Margarita Broich und Wolfram Koch, welche die Tradition der 50/50- oder1:1-Gender-Teams in Frankfurt nun sozusagen in der dritten Generation fortsetzen.

Dafür hat man ihnen doch einen schrulligen neuen Chef verpasst.

Der vorherige mit dem Namen Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) war schon ziemlich besonders, der neue aber wird schlicht übertrieben gezeichnet. Sicher, das trifft mittlerweile auf viele Ermittler auch zu, und wenn diese in Frankfurt schon eher normal wirken, muss eben der Kriminalrat der schräge Vogel sein, der Ernst Jandl-Lyrik zum Besten gibt. Und immerhin werden dabei Erinnerungen wach, denn „Schtzngrmm“ war bei uns Schullektüre, sprich, sollte interpretiert werden. Ich mochte Gedichtinterpretationen nie so gerne wie die Analyse von Prosatexten, aber ich habe Jandl heil überstanden, obwohl „Schtzngrmm“ noch abstrakter wirkt als die hier von Fosco Carridi (Bruno Canthomas) vorgetragenen Werke.

Ist das eine reine Schrulle oder steckt mehr hinter dem Lyrikfan Fosco Carridi?

In Bezug auf den Tatort 1006 könnte man zum Beispiel hindeuten, dass die Dekonstruktion unserer Sprache gezielt dem als maximal spießig dargestellten Chorgesang von „Kein schöner Land in dieser Zeit“ und dessen romantischem Duktus gegenübergestellt wird. Das schöne Land ist futsch, der Hass regiert, die Sprache kann nur rudimentär, bruchstückhaft, kakophonisch sein. In der Tat reflektieren die experimentellen Gedichte des 20. Jahrhunderts die einschneidenden Kriegs- und Diktaturerfahrungen, wären ohne sie wohl nicht entstanden, und alles wirkt ins Heute fort. Sehr sogar. Sogar so sehr, dass Tatorte wie „Land in dieser Zeit“ dabei herauskommen.

Das heißt, es ist ein hintergründiger Tatort, schon wegen der Lyrikverwendung?

Ja und nein. Ich bin bei dieser Art von Inszenierung oft hin- und hergerissen. Das manchmal etwas Abgehobene, das auch in Details anderer Inszenierungen von Imboden zu sehen ist, führt in „Land in dieser Zeit“ zu einer Dialektik, die mir als genau das Gegenteil von intellektuell erscheint. Man kann auch sagen, banale Klischees werden von hinten durchs Knie geschossen, um den Zuschauer auf einer vermeintlich subtextlichen oder sehr sublimen Ebene anzusprechen. Da traut Imboden den Deutschen dann doch einiges zu, aber der Inszenierungsstil an sich ist viel konservativer als zum Beispiel in „Wendehammer“, eher dem von „Klingelingeling“ entsprechend, und schließlich sind es die Drehbücher, die weitgehend über die Anmutung eines Tatortes bestimmen. Und um seine eigene, immerhin mögliche Intellektualität komplett zu kontern, wird dieser Tatort so belehrend und holzhammermäßig, wie ich aus Frankfurt bisher nicht kannte. Bremen, Lürsen, okay, als Thesentatort angenehmer aufbereitet auch aus Köln denkbar, aus München gar, aber Frankfurt, wo man seit Sänger-Dellwo nicht mit dem Hammer, sondern mit dem Florett unterwegs war, um für soziale Themen zu kämpfen?

Was ist denn so penetrant?

Fast alles, leider. Dadurch wirkt der Film unglaublich grob und bewirkt vermutlich das Gegenteil von Aufklärung und Nachdenken, ich erkläre später noch, warum ich das denke, erst zum Faktischen im Postfaktischen. Zum Einen muss Janneke gegenüber Vera, einem jungen Mädchen, das von Rechts infiltriert ist, dozieren, obwohl klar ist, dass sie die junge Frau nicht erreichen kann, zum anderen werden verrückte Konstruktionen wie die junge Geflüchtete inszeniert, die sich komplett absurd verhält und dann natürlich noch vergewaltigt werden soll und zusammengetreten wird, von bayerischen Touristen, zu allem Überfluss.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser Tatort wirklich die pädagogische Aufgabe erfüllt, die ihm vielleicht zugedacht wurde. Ich bin mir gar nicht sicher, ob er wirklich so ernsthaft gemeint ist, denn das Plakative ist doch zu mächtig. Es gab schon einige gute Filme der Reihe zum Themenkomplex der Geflüchteten, in dem diese auch so gezeigt wurden, dass man sich mit ihnen identifizieren konnte, und darauf kommt es ja an. Hingegen den Deutschen eins überzuziehen, wird diejenigen, die rechts sind, nicht belehren, diejenigen, die eher links sind, ärgern, weil sie sie hier falsch dargestellt fühlen. Nur diejenigen, die demütig jede Diffamierung annehmen, aus welchen Gründen auch immer, finden eine so einseitige Darstellung wie in diesem Tatort vermutlich super. Vor allem, wenn sie schlichte alte Volkslieder als Botschafter des ewig gestrigen Rechtsradikalismus verstehen.

