Streng geheimer Auftrag – Tatort 398 / Crimetime 163 // #Tatort #WDR #TatortKöln #Köln #Ballauf #Schenk #StrenggeheimerAuftrag #BND #BKA

Crimetime 163 - Titelfoto © WDR, Kerstin Stelter

Streng geheimer Auftrag: Ermitteln, was nach der Endzeit kommt.

„Endzeit Max, Endzeit. Die Frage ist: wie lange dauert sie noch, und was kommt danach?“ Und das alles nur wegen eines Sadomaso-Clubs im Erdgeschoss. Mittlerweile ist die Endzeit ja zu Ende und wir wissen, wie es weiterging. Genau wie bisher, nur etwas schlimmer. Und die Kölner sind immer noch im Einsatz. Aber erst einmal – wie war’s denn so, ein Jahr nach dem Köln-Start, also vor 20 Jahren? Das steht in der -> Rezension.

Handlung

Samstagabend auf einer Bowlingbahn irgendwo in Köln. Freddy Schenk freut sich diebisch: Der Kommissar räumt mächtig ab – im Gegensatz zu seinem Kollegen Max Ballauf. Plötzlich klingelt dessen Handy: Petra Klein, eine attraktive junge Frau, die Ballauf auf einem Empfang kennengelernt hatte, bittet ihn mit angsterfüllter Stimme in ihre Wohnung. Freddy kommt gleich mit, aber Petra öffnet nicht. Am nächsten Tag wird ihre Leiche im Rhein gefunden: Mord.

Petra Klein arbeitete in einer Firma für chemische Produkte. Wie die Kommissare nach mühsamen Recherchen herausfinden, hatte sie sich in den Besitz von Unterlagen über die Herstellung eines Nervengases gebracht, das ihr Vorgesetzter und Geliebter Jonas Reinhart im Auftrag seiner Firma für die Arabische Konföderation entwickelt.

Der Mord an Petra, der – wie die Kommissare vermuten – auf das Konto der arabischen Mittelsmänner geht, soll offensichtlich Reinhart in die Schuhe geschoben werden. Ballauf und Schenk staunen nicht schlecht, als ihre Ermittlungen massiv behindert werden – von BND und BKA. Es sieht ganz so aus, als ob man die Firma auffliegen, die Araber aber ungeschoren davonkommen lassen wolle, denn die Regierung will weder die Wirtschaftsbeziehungen noch den „kritischen Dialog“ aufs Spiel setzen. Aber Ballauf und Schenk sind keine  

Rezension

Vielleicht ist es, weil alles so Endzeit, so 18 daherkommt, in 18. Und vermutlich auch, weil der Film wirkt, als bezöge er sich auf heutige Ereignisse. Der BND, wahlweise der Verfassungsschutz, das BKA, die Araber, die Saudis, die Waffengeschäfte, die verbotenen Waffen, der Nahostkonflikt. Stammten die Bilder mit den toten Kindern aus Syrien? Nein, das war 1998 noch kein Brennpunkt. Hoffentlich waren es keine echten Kriegsaufnahmen, was wir da sekundenweise gesehen haben. Aber irgendwie sind wir eben müde geworden. Da müssen Tatorte nochmal anders inszeniert sein, um uns vom Sitz zu reißen oder reinzuziehen, zumal ja auch die Bildschirme viel flacher sind und schon daher das Reinziehen nicht mehr so mühelos funktioniert wie vor 20 Jahren.

Das Visuelle und die Musik von „Streng geheimer Auftrag“ sind schon recht modern, aber es gibt noch nicht dieses Beschleunigte, die halben Szenen, die psychedelischen Schnitte, alles wird noch hübsch nacheinander und ohne Auslassungen gefilmt. Allein das macht den Film zu Beginn ziemlich langsam, obwohl es dem üblichen Tatort-Tempo der 1990er entspricht. Also, es wirkt anfangs gemächlich und dann wird es unübersichtlich. Nicht, dass man die Zusammenhänge nicht grundsätzlich verstehen würde, aber es wirkt alles zu gepfropft und nicht richtig durcherzählt. Dass es nicht logisch ist, kommt leider hinzu und der Humor von Freddy und Max war auch schon cooler.

Der Film wirkt stellenweise etwas steif und schablonenhaft und gerade seine etwas zwanghafte Komplexität steigert dieses Gefühl. Ohne eine Schablone, mit der man alles im Griff behält, was hier verwurstet wird, wäre es ja auch nicht gegangen. Diese Filme sind von Drehbuchkonstrukteuren, nicht von Schriftstellern gescriptet. In diesem Fall durch dieselbe Person, die auch für den Dreh verantwortlich war – und der ist für die Verhältnisse der Zeit recht modern, siehe oben. Wir schrieben schon zu anderen Tatorten der frühen Köln-Phase: Irgendwo wird im Lastenheft gestanden haben, dass die Tatorte von Max und Freddy visuell gesehen einem hohen Anspruch gerecht werden sollen. Oft wurden sie das, manchmal traf das auf den Inhalt ebenso zu.

Ein Kölner Tatort hat aber regelmäßig einen weiteren Anspruch zu erfüllen: den moralischen. In der Regel geschah das über viele Jahre hinweg dadurch, dass man sich ein aktuelle soziales Thema heraussuchte, Max und Freddy als Dialektiker auftreten ließ und somit keine wesentliche Position und keinen Aspekt zu diesem Thema ausließ. Thesen-Tatort hat ein Kritiker-Kollege das genannt und es trifft den Nagel auf den Kopf.

