Brüder – Tatort 901 / Crimetime 148 // #Tatort #TatortBrüder #Tatort901 #RB #RadioBremen #Lürsen #Stedefreund #Brüder #Clankriminalität #OK

Titelfoto © ARD / RB, Jörg Landsberg

Was ist das Gesetz?

Die Handlung in einem Satz, ohne Auflösung: Bei einem Einsatz wird eine junge Polizistin schwer verletzt, an die Täter ist vorerst nicht heranzukommen, denn sie sind Mitglieder eines parallelgesellschaftlichen arabisch-kurdischen Mafiaclans, der vor der Einschüchterung von Zeugen und Justizpersonen nicht zurückschreckt und erst ein aus der Familie ausgestiegenes Mitglied des Clans, das jetzt Polizeischulung macht, bringt die Sache ins Rollen.

Den Bremern ist kein Eisen zu heiß, das haben wir schon öfters festgestellt und es ist sicher das große Plus der Tatorte aus dem kleinsten Bundesland. Hinzu kommt, dass die Lage dieses Mal zu ernst ist, als dass Geplänkel zwischen Inga und Nils oder Inga und Tochter oder politische Statements von Inga angebracht und glaubwürdig wären.

Herzlich willkommen in der Realität. In jener Realität heißen die Clans vielleicht Nidal, wie im Film, vielleicht Miri, in Bremen, oder Abuo-Chaker in Berlin. Das sind die Organisationen, die mit Bushido im Geschäft sind. Was aber ist unsere Realität? Im Verlauf der Rezension und weil Inga Lürsen dieses Mal gepasst hat, werden wir uns ein paar gesellschaftspolitische Gedanken machen.

Ja, es war richtig, richtig spannend. Wir haben etwas gesehen, das uns verdammt wie schon gesehen vorkam – und doch wieder nicht. Deswegen war es gut, dass man den Clan der Nidals nicht zu intim ausgeleuchtet hat – die Hintergründe, die Organisationsformen, wie das Business funktioniert. Es funktioniert vielleicht in Details immer ein wenig anders, als wir Outsider uns das vorstellen.

Berlin-Umzug: Wir haben in Neukölln angefangen, um die Stadt von der Pike auf zu lernen. Daher wissen wir, wie die diese Jungs ticken, wie sie reden und wie ihre Körpersprache ist – wie sie Drohkulissen aufbauen können und wie die Leute dann in der Regel kuschen. Wie läuft es? So, wie bei den beiden jungen Polizisten am deprimierenden Ende des Films, die lieber noch ein bisschen länger leben wollen, als die nächste Konfrontation mit dem Clan zu wagen? Wir wissen es nicht, zumindest nicht aus polizeiinterner Sicht.*

Handlung 

Die Polizisten David Förster und Anne Peters werden zu einem Notruf geschickt – ein Mann fühlt sich bedroht. Der Einsatz eskaliert und Anne wird lebensgefährlich verletzt.

David Förster ist Hauptzeuge des Verbrechens, doch er weicht den Fragen von Hauptkommissar Stedefreund aus.

Als die Bremer Hauptkommissare Inga Lürsen und Stedefreund eintreffen, sind David und der Mann verschwunden. Indizien deuten darauf hin, dass der Mann ermordet worden ist. Die Bremer Hauptkommissare finden heraus, dass David und Anne unvermutet die Aktivitäten eines kriminellen Clans gestört haben.

Als David wieder auftaucht, weicht er den Fragen zum Tathergang aus. Hat der Clan etwas gegen ihn in der Hand? Die Hauptkommissare geraten in ein Netz aus Gewalt und Drohungen.  

Rezension

Was wir in der Vorschau geschrieben haben, die allgemeinen Beobachtungen zum Duo Lürsen / Stedefreund war, zugegeben, selten so irrelevant wie dieses Mal, denn die Bremer wollten etwas Besonderes machen: Einen echten Cop-Thriller nach US-Vorbild, ohne Wenn und Aber und ohne Konzessionen an lieb oder nervig gewordene Allüren der ständigen Team-Mitglieder.