Aber man muss den Film doch nicht persönlich nehmen?

Tue ich nicht, zumal ich weiß, wo ich politisch stehe und mir diesen Schuh, den dieser Film dem Publikum darreicht, nicht anziehen muss. Es ist aber trotzdem etwas nicht Akzeptables für mich darin, etwas, das mich ärgert und das sich übers Nachdenken via Rezension schreiben etabliert, nicht nach dem Anschauen des Film selbst, der mich ziemlich kalt gelassen hat. Es ist der Ärger über die destruktive Art, in der bei uns die gesamte Diskussion geführt wird, und da ist ein Film wie „Land in dieser Zeit“ keinen Deut besser als die Rechten selbst mit ihrem Hass, die gar nicht so wirksam sein könnten, wenn ihre Gegner nicht ihr Wording übernehmen, dann die Deutungshoheit übernehmen und so belehrend daherkommen wollten. Was wir jetzt brauchen, sind positive Zeichen, und da reicht das gemeinsame Abendessen in der Pension von Zazie de Paris mit Geflüchteten, Brix und der Gastwirtin nicht aus. Auch hier kommt keine Atmosphäre auf, die in mir persönlich den Wunsch weckt, Geflüchtete näher kennenzulernen, denn kulturelle Vielfalt habe ich in Berlin ohnehin jeden Tag um mich und es gibt so viele Schicksale, über die zu berichten wäre und nie ein Wort verloren wird, weil sie medial nicht interessant sind.

Die Geschichten von Migranten, welche die Integration eben nicht geschafft haben, von marginalisierten ethnischen Deutschen, von Armen und anderen Menschen ohne Lobby springen mich fast jeden Tag an, wenn ich im öffentlichen Raum unterwegs bin, aber niemand schreibt sie. Niemand interessiert sich dafür. Auch Tatorte zeigen das Prekariat höchstens als hässliche Randerscheinung und sehr klischeehaft.

Ein Krimi soll zwar kein Wohlfühlfilm sein, aber es gab schon sehr gute Tatorte, die eine Form von progressiver, emotional zugewandter Haltung mit schwierigsten Gegenständen zu verbinden wusste. Davon keine Spur in diesem Film mit der emotionalen Temperatur eines toten Fisches. Irgendwie sind leider auch solche Filme nicht dazu geeignet, mir das Gefühl zu vermitteln, wir lernen endlich etwas dazu.

Warum lernt man aus dem Film nicht?

Er enthält keine neuen oder überraschenden Fakten, die Plotkonstruktion ist außerdem so schwach, dass man auch nichts Neues übers Medium Film lernen kann. Und er macht sich nicht zunutze, dass wir nach 40 Jahren Sozialpädagogik ganz andere Möglichkeiten haben, ein großes Thema emotional erfahrbar zu machen, als einen so konventionellen und hinter Jandl doch sehr biederen Film. Leider ist eines nicht abzustreiten: Das Niveau der politischen Diskussion ist auch nicht besser, insofern bildet „Land in dieser Zeit“ natürlich die Realität ab. Er gibt aber keinen Hinweis darauf, dass ein anderes Denken und Handeln sehr wohl möglich sind, und wenn man schon – was ich, siehe oben, bezweifle – pädagogisch sein möchte, dann gehört ans Ende, so offen es handlungsseitig auch sein mag, nicht nur der fatalistische Hinweis, dass jetzt das nächste Mädchen von den rechten Dämoninnen in die WG aufgenommen und eingenordet werden wird, sondern auch, dass es eine andere Welt gibt, sogar in Deutschland. Immerhin wurde sie ja in Person von Brix‘ Zimmerwirtin angedeutet, mehr pflichthalber, als dass sie ein humanistisches Kraftzentrum darstellten würde.

