Achtung, gefährliches Gefasel. Silvester Teil 1: der Schnellkracher // #Silvester #Feuerwerk #Silvester2018 #Böller #Polenböller #Zündschnur #Neujahr #Olympiastadion

Bald ist es wieder soweit. Die krachende Nacht von Silvester auf Neujahr nähert sich unaufhaltsam und sehr schnell. 

Das Datum steht fest, aber das heißt nicht, dass man darauf nicht variabel reagieren oder es antizipieren kann.

In den Gegenden, die ihrer Zeit immer etwas voraus sind, also auch in unserem Viertel von Berlin, wird in der Regel schon ab November dafür gesorgt, dass dieses gewisse Silvester-Feeling eintritt, das vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass man nie weiß, was als nächstes wieder Krachendes passiert. Besonders beliebt: Die verbotenen Polenböller, die, wenn man es schafft, sie auf die Balkone oder gegen die Fenster anderer Menschen zu schmeißen, gerne mal für Herzinfarkte sorgen.

Nun hat „Der Postillon“ berichtet, dass eine Firma es sich zur Aufgabe gemacht hat, ganz normale Böller in solche zu verwandeln, welche nicht nur oder überwiegend für andere gefährlich sind, sondern auch für angemessene Selbstbeteiligung der Werfenden am Ergebnis sorgt.

Diese Firma ist allerdings in Hamburg ansässig und verkauft ihre Produkte mit kurzer Zündschnur ganz offiziell in Deutschland, wo, anders als in offensichtlich von etwas schreckhaften Menschen besiedelten EU-Partnerstaaten wie den Beneluxländern oder Frankreich, unbeschränkt geböllert werden darf. Unbeschränkt? Nicht in allen Bundesländern, haben wir uns sagen lassen, in Berlin aber schon. Nicht mit Polenböllern, aber das wird ja nun nicht kontrolliert, in der Praxis, wo diese Spaßmacher herkommen und wieviel Sprengstoff sie beinhalten.

Was aber nun fehlt, ist die Kombination, die den maximalen Spaß für alle bringt. Nämlich die nur der Form nach verbotenen, also risikolos einführbaren Polenböller mit den kurzen Zündschnüren der Firma aus Hamburg zu pimpen und damit maximale Wirkung zu erreichen. Dann hätten wir auch endlich mal Freude am Gestank, am Nebel, am Krachen aus nächster Nähe, an gezielten Würfen auf Passanten oder Feuerwehrleute, die versuchen, durch Silvesterfeuerwerk ausgelöste Brände zu löschen.

Warum? Wir haben es bereits angedeutet: Die Nutzer von mit Kurzzündschnüren versehenen Polenböllern können viel dazu beitragen, dass der Silvesternachtster… spaß sich ausgeglichener gestaltet als bisher, indem sie bereitwillig Mut zeigen und wir dann immer mal wieder bewundern dürfen, wie Finger, Arme, oder Köpfe durch die Gegend fliegen und wenn wir mal von so einem Teil getroffen werden, sagen wir uns: Wo geböllert wird, fliegen Menschenteile! Dit jehört dazu.

Authentischer kann jedoch der Wohlfühl-Horror in der Geisterstunde der Silvesternacht nicht dargestellt werden. Der unschätzbare Vorteil für diejenigen, denen diese beeindruckende Performance dargeboten wird: Die Darsteller können zumindest die nunmehr fehlenden Gliedmaßen oder sonstigen Teile nicht mehr verwenden, um nächstes Jahr einfach so weiterzumachen, wodurch eine abwechslungsreiche Darstellerriege gewährleistet ist. Auf längere Sicht  ist sogar zu erwarten, dass diese Form der des künstlerischen Ausdrucks seltener, wertvoller und damit besser monetarisierbar wird.

Man könnte zum Beispiel an ein gleichzeitiges, abgestimmtes Werfen von 10.000 frisierten Polenböllern durch 10.000 Artisten auf dem Rasen des Olympiastadions denken. Sofern die Zuschauer durch Netze gut abgeschirmt werden, würde sogar wir überlegen, ob wir, um dieses Spektakel besichtigen zu dürfen, nach ca. 30 Jahren mal wieder Geld für ein Kulturevent ausgeben.

Wir grübeln schon über einen Titel für die erste große Kurzzündschnur-Polenböllershow nach: „Wir wollen euch fliegen sehen?“ „Berlin in Flammen?“ „Wie einst im totalen Krieg?“ Letzteres ist vielleicht nicht so gut. Nicht wegen längst vergessener Zeiten, in denen es nicht nur an Silvester /  Neujahr häufig krachte, sondern weil dieser Krieg ja eh immer zum Jahreswechsel stattfindet, ganz ohne Zentralversammlung der Pyromanen im Olympiastadion. Im Sommer gibt es dort übrigens die Pyronale, aber das ist eine andere Geschichte.

Haben wir schon erwähnt, dass es uns, wie in jedem unserer Beiträge, vor allem um die Soziale Stadt geht?

Vielleicht lässt sich mit der Durchführung solcher Events endlich die Wohnungsnot in Berlin in den Griff bekommen. Wenn das kein sozialer Zweck ist, für den sich möglichst alle Kracher dieser Stadt wenigstens einmal im  Jahr beteiligen, sich gemeinwohlorientiert zeigen könnten, was ist dann überhaupt noch solidarisch und menschenfreundlich?

TH

Medienspiegel 190

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