Wir gehen zurück in die Zeit, als der Tatort begann, gerade haben wir einen der allersten mit Kressin gesehen und fanden ihn urig – Rezension folgt. Das Mörderische, das Gesellschaftliche, das war damals alles nach den Regeln der Zeit und danach gestaltet, wie Verbrechen damals wahrgenommen wurden. Wenn man alles nun über 40 Jahre hinweg fortschreibt, dann ist die Konsequenz ein Tatort wie „Brüder“. Mit einem ganz kleinen Unterschied. Die auf eine sehr hintergründige Weise psychologisierenden Tatorte der ersten  Zeit waren aus einer intimen Kenntnis allgemein menschlicher Dispositionen heraus geschrieben und inszeniert. Eine Parallelwelt aber, die tatsächlich ihren eigenen Gesetzen folgt, kann von außen nie so treffend wiedergegeben werden – sonst müsste man ausgestiegene Insider als Berater hinzuziehen. Wenn diese Möglichkeit besteht, sollte man sie unbedingt nutzen.

Es wäre aber falsch, diesen Teil der Realität auszuklammern, weil man ein wenig zu sehr mit dem Reißbrett herangeht und ein Ende produziert, das auch psychologisch unstimmig ist. Nicht Nidal ist immer Nidal, sondern Ausstieg ist immer Ausstieg, wenn man erwachsen ist und so hart dafür kämpfen musste, in die Oberflächengesellschaft zu wechseln und dafür sogar eine neue Identität verpasst kommt.

Sicher sind manche Momente gegenüber der Wirklichkeit in die eine oder andere Richtung verschoben. Die Szene mit dem Richter und dem Hassan ist sicher etwas übertrieben. Man kann aber die Verbindungen, die Clans aufbauen, in einem Tatort nicht erschöpfend behandeln und das eine oder andere muss plakativ gestaltet werden. So kann eine Situation auch Symbolcharakter erhalten. Die Gefährlichkeit der zentralen Clanfiguren aber kommt untertrieben rüber, vor allem durch die einzige witzige Szene in diesem Film: Der Clan guckt mit 3D-Brillen fern und sieht dabei aus wie eben Mafioso mit Sonnenbrillen auszusehen haben. Da ist doch immer noch ein Rest Political Correctness an einem vollkommen falschen Platz: Wie kann man die Verbrechen eines Clans dadurch relativieren, dass man darauf verweist, die Leute hätten, als sie hierher kamen, keine Arbeitserlaubnis gehabt? Es gibt viele Ethnien, die von diesem Schicksal betroffen waren oder sind, und die sich nicht zu OK-Großorganisationen zusammengeschlossen haben. Andererseits gibt es genug Migranten mit Arbeitserlaubnis, die ebenso kriminell veranlagt sind wie viele Deutsche.

Links sein, das hat dieses Mal auch Inga Lürsen bis auf diese Bemerkung zur Arbeitserlaubnis verstanden, bedeutet nicht, wegzusehen und die Fehlentwicklungen in der Gesellschaft nicht benennen zu dürfen. Manchmal, ja, da macht es Kopfweh, die Augen nicht zu verschließen. Da verursacht es richtig Schmerz, sich der Wahrheit zu stellen. Die Wahrheit ist eine solche Gemengelage aus Argumenten und Beobachtungen, dass nicht mit einfachen Schlagworte operiert werden kann.

Leicht war’s natürlich, in den Tatort 901 hineinzufinden. Die emotionalen Anfangsminuten haben gleichermaßen den Spannungsbogen geöffnet wie für Involvierung gesorgt. Angst, Gewalt, Tod. Schock. Da waren einige kleine Momente drin wie der, als die verletzte Polizistin unter dem Fahrzeugboden durch auf die andere Seite nach ihrem Kollegen winkte und mit schwacher Stimme „David!“ rief, die konnten uns nicht kalt lassen.

Sogar das Nacherleben beim Schreiben ist alles andere als neutral. Man darf nie den Fehler machen, Menschen nur als Angehörige von Gruppen zu sehen – Staatsdiener, Ordnungshüter, Migranten, Kriminelle. Der Jurist sagt, es kommt auf den Einzelfall an, und damit liegt er grundsätzlich richtig und der Rechtsstaat muss diesen Grundsatz wahren, auch wenn’s schwerfällt, angesichts der Szenen in dem altehrwürdigen Sitzungssaal des Gerichts, den man im Film bewundern durfte. Das war hochsubtil gefilmt: Vorne sitzt bei diffusem Licht in weiter Ferne das Gericht, hinten die Angehörigen des Angeklagen, mit dem Rücken zur Kamera, frontal zum Gericht.