Nun aber, gemäß der Behauptung eingangs – zum Film selbst.

Sicher hätte es einen positiven Effekt gehabt, wäre die Handlung souverän und nachvollziehbar gestaltet. Qualität wirkt immer, und ich kann wirklich nur jedem Drehbuchschreiber raten, sie nicht komplett beiseite zulassen, nur, um ein soziales Thema irgendwie ins Tatortformat zu pressen. Es geht nämlich auch anders, und das macht Tatorte aus, die trotz eindeutiger politischer Vorträge vom Publikum akzeptiert werden. Aber wenn der Kernpunkt der ohnehin spärlichen Ermittlungen ein Plothole darstellt, wird’s wirklich schwierig.

Ich gehe davon aus, dass die Rechtsintellektuelle in diesem Film und deren Komplizin vom Kiosk nicht wissen konnten, dass es die Kriminaltechnik mit allermodernsten Methoden schafft, eine simple Milchflasche, deren Scherben im ausgebrannten Frisiersalon liegen geblieben waren, so zu rekonstruieren, dass darauf die Fingerabdrücke des jungen Afrikaners wieder sichtbar gemacht werden können. Was hatte es also für einen Sinn, die einzige Spur, die zu ihm führt, nämlich diese Flasche mit seinen Fingerabdrücken, für den Molotowcocktail zu verwenden, der das Geschäft in Brand setzt? Wenn man eine einigermaßen brauchbare Spur hätte legen wollen, dann doch nicht so. Und nur wegen dieser Spur gibt es überhaupt einen Verdächtigen, den man immerhin vernehmen und inhaftieren kann.

Jedenfalls ist das der größte technische Schnitzer des Films, verschiedene Unglaubwürdigkeiten liegen auf einer anderen, nicht so eindeutigen Ebene, tragen aber zu dem Gesamtbild bei, dass man hier wirklich mit aller Gewalt Stimmung machen wollte.

Es gibt aber doch diese Übergriffe gegen Geflüchtete?

Es gibt tausende davon, jedes Jahr. Es ist eine Schande. Und es ist richtig, nicht jeden Übergriff, den Geflüchtete ihrerseits begehen, an die große Glocke zu hängen, als wäre es etwas Besonderes, denn das ist es nicht, wie die Gegenseite, die Rechten, eindrucksvoll belegen. Es ist Alltag in diesem Land. Drogenkriminalität ist Alltag in diesem Land. Die Flüchtlinge, besonders der Straßendealer, werden auch nicht anbiedernd sympathisch gezeigt, mancher Aspekt wird trotzdem außen vor gelassen. Zum Beispiel, dass ein Geschäft wie dieser Friseurladen auch dadurch ruiniert werden kann, dass sich genau davor eine Dealerszene etabliert. Und wirken diese Ansammlungen von jungen Männern nun beunruhigend oder nicht?

Wirken Nazi-Aufmärsche beunruhigend oder nicht? Doch, beides, und natürlich ist die Stimmung des Landes in unserer Zeit nicht die beste. Aber der Realismus leidet darunter, dass mal wieder nicht hauptsächlich gezeigt, sondern erklärt und agitiert wird – und darunter, dass für wirklich alles eine Verschwörungstheorie herausgebildet werden muss, wie die beiden Frauen, die sich tatsächlich die Mühe machen, eine unberechenbare junge Frau aus dem Prekariat dafür auszubilden, dass sie Anschläge als Marionette ihrer geistigen Anführerinnen und geistigen Brandstifterinnen im wörtlichen Sinn begeht.

Anstatt realistische Charaktere zu zeichnen und diese individuell so auszustatten, dass sie interessant werden, konstruiert der Film eine Situation, die wohl ein wenig ans NSU-Szenario erinnern soll, aber in Wirklichkeit ganz anders gelagert und höchst unwahrscheinlich ist. Und genau aus den vielen Unglaubwürdigkeiten in diesem Film nebst seiner diffamierenden Ader können die Rechten ihn als propagandistisches Machwerk einstufen und sich über den Umgang mit ihren GEZ-Gebühren beschweren.

Das Fazit müsste dann sein: Der Film ist kontraproduktiv, wenn  man ernsthaft etwas für die Geflüchteten tun will?

