„Weltweite Umfrage zu Bedrohungen: Klimaerwärmung ist größte Sorge“ (Telepolis) – Selbstermächtigung statt sich Sorgen machen // #Klima #FridaysforFuture #Klimawandel #USA #China #Russland #Geopolitik #Ökologie #Mietenwahnsinn #Self #Empowerment

2018-11-12 Umwelt und KlimaGerade kam ein Telepolis-Beitrag, der über eine groß angelegte Umfrage in 26 Ländern berichtet. Was erachten die Menschen als die größte aktuelle Bedrohung, als wie bedrohlich empfinden sie die großen Länder USA, Russland, China?

Die Umfrage endete im August 2018, mitten im Supersommer.  Gegenüber der fünf Jahre zuvor durchgeführten Umfrage hat sich in vielen Ländern ein stärkeres Bewusstsein für die Klimakatastrophe herausgebildet, 67% entgegen 53% sehen sie als die größte Bedrohung an, in zehn von 26 Ländern wird sie als größte Bedrohung überhaut angesehen, dies sind Kanada Deutschland Spanien Schweden Großbritannien Mexiko Argentinien Brasilien Kenia Südkorea und auch in Australien ist das Klima knapp die Nummer Eins unter den Problemen.

Gleichzeitig wurde danach gefragt, welches der großen Länder die größte Bedrohung darstellt. Dabei wurden insgesamt die USA vor Russland und China gesehen, letztere etwa gleichauf.

Wer unsere China-Serie kennt, die wir bald wieder aufnehmen würden, wenn wir mal Zeit von #Mietenwahnsinn abziehen könnten, weiß, dass wir das ein bisschen anders sehen.

Natürlich sind in die USA aufgrund ihrer Möglichkeiten die größere Bedrohung, wenn man es geostrategisch-militärisch anschaut. Vor allem gilt dies im Vergleich zu Russland. Aber wie immer man zu den imperialistischen Kriegen der USA steht, man kann die dortige Mentalität von unserer Sicht doch entschlüsseln und viele gewiefte Verschwörungstheoretiker arbeiten daran Tag und Nacht, sie uns mit all ihrer Abgründigkeit zu erklären.

Fast blind sind ebenjene aber China gegenüber. Das ist nicht so erstaunlich, denn China kennen die meisten zu wenig und das, was nach außen dringt, erfordert komplexes Denken im ökonomischen Bereich, um zu einer sachgerechten Bewertung zu führen, das können militärisch orientierte Geostrategen oftmals erstaunlich schlecht, obwohl beides doch zusammen zu betrachten ist. Imperialismus hat unterschiedliche, nicht immer gleichermaßen offene und aggressive Gesichter wie das von Donald Trump, doch der Imperialismus ist nicht amorph und lässt sich auf wenige Prinzipien zurückführen, deren Umsetzung in die Realität mit unterschiedlichen Mitteln möglich ist und in der atomar aufgerüsteten Welt sein muss.

Wir halten China aufgrund seiner Größe und seiner abweichenden Mentalität, die wirtschaftliche Durchgriffe ohne größere Rücksichten auf die eigene Bevölkerung oder konkurrierende Nationen ermöglicht, für die größere Bedrohung gegenüber allen anderen Ländern, denn die militärische Macht folgt immer der wirtschaftlichen. Deswegen sind wir auch gegenüber Russland relativ unbesorgt. Nicht, dass Freund Wladimir Putin ein institutioneller Anti-Imperialist wäre, aber er weiß, dass er die Kräfte seines Landes nicht überspannen darf.

Dass in Deutschland die chinesische Gefahr im Bereich der Wirtschaft nicht besonders hoch eingeschätzt wird, verwundert nicht. Sehen sich doch insgesamt nur 23 % der Deutschen als wirtschaftlich gefährdet an, nicht einmal halb so viele wie bei den französischen Nachbarn, denen es, vom durchschnittlichen Privatvermögen aus gesehen, besser geht, die also dicker gepolstert sind als die Menschen in Deutschland. Offizielle Arbeitslosenzahlen verfälschen das Bild vom allgemeinen Wohlstand erheblich bzw. sagen darüber wenig aus.

Die Naivität der allermeisten Deutschen bezüglich wirtschaftlicher Zusammenhänge  ist ohnehin bedenklich, deswegen sollte man hierzulande das Wirtschaften vielleicht doch besser denen überlassen die etwas davon verstehen und nicht den eher gesellschaftspolitisch argumentierenden Journalisten oder gar den Politiker_innen, die dazu neigen, all dies sehr ausschnittsweise zu betrachten. Wir müssen nicht erst auf die seltsamen Wendungen der Berliner Wirtschaftspolitik schauen, um dies festhalten zu können.

Bleiben wir aber bei dem, was in den Umfragen betrachtet wird. Wir stimmen zu, das Klima betreffend, wenngleich wir als Berliner das Thema Wohnen, das hier gar nicht auf der Tagesordnung stand, mindestens ebenso hoch einschätzen und, wie wir seit gestern wissen, macht die Sorge darum Menschen sogar krank. Der RBB hatte es gestern in der Abendschau vermeldet, also stimmt es.

