2019 – Was sagt uns die Schwindsucht der Aktienmärkte? // #HeimatNeue #DIELINKE #SPD #Grüne #CDU #FDP #Mietenwahnsinn #Mieter #MieterkämpftumdieseStadt #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #Finanzkrise #China #China2025 #EZB #FED #Baisse #Wallstreet #Niedrigzinsen #EuropäischeZentralbank #Anleihen #Aktien #Kapitalflucht #DasKapital #Verschuldung

2018-06-24 KommentarKommentar 145 / Serie „China“

Zwischen den Jahren ist es an der Zeit, mit unsere China-Serie endlich weiterzumachen. Damit die vielen Leser_innen, die inzwischen hinzugekommen sind – dankeschön dafür! – erfahren, womit wir uns von Beginn an befasst haben und warum wir versuchen, auch unser aktuelles Großthema Mietenwahnsinn immer in einem – sic! – großen Zusammenhang zu denken. Manchmal schreiben wir auch über diesen Zusammenhang.

In diesem Beitrag wirft man bei Telepolis einen Blick via Aktienmärkte auf China.

Sich nicht mit China als dem Wirtschaftsimperium der Zukunft zu befassen, ist eine ohnehin eine sträfliche Unterlassung, wir bezeichnen dieses Land, das aus naheliegenden Gründen das mit Abstand größte Potenzial weltweit aufweist, gerne als drittes Imperium. Neben den USA und neben Russland. Es gibt derzeit keine weiteren Länder mit imperialistischen Tendenzen, es sei denn, man sieht die spätkolonialistische Attitüde Frankreichs oder des UK als eine Art Kleinimperialismus oder / und die EU als Teil des US-Imperiums.

2018-09-27 WirtschaftHeute warnen wir auch nicht ausgiebig diejenigen, die China zu sehr glorifizieren und als bessere Alternative zu den traditionellen transatlantischen Strukturen ansehen, mithin den neuen Seidenstraßen ein nach unserer Ansicht zu sehr historisierend-romantisches Narrativ unterlegen. Wir waren nicht einmal sicher, ob sich der kurze Telepolis-Beitrag, mit dem wir vorsichtig wieder in die Serie „China“ einsteigen, denn in diese Serie eingliedern, denn der Rückgang an den Aktienmärken ist ja ein globales Problem und,  nebenbei bemerkt, er wird leider auf die Immobilienmärkte keineswegs beruhigende Auswirkungen haben.

So lang und komplex ist der Beitrag nicht, er eignet sich gut zum langsam Fahrt aufnehmen.

In der Tat, was hier angedeutet wird, die Ausrichtung der chinesischen Wirtschaft auf mehr Qualität, ist auch nicht neu, sondern schon im letzten Jahr als „China 2025“ ganz unverhohlen zur Strategie erklärt worden. Damit ist nicht weniger als die technologische Weltführerschaft auf den Gebieten der mobilen Kommunikation und der Künstlichen Intelligenz gemeint. Die Chancen stehen gut, dass China diese Vorwärtsflucht auch gelingt, anders als Europa.

Muss das für Europa?

Nicht unbedingt. Nachhaltigkeit und mehr ethische Wirtschaftssteuerung finde ich für unseren alten, ausgelaugten Kontinent als neue wirtschaftliche Erzählung wichtiger, als bei jedem beinahe schon postindustriellen Technologiesprung vorne zu sein. Die Verwertungsschwierigkeiten des Kapitals werden dadurch nämlich auch nicht beseitigt, aber die ethischen Probleme durch zu viel Wirtschaft 4.0 nehmen massiv zu.

Und China kann uns nur soweit dominieren, wie wir es zulassen. Das konnte man gut am Beispiel der USA sehen. Europa hat die letzte digitale Revolution verschlafen, anstatt sie auf einem mehr dem Gemeinwohl dienlichen Niveau mitzugestalten. Die Linken jammern nun darüber, dass Facebook und Twitter und Instagram die Social-Media-Landschaft dominieren, benutzen es aber wie alle anderen. Ob sie sich jetzt über die rückläufigen Aktienkurse freuen, weiß ich nicht. Ich habe mitbekommen, dass „Aufstehen“ ernsthaft eine Alternative zu Facebook zu entwickeln gedenkt. Kein Kommentar dazu, auch wenn Facebook seinen Zenit anscheinend überschritten hat. Instagram, das immer stärker wird, gehört außerdem zum selben Digital-Konzern.

China wird wohl nicht zusammenbrechen, aber es muss sich immer stärker verschulden, wenn der Staat die Konjunktur immer massiver unterstützt.

Wenn die KPCh-Führung weiterhin auf staatlich vorausberechneten BIP-Wachstumssteigerungen von jährlich 6 oder mehr Prozent besteht, ganz sicher. Die Schulden Chinas wachsen dramatischer als die irgendeines anderen weltwirtschaftlich relevanten Landes. Kürzung von Steuern und Gebühren als Konjunkturstimulans sind klassisch neoliberal. Reagonomics reloaded, aber in einem anderen wirtschaftlichen Umfeld als damals.

Apropos Reagonomics – der Crash von 1987 hat die Realwirtschaft kaum beeindruckt.

Ebenso wie das Platzen der Dotcom-Blase Ende der 1990er das nicht getan hat. Aber beides waren Hochzinsphasen, in denen das Kapital andere Anlagemöglichkeiten fand, als es aus den Aktien floh, das ist jetzt anders bis vollkommen anders. Als die ersten Internet-Konzerne die Billion-Dollar-Marke beim Aktienwert überschritten, habe ich sowieso den Kopf geschüttelt. Da wird Geld mit quasi nichts weiter als Datenaustausch gemacht und das führt zu Kursfantasie ohne Ende. Okay, Apple stellt auch noch ein paar Produkte her, aber hat auch immer mehr Probleme damit, seine Mondpreise durchzusetzen und wird in ein paar Jahren nicht mehr hip sein, das wage ich vorauszusagen. Der Genius von Steve Jobs fehlt nun einmal und die großen Innovationssprünge finden nicht mehr statt.