Ich glaube nicht, dass er etwas für die Geflüchteten tun will, sondern dass Ablästern das Ziel und die Motivation war. Ob von Links oder Rechts, das Stänkern, das Verbiegen, die Einseitigkeit und damit das permanente Ausblenden der Befindlichkeiten vieler Menschen , bringen uns aber nicht weiter und verhindern zudem, dass vorliegende Fakten in Ruhe und einigermaßen vorurteilsfrei besprochen werden können, anstatt beispielsweise Inhaber kleiner Geschäfte letztlich doch als Nazis darzustellen, die sich von aggressiven Drogendealerbanden vor ihren Läden überfordert fühlen.

Vielmehr wäre diese Besprechung vonnöten, wären vonnöten: Zuwendung, konkrete Aktion, Einbindung, echtes, aus konkretem Kontakt resultierendes Verständnis füreinander und eine Änderung der gewaltfördernden Politik in diesem Land, die all diese Schieflagen bewirkt – und die noch nicht in einem einzigen Flüchtlingstatort bisher ernsthaft ins Panorama einbezogen wurde. Diejenigen, die sich hier nicht mehr wohlfühlen, obwohl sie hier geboren sind, sind genauso Opfer dieser kruden Machtpolitik wie diejenigen, die hierherkommen, weil sie in ihrer Heimat verfolgt wurden. Ebenso wie Polizisten, die keine persönlichen Emotionen zulassen dürfen, wenn sie dienstlich handeln und deswegen einen Afghanen anders behandeln müssen als einen Syrer.  Ich bin gespannt, wann ein Tatort sich die Mühe macht, diese Zusammenhänge endlich in filmisch überzeugender Weise umzusetzen. Das wäre dann auch mutig und würde vielleicht eine sinnvolle Diskussion anstoßen oder befördern.

Sicher ein wenig Pech für diesen Tatort, sofern die Bewertungen von Hobbyjournalisten Pech sein kann, dass ich gerade in einer Phase bin, in der ich politische Aktion, nicht Beschreibung, den Willen zur Versöhnung, nicht zur weiteren Spaltung, zu der auch Tatorte wie dieser beitragen, in der ich Zeichen für eine positive Zukunft sehen und setzen möchte. Gegen Nazis. Aber auch gegen Realitätsverweigerung. Hätte es noch keinen Tatort über Geflüchtete und Recht gegeben, hätte ich auch geschrieben, er ist wichtig und dass er grob wirkt, liegt am sperrigen Thema und dem noch nicht eingeübten Umgang damit. Aber nachdem es bereits eine zweistellige Anzahl von Tatorten zur Sache innerhalb der letzten beiden Jahre gab, kann ich gut vergleichen und wundere mich, wie man angesichts wesentlich besserer und für die Geflüchteten und ihre Situation wirklich werbender Darstellungen auf ein solchermaßen unproduktives  Niveau zurückfallen kann, wie der Tatort 1006 es zeigt. Aber das ist die Meta-Ebene. Postfaktisches und Knalliges finden sich zu einem Bild dieses Landes in unserer Zeit zusammen. Kann man so sehen. Trägt aber nichts mehr bei.

Ein Abschlusswort: Dafür, dass der Tatort jetzt keine Tiefe haben soll, ist die Rezension aber hübsch lang geworden.

Das Thema. Seine Relevanz. Der Ärger. Die Selbstversicherung. Und dass wir trotzdem nicht lechts mit rinks velwechsern.

Wertung: 5,5/10

© 2018, 2016 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Schauspieler: Margarita Broich (Anna Janneke), Wolfram Koch (Paul Brix), Bruno Cathomas (Fosco Cariddi), Jasna Fritzi Bauer (Vera Rüttger), Isaak Dentler (Kollege Jonas), Zazie de Paris (Fanny), Anna Brüggemann (Juliane Kronfels), Warsama Guled (John Aliou), Birge Schade (Rosi Grüneklee), Mehmet Atesçi (Lamin), Odine Johne (Margaux Brettner), Sascha Nathan (Kriminaltechniker), Maryam Zaree (Najla), Enno Hesse (Heiner Pohlmann), Wilfried Elste (Harald Brettner), Michael Stange (Pathologe)

Regie: Markus Imboden
Drehbuch: Khyana el Bitar, Dörte Franke, Stephan Brüggenthies

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