Das Gericht zeigt sich und ist von Jahrhunderte alter hanseatischer Rechtstradition beeinflusst, in diesem wirklich schönen Saal, der eine beinahe sakrale Atmosphäre hat. Und in diesem Saal führen sich bildungsferne Kasperl genau so auf – kasperlhaft. Egal, wir haben die Message verstanden. Es ist eine Diskriminierung der Justiz und ein Sakrileg, so mit ihr umzugehen.

Die Kultur ist auf dem Rückzug, das Gesetz ist eben doch schon fern, der  böse Clansman braucht nicht zu sagen „Ich bin das Gesetz“, damit wir verstehen. Das Gesetz sitzt im Licht – jedoch ganz hinten, am Ende des Saales. Die Bedrohung, die ist nah, direkt vor uns als geschlossene Reihe, sie ist dunkel, und sie ist anonym, denn man sieht nur Glatzen, Frisuren, Kopftücher. Sicher ist das suggestiv. Uns wird es sicher nicht dazu verleiten, nicht mehr differenziert zu denken. Aber es ist ein Teil der Realität. Der Einstieg in die Gerichtsszene ist einer der am besten gefilmten Tatort-Momente, die wir je gesehen haben – die Bremer sind ja visuell sowieso top und in „Brüder“ haben sie stellenweise das Besondere geboten. Schade, dass man dieses Schema nicht durchgezogen hat und dann doch Nahaufnahmen, z. B. vom vorsitzenden Richter, zeigte. Totalen wären an dieser Stelle u. E. besser gewesen, wenn auch nicht ganz aus der Ferne, wie zu Beginn der Sequenz.

Wir wollen neben der Technik das Leben nicht vergessen, deswegen jetzt zum Leben: Grundsätzlich kommt man gut aus, mit jedem in Städten wie Berlin oder Bremen, falls es denn vergleichbar ist, wir waren noch nie in Bremen. Solange man niemanden provoziert, gilt das meistens, was körperliche Bedrohung angeht. Zumindest, wenn man noch rüstig und übedurchschnittlich groß ist und nicht ausschaut wie ein weichgespülter Strafrichter aus der 1970er-Generation. Wir hatten aber in den wenigen Jahren Berlin mehr Rechtsstreitigkeiten als im gesamten Leben zuvor und drei Strafanzeigen gestellt.

Wir wissen, dass die Polizei hier erst ab Massenmord ermittlerisch tätig wird, aber wir waren’s uns schuldig, einen Diebstahl gemäß § 243 StGB, einen nach § 242 StGB und einen Kreditkartendiebstahl nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen (abgesehen davon, dass in letzterem Fall, der durchaus eine OK-Tat gewesen sein könnte, die Bank den Schaden nicht ersetzt hätte, wenn wir nicht bei der Polizei vorstellig geworden wären). Ach ja, als Zeugen und Geschädigte / Nebenkläger in einer Wirtschaftsstrafsache durften wir auch noch vor Gericht. Da waren keine Araber am Werk, sondern Personen, die sich, um es etwas verschlüsselt auszudrücken, als Angehörige jener Gruppe ausgegeben hatten die mit Arabern in permanentem Konflikt liegt. So aber ist die Welt und manchmal gibt es einfach in jeder Ethnie Verbrecher, bei denen soziologische Hintergrundstudien das falsche Mittel zu Erklärung der Lage und zur Besserung derselben sind. Das zum persönlichen Zugang.

Berlin hat seinen Beitrag mit der U-Bahn-Story „Gegen den Kopf“ erst einmal geleistet, um die aktuellen Zustände zu beleuchten. Bremen hat, weil dort tatsächliche Clans ansässig sind, jede Befugnis, einen guten Clan-Thriller zu  machen und wir finden den Film trotz der erwähnten Schwächen gelungen. Wir werden jetzt auch nicht das Mantra der Ausnahmen, des Anti-Rassismus, der Gesinnungsethik herunterbeten. Es gibt Menschen, die können andere Menschen sich offenbar nicht vorstellen und akzeptieren, dass diese anderen wirklich einfach nur mies sind – und wozu so viel Naivität führen kann, hat man vor ca. 70-80 Jahren gesehen. Deshalb können wir die Reaktion der Polizisten am Ende des Films verstehen, aber nicht billigen.