Das Internet der Dinge ist bisher nicht so ein Apple-Ding und es wird den Konsum insgesamt auch kaum noch steigern können. Womit auch, wenn, wie in Deutschland, die Lohnsteigerungen der  unteren Einkommensgruppen für die Mieterhöhungen, die Strompreissteigerungen und andere Steigerungen draufgehen? Fehlt nur, dass die Rohstoffpreise auch wieder kräftig anziehen. Und die oberen paar Prozent, die immer kapitalkräftiger werden, können es nicht richten, ab einem bestimmten Level steigt der Konsum kaum noch, sondern es wird mehr Kapital gebildet und das wiederum muss ja irgendwo investiert werden. Und hat’s schwer, im Moment, das so zu tun, dass einigermaßen Rendite damit erwirtschaftet werden kann.

Aus all diesen Gründen wäre eine richtige Baisse im Moment gefährlich. Immerhin gab es noch keinen schwarzen Tag. Die Weltkonjunktur ist jedoch wackeliger als Mitte der 1980er oder Ende der 1990er und die Mittel der Konjunkturpolitik, auch in Form der Geldpolitik, werden jetzt schon weit mehr ausgeschöpft als damals. Es gibt keine richtige Wirtschaftsstory mehr. Keine Fantasie. Es sei denn, die KI muss jetzt die ganze Zukunftsfantasie tragen. Und gerade in Europa, siehe oben, sollten wir dieses Spiel nur insoweit mitspielen, wie es nicht unsere Selbstbestimmung und soziale Strukturen – weiter – beschädigt. Anders ausgedrückt: Die Aussichten sind begrenzt. In China kann man den Konsum noch fördern, natürlich auf Kosten der Umwelt, bei uns kaum noch und bitte schon gar nicht quantitativ.

Wird es nicht doch in der Folge der sinkender Aktienkurse dieses Mal auch zu einer Korrektur weiterer Märkte und der Realwirtschaft kommen?

Einige erwarten für 2019 den Ausbruch der von der EZB und weiteren Playern verschleppten nächsten, härteren Finanzkrise. Auf Crash spielen ist aber keine Lösung. Bei den Aktienmärkten hätte man dieses Jahr nach dem alten Spruch „Sell in May and go away“ handeln können und wäre gut gefahren, aber aus der Realwirtschaft kann man nicht einfach aussteigen.

Wir brauchen eine Veränderung, aber nicht in der Form, dass ein Crash wieder vor allem die Armen trifft. Was die Reichen an Vermögen in solchen Baisse-Situationen verlieren, merken sie im Alltag gar nicht, aber wenn die Arbeitslosigkeit steigt, wenn die Steuereinnahmen sinken, könnte es schnell wieder vorbei sein mit den kleinen Lockerungen des strikten Spardiktats, die wir in Deutschland gerade sehen.

Der Markt ist eben zyklisch, stellen die Neoliberalen scheinheilig fest und reiben sich die Hände, weil in den letzten Jahrzehnten jede Abwärtsphase dafür gesorgt hat, dass die meisten Menschen nachher rechtlich und vermögensseitig schwächer dastanden als zuvor. Kann man glauben, dass ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland per Saldo kaum noch privates Vermögen besitzt? Es ist aber so, das errechnete Medianvermögen von lächerlichen knapp 50.000 Euro pro Person – laut OECD – spricht eine klare Sprache. Dieses System geht auf immer dünnerem Eis, aber sein Zusammenbruch anstatt einer sinnvollen, von der Politik endlich aktiv gestalteten Konversion wäre furchtbar  für die Mehrheit.

Und natürlich würde es dann auch China, die mit Abstand größte Exportmacht der Welt, treffen, obwohl der Binnenmarkt so groß ist und noch viel Potenzial aufweist, wie im Beitrag richtig angeführt wird – wenn man ihn ungehindert und ohne Rücksicht auf die Ökologie weiter wachsen lässt.

Untenstehend unsere bisherigen Beiträge zur China-Serie.

Der sich vertiefende Leser wird bemerken, dass sie ziemlich genau mit dem Beginn der Berichterstattung zum Thema Mietenwahnsinn endete, obwohl es über China unendlich viel zu berichten gibt. Unser Ziel für 2019: Wieder mindestens einen Beitrag pro Woche für diese Serie zu verfassen.

„Der Volksfeind“ – Zensur der Berliner Schaubühne in China
So groß und so klein ist China
Werden die Chinesen neue Menschen? (Die Zeit, 1956)
Mission: Chinesen abwehren – Bundesregierung will Außenwirtschaftsverordnung verschärfen (Junge Welt)
China, der nächste Schritt: Macht über die Rohstoffpreise
Ein Schiff wird kommen – Piräus, der chinesische Ankerplatz in Europa
China 2020 = 1984
Trump bringt die europäisch-chinesischen Beziehungen voran 
Startcamp für nachhaltigen Konsum mit China als Team „Rot“
China: Höher, weiter, schneller (DIE ZEIT) – Grunddaten zu China
Cina: Das Ziel ist die Welt (DIE ZEIT)
So abhängig sind die Autohersteller von China (FAZ)
China bekommt Handelsstreit zu spüren (OnVista)
USA haben größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte eingeleitet (mm)
Hongkong protestiert (ARD) – Einstieg ins Thema „China als neues Imperium“

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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