Ein Hauch davon findet sich bereits in „Streng geheimer Auftrag“. Während Max gar nicht so recht mitbekommt, dass die Firma Korber-Chemie waffenfähiges Giftgas an Tieren testet, ist der Dr. Reinhart dem Kollegen Freddy schon deshalb unbequem. Andersherum läuft es beim unbedingten Ermittlungswillen: Dass der BND die beiden ehrlichen Kripoleute bremsen will, triggert besonders den Maxe und es war ja von Beginn an das Ding der beiden, immer weiterzumachen, egal ob ein Disziplinarverfahren, die Suspendierung, ob Liebe, Tod oder Teufel drohen.

Mehr als ihre Münchener Kollegen Batic und Leitmayr, die ja auch ein paar Jahre früher starteten, waren Freddy und Max mehr in Sachen persönliche Gerechtigkeitsmaßstäbe als rechtsstaatsorientiert unterwegs. Sie hatten auch eine andere Tradition zu verteidigen und weiterzuführen. Während die Münchener den süffisanten, aber stets korrekten Lenz beerbten, mussten Ballauf und Schenk die Gene des Schimanski und Max eigene Jugendzeit als das schwarze Schaf der Düsseldorfer Flemming-Dienststelle in der neuen Kölner Dienststelle vereinigen. Nicht so einfach war das und ein absoluter Glücksfall, dass Freddy alias Dietmar Bär ein sehr glaubwürdiger Grenzgänger war. Es fing schon damit an, dass seine Vergangenheit nicht sauber war, als die beiden einander kennenlernten und dass Max mit einem Mal der Seriösere im Team war, der seinen Kumpel immer wieder raushauen durfte. Dieses Mal fällt ja Freddy mit unpassendem Schuhwerk nur die Treppe herunter, dafür kann er besser kegeln. Zumindest, bis Max von Lissy geholfen wird. Ja, dieser Film wurde noch vor Franziska gedreht. Und begann die Tradition der Amischlitten mit diesem Film, mit dem schwarzen Cadillac Eldorado aus den 1980ern? Jedenfalls fahren sie anfangs noch einen unauffälligen E-Klasse-Kombi.

Das Finale ist ziemlich aufwendig gemacht, es kommt zu einem für damalige Verhältnisse heftigen Schusswechsel. Leider weiß man nicht, wie viele der Beteiligten dann auch sterben, sonst könnte man eventuell festhalten,  hier liegt einer der höchsten Bodycounts der ersten 28 Tatort-Jahre vor.

Finale

Gerade, weil das Thema wirkt wie vom heutigen Weltgeschehen und dem heutigen Wissen über die „Dienste“ in Deutschland inspiriert wirkt, fühlten wir uns etwas seltsam damit. Vielleicht weil der Dilettantismus, mit dem BKA und BND zu Werke gehen, so peinlich realitätsnah daherkommt, auch wenn es derzeit eher der Verfassungsschutz ist, der das Negativbild der Geheimdienste besonders prägt. Da haben die beiden braven Köln-Cops doch andere Skills. Und schon die ziehen etwas den Unmut des Zuschauers auf sich, weil sie den Film mit ihrer anfänglichen Unentschlossenheit, ob sie der Frau Klein nun Hilfe leisten wollen bzw. wann sie denn damit anfangen wollen, ziemlich dehnen. Zum Glück halten sich die Moraldiskussionen darüber, warum man sich hier unterhalb der literarischen Maximalkapazität einer guten Roman- bzw. Filmfigur bewegt hat, in Grenzen. Obwohl wir die Kölner immer noch und immer wieder gerne sehen, hielt sich auch unsere Begeisterung für den Film in Grenzen: 6,5/10. Es leben die Geschäfte, es leben die Golfstaaten. Manche Dinge ändern sich eben nie. Und die Kölner sind ja auch immer noch aktiv. Wie auch Axel Milberg, der hier den Reinhart recht gut gespielt hat – nur, dass der die Seiten gewechselt hat und in Kiel als Klaus Borowski arbeitet.

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Aus der Vorschau

Heute Abend stellte uns der WDR auf eine harte Probe. Gleich zwei Tatorte hintereinander, die wir bisher nicht rezensiert haben. Erst „Streng gheimer Auftrag“ aus dem Jahr 1998, dann geht’s ein paar Jahre rückwärts zum Tatort 277 namens „Gefährliche Freundschaft“. Der leitende Ermittler Ballauf wird dadurch wieder zum Assistent von Hauptkommissar Flemming und die Zeitreise führt uns von Köln nach Düsseldorf, also in eine ganz andere Welt. Aber erst einmal – wie war’s denn so, ein Jahr nach dem Köln-Start, also vor 20 Jahren? Das steht in der -> Rezension.

Bei den Kölnern Ballauf und Schenk haben wir nun wieder eine Lücke geschlossen, denn die ersten vier der gemeinsamen Tatorte der beiden hatten wir schon rezensiert und „Streng geheimer Auftrag“ ist die Nummer fünf, die also auch noch lebt. Die passen wir nun ein, denn „Restrisiko“, die Nr. 6, ist ebenfalls schon „abgearbeitet“.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Sattmann – Jürgen Schornagel
Dr. Reinhart – Axel Milberg
Egon Schwarz – Ueli Jäggi
Lissie – Anna Loos Petra Klein
Dr. Korber – Ludwig Boettger
Katja Giammona von Prinz – Christian Tasche

Buch und Regie – Markus Fischer
Kamera – Philippe Cordey
Szenenbild – Alexander Scherer
Musik – Markus Fritzche

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