Ja, es soll Clans geben, die 1000 Mitglieder zählen. Dazu können wir nur sagen: Die Kannibalisierung ist abzusehen, und die wird sich weitgehend intern abspielen. Der Vergleich mit den gesetzlosen Zuständen der US-Prohibitionsära liegt nah: Es geht um viel Geld, aber es gibt Grenzen. Nämlich da, wo es die Zahl der Abnehmer für illegale Drogen, für Mädchenhändler, für Waffenschieber begrenzt ist. Ein Einbrechen der OK in die Welt des Normalbürgers ist eher nicht zu erwarten, dafür ist bei ihm zu wenig zu holen. Ein Clanmitglied denkt außerdem für die Familie, nicht global. Zum Beispiel, dass, wenn alle kriminell wären, es keinen Markt mehr gäbe, keine Opfer, sondern nur noch Akteure. Von gewissen Vierteln, in denen sich kriminelle Elemente ballen, abgesehen, ist die Kriminalität Kopfsache.

Solange es keine Gewalt gegen Unschuldige gibt. Das ist der Rubikon, zumindest für uns persönlich. Ansonsten könnte man sogar sagen, viele Schmuck-, Uhren- und BMW-Händler freuen sich doch darüber, auf welche Weise das illegal erwirtschaftete Geld wieder in den legalen Kreislauf gelangt. Dies alles bringt dann doch wieder Steuereinnahmen, wenn auch auf Umwegen. Allerdings vertreten wir in unseren politischen Artikeln die Meinung, dass die Banken und die Immobilienwirtschaft der großen Einheiten nicht mehr in privater Hand sein dürften, und damit wäre viel Kontrolle gewonnen und viel an Motivation, in großem Stil verbrecherisch zu werden, verloren. Das ist ein Sonderweg, schon klar. Aber wenn wir mitbekommen, wie Angehörige der Exekutive depressiv klingende Statements von sich geben, weil sie nicht einmal von den Behörden unterstützt werden, die im Sinn einer wirksamen Verbrechensbekämpfung kooperieren müssten, weil sie im Alltag nicht durchsteigen und alle Erfolge in den Mühlen der Justiz versanden, liegt die Idee, den Hebel auf einer anderen Ebene anzusetzen, nicht so fern. Es sind eben auch die Verhältnisse, die den Nährboden für die Verhältnisse bilden.

Fazit

Die Exekutive darf sich jedoch nicht verstecken. Wer sich in Städten wie Berlin oder vielleicht auch Bremen als Polizist verdingt, weiß, worauf er sich einlässt und darf dann Kurse machen, in denen Migranten die Cops auf Härte schulen. Es ist für Polizisten aber auch schwierig mit dem deeskalierenden Verhalten in anderen Situationen, angesichts der Notwendigkeit, sich Respekt zu verschaffen, in Einklang zu bringen. Die Kripo hat’s da vergleichsweise leicht, aber wir fühlen mit jedem Bereitschaftspolizisten, der sich im täglichen Gewühl den unterschiedlichsten Anforderungen stellen muss und dabei immer in Sekundenbruchteilen zu entscheiden hat, was jetzt richtig ist: Einer Drohkulisse mit Gegendruck begegnen oder die Situation deeskalieren. Manchmal weiß man erst hinterher, was richtig war oder gewesen wäre. Auch das ist das Leben, in dem wir alle Fehler machen.

Es war ein packender Nachmittag (wir haben dieses Mal zeitversetzt gucken müssen). Dass Inga und Nils etwas in den Hintergrund traten, ist okay gewesen, insbesondere Hassan-Darsteller Dar Salim hat seinen Job erstklassig gemacht. Dass er die Figur seine Gegenspielers, des Polizisten Förster, auch dadurch dominiert hat, dass seine Darstellung viel einprägsamer war, geht vollkommen in Ordnung, denn ein eindeutiger Verbrecher ist nunmal ein plakativerer Charakter als ein ehrenwerter Polizist, der in einem entscheidenden Moment Muffensausen hat und dadurch den Tod seiner Kollegin mitverursacht. Strafrechtlich ist es nicht zu verurteilen, wenn jemand sein Leben in Sicherheit bringt, aber er war im Wortsinn am Drücker. Deswegen sind wir nicht ganz so sicher, wie die Anfangssituation juristisch zu bewerten wäre – nicht so sicher jedenfalls wie Inga Lürsen, die sich in diesem Fall doch wieder positioniert.