Wir sollten uns nicht politisch bedroht fühlen aus dem Ausland, auch nicht vom Terrorismus. Wohl aber ein Auge darauf haben, dass wir uns rechtzeitig absetzen, wenn es ums nachhaltige Wirtschaften für die Zukunft geht: Wir werden in vielen Bereichen nicht mit China mithalten können und daher einen anderen, einen eigenen, naturnahen Weg gehen müssen. Das ist eine Konsequenz, die aus all diesen Problemstellungen folgt: Umwelt, Klima, auf Dauer nicht durchführbare Wirtschaftskonkurrenz mit China und weiteren Ländern anderer Größenordnung.

Dafür ist ganz Europa zu klein und nicht willig genug, einer zweifelhaften Technikgläubigkeit und Überwachungsnaivität zu frönen. Das ist gut so. Das kann uns frei machen für die wichtigen, werthaltigen Dinge. Für die Kämpfe, die wir führen müssen, um uns vom Diktat der Ökonomie ein wenig abzusetzen und dadurch dem enormen Druck der Globalisierung einen anderen Entwurf gegenüberzustellen. Niemand muss deswegen hungern, aber hier und jetzt fängt es an: Der Kampf um die Städte ist der erste Prüfstein dafür, ob wir bereit sind, uns der verderblichen kapitalistischen Spirale mit einem Schuss Mut zum Self Empowerment entgegenzustellen und dabei ökologische Grundanforderungen einzuhalten.

Es gibt also keinen Grund, besorgt zu sein, denn mehr tun, als uns selbst richtig zu verhalten, das können wir ohnehin nicht, und wenn andere dazu nicht bereit sind und immer dieselben Kapitalismusfehler wiederholen wollen, die aus unermesslicher Gier geboren wurden, dann ist das deren Sache.

Aufgrund des gigantischen Drecks, der dabei erzeugt wird, ist es natürlich auch unsere Sache, aber wir haben nicht den Einfluss, andere zu ändern, sondern nur uns selbst.

Vielleicht ist das, was dabei herauskommt, ja attraktiv für die anderen, wenn sie im eigenen Müll ersticken und in der selbstgemachten Klimakatastrophe untergehen. Vielleicht schauen sie dann doch auf uns. Leider müssen wir, wie es im Moment aussieht, der Reihe nach vorgehen: Erst die Existenz in den Städten sichern, denen, die uns zerstören wollen, die Stirn bieten, dabei nicht alte Fehler wiederholen und dann auf andere Felder ausgreifen.

Prototypisch ist vor allem das Partizipative an diesem Prozess, ein PPP, wenn man so möchte, das aber gerade nichts mit den berüchtigten Public Private Partnerships zu tun hat, sondern die Blaupause für die Machtverschiebung darstellt, die wir auf allen Gebieten zulasten des Kapitals organisieren müssen, wenn wir alle eine Zukunftschance haben wollen. Sich seiner zerstörerischen Logik verweigern und dabei zu bemerken, dass das, was jeder von uns dabei tut, eine grundsätzliche Bedeutung hat, ist der erste Schritt in die wirkliche Freiheit und die fängt in den eigenen vier Wänden an. So sehr also die gegenwärtige Politik, die wir in der Stadt sehen, ein Witz ist, einst Verhökerung riesiger Assets, jetzt Reparaturversuche auf Mikro-Ebene,  so proben wir als Akteure und Partner in dieser Politik doch Verhaltensweisen, die wir weiterentwickeln und auf verschiedene Wirtschafts- und Lebensgebiete übertragen können.

Es gibt also tatsächlich keinen Grund, besorgt zu sein. Es gibt nur viele Gründe, es anzugehen und uns zu wehren gegen jede Katastrophe, mit der man uns bedrohen und mundtot machen will. Wir sehen die #FridaysforFuture deshalb nicht getrennt beispielsweise von der Mieterbewegung, sondern als Ausdruck von: Wir wollen uns nicht mehr beugen. Wir streiken und bleiben weg von der Schule und wir besetzen unsere Häuser, wir sind ungehorsam und wir haben jedes Recht dazu, weil man uns hier und an unserem Lebensort oder auf der ganzen Erde unsere Existenz nehmen will. Wir sind in Notwehr und wenn wir diese eine Zeit lang ausgeübt haben, werden wir auch merken: Es gibt keine gefährlichen Feinde von außen, wenn man sich nicht den brutalen Regeln beugt, die von allzu Reichen gemacht und von ihnen für gültig erklärt werden.

Wenn 2023 die nächste Umfrage dieser Art läuft, dann möchten wir sehen, dass die Menschen insgesamt weniger Angst haben, weil sie wieder ein Stück mehr gelernt haben, sich zu wehren und zusammenzuschließen gegen eine kleine Minderheit, deren Interessen der Welt so sehr schaden, dass man sich doch nur fragen kann, wie es kommen konnte, dass die Mehrheit dies alles akzeptiert hat. Natürlich wissen wir es: Ohnmacht ohne Chance einerseits in weiten Teilen der Welt und bei uns selbst gewählte Ohnmacht, weil wir falsche Versprechungen zu Leitsätzen unseres Lebens gemacht haben. Wir können das auch wieder ändern. Die Zeiten bieten sich dafür an.

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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