Der Fall „Brüder“ ist nicht relevant, weil es um arabische OK-Clans geht. Es hätten irgendwelche sein können. Sondern weil es darum geht, ob der Staat in der Lage ist und es überhaupt tun soll: Eine ernsthafte Verteidigungslinie zum Schutz seiner Bürger aufzubauen. Wir haben oben unser Statement dazu abgegeben, wo wir bei heutigen Zuständen, bei denen man sich nicht mehr auf „Kleinkram“ wie jenen, von dem wir selbst bereits betroffen waren, die Grenze ziehen würden. Dort muss sie allerdings gezogen werden, sonst ist von der immer noch beachtlichen Freiheit bald nicht mehr so viel übrig und wo kein Zugriff, da möglicherweise immer stärkere Überwachung auf allen Ebenen.

Für uns ist „Brüder“ mit der beste Bremen-Tatort bisher (den legendären „Abschaum“ haben wir noch nicht rezensiert) und wir geben 9/10 (Aufwertung 2018 um 0,5).

* Auch zu dieser Rezension gehört ein Annex aus aktueller Sicht. Wir hatten seit Anfang 2014 den sogenannten Herbst der Million und in Berlin soll nun eine zentrale Koordinierungsstelle gegen Clan-Kriminalität ähnlich einer Terrorabwehr-Zentrale installiert werden, bei der alle Ämter zusammenarbeiten,  um den Clanies auf die Spur zu kommen. Man hat ausgerechnet unter einer rot-rot-grünen Regierung das Problem immerhin erkannt und einen ersten spektakulären Durchgriff gab es ebenfalls – allerdings sind die Ergebnisse noch nicht von der Justiz abgesichert.

Einschüchterung von Zeugen und Justizpersonen und solche Auftritte vor Gericht wie im Film beschrieben, gibt es tatsächlich, das wissen wir mittlerweile. Und der Respekt vor dem Rechtsstaat tendiert gegen Null. Einiges in der Rezension ist eher abwägend formuliert, wir haben aber bis auf ein paar Rechtschreib- und Stilkorrekturen nichts geändert, getreu dem Motto, die älteren Beiträge hier erst einmal im Wesentlichen „authentisch“ an unsere  heutigen Leser_innen zu vermitteln.

Selbst, wenn Mega-Razzien häufiger vorkämen –  damit ist die Gefahr nicht gebannt. Bei einem Trip durch Zentral-Neukölln am letzten Wochenende wurde mir wieder einmal bewusst, wie deutlich man Veränderungen wahrnimmt, wenn man nicht mehr jeden Tag, sondern nur noch in Abständen irgendwo unterwegs ist.

Unsere Kommunalisierungsgedanken aus dem Artikel sind aktueller denn je, vor allem wegen der Immobilienkrise, und mittlerweile haben wir eine weitere politische Forderung aufgestellt: Freigabe aller Drogen, um den illegalen Sumpf auszutrocknen. Allerdings ließe sich, sollte eine solche Notmaßnahme tatsächlich umgesetzt werden, eine weitere in der Rezension geäußerte Ansicht nicht mehr halten: Diejenige, dass der typische besitzarme Berliner Normaleinwohner nicht die Folgen der sich ausbreitenden Clan-Kriminalität zu spüren bekommt. Auch da sind wir nämlich mittlerweile zwei Strafanzeigen und einige wirklich üble Vorkommnisse auch in unserer Umgebung weiter. Und zwar, ohne dass sich das Verbrechen neue Arbeitsfelder suchen musste, weil die Drogendeals weggefallen wären.

Dieser Tatort kann nicht alles abdecken, was es zum Thema zu sagen gibt, aber seine kleinen Schwächen treten für mich heute noch mehr zurück als 2014 und daher kommt es zu einer nachträglichen Aufwertung auf 9/10 – bisher eine Ausnahme.

© 2018, 2014 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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